Ausgabe 
30.5.1915
 
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Doch zu spät ivird's sein.

Schnöder Sünder, hast's vergessen, '

Wer einst klopfte, wer?

Er, der einst um dich geworben,

Kennt dich dann nicht mehrl"

O. D.

Aer gefürchtete Soldat.

Im Anfang des vorigen Jahrhunderts, als Napoleon I. Deutschland mit seinen Heeresmassen überschwemmte, geschah es eines Tages, daß ein Regiment in einem großen Dorf einquartiert wurde. Alle Bürger mußten, ob gern oder ungern, einen oder mehrere der Feinde des Landes bei sich auf­nehmen. Daß unter diesen sich manche befanden, die durchaus nicht vertrauenerweckend aussahen, läßt sich denken. So erhielt einer der Dorfbewohner einen Soldaten als Gast, der so groß und stark war und dabei so rauh und gewalttätig aussah, daß jener vor Schrecken zur Kommandantur des Regiments eilte und bat, man möchte ihm lieber statt dieses einen Mannes zwei andere geben, die einen weniger gefährlichen Eindruck machten. Seine Bitte wurde gewährt und der schlimme Mann einem anderen Bürger zugewiesen. Doch dieser wollte ihn auch nicht behalten. Er richtete dieselbe Bitte an das Regiment wie der vorige, und dem Offizier, der das Quartier­machen besorgte, blieb schließlich nichts anderes übrig, als dem gefürchteten Manne zu sagen, er müsse sich selbst nach einem Quartier umsehen.

Der arme Mann ging nun von einem Hause zum anderen und bat um Aufnahme, lange vergebens. Endlich kam er zu einem einfachen Klcidermacher, einem gläubigen Manne, in dessen Hause die Brüder ihre Versammlungen zu halten pflegten. Dieser er­barmte sich über den von allen abgewiesenen Mann und nahm ihn freundlich auf. Am Abend des Tages kamen nun die Brüder zu dem Schneider, um hier gemeinschaftlich das Wort Gottes zu lesen, zu singen und zu beten. Mit Erstaunen sah und hörte der rauhe Kriegsmann alles an, was geschah. Zu aller Verwunderung zeigte er dabei ein viel weicheres und empfänglicheres Herz, als sein schreckliches Aussehen vermuten ließ.

Tags darauf besuchte unser Soldat, der mit seinem Quartier in jeder Beziehung zufrieden war, den Mann, der ihn zuerst von seiner Schwelle ge­wiesen hatte, und erzählte ihm, wie eine gute Auf- nähme er bei dem Schneider gefunden habe und wie gut ihm alles, was er bei diesem sehe und höre, ge­falle. Sobald er seinen Bericht beendet hatte, brach der andere, der ein bitterer Feind der Kinder Gottes war, in ein höhnisches Lachen aus und sagte, daß er ihm seine Freude bei den Betbrüdern wohl gönne; er selbst werde sich wohl hüten, seinen Fuß über die Schwelle derselben zu setzen. Das könne lange dauern, bis die ihn in ihrer Mitte sähen.

| ,Was?" entgegnete der Soldat, aufgebracht über die Schmähreden des anderen,lange dauern? Heute abend noch geht Ihr hin, sage ich Euch. Ich selbst werde Euch abholen; und merkt's Euch nur, ich dulde keine Widerrede."

Gcsagfi getan. Am Abend zur bestimmten Zeit kehrte der Soldat zurück, und der Mann, der keinen Fuß über die Schwelle eines Gläubigen setzen wollte, mußte, wie sehr er sich auch sträubte, dem Soldaten in sein Quartier zur Versammlung folgen. Er hatte nicht den Mut, dem riesenstarken Manne die Stirn zu bieten. ^ Die Brüder blickten nicht wenig ver- wundert auf, als das merkwürdige Paar ins Zimmer trat und in ihrem Kreise Platz nahm. Denn es war ihnen sehr wohl bekannt, wie der neue Gast über sie dachte und sprach. Doch empfingen sie ihn freundlich als einen vom Herrn Gesandten.

Und was geschah? Der Besucher, der bis dahin die Brüder ohne Ursache und, ohne etwas Genaues über sie und ihre Lehre zu wissen, gehaßt und ge- schmäht hatte, wurde durch ihre Herzlichkeit und Gottesfurcht getroffen. Gott wirkte in Gnaden in seinem Herzen, so daß er durch den Dienst der Brüder zum HErrn geführt und für Ihn gewonnen wurde.

So erfüllte sich an ihm das Wort der Bibel, welches Gott schon vor Jahrtausenden durch Seinen Knecht Jesaja hat verkünden lassen:Ich bin gesucht worden von denen, die nicht nach Mir fragten; Ich bin gefunden worden von denen, die Mich nicht suchten." (Jes. 65, 1.)

Krieg und Hod.

Der Weltkrieg ist eine Welternte für den Tod. Wie viele Garben fallen diesem grausigen Schnitter zu l Wie manches blühende Leben sinkt in des Grabes Nacht I Ja, es sind Riesenopfer, die dieser Riesenkcieg fordert. Die modernen Waffen sorgen dafür. Mit der Möglichkeit eines plötzlichen Todes aber rechnet der deutsche Soldat. Er fürchtet den Tod nicht, denn er spricht: Komm ich um, so sterbe ich für König und Vaterland, für Kaiser und Reich. Wenn nur die Freiheit und der Sieg unser ist, wenn nur die teure Fahne nicht in des Feindes Hand fällt. Wie schön ist solcher Todesmut, und wie ehrt er den deutschen Krieger! Er ist auch ein Geheimnis des Sieges. Er hält es mit dem Worte Bismarcks:Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts in der Welt."

Doch der Tod ist trotz dieser edeln Todes­verachtung keine leichte und kleine Sache. De n wir wissen, daß nach dem Tode erst das eigentliche Leben beginnt. Wir wissen auch, daß der Heldentod fürs Vaterland, so groß und erhaben er ist, die Seligkeit nicht verbürgt. Sonst könnten wir uns den Himmel ja verdienen. Nein, diesem Irrtum wollen wir nicht huldigen. Wir wissen, daß nur das bittere