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Druck der Gießcncr Verlagödruckerei, Albin Klein.
Nr. 1. Tejiephon Nr.382. Mittwoch, den 2. Januar 1918. Telephon Nr. W. 31. Jahrg.
Mit Gott zu neuen Taten — zu neuen siegen. Fu Flandern erfolgreiche deutsche Kämpfe.
ein kaiserlicher Erlass.
An das deutsche Heer und die deutsche Marine!
Ein Jahr schwerer, bedeutungsvoller Kämpfe ist zu Ende gegangen. — Gewaltige Schlachten, die vom Frühjahr bis zum Herbst auf belgischer und französischer Erde tobten, sind zugunsten Eurer ruhmreichen Waffen entschieden. Im Osten brachte der Angriffsgeist unseres Heeres durch wuchtige Schläge große Erfolge. Jetzt ruhen dort die Waffen. Glänzende Siege vernichteten in wenigen Tagen jahrelange Angriffsrüstungen der Italiener. — Im Zusammenwirken mit der Armee hat Meine Flotte aufs neue bei kühnen Unternehmungen ihre Tatkraft bewiesen. Unbeirrt leisten die Unterseeboote ihre schwere, wirkungsvolle Arbeit. Voll Stolz und Bewunderung blicken wir auf die heldenmütige Schar unserer Schutztruppe. — So hat das deutsche Volk in Waffen überall, zu Lande und zu Wasser, Gewaltiges errungen. — Aber noch hoffen unsere Feinde mit Hilfe neuer Bundesgenossen Euch zu schlagen und dann für immer Deutschlands in harter Arbeit erkämpfte Weltstellung zu zertrümmern. Es wird ihnen nicht gelingen! Im Vertrauen auf unsere gerechte Sache und unsere Kraft sehen wir mit fester Zuversicht und stählernem Willen auf das Jahr 1918.
Darum vorwärts mit Gott zu neuen Taten und zu neuen Siegen!
Großes Hauptquartier, den 31. Dez. 1917.
gez. Wilhelm I. R.
flimiicbe dcaifcbe Cagesbericbte.
wtb. Großes Hauptquartier, 29. Dez. 1917.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
In einzelnen Abschnitten der flandrischen Front südlich von der Scarpe, bei Graincourt und Gonnelien nahm die Feuertätigkeit gegen Abend zu. — Oestlich von Nieuport und Poelcapelle scheiterten mehrfache englische Erkundungsvorstöße.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Nördlich von Courtecon drangen Aufklärungsabteilungen in die französischen Linien und brachten eint- ge Gefangene zurück.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
'Nichts Neues.
Mazedonische Front.
Am Pcespa-See, nordwestlich von Monastir und am Doiran-See, zeitweilig rege Artillrrietätigkeit.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Ein italienischer Angriff gegen die Höhen östlich Vom Monte Tomba scheiterte in unserem Feuer.
Der Erste Generalquartiermeister: Lud endorfs.
. « .
Berlin, 29. Dez., abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues.
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3 n der Irischen Sec.
Berlin, 28. Dez. Im geschickt und schneidig durch, geführten Angriffen gelang eS einem unserer U-Boote, in der irischen See innerhalb 5 Tagen 13500 Br.-Neg - T. Schiffsraumes zu vernichten. Sämtliche Schiffe waren große Dampfer. Einen von ihnen schoß daS U Boot aus einem stack gesicherten großen Geleitzuge heraus, ein anderer Dampfer von etwa 5000 To. hatte anscheinend Sprengstoff geladen. Unter auffallend heftiger Detonation und starker Feuererscheinvng verschwand der größte Teil des Schiffes augenblicklich, nur daL in Weißglut getauchte Heck war noch wenige Minuten sichtbar.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
lieber $0000 Tonnen.
