Ausgabe 
30.5.1915
 
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Leiden und Sterben unseres Heilandes Jesu Christi uns den Himmel und das Paradies auf­geschlossen hat, daß die Seligkeit ein freies Gnaden­geschenk Gottes ist an alle Menschen, die erkennen, daß sie sich das ewige Leben nicht verdienen können. Was ist da wichtiger für dich, mein lieber Kamerad, als daß du vor der Schlacht dir gewiß bist darüber, daß auch du die gelvisse Hoffnung des ewigen Lebens haben mutzt, um getrost und fried- voll zu sterben, wenn es sein muß!

___ Nicht der Leichtsinn führt gut durch das dunk^ -rodestal. Nicht der Heldenmut genügt, um d>e Gefilde der Ewigkeit zu betreten. Siehe, du mußt wissen, daß du mit Gott den Tod und seine Schrecken überwinden kannst. Du mußt mit dem Glaubens- blick auf den Gekreuzigten sprechen können: O Tod, I wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Jesu herrliches Wort muß fest in dein Herz gegraben sein: j Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an j! llNich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe, > und wer da lebt und glaubt an Mich, der wird nimmermehr sterben!" Siehe da, welche großartige Lebensversicherung! Welche wunderbare Perspektive auch über den Abgrund des Todes hinüber! Welche Freudigkeit selbst im Todei Es ist gar nicht nötig, daß du dich in diese großen Lebensgedanken erst i hineinarbeitest. Ergreife sie im Glauben, und sie sind dem. Nimm die Erlösung an, so durch Christum geschehen ist, und du bist getröstet. Tröste dich mit den Verheißungen Jesu, und du bist erlöst. Wer an Ihn glaubt, der kommt auch nicht ins Gericht. Das Gericht ist es, was so vielen Menschen Mi Sterben schwer macht. Wenn ich aber weiß, daß mein Name aus der Liste der Verurteilten ge­strichen ist, dann kan» ich dem Gericht ruhig ent- i gegeusehen. Wenn mein Schuldbrief zerrissen ist und durch die große Rechnung meiner Sünden der rote strich des Blutes Jesu führt, so schrecken sie mich nicht mehr.

Manche Soldaten tragen einen sogenannten | Talisman bei sich, der sie unverwundbar machen ! | soll. Das ist törichter Aberglaube. Wie Gott es bestimmt hat, so kommt es, da hilft kein Talisman. Aber das ist ein Talisman, wenn ich weiß, ich bin bei Gott in Gnaden und kann jederzeit sterben. Mit Gott kann ich des Todes Bitterkeit überwinden. Mit Gott kann ich durch das dunkle Tal wandern. Gestützt auf Jesu Blut, darf ich eingehcn in das himmlische Vaterhaus. E. Schreiner.

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Zn einem Aeldkazarett.

Als einst ein»' von den Diakonissen die weiten Säle im Lazarett zu S. durchschritt, in denen die j vielen Kranken und Sterbenden lagen, fiel ihr Blick >

! auf die schönen Gesichtszüge eines Soldaten, dessen letztes Stüudleiu nahe zu sein schien. Wiederholt, aber immer vergeblich, versuchte sie, ein paar Worte von ihm zu erlangen; er blieb unbeweglich und stumm auf seinem Bette liegen.

Aber bald darauf brach er doch das Schweigen. Mit stockenden Worten und ängstlich bewegtem Blick bat er die Schwester, sie möchte ihm auf eine Frage, die ihn quäle, Antwort geben.Was ist es?" sagte sie voll Teilnahme zu ihm, glücklich, daß sic ihm nützlich sein könnte.Ich möchte wissen, ob ein Mensch gewiß sein kann, daß Gott ihm alle seine Sünden vergeben hat."

Die Schwester fühlte ein leises Zittern, sie hatte sich diese Frage eigentlich noch niemals selber vor- gelegt und wußte im Augenblick nicht, was sie diesem zum Tode Verwundeten, der sie mit forschender Angst ansah, antworten sollte. Sie fühlte, daß sie dieser Frage nicht ausweichen durfte, aber daß sie dieser unruhigen Seele auch Worte bieten müßte, die von Gott selbst kämen. Darum zog sie sich in ihr Stübchen zurück und nahm in den freien Stunden ihre Bibel und suchte und forschte, um gewissen­haft nach der verlangten und richtigen Antwort zu suchen.

Es ward ihr nicht schwer, sie zu finden; fast jede Seite schien ihr die gesuchte Erklärung zu enthalten.

Ich schreibe euch," sagt der Apostel Jo­hannes,denn die Sünden find euch vergeben um Seines (d. h. um Jesu) Namens willen." 0 Joh. 2, 12.)So wir unsere Sündeil be­kennen, so ist Er treu und gerecht, dah Er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von oller Ungerechtigkeit " (1 Joh. 1, 9.) Und der Apostel Paulus schreibt:In Ihm sin Jesu Christo) haben wir die Erlösung durch Sein Blut, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum Seiner Gnade." Ferner:Aus Gnade seid ihr errettet worden durch den Glauben, und dasselbe nicht ans euch, Gottes Gabe ist es." Erhat euch vergeben in Christo". (Eph. 1, 7; 2, 8. 9; 4, 32.)

Sonderbar, dachte sie, daß ich diese ernste Frage nie untersucht und erforscht habe. Ich hoffte, Gott würde mir vergeben und mich einmal retten, aber ich meinte, es wäre nur stolz und anmaßend, zu glauben, daß man seines Heiles gewiß sei. Aber eine ganze Reihe von Beispielen für diese Tatsache drängte sich ihr nunmehr auf: Der Gichtbrüchige. Ihm sagte Jesus:Sei getrost, Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben." (Matth. 9, 2.) Die Sünderin, die des Heilandes Füße mit ihren Tränen netzte. Sie hörte von Seinen Lippen die Erklärung: Dir sind deine Sünden vergeben, dein Glaube hat dich gerettet, gehe hin in Frieden!" (Luk. 7, 4850.) Der neben Jesu gekreuzigte Schächer. Er empfing vom HErrn die