Ausgabe 
18.12.1918
 
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Von gut unterrichteter politischer Sette w^rd uns ge­schrieben: Gemäß dem im menschlichen Leben überall wirk- fernen Gesetz, daß die Gewohnheit selbst unter dem Druck der außergewöhnlichsten Umstände einen Normcckzustand schafft ist auch im deutschen Volke augenblicklich eine Emvftdungslosigkeit gegenüber dem bemerkbar, was die nächste Zukunft bringen wird. Weite Streife J$. elli en ^ noch aar nicht klar darüber zu sein, daß olle Wunsche und Forderungen der Entente bei wettem nicht das Ende dessen bedeuten, 'was dem deutschen Volk an Demütigungen und Lasten aufaebürdet wird. Vielfach herrscht die Annahme, daß der Waffenstillstand nur einen vorübergehenden Zu­stand fdyaffen und auf dem Friedenskongreß einer gründlt. chen Nevision zu Deutschlands Gunsten unterzogen werden wird. Wie irrig diese Annahme ist. lehrt ein Blick au das, was sich zurzeit in Spa ereignet, auf die Sprache der feind, iichen selbst gemäßiater Zeitungen und auf die Haltung des Mannes, au? den Deutschland seine ganze Hoffnung aus eine mildere Behandlung auf dem Friedenskongreß fetzt, den Präsidenten Wilson. Aus der Schilderung, die ein hollandi- scher Journalist, der einen Blick in den m

Hotels in Spa werfen durfte, in dem augenblicklich Uber die Geschicke Deutschlands entschieden wird, geht hervor, welche Haltung von Seiten der Alliierten eingenommen wird, und daß es sich lediglich hierbei um ein Katze- und Mausespiel handelt. Die Unterhändler der Entente sind ln Wirklich, keit nurdie Vollzieher des Willens von Foch. sie haben keine Vollmacht zum Verhandeln, sondern sind lediglich die Sprach, rohre des Entente-Generallssimus und haben einzig und allein die Aufgabe, den Vertretern Deutschlands mitzutei- len. was vom deutschen Volke verlangt wird. Ss ist ein Irrtum, anzunehmen, daß die Art, in der sich die -affen- stillstandsbedingungen vollziehen, lediglich das Ergebnis der Unfähigkeit der deutschen Unterhändler ist. Die deutsche Waffenstillstandsdelegation hätte zusammengesetzt sein kön- nen. aus wem es auch immer fein mochte, anders hätten sich die Dinge auch nicht abspielen können. Beweis dafür, daß die Art der Vertretung auch nicht das Geringste aus­macht. zeigt die Art der Verhandlungen zwilchen Unaoim und der Entente, dessen Friedensdekegation sich ausfchließ- lich aus Bürgerlichen und Sozialisten zusammensetzte und das die Aufhebung der Feindesseligkeiten um keinen billi­geren Preis zu erkaufen vermochte als Deutschland.

