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L>r«ck 'oer Gietzener Verlagsdruckerei, Albin 5Nein.
fFir. 115, Telephon Nr. 382.
Mittwoch, dm 18. Dezember 1918.
KeelnA »er Metzlarer Zeitrrug". Telephon Nr. 363.
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31. Iahrg.
Das Programm 3er Dew«Kra?*ff&en Partei
Berlin, 14. Dez. Die Deutsche demokratische Partei veröffentlich nunmehr ihren Wahlaufruf sü' die Wahlen Zur Nationalversammlung. Ec lautet in seinen wesentlichen Punkten
„Das alte Regi-rungLsystem in Deutschland ist zw s^ntmengebrochen. Drei Millionen Tete und Invaliden, die Einbuße des größten Teiles unfi''s Volksvecmög ns, der Verlust von Sch'ffahstU'.td Außenhandel Hunger, und Elend kennzeichnen dis Trümmerfeld, dos uns eine vec kehrte äußere und inw raPolitikbinterlassen hot. Die Bahn ZUM freien Volk^ftaot ist offen. Aber allzu lange schon dauert die mit der Revolution verbundene Unordnung und Gesetzlosigkeit. Erleben wir nicht täglich die Be» drohung durch die Spartaknsleut?, die Zo-rüttung unseres Wirtschaftslebens durch politische Streiks und sinnlose Lohnforderungen, Loölösurg deutscher Reichsgebiete durch die Polen und die würdelose Z rsolittr runz im Innern. Wahrlich die Geschicke Deutschlands sind schlecht aufjje* hoben, solange nicht die Ordnung u*b Gesetzmäßigkeit wiederkehren. In diesic Not können nur. große Parteien wirksam am Wederaufbau unseres Vaterlandes Mitarbeiten. In der Deutschen deawkratischen Partei haben sich olle zusammengeschlossen, die, auf deck Boden der Revublrk stehend, bei den Wahlen zur Nationalversamm» lung dos Schicksal Deutschlands weder der Reaktion ausliefcrn, noch der SozialdemokcottL allein überlassen wollen. Wir verlangen, coßd e Wahlen zu^ Notionalver- sammtunq mit grösster Bttchleumgung durchgesührt werden. Wir wollen die errungenen politischen Freiheiten reicht wieder pretSgrben. Wir treten deshalb bet den Wahlen ein für dir GrrLchtrmg üntv derrLschen Ue pabtik, in der alle öffentliche Macht allein auf dem Willen des souveränen Volkes beruht, denn in ihr sollen die einzelnen deutschen Stämme ihr« Eigenart selbständig und frei entw <k ln können. Wir sordera die völlig" Gleichheit all?« deutschen Stoatsbü gec und Staarsbür-' gerinnen vor d.'m Gesetz und in der Verwaltung ohne Rücksicht aut Stand, Klasse oder B ttnntrris. W:r ver- langen die Freiheit des Gewissens und der Relig<ons' Übung, eine T.ennuna von Staat and Kirche lst nur denkbar unter voller Wahrung der Wurde und der Siche» rung der finanziellen Selüstständigkett 5c' Kirche." Der Wahlaufruf verlangt weit?« staatliche Anerkennung der Arbeite? - und Angestelltmvechünde. Hilfe für die Kriegs beschädiaten, eine soziale Steuerpolitik, schärftte Erfassung der Krieasgew nn?, Aufrechte-Haltung d.s Ptiv ckeigen- tums, Schutz für das Handweik und den kleinen Handel, Ausbau des Btamtenrkchtes. Schutz für. den Baue nstand und schließt dann: „Militaristische Gewaltpolitik hüben und drüben hat uns in diesen Kcieg qefüütt. Das Recht muß unter den Völkern herrschen. Wir verlangen eine auswärtige Politik, dte getrogen ist von einem dauernden Frieder und die Deutschlands Stellung in dec Welt sichert. Wir traten ein für eine,'. Bund gleichberechtigte^ Völker, für tccnatwna/'e Schädsuertchle und für eine gleichmäßige Beschränkung d'.r Rüstungen. Im Heere v-rlangkn wir die Btttttigunq aller Vorrechte. Wir fordern Freiheit der Meere und freie Entwicklung von Handel und Schiffahrt. Der Außenhandel ist unentbehc- i'.ch zum Wied rausbau der 2Butfd^aft und zur Vcrmeh . rung der C- werbsgelkge^heiten unseres Volkes. Vorbedingung für eine gute AuLlandspolitik ist eine durch» - greifende Reform des auswärtigen Dienstes. Die Rechte Anslandsdentsche« und die Kolonmttulcrrsscn d?-s deutschen Volkes muffen gewahrt werden. Wir verlangen bei den FttedensvciHandlungen auch für uns das volle freie Selbstbeftlmmungsrecht, dos wir den andere« Völkern zugestehen Wir fordern, daß bei der Regelung der Nationalitätenfrage in Elsaß Loth.'ngcn und in der Ostmark neben den nationalen auch die wirtschaftlichen. geographischen und kulturellen Beziehungen voll berücksichtigt werden. Wir treten ein für den qc* sttzlichen Schutz fremdsprachiger Minderheiten in Deutsch- land uno verlangen das gleiche Recht für die deutschen Minderheiten tm Ausland
Sie Zukunft der NarionaMberalen Panel.
