Ich bitte dich, mein Leser, versäume und verträume dein Leben nicht. Du hast nur dies eine. Es gibt keine Rückkehr! Verliere es nicht in eitelm Genüsse. Verliere es auch nicht im Ringen nach bloß irdischen Zielen! Raffe dich auf zur Höhe! Lebe nicht dir selber! Lebe dein Leben Gott, deinem Schöpfer, nach Seinem Willen. Dann wird es für dich wirklich befriedigend und zum bleibenden Segen für viele um dich her.
Seine Miöek.
Es war in dem großen Kriege 1870 bis 1871 an einem Sonntage. Unsere Soldaten versammelten sich zu einem Gottesdienst auf dem Marktplatz eines französischen Dorfes. Mächtig brausten die Klänge des Lulherliedes, von der Regimentsmusik gespielt, über den weiten Raum. Da, als der Gesang der Männer einsetzt, kommt ein Bauer daher. Er trägt unter dem Arm ein dickes Buch. Ruhig stellt er sich zu den Kriegern und ffngt mit. Eisgrau ist sein Bart und sein Haar, altersschwach seine Stimme. Allein heilige Andacht verklärt sein Angesicht.
Als die Feier zu Ende ist, fragen verwundert die Soldaten, warum er an einem deutschen Gottes- dienst teilnehme. Da erzählte der alte Mann, daß er zur Zeit der Befreiungskriege als ein halbwüchsiger Junge mit einem Marketender nach Frank- reich hineingefahren sei. In diesem Dorfe habe ihn eine schwere Krankheit ereilt. Gute Leute hätten ihn gesund gepflegt und danach an Kindesstatt angenommen. Denn er sei ein Waisenknabe und jene kinderlos gewesen. „So bin ich in der Fremde geblieben. Heute aber, nach 65 Jahren, höre ich zum ersten Male wieder meine Muttersprache, ein deutsches Lied und eine deutsche Predigt."
„Wie aber kommt's," fragte ein Soldat, „daß du unsere Sprache nicht verlernt hast, du sprichst doch gut Deutsch."
Da nahm der Bauersmann das Buch unter dem Arme hervor. „Diese Bibel nahm ich einst als meine einzige Habe mit in das ferne Land. Sie hat in der lieben Muttersprache zu mir geredet all die langen Jahre her. Sie war das Band zwischen mir und meiner Heimat. Sie hat mir den Glauben meiner Väter bewahrt. Ich bin heute ein reicher Mann. Allein alle meine Äcker und Wiesen wollte ich lieber hinfahren lassen als meine deutsche Bibel."
Die Bibel redet zu uns in der Sprache aus dem Paradiese, in der Muttersprache unserer Seele. Millionen Bücher gibt's auf Erden, Tausende werden jedes Jahr gedruckt. Die einen sind für die Gelehrten, andere dienen den verschiedenen Berufen, andere bieten Unterhaltung. So hat jedes Buch nur einen beschränkten Leserkreis. Ein Buch nur
gibt es für alle Menschen, hohe und niedere, junge und alte. Wir nennen dieses Buch einfach — die Bibel.
I>as Wort ves Gebens.
Wort des Lebens, lautre Quelle, Die vom Himmel sich ergießt, Lebenskräfte gibst du jedem,
Der dir Geist und Herz erschließt; Der sich wie die welke Blume,
Die der Sonnenbrand gebleicht. Dürstend von dem dürren Lande Zu der Quelle niederneigt.
Ohne dich, was ist die Erde?
Ein beschränktes, finstres Tal.
Ohne dich, was ist der Himmel? Ein verschloss'ner Freudensaal.
Ohne dich, was ist das Leben?
Ein erneuter, finstrer Tod.
Ohne dich, was ist das Sterben? Nachtgrau'n ohne Morgenrot.
Wort des Lebens, du erleuchtest, Doch erwärmst du auch zugleich; Eine Hölle offenbarst du,
Aber auch ein Himmelreich. Furchtbar schreckest du den Sünder Aus der dumpfen, trägen Ruh', Sein Verderben und daneben Seinen Heiland zeigst ihm du.
Einen Richter lehrst du fürchten, Der mit rechter Wage wägt.
Doch auch einen Vater lieben,
Der mit Langmut alle trägt.
Einen Gott, der den geliebten Ein'gen Sohn zum Opfer gibt,
Der an Ihm die Sunde richtet Und in Ihm die Sünder liebt.
Wort des Lebens, wer dich höret, Dem versprichst du ew'ges Heil, Doch nur dem, der dich bewahret, Wird das Kleinod einst zuteil.
Run, so will ich dich bewahren, Schwert des Geistes, Gottes Wort, Hilf mir hier auf Erden streiten Und die Krön' ererben dort!
Aie zerteilte Zjitiek.
„Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen."
Jos. 24 , 15 .
Ein junges Ehepaar hatte bei seiner Trauung eine schön gebunden- Bibel zum Geschenk erhalten. Aber weder dem Mann noch der Frau fiel es ein, darin zu lesen. Eine Zeitlang hielten sie beieinander aus, aber dann wurde der Mann mit frer Frau immer unzufriedener, und die Frau klagte je länger je mehr über den Mann. Zuletzt wurden