Berlin, 29. Dez. Unsere U-Boote im Mittclmeer haben wieder 9 durchweg bewaffnete Dampfer mit zusammen über 30000 Bruttocegistertonnen versenkt. Die Dampfer wurden meist in schneidigem Ueberwaffer- nachtangriff aus stark gesicherten Geleitzügen herausgeschossen. Alle Schiffe waren tief beladen. Ein Dampfer, der offenbar Gasolin geladen hatte, war sofort nach dem Treffer in hohen Flammen gehüllt. Ganz besom ders wurde der Transportverkehr im westlichen Mittel- meer gestört.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
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Wtb. Großes Hauptquartier, 30. Dez. 1917.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Im Apernbogen, südlich von der Scarpe und auf dem Ostmaasufer war die Actillerietätigkeit zeitweilig gesteigert. Kleinere Erkundungsgesechte an der englischen Front und in den Argonnen.
Oestlicher Kriegsschauplatz:
Nichts Neues.
Mazedonische Front
Nordwestlich von Monastir und am Dojcansee lebte das Feuer vorübergehend auf.
Italienische Front:
Am Tombarücken und im Ptaveabschnitt beiderseits von Pederobba entwickelten sich am Nachmittage heftige Artillerie- und Minenwerferkämpfe.
Der Erste Generalquartiecmeister: Ludendorff.
»
Berlin, 30. Dez., abends. Zwischen Marcoing und La Vacqucrie nahmen unsere Truppen in örtlichem Vorstoß die vordersten englischen Gräben und machten einige Hundert Gefangene. — Tagsüber heftiger Feuerkampf am Monte Tomba. ^
ly oso tonnen verrenkt.
Berlin, 30. Dez. Durch die Tätigkeit unserer U-Boote wurden im Sperrgebiet um England 10 000 Bruttoregistertonnen vernichtet.
- Der Chef des Admiralstabcs der Marine.
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wtb. Großes Hauptquartier, 31. Dez. 1917.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Unter starkem Feuerschutz stießen englische Abteilungen nördlich von der Bahn Bösinghe— Staden vor. Unsere Trichterbesatzung warf sie zurück und machte einige Gefangene. Bei Beselaere steigerte der Feind tagsüber sein Artillericfeuer. — Heftige Minenkämpfe bei Hulluch und Lcns. Südlich von Graincourt wurde ein feindlicher Vorstoß im Nahkampf abgewiesen. — Durch sorgfältig vorbereiteten Angriff setzten sich Sturm truppen hannoverischer, oldenbucgischer und braunschweigischer Verbände südlich von Marcoing in den Besitz der vorderen englischen Gräben. Rheinische Bataillone stürmten nördlich von La Vacquecie Teile der englischen Stellung. In mehrfachen verlustreichen Gegenstößen konnte der Feind verlorenes Gelände teil* weise zurückgewinnen. An Gefangenen wurden 10 Offiziere und 365 Mann eingebracht.
Heeresgruppe deutscher Kronprinz
Auf dem östlichen Maasufer und beiderseits von Ornes erhöhte Artillcrietätigkeft.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
In Erkundungsgcsechten auf den Maashöhen wurden einige Franzosen gefangen . Auf dem Westufer der Mosel war das Feuer gesteigert.
Mazedonische Front.
Lebbafte Actillerietätigkeit zwischen Wardar und Doiran-See.
Italienische Fronte
Heftige Artillerie- und Minenkämpfe dauerten tagS» über am Tombarücken an. Am Nachmittage griff fran- ^ zösische Infanterie an und drang in Teile der Tomba- stellung ein.
Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff.
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Berlin, 31. Dez., abends. Im Westen verliefen Grabenkämvse südlich von Marcoing für uns erfolgreich. — Am Monte Tomba hielt tagsüber gesteigerte Feuertätigkeit an.
25000 Tonnen.
Berlin, 31. Dez. Neue U-Bootserfolge in der Btscana, im englischen Kanal und der irischen See:
25 000 Br.-Reg. To.
