ob in solchen Zeiten doch die Leute, die an den lebendigen Gott glauben und sich Ihm anvertrauen, einen Vorzug hätten, und er war etwas beunruhigt.
Doch nach etlichen Wochen kamen so viele Siegesnachrichten aus dem Westen, und Peter Stein war wieder sicherer. Doch da geschieht etwas.
Die Briefe seines eigenen Sohnes verändern sich so. Im ersten Briefe schreibt er: „Gott möge uns zum Siege helfen!"
Im zweiten Briefe: „Es mußte etwas kommen, denn in unserem Lande dachte man zuwenig an Gott."
Im dritten Brief: „Batcr, die christlichen Blätter, wie Webers sie immer verteilen, bekommen wir auch hier im Schützengraben, und wir haben doch unrecht getan, daß wir sie zu Hause nie lasen. Ich freue mich jetzt jedesmal, wenn die neuen Blätter kommen, und o, wenn wir doch alle mit Gott in Ordnung wären!"
Im vierten Brief: „Vater, wir haben fürchterliche Tage hinter uns. Unter diesem Kugelregen glaubte man jeden Augenblick totgeschlagen zu werden. Aber wie bin ich Gott dankbar! Ich prüfte gründlich mein Leben, und da erkannte ich meine Sünden, die sich wie Berge vor mir auftürmten. Ich Ins darauf in dem Neuen Testament, welches mir vor meiner Abreise der Nachbar Weber einge- steckt hatte, und fand in 1 Kor. 15, 3, daß Christus gestorben ist für unsere Sünden. Ich betete ernstlich, und Gott gab mir Gnade. Ich wurde überzeugt, daß ich im Vertrauen auf Jesu Blut und Opfer Vergebung aller meiner Sünden habe.
Daun, Vater, ist eine so herrliche Stelle irgend- wo im Alten Testament, ich weiß nicht wo, aber da steht: »Er ist um unserer Missetat willen verwundet u»d um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Llrafe liegt auf Ihm.« Damit ist Jesus gemeint. Schicke doch meine kleine Schwester Erna sofort zu Webers und laß fragen, wo diese schone Stelle steht, und dann holt uusereBckcl hervor und lest das einmal."
Der Rat des Sohnes wurde sofort befolgt. Erna hörte bei Webers,daß die angeführte Stelle Jes. 53 stand, und zum erstenmal seit der Schulzeit las der Vater in der Bibel.
Was mit Peter Stein weiter wurde, können wir nicht sagen.
Aber du, Vater, Mutter, Jüngling, Jungfrau, der d» dieses liest, bist du mit Gott in Ordnung? Hast du e>>>e Zeit durchlebt, in welcher du dich als verlorenerSün-
der zu dem gekreuzigtenHeiland und Erlöser gewandt hast?
Erwache!
Ein junger Reserveoffizier, welcher im Westen fiel, schrieb drei Tage vor seinem Tode an seine Eltern folgende Worte: „. . . wenn wir auch auf dem Felde bleiben, wenn nur Ihr nach dem Kriege ein starkes, gesichertes Vaterland habt, in dem Ihr ! ausbauen könnt und schaffen, daß ein starkes, glaubenstreues und gottesfürchtiges Volk
werde. Es ist herrlich, für einen solchen Preis zu sterben! Darum betet: nicht, daß der Krieg rasch zu Ende gehe, nicht, daß ich gesund wiederkvmuie, sondern, daß das viele Blut nicht unnütz fließe, das; ein geistiges Erwachen über unser geliebtes deutsches Volk komme." Dieser edle, gottesfürchtige Jüngling verstand, daß der plötzlich über Deutschland hereingebrocheue Weltkrieg ein Ruf Gottes an unser Volk ist zum geistigen Erwachen.
Aber hat denn das deutsche Volk geschlafen, oder >var es betäubt? Dies Volk, welches auf des Kaisers Ruf wie ein Löwe aufsprang, um sich kriegsgerüstet auf die Feinde im Westen und Osten zu iverfen? Dies Volk, welches auf dem Gebiet des Handels, der Industrie, des Verkehrs der Feinde Neid und Furcht erweckte? Dies Volk, welches in vierzig Jahren den Ertrag seines Ackers mehr als ver- doppelte und zugleich in Technik, Kunst und Wissen- schaft die Führung unter den Völkern gewann? Sicherlich, auf allen diesen Gebieten hat Deutschland nicht geschlafen, sondern gearbeitet. Dennoch lag unser Volk in einer tiefen Betäubung, es atmete die Giftluft der Gottesleuguung, des Unglaubens. Wir ließen uns von einem großen Dieb, Mörder und Betrüger die kostbaren Güter der Gottesfurcht, des Gebetes, der Gewissenhaftigkeit aus dem Herzen stehlen. Ein großer Teil unseies Volkes wurde be- raubt der Wahrheit und des Trostes des Evangeliums, der Zucht und guten Sitte. Viele rechneten nicht mehr mit Gott und Ewigkeit, viele verloren die Begriffe über Sünde und Gnade, über Schuld und Vergebung. Sie wurden beraubt aller der Lebens- und Siegeskräste, welche vom Kreuze von Golgatha, aus den Todeswunden des Sohnes Gottes, in diese hoffnungslose, sterbende Sünderwelt fließen.
In die Betäubung dieses trügerischen Wahnes schlug der Donner des Krieges ein — ganz Deutschland weiß: Es geht um Sein oder Nichtsein in diesem Kampfe. Umcr diesen ge- wattigen Eindrücken kamen viele zu dem Bewußtsein, daß Gottesfurcht und Gottvertraiien, Glaube, Gebet und Ewigkeitshoffnung dock wirkliche Güter sind, Besitztümer, des Besitzens wert — vor allem in solcher Zeit! Die Menschen, welche durch den lebendigen Glauben an den lebendigen Heiland diese Güter besitzen, werden nicht mehr wie zuvor so oft um ihres Glaubens willen geringgeachtet und für töricht angesehen, sondern viele Herzen und Augen wurden aufgetan, um zu merken: Da ist ein Fels der Zuflucht! Da ist Gewißheit in aller Ungewißheit dieses Lebens! Mancher fing an zu erwachen. Bist du erwacht?
Dies meint das Wort Gottes mit dem Zuruf: „Wache auf, der du schläfst, und stehe auf aus den Tote», und der Christus wird dir leuchten." Laß dich fragen: Handelt es sich für dich und mich nur um die Zukunft des deutschen Vaterlandes, für welches wir alle freudig, unser Leben, Gut und Blut