Der Zentraivorstand der Nationallibero en Partei am letzten Sonntag in Berlin eine Versammlung oh, die von Minister Dr. Frffdbrlg geleitet wui.de. Fa Beginn der Verhandlungen gab Dr. Friedberg Bericht ^oer die Etttigungsverhandlungen, di? in Berlin zunächst zwischen der Nationalltberalen Patei und den Fortschritt- lrcn und alsdann zwischen der Deutschen Volkspartei uv^e^Deutschn^^nokmttscher^llai^Niefüb^vo^^i
sind Im Anschluß daran berichtet:' dann Generalsekretär Dc. Hugo über den Gang, den dff- Entwicklung während der Berliner Verhandlunrtt ^ in o.c O^ganisatlonen der. Provinzen und der verschied ncn Landesteile genommen hat und über den heutiger, Stand der Dinge in der Partei. In der Aussprache wurde von einem Teil der Redner für die Deutsche VolkSparttt und einem anderen für die Deutsche demokratische Partei Stellung genom men. Zar Abstimmung lag ein Antrag des früheren Abgeordneten Dr Weber vor, der eine Liquidation der Partei ins Auge faßte Ferner wurde folgender Antrag eingcbtacht:
Der Zentralvorstand wolle beschließ, n, die Organisation der Nationalliberalen Partei aufrecht zu erhalten, wenn auch unter einem neuen Namen und dem Programm der Deutschen Volkspattei, wie in dem Aufruf der drei Vorsitzenden dcs Zentralvo.ftandkS vorgeschiagen ist. Dieser Antrag, der von Dr. Vogel Chemnitz gestellt war, wurde mit 33 grg n 28 Stimmen angenommen. Der Liquidationsantrag Dc. Weber war damit erledigt. Im Anschluß an die Sitzung des Zentralvorstandks der Nationallibkralcn Partei fand die Gründringsvecsammlung Der Deutschen Bolkspartei statt, in der ReichsiagSabge- ordneter Strcsemann eine programmatische Ansprache hielt. Die Pofitik der Demokcattschen Partei will «uc mit der Siz'-aldemokratt«? regieren, uylr vielleicht selbst in ihr aufzugelse«. Erhalten' wir chnr Herrschaft der Demokraten und Sozialdenmkcaten, also eine svlialistisch- demoktatlsche Mehrheit, dann we.O.n innerhalb dieser Mthrheit nicht die Demokraten die Herrschaft haben, sondern die Sozialdemottaten. Freiherr v. Richthofen mu a mcht gegen Scheid-mann t oteren, wie auch Scheidemann von dec Gegenseite abhängig sttn wird. Deshalb ist es notwendiger als je, den nationalen Er danken hochzuhalten. Btt einem guten Ausgang d.s Krieges wäre d^c ntiiionole Gedanken von skibst im deutschen Volke, fcstglblieb, n und halte wert c Ausbreitung gefunden. Jetzt ab'.r sind Bestrebungen im Gang, dem Jntcrnatio nal:smus zum Siege zu verhelfen. Dagegen müssen wir uns wehren, um das bemofcatif(j&ge*:it^tete National empfinden zu fördern und den Weg zur Rückkehr zum Nvtlonastsmus offen zu halten, muß eine Mittelspartei vorhanden sein, der. auch eine Zukilnft gegeben sein wird. Denn was wir jetzt sehen, den Zug zur Demokratie und zum Rkpublikantsmus, entspricht nur einer gegenwäc,
! Ligen Stimmung, wie cs vorher einen Byzantinismus, j gegeben hat, so gibt es j tzt einen Byzantinismus der j Republik. In dieser Stimmung, d e nur ein? Tagesftim- ! mung ist, müssen unsere alten Ideale hochgehalten werden.