Auch die Vorkehrungen, die von seiten der Entente für den Friedenskongreß'getroffen werden, zeigen kein er- treuliches Bild. Obwohl die Verhandlungen in London noch nickt zum Abschluß gelangt sind, läßt sich, ohne ein großer Prophet zu sein, sagen, daß sich die Vorgänge bei den Waffenstillstandsbedingungen auf dem Friedenskongreß durchaus wiederholen werden. Die Konferenz der alliier­ten Staatsmänner in London wirb bestimmte Richtlinien für die Friedensbedinaungen entworfen, und Deutschland wird einfach vor die Alternative aestellt werden, diese Be­dingungen anzunehmen oder sich diese Bedingungen oktra- ieren zu lassen. In welchem Sinne diese Bedingungen ge­lsalten sein werden, ist aus den Angaben ersichtlich, die ^aily News, die stets die Vertreterin der gemästiaten Rich­tung in England gewesen ist, über die voraussichtlichen For­derungen in der Schadenersatzfrage gemacht hat. Danach fallen allein in Belgien und in Frankreich Barenischädtgun- gen in Höhe von 40 bis 60 Millionen Mark geleistet werden und nicht genug damit, hat Deutschland auch noch das Bau­material. die Arbeitskräfte für den Wiederaufbau zu stellen. Weiterhin ist den Bürgern der Entente der gesamte durch die deutsche Kriegsführuno entstandene Schaden zu veraü- ten. Ferner find die versenkten Schiffe zu ersetzen, das d"utfche Gold auszuliefern, eine Llbaabe an Kohlen an die Entente zu leisten, und auch Italien. Serbien und Rumä- n>n soll Entschädigung gewahrt werden. Es ist nickt zu ssiimiftisch gerechnet, wenn man die Höhe dieser Entfcka. aiaungen in Geldwerten auf über 200 Milliarden Mark be­rechnet. Zwar hat man sich während des Krieges gewöhnt, mit Milliarden sehr verschwenderisch umzugehen, aber diese Ziffern sagen nichts weniger, als daß das deutsche Volk länger als ein Jahrzehnt Frohnarbeit für feine Gegner wird leisten müssen. Alle diele Snmptone aber find nur der Beweis dafür, daß die Gesinnung der Entente keine Aenderuna erfahren hat und auch nicht erfahren wird. Prä­sident Wilsons Gesinnungen in ollen Ehren, aber auch er ist nur ein Mensch und muß als Politiker mit Stimmun- gen rechnen. Seine letzte Botschaft im amerikanischen Kon­greß weist bereits darauf hin, daß er nicht imstande ist. die imperialistische Strömung in den Vereinigten Staaten zu hemmen.

Deshalb wäre es verfehlt, sich heute schrankenlosem Optimismus zu wiegen, alles spricht dafür und auch nichts daaegen. daß die Entente entschlossen ist, das Menschenmög­lichste vom deutschen Volke zu verlangen. Es besteht nicht oie geringste Hoffnung auf einen Frieden der Mäßigung. Das einzig Positive, auf das das deutsche Volk in dieser /rüden Zeit zu hoffen vermag, ist die Zuversicht auf seine ungebrochen innere Kraft und auf seinen Genius, der es immer noch aus den Zeiten tiefster Not besseren Tagen ent. g^gen geführt hat.

3m Dezember YrSliuiiiMiriede?

2*11. Wie die Agenzio Volta m"ldet, dürfte die llnl r Zeichnung des Pr«ilü linucftiedens Tier 2. HZ'i'e de» Cf zember erfolgen, da Wilso« den Vereinbarungen b-7 Alllit". ie w zusilmmcn werde. 2lrn Feinde werde k-gnerlr" Dis­kussion über d»e Hauptbebunlurgen des PrL'l^inarftftdens zug.fftcrndcn werden, höchstens die Berichtigung etwaiger un- w sentlicher Einzelheiten. Dis sei erklärlich. La dl? Prinzi­pien des Friedens, den die V erbündeter: diktie"^ würden, dem st.ts betonten Gcar-djaz der Gerochtigk'.ft entsprachen würden.

Die KopenhagenerPo lltlken* meldet aus Paris, daß nach den vorliegenden Nachrichten aus diplomatischen Krei- sen die Friedensbedingungen auf dem interalliierten Kon­greß und nicht auf dem allgemeinen Friedenskongreß in Paris festgesetzt werden. Dieser Entschluß wird damit be­gründet, daß es den Alliierten nicht möglich sei. sich mit den Vertretern der Mittelmächte auf gleichen Fuß zu stellen und die Dedkngimgen zu erörtern. Die Vertreter der Entente werden auf der interalliierten Konferenz das Friedensdoku- ni'.uit aufsetzen und dann den Mittelmächten vorlegen, ohne sich auf die geringste Erörterung der einzelnen Bedingungen einzulaffen. Demgegenüber meldetHerald" aus Newport: Auf die Anfrage mehrerer Senatoren im Senat erklärte Lun sing, es finde keine biftatov che Festlegung der Friedens- bedingimgen gegenüber den Mttd'lmächten statt, sondern ;';te freie Au^'> rache. Voraussetzung hierfür iei, daß eine vorn deutschen Volt beglarU-igte & cianOßn f$L

Der interalliierte Kongreß wird voraussichtlich im in Paris zusammentreten und dürfte ,o in fünf bis Wochen alle Fragen regeln, so daß der Frredensver.rag im Februar von allen beteiligten Nationen unterschrieben wer­den fatm.