Der Chef des AdmiralstabeS der Marine.
Sol! und Haben.
Seit langem benutzen wir den Film, um den Zuschauern im eigenen Lande und auch in neutralen zu zeigen, was es nun eigentlich mit dem angeblich zusammenbrechenden Deutschland aus sich hat, wie cs arbeitet, wie es kämpft und wie es siegt. In solcher Absicht ist soeben ein Film fertig geworden, der gewissermaßen eine Bilanz zieht. Die Bilanz eines Jahres unsrer Friedensbereitschast und unsrer Kampfesentschlos- senbeit, beginnend am 12. Dezember 1916, endend mit den Verhandlungen für den deutsch-russischen Waffenstillstand. Es ist sehr gut, ja, es ist geradezu vortrefflich, so in sinnlicher Greifbarkeit noch einmal die ent- sckeidenden Etappen dieses glorreichen Jahres an uns vocüberziehen zu sehen. Wir vergessen schnell, schneller jedenfalls als gut ist. Hier werden wir erinnert, und überdies auf eine besonders eindringliche, unwiderstehliche Weise. Heldentaten umgeben uns; wir sehen das Genie unsrer Feldherren und die Tapferkeit unsrer Truppen leibhaftig vor uns. Wir sehen zugleich etwas von den Abmessungen, die dieser gewaltige Krieg aufzuwei- sen hat. Land und Meer, Rußland, Frankreich und England und obendrein Amerika ziehen an uns vorüber. und überall sehen wir die Wirkungen der deutschen Kraft. Es ist sehr interessant, daß wir nicht nur in die besetzten Teile der feindlichen Gebiete gejühct werden, sondern, daß wir auch über die Fronten hinaus Einblick bekommen: wir sehen französische Truppen im Kampf, anschleichende grimme Gurkhas, das Messer zwischen den Zähnen. New Uork im Taumel, Petersburg in den Tagen der Revolution. Wir sehen die Vielfältig» keit des Krieges, Truppen im Handgemenge. Schiffe, die zu Tode getroffen, wie wunde Tiere versinken, sorgsam gepflegte Herden von Schweinen und Gänsen, berliner Stcaßenleben. den Fleiß der Munitionsfabriken. Ein üb^cbuntes Mosaik, tausend Teile, die sich zu einem gewaltigen Organismus zusammenfügen. Man bekommt einen Eindruck; man fühlt den Geist und den Rhythmus dieses alle bisherige Erfahrung sprengenden Geschehens, fühlt den Weltkrieg. -Sieht aber zugleich, sieht es unwiderlegbar, wie die Ereignisse zu unfern Gunsten laufen, wie die Absichten unsrer Feinde zerschellen. Dieser Tatbestand wird besonders deutlich durch eine Reihe von Dokumenten, die sehr geschickt zwischen die Bilder gereiht ist. Den Anfang macht das Wort des Kaisers, das er am Tage unsres ersten Friedensangebots an die Armee richtete; cs folgen die klobigen Antworten der feindlichen Machthaber; gewaltig recken sich d^e Worte Hindenburgs, die den Femden Deutschlands zum Schrecken, uns zum Antrieb geworden sind; zum Schluß steht die Aufforderung der russischen Demokratie an die Westmäch- te, daß es Zeit sei, den Frieden zu mache«: Die Blut- krast aller dieser Worte steht, wenn die Bilder des Bilanzsilms an uns vorüberziehen, wie ein Denkmal vor uns. Den Weg also haben wir hinter uns; so kann uns vor keinem andern, was auch immer kommen mag, bange sein. Solche Ilcberzeugungskraft entströmt der schnell vorüberztehenden Bildcrreihe; darum sollte man nicht säumen, ihn in ganz Deutschland zu zeigen, sic auch den Neutralen und, damit sie auch einmal die Wahrheit kennen lernen, vielleicht gar unfein Feinden zugänglich zu machen.