, Dann wurde von der Versammlung der neuen Partei j der Wahlaufruf festgesetzt. Ein Partetausschuß für die ! Wahlen zur Nationalvcrsammlung und ein geschästs I führender Ausschuß für die Leitung dec Pattetgestzäfte ^ wurden gebildet. 4
Die Mnrssen in Msi»r und am Rhein.
Die Französin haben^ihren feierlichen Einzug in \ Mainz gehalten. An der Spitze der Truppen ritren die Generale FayolleS und Mangln. An dcn Eibg schloß sich ein Empfang der deutschen Behörden aus derrr bi- setzten Gebiete an Es nahmen daran Teil der Pro- vinzialdirektoc d^c Provinz Rhttnheffen Geheimcot Best, oer Regierungspräsident von Wiesbaden Wirkl. Geh. Ob. rcegterungscat Dc. v. Meister, der Bischof von Mainz Tr Krrstcin, der EffenbahndlrckNouLprÜstdent Wirkt. Geh. Oberregierungsrat Martin! und verschiedene andere Herren der Veimaltung. Provinziatdicektor Best gab namens der Regierung die Versicherung ab, daß die Behörden des besetzten Gebiet«s alles daransetzen würden, um ein durchaus loyales und einwandfreies Mitwirken mit der französischen Autorität he^beizusührcn und zu erhalten und das wirtschaftliche Leben oec Bevölkerung zu befördern. General Fayolles führte in seiner Antwort u. e. auS: Der Frankreich von Selten Deutschlands auf- gezwungene Krieg ist der ungerechteste und grausamste, den die Menschheit geführt hat, so daß sich die ganze Welt darüber empörte. Rach der verbrecherischen Reu- tcalitätsverletzung Belgiens war es den deutschen Armeen wohl möglich, in unser Land cinzusallen. Systematisch sind d,e Provinzen Nocdfcankrerchs verwüstet, unsere Dörfer von der Btldflächc verschwunden, unsere Städte durch Geschützfeuer oder Brände zerstört worden, diejenigen, die außerhalb des Feuecbeceichs lagen, wurden, geplündert, und ganze Züge voller Wäschestücke, Möbel, Kutlstschätzc, Fabrikmatecial usw- nach Deutschlond soct-- geschafft. Das ist kein Krieg, sondern mit bewaffneter^
heute Taasen e von Familien Heimat- und mittellos-, ihr Land ist in eine Wüste vcrwaudttt worden. So steht die Lage, welche Ihr ungerechter Krieg geschafft hat und für welche Ihr verantwortlich bleibt. D.n Schrecken haben Sic als Kuegsiystem angewandt: die Folge davon ist. daß unsere WwerstandLkcaft erhöht und unter Sieg beschleunigt wurdc. o<»t dem 15. Juni haben die überall Zurückgedrängten deutschen Armee« eine ununlerbcochme Reihe Niederlagen erlitten, in deren Lause mehrere hunderttausend G^f angcne und Tausend Geschütze in den Händen der Alliierten blieben, bis zum Tage, wo sie, zum endlichen Zusammenbruche verurteilt, um Gnade uttten mußten. Nun, heute sind w'r am Rhein. Sie haberc allerdings gerechte Vergeliungsmaß- regeln gefürchtet, aber Frankreich ist feinen glorreichen Traditionen treu geblieben, und die Armeen der Republik haben Ihr Land durchquert, ohne den geringsten Schaden anzurichten. Wir kennen die Schadrnfrcuve nicht. Die Pfälzer und Mainzer, deren Großeltern einst dem französischen Vaterlande angehört und an unserer Seite gekämpft, haben die echt natürliche Großmütigkeit und die hohe Moral unserer Soldaten wicdererkannt. Zwar wird niemand von unS dos angetane Hebel je vergessen, aber, fein Franzose ist fähig, Kinder oder wehclosi Bevölkerung dafür