Zum UlÜMtum Fschr.

TU. Ru der Meldung von den, jvngsten Ultimatum s^ochs an Deutschland schreiben die Dafty News, ein ^^^r Schritt sei wenig wahrscheinlich. Foch habe nickt die Vollmacht, selbst wenn er wollte, weitere Ultima zu stellen. Seine Sache sei es lediglich, auf die Durchführung der Waffenstillstandsbe- dingungen zu achten. Alles übrige fei Sache der Fnedens. konferenz. Wenn es zur Besetzung Berlins kommen sollte, was man in Berlin befürclste, so könne dies nur in Form 9h!ftmnpj5 der Friedenskonferenz geschehen.

Die sriMM Besetzung.

WTB. Mirmant, der Oberkommandierende für Elsaß. Lothringen, hat angeordnet, daß überall wieder die früheren französischen Bezeicifnungen eingeführt werden müssen. Die deutschen Straßenschilder und die deutschen Firmeninschrift ten sind zu entfernen. Ferner hat der Generalinspekteur für den öffentlichen Unterricht in Llsaß-Lothringen. Heulot, den Straßburger Korrespondenten des Petit Paristen erklärt, daß das gesamte Unterrichtswesen mit den französischen Unwer" sttätsorganen in Einklang gebracht werden müsse. Das ge­samte deutsche Lehrpersonal wird abgesetzt. Die deutschen Kollegien auf der Universität werden eingestellt. In den Gymnasien und Schulen wird die Umbildung so schnell wie möglich vorg rommen, wobei französische Lehrer, womöglich Elsaß-Lothringer, herangezogen werden sollen.

Düsseldorf, 6. Dez. Der Kommandant der belgischen Truppen in Neuß hat angeordnet, daß jeder Verkehr zwischen den beiden Nheinufern, also auch auf den Düsseldorfer Rhein» brücken, ferner der Straßenbahnverkehr Düsseldorf-Neuft, der Schiffahrtsverkehr auf dem Rhein und der Postverlehr auf dem linken Rheinufer vorläufig verboten ist.

Köln, 5. Dez. Der Vielverband beharrt darauf, daß muh die Ostenden der Rheinbrü-r von seinen Truppen besetzt werden, um den Verkehr zu überwachen. Foch hat sein Tin- Verständnis damit erklärt, daß die deutlch'-n aroßen Städte nicht länger vhne Besatzung bleiben, die Alliierten werden sofort nachrücken. Das englische Oberkommando gab Anwei­sungen. für Köln sofort Truppen verfügbar zu machen. Einer vom Erzbischof von Köln, Kardinal von Hartmann, ausge­sprochenen Bitte um Schonung der Kirchengebaude wird ent­sprochen werden. Es ist Vorsorge getroffen, daß die Kirchen und die Konvikte nicht zu Einquartierungszwecken benutzt werden.

Frankfurt a. M., 8. Dez. Der OberbürgermeMer Doigt erhielt folgendes Telegramm des Staatssekretärs Erzberger: Nach einer soeben eingetroffenen Meldung der Waflenstill- standskommisston in Spa fallt Frankfurt nicht in das besetzte Gebiet, sondern in die neutrale gone.

Wird Mannheim besetzt

Der Arbeiter- und Soldatenrat in Heidelberg erklärte in einer Vollsitzung, daß auf Grund eines bedauerlichen Vor­kommnisses, bei dem ein Wachmann des Mannheimer Gefan­genenlagers 3 Franzosen bei einem Zwischenfall vor wenigen Tagen erschoß, damit zu rechnen sei. daß Mannheim vom Feinde besetzt werde und daß möglicherweise ein Vorstoß der Franzosen nach Heidelberg erfolge.

