Ausgabe 
11.12.1918
 
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0 Tie Verfassung der deutschen Republik. Der Staatssekretär de.! Innern, Professor Dr.Lugo Preuß, hat nach dcm Reich^amt des Innern eine Kornmission hervorragender Kenner des Staatsrechts eingeladen, die über den der Nationalversammlung vorzulegen- derr Entwurf einer Verfassung der Deutschen Republik beraten soll. Von der Reichsleitung werben die beiden Juristen Hugo Haaje und Otto Landsberg an dieser Kommission teilnehmen.

0 Französische Offiziere in Berlin. Zur Rege­lung des Gesangenenabtransportes der französischen Kriegsgefangenen in Deutschland traf, aus Span kom­mend, der französische General Dupont, begleitet von französischen Seeo ,i ieren, in Berlin ein, wo im Hotel Adlon Quartier beftellt war.

° Beim Hannfried. Die Münchener Anregung, in der thüringischen Universitätsstadt Jena Konferenzen der deutschen Re. icrungsvertreter zur mündlichen Aus­sprache über geplante politische Schritte abzuhalten, ist leicht erklärlich, denn die sozialdemokratische Parte: hat eine grobe Vorliebe sür Jena, wo schon wiederholt die sozialdemokratischen Parteitage abgehalten worden sind. In Friedewszeiten fuhr man von Berlin in 31/2 Stunden, von München in etwa 7 Stunden nach Jena, das zentral liegt und im Bolkshause, das Pro-' fessor Abbe von den weltberühmten Zeiswerken stif­tete, ausgezeichnete Konserenzräume besitzt. Und die ganze Umgebung mahnt unwi lkürsl-ch zur V erträglich- reit. Bloß eine eei steit könnte sich einstellen,

nämlich Quartiermn ^ A. Die Zahl, der für die Unr-

. ist autzerordentzlcch arotz, so daß auch i: Gasthöfe mit als Studenten­buden in V.u*:pi...;» genommen werden müssen. Nun, zur Not gi .s in den nahen Städten Weimar und Naumburg hinreichend Unterkunft. Mit dem alten, kirchlichen Hannfried, dem Standbild des kurfürstlichen Stifters der Jenenser Universität, wird sich die hohe, republikanische Versammlung ja wohl vertragen. Und das Lichtenhainer Bier, das Jenenser Nationalgetränk, regt auch nicht mehr zu heftigen Worten auf.

Neue Vorschriften für Bäckereien. Für das Bäckerei- und KonditorgewMbe bringt eine Verordnung d-.'s Rates der Boltsbcaustragten wichtige neue Vor­schriften. Den Arbeitgebern wird untersagt, wegen Einführung des Achtstundentages Lohnabzüge zu machen Bei Stücklohn erhöhen sich die Lohnsätze so weit, datz in acht Arbeitsstunden der bisherige Tages­verdienst erzielt wird. Die für die Mehlverteilung zuständigen Kommunalverbände haben Fachausschüsse zu errichten, die aus einem unparteiischen Vorsitzen­den und ie drei Beisitzern aus dem Kreise der Arbeit­geber und Arbeitnehmer bestehen. Diese Fachausschüsse sollen von den zuständigen Behörden vor Erlaß wich­tiger Anordnungen gehört werden.

= Tie Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst bildete bisher für die höheren Lehranstalten ein großes Hindernis für einen gedeihlichen Fortgang des Unterrichts, weil dadurch eine Reihe von Schülern veranlaßt wurde, ohne inneren Drang und ohne Fähig­keit zum Studium wenigstens bis zur Erlangung der wissenschaftlichen Befähigung für den einjährig-frei­willigen Dienst an den Anstalten zu bleiben. Um hier eine Entlastung der höheren Lehranstalten herbei­zuführen, ist das bayerische Ministerium für Unter­richt und Kultus mit dem Ministerium für militärische Angelegenheiten ins Benehmen getreten, um die Reichs­leitung zur Abschaffung des einjährig-freiwilligen Dienstes zu veranlassen.

= Aufträge der Eisenbahn für ?> l / 2 Milliarden. Tie preußische Eisenbahnverwaltung hat im ganzen durch ihre Bau- und Beschaffungstätigkeit Aufträge im Werte von über 3 Milliarden Mark in Aussicht genommen, abgesehen noch von 600 Millionen Mark für Wasserbauten. Infolge dieser Maßnahmen kann die Eisenbahnverwaltung etwa 100 000 Menschen mehr beschäftigen. Die während des Krieges in den Eisen­bahnbetrieben eingestellten grauen, deren Zahl sich aus rund 100 006 belief, sollen langsam aus dem Dienste herausgezogen und durch männliche Angestellte ersetzt werden

= Für das Handwerk. Das Handwerk hat un­endlich viel zu tun, nicht nur im Laufe der nächsten Monate, sondern auf Jahre hinaus. Daraus ergibt sich von selbst die Notwendigkeit, für einen tüchtigen Nach­wuchs zu sorgen. Pie Lehrlinge haben in der Kriegs­zeit Tüchtiges geleistet, aber zu verkennen ist doch nicht, datz in ihrem Können Lücken geblieben sind, die ausgefüllt werden müssen. Und wenn auch über­all im Handwerk der Achlstunden-ArbeitSag eingeführt werden soll, dann wird es ganz unvermeidlich sein, datz die Lehrzeit auf mindestens vier Jahre festgesetzt wird.