verantwortlich zu halten oder aus rttnrr Schadenfreude zu zerstören. Sie haben also nichts zu befürchten weder für sich, noch für Ihr Gut, vorausgesetzt, daß Sie sich ohne Hintergedanken der fcanzö fischen militärischen Autoritär unbedingt unterstellen. Diese letztere wird in Mainz General Mangln, der Oberbcfehsshabec der 10. Armee, vcckörp-rn. Nehmen Sie loyal, und zwar in Ihrem eigenen Interesse, eine Lage au, die dic Folge der Jrrtümrr, der Fehler und der Niederlagen Deutschlands ist, und schätzen Sie sich glücklich, mir einem Volke zu tun zu haben, das, ohne das ihm bescherte Schicksal zu vergessen, falls es durch Sie niedergerungen worden wäre, dcn Prinzipien der Gerechtigkeit, die es stets in der Wett verteidigt hat, im Sieg treu bleiben wird. Nach dieser Ansprache gab Genera! Mangin die Versicherung ab, daß das wirtschaftliche Leben sich auch wieder den neuen Vtthält- nisfen frei entwickeln könne.
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Ain Samstag ist nunmehr der Brückenkopf Mainz \u seiner ganzen Ausdehnung von französischen Truppen besetzt worden. Manche Orte, namentlich jene an de. äußersten Peripherie, erhielten vorerst nur Quar-- tiermacher, die andern dagegen bereits ihre volle Besatz- ungsfrärke, die je nach der Bedeutung des Gemeinwesens außerordentlich schwankt. So wurden einquartiett in Höchst a. M 65 Offiziere und 1600 Mann, in König- stein ein Oberst, zwei Majore, 15 Hauptleute, 32 Leutnants, 1800 Mann und 250 Pferde, in Groß-Gerau 1500 Mann. Für den Kreis Höchst sind insgesamt 5000 Mann Besatzungstruppen in Aussicht genommen. Unmittelbar nach Ankunft der Franzosen wurde in den einzelnen Orten die westeuropäische Zeit eingeführt. An den Anschlagtafeln erschienen Bekanntmachungen, die Anweisungen für das Verhalten der Bevölkerung geben und natürlich tief in das wirtschaftliche Leben wie in die persönliche Freiheit des Einzelnen einsch.aeiden. Der Markkurs wurde in den meisten Orten auf 70 Cents festgesetzt. Sämtliche Waffen, die in Privatbesitz find, müssen bei Vermeidung einer Geldstrafe von 200 Mk. für jedes nicht abgelieferte Exemplar auf dem Bürgermeisteramte abgegeben werden. Bahnhöfe und Postämter stehen unter französischer Aussicht. In Königste in z. B. müssen die Briefe mit ftanzösischen Marken frankiert werden. In den Geschäften und Wirtschaften entwickelte sich am Samstag bereits ein lebendiges Treiben. Der begehrteste Artikel waren - Ansichtskarten, die zu Tausenden in die französische Heimat gesandt wurden. Die Bevölkerung folgte den Cinzugsfeierlichkeiten allerotten mit begreiflicher Spannung, verhielt sich aber bis jetzt durchaus würdevoll und der Lage angemessen kühl und zurückhaltend.
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Krefeld, 16. Dez. Rach dem Durchzug großer belgischer Truppenmassen, die nach dem linken Niederrhein weitermarschierten, hat Krefeld seine endgMige Be- setzung erhalten. Die Zeitungen stehen unter strengster Zensur. Sie erscheinen nur noch einmal täglich und weisen große Zensurlücken auf.
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Köln, 16. Dez. Die zweite englische Armee hat heute teilweise den Rhein überschritten. In einem Vor-