Professor Weber gegen Sllnnes.

TU. Professor Mfred Webest hatte ln der Versamm­lung im Zirkus Dusch am Freitag einige scharfe Anariffe gegen Hugo Sftnnes unternommen, gegen die Stinnes sckarf protestiert hatte. Professor Weber sendet nun aus Mün- chen mit dem Ersuchen m Veröffentlichung telegraphisch die folgende Entgegnung auf Stinnes Protest: Soeben lese ich Ihren Protest gegen meine Aeußernng im Zirkus Dusch vom vorigen Sonntag. Ich frage Cie, in wessen Auftrag Sie als Vertreter des deutschen Volkes Spa unterhandelt hoben, welche Garantien hoben dabei Vorgelegen, daß nickt ganz andere Dinge als ' ie von Ihnen behcmvtet tn der Daffen- ftillstandskommiffion Geaenstond ihrer Verhandlungen mit der Entente waren. München, den 3. 12. 18. Professor Mfred Weber.

Die EutwaffMirg 8er Armee Maüensen.

TN. Wie ans Budapest gemeldet wird, stab die Be­ratungen mit dem Siabe ber Armee Mackenlen beendet. Mackensen selbst hält sich augenblicklich ln Groß-Wardcln auf. Der zuständige Ausschuß des ungarischen Krieosministeriums und rin französischer Hauptmann haben mit dem Stade der Armee Mackensen eine Vereinbarung getroffen, derzufolge die deutschen Truypen ln H«"rmapnstadt vor dem französischen Ge­neral Dertbelant die Waffen niederlegen tollen. Die auf dem Durchmarsch befindlichen deutschen Truppen werden überall von ungarischen Kommissaren entwaffnet. Es herrscht vollkommene Ruhe und Ordnung.

Unsere U-Booie.

TU. Reuter meldet aus London: Die deutschen N-Doote, die in London ausgestellt werden, kamen am Dienstag mor­gen bei Greenwich an. S'e wurden den Fluß hinauf von Booten geschleppt. Die U-Boote führten die englische Ma. rineflagge über der deutschen. 2 Boote wurde von einem Tor­pedoboot begleitet.

Die Tsgimg der Aontrsts.

WTD. Die Ergebnisse des Dertretertages der Soldaten­räte des Feldheeres in Bad Ems am 1. und 2. Dezember sollen dem am 16. Dezember in Berlin zusammentretenden Delegiertentag sämtlicher A.-S.-Näte in Form eines kurzen Berichts vorgelegt werden. Die Bearbeitung hat im Einver- nehmen mit der Leitung des Dertretertages in Ems der Vollzugsausschuß des Soldatenrates bei der'Obersten Heeres- litung übernommen. Die Hauptergebnisse der Tagung be­stehen in folgendem: 1) Einstimmiges und entschiedenes Ein­treten der 328 erschienenen Vertreter für die Regierung Ebert-Haase, fast einstimmiges Eintreten für deren soziales Programm, einstimmiges Verlangen nach der Einberufung der Nationalversammlung und ungeschmälerter Mitwirkung des Feldheeres dabei. 2) Wahl von 5 sofort zum Berliner Vollznasrat zu entsendenden Vertreter des Feldheeres. 3) Wahl von 64 Vertretern des Feldheeres für den Delegier- tentag sämtlicher A.-S.-Räte am 16. Dez. in Berlin. 4) Be­stellung des bisherigen Soldatenrates bei der Obersten Hee­resleitung als Zentralsoldatenrat des gesamten Feldheeres. 5) Aufstellung unverbindlicher Richtlinien über die Organi­sation und Tätigkeit der Feldsoldatenräte.

Neuer Mojest Des RriHstrmVrWeMe?!.

