Ausgabe 
27.6.1915
 
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Gemein$cbaft$blatt für dessen.

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«erlag der Buchhandlung der Pilgermission Kietze».

Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Predigerd. Pilgermission. Druck v. I. G Oncken Rachf., G. m. b. H., Cassel.

Nr. 26.

Sonntag, den 27. Juni 1915.

8. Jahrg.

Waemi und Ruth.

Die alternde Naemi entschließt sich nach dem Tode ihres Mannes und ihrer beiden Söhne, wieder nach Bethlehem, ihrer Heiniat, zurückzukehren. Ihre beiden Schwiegertöchter Ruth und Orpa wollten sie begleiten. Unterwegs fordert nach einiger Zeit Naemi dieselben auf, wieder in ihr Land und in ihr Vater­haus zurückzukehren.

Nach einigem Drängen nimmt Orpa innigen Abschied von ihrer Schwiegermutter Naemi und wendet sich wieder dem Lande Moab zu.

Nicht so Ruth. Sie spricht ihren Entschluß in den Worten aus:

Rede mir nicht ein, daß ich dich verlassen sollte und von dir umkehren.

Woduhingehst, da will ich auch hin­gehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.

Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ift mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HErr tue mir dies und das, der Tod muß mich und dich scheiden." So folgt Ruth ihrer Schwiegeimutter nach in die Fremde, und die Fremde ist ihr zur Heimat geworden; sie folgt ihr in die Armut, und sie ist reich geworden. Gott hat ihre Kindesliebe und ihren Glauben geehrt und schon hienieden reichlich belohnt. Er hat über Bitten und Verstehen an ihr getan und sie ge- würdigt, in den Stammbaum einzutreten, aus dem der König David und sogar Jesus Christus hervor- gegangen ist.

Der feste Entschluß der Ruth, mit der Naemi in deren Land zu gehen, hatte seinen Grund im Vertrauen auf den lebendigen Gott Israels. Schon in der Moabiter Land hatte Ruth Vertrauen zu Gott, und dies Vertrauen brachte ihren Entschluß hervor.

Du, teurer Leser, glaubst, daß ein lebendiger, allmächtiger, allwissender Gott im Himmel ist. Du

bist überzeugt, daß deine Werke nicht rein sind in Seinem Lichte, daß du vor Ihm nicht be- stehen kannst. Vielleicht glaubst du auch, daß Gottes Sohn als Heiland der Welt erschienen und am Kreuze auf Golgatha für die Gottlosen und Sünder gestorben ist. Und doch, du hast noch nicht Frieden mit Gott, bist noch nicht bekehrt. Weshalb nicht?

Du hast noch nicht einen Entschluß zur Herzensübergabe an Gott gefaßt.

Ruth war ent- schlossen, mit Naemi zu gehen. Zachäus, der Ober- Zöllner, war entschlossen, Jesum zu sehen. Der der- lorcne Sohn war entschlossen, sich aufzumachen und zu seinem Vater zu gehen.

Dieser Entschluß hat bei dir bis heute gefehlt. Willst du ihn nicht jetzt fassen?

Willst du dich nicht jetzt vor Gott beugen und Ihm sagen, daß du um jeden Preis errettet werden möchtest? Willst du nicht um deiner Seele Seligkeit willen ein wenig Spott und Schmach auf dich nehmen und mit deinem bisherigen Leben einen Bruch machen?

Es gibt Entscheidungstage in jedem Menschen­leben, Tage und Stunden, wo der oft gerufene

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