So kann es auch bei uns gehen. Gott schickt uns oft zu dem Zweck Trübsal, damit durch Seine züchtigende und heilende Hand unsere Herzen bis auf den Grund gereinigt und geläutert werden und wir aus innerster Herzenserfahrung heraus sprechen können: „Des HErrn Wort ist Wahrheit."
Gebe Gott, daß dieser Trübsalssegen auch bei allem Leid unserer Kriegszeit in vielen Herzen ein- kehre I Ehr.
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Kotl ruft.
Der Trauerkleider, der Witwen und der vaterlosen Waisen, der trauernden Eltern und Geschwister sind viele geworden in Stadt und Land, und tag- lich mehrt sich ihre Zahl. Gott redet ernst, Er ruft unser Volk aus Goltentscemdung und irdischer Gesinnung, aus Weltlust und Vergnügungssucht. Er fragt die Menschen: „Kennst du den rettenden Heiland? Kennst du Gott als deinen Baker? Hast du eine unzerbrechliche, gewisse Hoffnung jenseits dieses Lebens, auf die du dich stützen kannst wie auf einen Stab?" Ach, die meisten Menschen wissen kaum, daß es solche glückselige Gewißheit der Gnade und Liebe Gottes hier auf Erden gibt! Aber Gott ruft sie dazu. Deshalb leuchtet Er mit deni Ernst der Ewigkeit in die Herzen und Gewissen, in die Häuser und Familien. Er meint es gut und treu mit unsereni Volke und mit jedem einzelnen. Wie viele sind da, welche in den Tagen äußeren Gedeihens meinten, daß sie ohne Jesum fertig werden könnten! Das Leben schien ihnen soviel zu bieten, jeder Tag brachte soviel Pflichten, Wünsche, inter- essante Dinge oder Vergnügungen, daß für Jesum keni Raum war in den Herzen und keine Zeit im Tageslaufe. Nun ist viel Leid und Weh gekommen — es ist die Sprache Gottes.
Sie betrifft auch dich, o Menschenkind! Darum stehe still auf deinem Wege. Bist du mit Gott in Ordnung, ist die Frage deiner Sünden- schuld geordnet? Weißt du nicht, daß Jesus aus den Himmeln kam und auf das Kreuz ging, weil Er dich versöhnen wollte durch Sein kostbares L,pfer? Er ivollte dir das Tor der Gnade auftun, und Er ruft dich, daß du kommen möchtest, um Frieden mit Gott zu suchen. Du kannst wahren Frieden nirgends anders finden als zu den Füßen des Kreuzes, durch den Glaubensblick in die Todes- wunden Dessen, der die Strafe deiner Sünden trug, damit du Frieden fändest. Denn also steht geschrieben: „Die Strafe zu unserem Frieden lag auf Ihm, und durch Seine Striemen ist uns Heilung geworden." (Jes. 53. 5.)
Laß Gottes ernste Sprache nicht vergeblich sein. Beuge dich mit deiner Schuld vor Ihm in den Staub, dann wird Er dich segnen, trösten und er- guicken, und hernach wirst du das Wort verstehen:
„Siehe, zum Heil ward mir bitteres Leid: Du, Du zogest liebevoll meine Seele aus der Vernichtung; denn alle meine Sünden hast Du hinter Deinen Rücken geworfen." (Jes. 38, 17.)
Wie glücklich und wie stark ist ein Mensch, der es erlebte, daß er ein versöhntes und geliebtes Kind Gottes wurde! Ein solcher empfängt Kraft von oben her für jede Aufgabe, ob er draußen steht im Felde als Offizier oder Soldat oder ob cs sich um eine Mutter und Witwe handelt, die an ihres HErrn Hand den Weg vollendet. Kostbar ist es, solchen Menschen zu sehen, der in göttlicher Kraft und stillem Frieden durch seine Tage geht.
Solch einer war auch ein jüngst in Frankreich gefallener Hanptmann. Einer seiner Unteroffiziere berichtete den Angehörigen, wie sein Batteriechef in jugendlicher Kraft und Freude seine Batterie zu siegreichem Feuer führte, so daß in kurzer Zeit die feindlichen Geschütze zerschossen und verlassen auf dem Schlachtfelde standen. Alsdann führte der Haupt- mann die Batterie vorwärts, um den Angriff der Infanterie zu unterstützen. Er führte sie bis nahe hinter die Schützenlinie — da fiel er tödlich ge- troffen. So war des Hauptmanns Erdendienst be- endet. In nächtlicher Stunde wurde er von seinen Leuten bei Kerzenschein ins Grab gebettet. Da lag ein Held, nicht nur ein Held im Kampfe der Schlacht, sondern zugleich ein Held des Glaubens, der seinem Heiland ein treuer Bekenner war vor Vorgesetzten und Untergebenen und zugleich ein Vater seiner Soldaten. Des waren alle Zeugen. Als der Morgen graute und die Batterien aufbrachen zu neuem Kampfe, da zog diese Batterie mit Mann, Roß und Geschütz an ihres Hauptmanns Grab vorüber — eine letzte Parade mit vielen nassen Augen Aber für den, dessen sterbliche Hülle dort gebettet war, war es Freude und Jubel, denn er war bei seinem HErrn. Im Blick auf solchen Streiter darf man sagen: „Er ist am Ziel der Herrlichkeit."
O mein Freund, verstehe die Sprache Gottes, welcher dich ruft zu solchem glückseligen Leben und Sterben! v, V.
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Dom Jod üöereilt.
„Sieh, der Tod kommt oft geschritten
Schnell zu arm und reich.
Doch er fragt und klopft nicht lange.
Dringt hinein sogleich."
So geschah es kurz vor Weihnachten 1912 in einer kleinen Stadt des sächsischen Erzgebirges. Vor zirka fünfzig Jahren zog ein junger Mann von siebzehn Jahren aus jener Stadt nach Amerika. Er kam dort zu Wohlstand und Ansehen. Doch die


