es keine Erlösung aus diesen Qualen? Gottlob, ja! Der Vater auf unserem Bilde hat zu der lange vernachlässigten Bibelgegriffen. Er liestPs 139,1—5: „HErr, Du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder steheauf, so weißtDu es; Du verstehest meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist Du um mich und siehe st alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das Du, HErr, nicht alles wissest. Von allen Seiten umgibst Du mich und hältst Deine Hand über mir." Hörst du, teures Mutterherz? Es ist einer da, der weiß, wo dein Sohn ist Schütte Ihm dein Herz aus und befehle Ihm dein Kind an, deinem Gott und Heiland. Ohne Seinen Willen fällt kein Haar von unserem Haupt. Ist das nicht Balsam für dein wundes Herz? O, es haben sich viele in dieser schweren Zeit an den Verheißungen Gottes aufgerichtet und im Vertrauen auf Ihn ihr Herz gestillt!
Und du, lieber Leser, der du hinter dem Namen eines deiner Lieben vielleicht auch das furchtbare Wort „vermißt" hast lesen müssen, kennst du diese Trost- und Kraftquelle? Komm zu Jesu!
„Er kennet dein Herz Von Ewigkeit her.
Er wäget den Schmerz Und prüft nicht zu schwer.
Den Seinen muß alles Zum Besten gescheh'n;
Der Tilger des Falles,
Der HErr, wird's verseh'n."
Vermißt —. Es gibt noch ein schwereres Vermißtwerden als aus dem Schlachtfeld. Wird es einst in der Ewigkeit im himmlischen Vaterhause nicht auch manche vermißte Söhne und Töchter geben? Vielleicht schauen Vater oder Mutter droben schon nach dir aus und warten dein. Hast du schon das Bürgerrecht im Himmel? Wer dort einst fehlt, trägt selbst die Schuld. Jesus spricht: „In Meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. ... Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten " (Joh. 14, 2.) Die Stätte ist bereitet; der Weg ist gebahnt.
Vermißt —. Bei allem Schweren liegt doch auch noch Hoffnung in diesem Worte. Der Ver- mißte kann iviederkehren, und es ist schon mancher wieder heimgekehrt, der schon als tot betrauert wurde. Auch du, lieber Leser, der du noch fern vom himm- tischen Vaterhause bist, kannst heimkehren. Noch ist Gnadenzeit. Darum ergreife die rettende Jesus- Hand. Wer Sein bluterkauftes Eigentum ist, geht nicht verloren. Er bringt uns alle heim. Im hohepriesterlichen Gebet spricht Er: „Die Du Mir gegeben hast, die habe Ich bewahret, und ist keiner von ihnen verloren ohne das verlorene Kind, daß die Schrift erfüllet ivürde." (Joh. 17, 12.)
Bist du nodi ein „verlorenes Kind" oder schon eui Eigentum Jesu? Möge keiner von uns einst droben vermißt werden! W. G
Segen der Trüösal.
In dieser Kriegszeit, wo viele Tausende der Söhne unseres Vaterlandes ihrLeln n auf den Schlacht- stldern lassen müssen, werden viele Mütter den Schmerz der Witwe in Zarpath, die ihren einzigen Sohn verlor, aus Erfahrung mitfühlen können Aber nicht nur Schmerz und Jammer kehrte mit dem Sterben des Sohnes in das Haus der Witwe ein, sondern auch Segen.
Als die Witwe ihren Schmerz vor Elisa kundtut, da äußert sie unter anderem den Gedanken: „Jetzt wird meiner Missetat vor Gott gedacht." Dieses Wort beweist uns, daß sie bei der schweren, göttlichen Heimsuchung gleich an ihre eigene Sünde denken mußte. Die Erinnerung an alte Schuld ist in ihr wach geworden. Daß sie vor Gott nicht rein und schuldlos dasteht, das ist ihr in dieser schweren Zeit aufs neue, vielleicht tiefer als zuvor, zum Bewußtsein gekommen, und darin liegt schon ein Anfang des Trübsalssegens.
Wenn Gott uns durch schwere Schläge dahin führt, daß wir unsere sündige Vergangenheit erkennen und eingestehen, so ist schon viel gewonnen. Wie manchmal geht es heute noch so, daß mitten in schweren Stunden vergangene Sünden wieder in das Gedächtnis kommen und in neues Licht gesetzt werden! Wohl uns, wenn wir Gottes Licht in unsere Ver- gangenheit hineinleuchten lassen!
Aber nicht nur Sündenbewußtsein klingt uns aus den Worten der schwer betroffenen Mutter entgegen, sondern auch Unzufriedenheit. Sie sagt zu Elisa: „Was habe ich mit dir zu schaffen, du Mann Gottes? Du bist zu mir hereingekommen, daß meiner Missetat gedacht und mein Sohn getötet würde."
Hier sehen wir eine Gefahr, die den Trüb- s a l s s e g e n hindern kann. Wenn wir in schweren Schmcrzensstuuden gegen andere Menschen Vorwürfe erheben und sie als die Urheber unseres Jammers anseheu, so sind wir nicht auf der richtigen Fährte. Laßt uns in solchen Zeiten niemals weder mit Gott noch mit Menschen hadern, sondern unter Gottes Hand uns beugen. Seinem Winzermesser stillhalten und Ihm zutrauen, daß Er dennoch alles richtig hinausführen wird. Wenn wir murren, halten wir den Segen auf.
Worin bestand nun der Segen, den die Witwe durch das ganze Ereignis bekommen hat? Das können wir aus den Worten erkennen, die sie nach der Auserweckung ihres Sohnes zu Elisa spricht: „Nun erkenne ich, daß du ein Mann Gottes bist, und des Herrn Wort in deinem Munde ist Wahrheit."
Damit sagt sie, daß sie jetzt erst ganzen unbedingten Glauben zu dem Worte Gottes durch Elisa habe. Bis dahin steckten also, ob bewußt oder unbeivußt, noch Unglaubens- und Zweifelsreste in dem Herzen dieser Mutter. Dieselben wurden durch dieses Ereignis entfernt.