WTD. Aus F r e i b u r g antwortete der Reichstagsprä. sident Feh'renbach auf das Telegramm der Reichsleftung lob qcribes: Auf Grund der Revolution können Sie sich für er­mächtigt halten, den Reichstag aufzulösen. Ich wurde dage- gen protestieren, aber mich fügen. Solange ihn aber nicht auflösen, sind Sie trotz der Revolution an d>- f'ir chn geltenden aesetzlicken Bestimmungen gebunden, Nach ihrer Recktsaufsassung könnten Sie sich ebensogut über belrebrge Bestimmungen des Gesetzbuches oder der Prozeßordnung hm- wegsetzen. Ihr Vorgehen bedeutet eine gesetzlose Wlllkürherr- schaft, dagegen protestiere ich.

Der bayrische ^Ra! der aetsiigen DrbeiterE aufgeköft.

TN. Aus München wird mitgeteill: Der im Landtags- aebäude versammelte Rat qctftrcer Arbeiter, der sich z»rc Kon- slituierung seines Ard^.^ausscbuffes unter dem Vorph von Professor Lujo Brentano eingefunden hatte, wucde von, zeipräftdenten und Stadtkommandanten in Deg'ei.ung oe- waffnrter Soldaten aufgelöst. Der Geschäftsführer des Ra­tes geistiger Arbeiter, Schriftsteller Kurt Leißnmm'. wurde unter dein Verdacht, sich gegen die Volksregtcrung betatigk zu haben, verhaftet. Die übrigen Mitglieder des ?iates dürft ten sich nach Hause, legeben, mußten aber ihre )lotizen und

Die Sozialdemotratte und die »etaST 1 " 1 ^ der Kriegs-Kredite.

Der Vorwärts schreibt: Seit Jahren lebte die deutsche Sozialdemokratie mit einem Teil ihrer ftüheren Parteige­nossen und noch mehr mit den Sozialisten des Austandes in Zank und Streit, weil sie die Kriegskredite bewilligte. Besonders waren es kr französischen Sozialisten, die sich über diesen angebUchen Verrat an der Internationale gar nicht genug entrüsten konnten. Sie selber bewilligten zwar die Kriegskredite, rieten aber den Deutschen, sich schlagen zu lassen und Revolution zu machen, dann würden sie schon dafiir'sorgen, daß der abzuschließende Frieden kein Frreden der Rachsucht und der Erniedrigung, sondern ein Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen, ein Derstandigungs- frieden, sein werde. Wir fanden diese Beweisführung nicht ganz einleuchtend, sondern meinten, in einem nun einmal entfesselten Kriege müsse ein jedes Volk sich seiner Haut wehrerr. soaut es könne. Auf den Verständigungsfrieden, den wir noch unserer Niederlage erhielten, wollten wir uns nicht verlassen, sondern wir wünschten, daß ein solcher Frie­den geschloc en würde, noch ehe die deutsche Widerstands­kraft erlahmt sei. So kämpften wir wahrend des ganzen Krieges gegen zwei Fronten: gegen die Irrsinnigen, die

glaubten, ein Zerleg, den eine kleine Minderzahl gegen eine erdrückende Uebermacht führte, fei eine Gelegenheit, Beut« zu machen, und gegen die Gutgläubigen, die meinten, es be­dürfe nur des Sieges der Entente und " es Sturzes de« deutschen Machthaber, um das Glück der ganzen Welt, auch des deutschen Volkes, Herbeizufuhren. Jetzt ist das linke Rheinufer von den Gegnern besetzt, Deutsche stehen unter fein' dlicher Besatzung, General Foch steigert mit jedem Tag seine Forderungen und droht mit Abbruch des Waffenstill­standes, d. h. mit der Vesetzuna des ganzen widerstandslos gewordenen Deutschland. In ' Jülich, wo dir Belgier ein» geriickt sind, müssen Zioilversonen beim Nahen belgischer Offiziere den Bürgersteig verlassen und den Hut abnehmen. Von den ftonzösischen Sozialisten hören wir aber nichts... l Dies olles ist vielleicht erst ein kleiner Anfang. Aber wir gestehen, das haben, wir nicht gewollt, und darum haben wir die Kredite bewilligt. Man kann heute alle dmgs sagen: Hatte die Sozialdemokratie eine andere Haltung eingenom­men, so wäre das ein Glück für Deutschland gewesen, denn dann wäre der Zusammenbruch, der jetzt eingetreten tft; früher gekommen, und wir hätten bei gleich^ Ergebnis Menschenleben in t Güter gespart. Da; ist logisch i cUlom- tnen richtig, nur würden wir nnch gleicher Logik etwa auch Spione, die dcu.jche Truppen dun 5od zmd dcr Gefangen­schaft auslicferten, Wohltäter dos deutschen Volke s fein. Nie konnte ein Sozialist einer folcken Logik Eincpmg in fein Denken gewähren. Gegen die Niederlage kämpft man so lange man kann, smvie der Arzt gegen den Tod kämpft, der ja auch einmal kcunmen muß. Dir haben die Niederlage nicht gewollt, und darum haben wir die Kredite bewilligt!

