Ausgabe 
18.4.1915
 
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Der Jets der Ewigkeit.

Unser ganzes Volk und Vaterland geht in diesen Tagen des großen Krieges durch schwere Stürme, gewaltige Erschütterungen. Große Gefahren, Ver­luste an Gesundheit, Geld und Gut, Familienglück usw. sind vor unseren Augen. Wir sind überzeugt und gewiß trotz aller Verluste: Wir werden ob­siegen! Aber dabei wird doch für den Einzelnen die Frage gewaltig ernst: Bist du gegründet auf den Fels der Ewigkeit? Bist du in Sicherheit geborgen am Herzen Jesu, unter dem Schild Seiner Macht und Gnade und getragen von Seinen allmächtigen Armen? Viele in unserem Volk sind zu dem Bewußtsein gekommen und ihre Zahl mehrt sich von Tag zu Tag, daß sie diesen Felsen Jesus Christus bedürfen, daß sie einen Glauben bedürfen, in dessen Kraft sie wirk­lich singen können:Wenn alles bricht, Gott verläßt uns nicht. Größer als der Helfer ist die Not ja nicht!" Wie aber kommt man zu dieser glückseligen Glaubensgewißheit? Wie kommt man aus Sturm und Wogen dieser Zeit auf den Fels des Friedens, der nicht wankt?

Laß es dir sagen. Der Sohn Gottes, Jesus Christus, sah dich von Ewigkeit her auf deinem Wege. Er sah dich mit Schuld beladen, deine Sünde trennte dich von der Gnade Gottes. Kein menschliches Bemühen, keine Tapferkeit konnte aus deinem Leben das weguehmen, was zwischen dem heiligen Gott und dir stand: die Sündenschuld. Kam es dir nicht schon in stillen Stunden zum Be- wußtsein, daß da etwas ist, was dich trennt von dem heiligen Gott und Seiner Gnade? Wenn du in die Ewigkeit blickst, erscheint sie dir wie ein graues Meer, oder wie ein drohendes Dunkel, oder wie ein großes Rätsel. Was ist denn das, was da zwischen Gott und dir steht? Dies ist es: Dein Gewissen überführt dich, daß eine Abrechnung kommen muß über die Sünde deines Le- bens und ach, wie waren deiner Sünden, Ver­säumnisse, Befleckungen so viele, so schwere! Du hattest wohl gehört von Gnade, Friede und Selig­werden, von Gottes Vaterherzen, vom ewigen Leben; aber das waren alles nur Worte, welche für dich keine Wirklichkeit waren, um daraus Kraft und Hoffnung zu gewinnen. Dies unerkannte Etwas, welches zwischen Gott und dir stand, versuchtest du wohl wegzuschaffen. Wieviel gute Vorsätze und neue Anläufe hat's gegeben, dennoch kamst du nicht zum Frieden, zur Gewißheit, du kamst nicht auf den Fels der Errettung.

Nun aber blicke auf zum rettenden Heiland, zum Kreuz von Golgatha! Lege glaubend die Sündenlast, das ganze Gebirge deiner Sündenschuld auf Sein schuldloses Haupt und ver­stehe, daß Er auf dem Kreuze das gerechte Gericht Gottes an deiner Statt erduldet hat. Das Urteil

ist vollzogen an deinem großen Bürgen. Für jeden, der sein Leben und sein arges Herz unter dies Blut der ewigen Versöhnung stellt, nimmt die Gnade die Last der Schuld weg und wirft ste in den Abgrund der Barmherzigkeit Gottes. Die Gnade öffnet dem glaubenden Sünder das Tor der Errettung, saßt ihn bei der Hand, führt ihn auf jenen Fels des Friedens, der nimmer wankt. Dann gibt der Heilige Geist Gottes in sein Herz die glückselige Gewißheit: geborgen für Zeit und Ewigkeit! Jetzt beginnt ein neues Leben. Der begnadigte Mensch kennt nun Gott als seinen Vater, er ist ein Kind Gottes geworden, er hat das ewige Leben empfangen. Das Wort Gottes sagt von solchen Christen:Glückselig ein Volk, das den Jubelschall kennt! Jehovah, im Licht Deines Angesichts wandeln sie." (Ps. 89, 15.) Dieser Friede, dieser Fels wankt und bricht nicht, weder unter den Schrecken einer zusammenstürzenden Festung, noch eines untergehenden Schiffes, noch eines brennenden Hauses, noch einer verlorenen Gesundheit, noch eines vernichteten Wohlstandes.

Von solchem Leben kann man dann in Wahr­heit sagen: Dies Haus war auf einen Fels gebaut, darum fiel es nicht, als die Stürme wehten und die Wasser an das Haus stießen. v V

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Kein Hl.

Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen." Matth. 25, 8 .

Eine der Wirkungen des Krieges in der Heimat ist die, daß das Petroleum so sehr knapp geworden ist. Manche Geschäfte verkaufen ihren Kunden nur ein halbes Liter alle vierzehn Tage. Und manche verkaufen überhaupt nichts mehr, weil sie kein Pe- troleum mehr haben. Da sitzen viele Leute wieder bei der Kerze und bei der Öllampe früherer Zeiten. Oder man kommt - zu gemeinsamen Hand- arbeiten des Abends zusammen, um Petroleum zu sparen.

Dieser Mangel an Petroleum war eine sehr unangenehme Sache an den langen Winterabenden. Aber schließlich, wenn unsere Großväter bei Kerze und Öllampe saßen und arbeiteten, wenn Goethe und Schiller ihre unsterblichen Werke schrieben beim trüben Schein der Öllampe, so werden wir wohl auch bei der alten Öllampe sitzen können.

Der Mangel an Ol, von dem unser Textwort redet, ist schlimmer, und ich fürchte, daß es auch diesen Mangel gibt in diesem Kriege.

Die Gläubigen der letzten Zeit werden unter dem Bilde von zehn Jungfrauen dargestellt, die auf den Bräutigam warten. Ihre Lampen brannten in der dunkeln Nacht. Aber es war ein Unterschied zwischen ihnen. Die einen hatten nur an den