fast die Versammlung ein wenig störend, sagte er: „Grete, wenn das alles wahr ist, dann bin ich ja gerettet, und es ist wahr, ich bin ein Sünder, aber durch Jesu Blut erkauft."
Diese kurze uud klare Bekehrung des „alten Michel", wie er gewöhnlich im Munde der Dorf- bewohner genannt wurde, war am anderen Tage schnell durch das Dorf verbreitet, und als der Freund Jakob es erfahren hatte, machte er sich sogleich zu ihm hin. Was der biedere, alte Michel nun erzählte, wie sich seine Sprache so verändert hatte und wie er nun schon die Gnade und Barmherzigkeit Gottes rühmte, ja, wie er sogar von dem Blute Jesu sprach, da schwand allmählich das Lächeln von dem Gesicht des Jakob, er entfernte sich, und eine kurze Zeit suchte er dann jeder Unterhaltung mit seinem Nachbarn auszuweichen.
Doch so war die Sache unerträglich für Jakob. Seine Frau war zur Gewißheit der Vergebung ihrer Sünden gekommen, Michel, sein alter Freund, und dessen Frau bekehrt, waren die denn nun alle nicht mehr ganz klar im Kopfe, oder war er selbst nicht klar, das waren Gedanken, die ihn immer beschäftigten. Jetzt begann Jakob damit, die Bibel zu lesen — doch wie war alles so fremd und unverständlich ■—, er las christliche Blätter, ja, auch er entschloß sich, die Versammlungen zu besuchen. Nicht so leicht und nicht so schnell als sein Freund fand der Jakob Frieden. Es dauerte eine geraume Zeit, bis sich Jakob einmal wirklich als verlorener Sünder erkannte Lange Zeit hat e^ stets, wenn von Sünden geredet wurde, gesagt: „Ja, Sünder sind alle Menschen," aber die Tiefen seiner Schuld hatte er noch nicht erkannt. Als er aber dann allmählich von seiner Sünde überzeugt wurde, da wurde ihm auch die Bibel ein neues Buch, da freute er sich über jeden Vers, welcher von dem Opfertod des HErrn Jesu handelte, aber noch wagte er nicht das Werk des HErrn Jesu zu seiner eigenen Grundlage zu machen.
Doch wie der Vater im Himmel keinen suchenden Sünder vergeblich suchen läßt, so fand auch Jakob Frieden im Vertrauen aus das Blut Jesu. Von jetzt ab bestand zwischen den beiden alten Freunden nicht nur Freundschaft, sondern wahre, herzliche, gesegnete Gemeinschaft, die beiden in ihrem inneren Wachstum sehr fördernd war.
Hast du auch diesen Frieden mit Gott, Vergebung deiner Sünden? O. D.
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Erlebnisse eines Offiziers.
Major D. fühlte sich veranlaßt, sein Herz von einem Arzt untersuchen zu lassen. Nach eingehender Prüfung zögerte der Arzt ein wenig und machte dann unwesentliche Äußerungen. Da das der Major
merkte, sagte er: „Ich habe schon in mancher Schlacht mit dem Tode gerechnet, aber Todesfurcht hatte ich nie. Daher sagen Sie mir, Herr Doktor, die ganze Wahrheit."
Hierauf antwortete der Arzt: „Ich kann freilich nicht ins Herz schauen; auch weiß ich, daß viele meiner vorsichtigsten Kollegen sich verrechnet haben; aber nach meinem Dafürhalten ist es ein sehr ernster Fall, und ich möchte Ihnen raten, Ihre Angelegenheiten zu ordnen "
Der Offizier wußte nun genug; das hatte er bereits geahnt. Festen Schrittes ging er nach Hause. Seine Brust war mit Auszeichnungen geschmückt. Das bewies, daß er ein Held war. Doch stiegen in ihm eigenartige Gefühle auf. Sollte das Furcht sein, Furcht vor dem Tode? Nein, das wollte er nicht zugeben, so wollte er es nicht nennen; jedenfalls kämpfte er mutig dagegen.
Er war ein Freund der Geselligkeit. Am Abend jenes bedeutungsvollen Tages sollte er zum Konzert gehen. Er hatte sich darauf gefreut. Aber des Arztes Worte:
„Ordnen Sie Ihre Angelegenheiten!"
beunruhigten ihn so sehr, daß er auf die Gesellschaft verzichtete und zu Hause blieb.
Es war still um ihn, aber nicht in ihm. Er dachte an seine Vergangenheit. Mit gutem Gewissen konnte er sagen, er habe seinem König und Vaterlande seine besten Kräfte c, "eiht, er habe voll und ganz feine Pflicht getan. Aber eine Frage tauchte immer wieder störend auf: „Wie stehst du zu dem König aller Könige, zu deinem Gott? Hast du Seine Befehle beachtet, Sein Reich gefördert?" Die Frage konnte er nicht beantworten. So gern, wie er seine irdischen Sachen geregelt hatte, hätte er auch diese Angelegenheit geordnet. Er wußte jedoch nicht wie.
Vor vier Jahren war seine Gattin gestorben. Seitdem war er in keinem Gotteshause gewesen. Er entbehrte es auch nicht. Jetzt aber sehnte er sich nach demselben. Er ging zur Kirche. Die Musik war herrlich, der Chorgesang wunderschön. Die Predigt war formvollendet; aber sie gab seiner Seele weder Licht noch Trost. Zu Hause angekommen, nahm er die Zeitung und las, um seine Gedanken zu zerstreuen. Im Anzeigenteil sah er eine Ein- ladung zu einer religiösen Versammlung. Er ent- schloß sich, in Zivil hinzugehen.
Der große Raum war voll von Leuten. Der schnelle Gesang und die feurige Rede sagten ihm zuerst nicht zu, doch ergriffen sie sein Herz.
Ein ehrwürdig aussehender Mann — Baurat Wagner —, der für Wahrheitssucher ein offenes Auge und ein warmes Herz hatte, bemerkte den tiefen Ernst in des Offiziers Antlitz. Am Schluffe der Versammlung schloß er sich letzterem an und ging mit ihm aus dem Saale. Nach einigen einleitenden