Wir wußten um die Schuld der deutschen Kcieastrciber, wenigstens viele von uns waren von ihr überzeugt. Frei­lich waren wir alle zu gut ge.chulte Sozialisten, um glazrben zu können, daß einzig und allein die Bosheit einiger Men­schen einen solchen Brand entfesseln könnte, und wir waren interncftional gernw. um auch das klar zu sehen, was andere zu dem großen Scheiterhaufen bcigeiragen hatten. Wir ver- treten unsere Saä>e überall und sckeuen kein Urteil, Wir schreien es euch ins Gesicht: Ja, wir haben dis Kredite be­willigt, weil wir unser Volk lieben, und jetzt, wo es im tieft sten Elend ist, wissen wir erst recht, wie sehr wir es lieben! Wir haben die Kredite bewilligt, weil wir nicht nur inter. nationale Sozialisten, sondern auch Deiftsche find, weil als Deutsche leben und sterben werden, konzme, was da voVüi

Die Arbeit der Zenkm.

Der amerikanische Kriegsminister Baker hat am 1. Juli d. I. dem Präsidenten einen Bericht über die Truppenver­schiffung unterbreitet, der auch in der LondonerTimes^ abgednlckt wurde. In den Hauptzahlen ergab sich daraus Folgendes: Es sind nach Frankreich ae'andt im Itlni 1617 12 000 Mann. Juli 13 000, August 18 000, September 33 000, Oktober 38 000, November 23 000, Dezember, 43 000 Mann, im Januar 1918 47 009 Monn, im Februar 48 000. März 84 000, April 117 000, Mai 247 000, Juni 276 000 Mann. Insgesanft 1 019115 Mann. Auf der See verloren gingen nicht mehr alo 291 Mann.

Prof. Delbrück wollte seinerzeit diesen V richt obdn'k- ken. Darüber erzählt er jetzt in se '.nPreußischen Jahr­büchern": Dielen ganzen Passus hat mir die Zc' ur gestri­chen, und als ich darauf hinwies, daß die Zahlen aus der Times" entnommen, also dem Feinde nichts verraten wäre, und inan dem detftschen Volke dock für den zugestandenen Rückschlag eine Erklärung geben müsse, wrrrde mir Erwidert: Die Oberste Heeresleitung habe die Deroffentlichring dieser Zahlen ausdrücklich verboten: sie stehe auf dem Standpunkt, der Dakersche Bericht sei nickt als ein amerikanischer Bluff, um uns irre zu fiihren: selbst nrit dem Zusatz: sie seien un° glarrbwürdig, dursten die Zahlen nicht veröfferrtlicht werden

Cme K»AdqeSrmg Mimen

Prinz Heinrich von Preußen veröffentlicht in der Kreuz- zeitung eine Kundgebung an alle Familienmitglieder dos königlich preußischen Hauses, in der es nach einem Hinweis 6 auf den Erlaß des Kaisers vom 28. Rcuember heißt: Als f Senior der znrznt in Preußen und im Reiche wohnhaften Müglic-dsr dos preußischen Klmigshauses erkläre ich hier-