, = Preisrückgang im Weinhandel. Man schreibt aus Süddeutschland: Die rückgängige Bewegung

im 'Weingeschäft setzt sich unaufhaltsam weiter fort, und zwar lausen dahingehende Meldungen aus allen Weinerzeugungsgebieten ein. Am stärksten war der Preissall bisher in der Pfalz und an der Mosel. Der Handel sieht davon ab, Einlegungen vorzunehmen, so daß das Geschäft säst ganz ins Stocken geraten ist. Als Käufer treten zurzeit nur noch Wirte, die Ein­käufe sür sofortigen Verbrauch vornehmen, auf. Ob­wohl z. V. in der Südpfalz 1000 Liter bereits mit 2000 Mart abgegeben werden, glaubt man dort noch nicht, baß der Tiefstand schon erreicht ist. Im Detail- geschäft ist das Viertelliter in Neustadt jetzt für 1 Mk. zu kaufen, gegen vorher 1,80 ML., 2 Mk. und 2,20 ML.: in Deidesheim, Königsbach und Ruppertsberg wurde der Ausschantpreis auf 1,20 Mk. festgesetzt. Auch in Kreuznach kostet das Viertel nur noch 1 Mk. Auch aus Württemberg und Bayern wird große Zurückhal­tung :m Weingejchäft gemeldet.

--- Für das Handwerk. Das Handwerk hat un­endlich viel zu tun, nicht nur im Lause der nächsten Monate, sondern aus Jahre hinaus. Daraus erWck sich von selbst die Notwendigkeit, sür einen kräftigen Nach­wuchs zu sorgen. Die Lehrlinge haben in der Kriegs- eit Tüchtiges geleistet, aber zu verkennen ist doch nicht, atz in ihrem Können Lücken gehleiben sind, di- aus­

gefüllt werden müssen. Und wenn auch überall im Handwerk der Achstunden-Arbeitstag eingesührt werden soll, dann wird es g:anz unvermeidlich sein, daß die Lehrzeit auf mindestens vier Jahre festgesetzt wird.

Erdrosselung der deutschen Ausfuhr. Die Aus­fuhr deutscher Fertigwaren nach Schweden wird jetzt aus Wunsch der Engländer verhindert, mit Hilfe der EEin- und Ausfuhrorganisationen der neutralen Län­der, die auf Wunsch der Entente geschaffen wurden. Der deutschen Ausfuhr von Fertigwaren nach Hol­land dürfte demnächst das gleiche Schicksal bevorstehen.

--- Zu wenig Kartoffeln und Fett. Von zu­ständiger Seite wird behauptet, die alte Regierung habe über unsere Vorräte Berichtete gegeben, die den Tat­sachen nicht entsprochen haben. Es haben sich Fehl­beträge bis zu einer Million Tonnen er­geben. Durch die polnischen Umwälzungen ist die Lage noch übler geworden. Die Neugestaltung ber staat­lichen Ordnung hat die Erhebung der Vorräte hinaus­gezögert, so daß die Erzeuger inzwischen in der Lage gewesen sind, mehr zu verbrauchen, als ihnen zustand. Auch Kartoffeln sind zu wenig da. Wie lange sich die bisherige geregelte Fettversorgung auf­recht erhalten läßt, ist überhaupt nicht zu sagen.

A Sicherung der Vro Versorgung. Die Aussichten unserer Brotversorgung haben sich in den letzten Tagen dadurch gebessert, daß infolge des frostfreien Wetters die Hackfruchtecnte teilweise rascher als erwartet, be­endigt wurde. Dadurch sind viele Arbeitskräfte srei- geworben, so daß die Bemühungen der Reichsgetreide­stelle und der Kommunalverbünde den Erfolg hatten, datz mehr Getreide als erwartet wurde, zur Abliefe­rung gelangte. Wenn der Güterverkehr in vollem Umfang aufrecht erhalten wird, werden sich die Ein­gänge an Brotgetreide derart steigern lassen, datz die Brotversorgung über den 7. Februar 1919, hinaus gesichert ist.

A Preissteigerung für Gänse. Die bisherigen Preise für Gänse, die ohnehin nur mehr sür Kriegs­gewinnler erschwingbar waren, sind in Berlin um die Hälfte erhöht worden. Es gelten für frische und gepökelte Ware folgende Preise: Liesenfett 15 Mark, Leber 13,50 Mk.^ Keulen 9,75 Mk., Brust ohne Knochen 13,50 Mk., Gänseklein, bestehend aus Kopf mit Hals,

2 Flügeln, 2 Füßen, Magen, Herz, 6 Mk., Schmalz 21 Mark, Grieben 15 Mk., Gänsebraten 16,50 Mk., Ganseweißsauer 15 Mk. und Gänseleberwurst 12 Mk.

A Der Abbau des Bezugsscheines. Tie Reichs- bekleidungsstelle hat nun auch Strümpfe und Socken auf die Freiliste gestellt. Ferner Matratzen, Inletts, Kopftücher, Schals und Umfchlagetücher, Reise- und Schlafdecken sowie Decken für Tiere. Trikothemden und -Jacken sind nicht sreigegeben. Die Beschlagnahme der im Besitz von Hotels, Gast- und Schankwirtschaften und ähnlichen Betrieben sowie Wäscheverleihgeschäften be­findlichen Bett-, Haus- und Tischwäsche tritt außer Kraft.

* Großfeucr in Berlin. Eiroßfeuer kam aus noch nicht ermittelter Ursache in der Möbelfabrik von Trem- penau, Berlin, Man euffelstrahe 22, zum Ausbruch. Als die ersten Löschzüge an der Brandstelle ankamen, standen schon das zweiie und dritte Stockwerk in Flam­men. Diese hatten besonders an den Hol^- und Möbel- Vorräten reiche Nahrung gefunden und gefährdeten andere Betriebe. Es gelang, die Gewalt des Feuers zu brechen. Der Schaden soll erheblich sein.

* Aus der Straße ermordet. Ter Besitzer des MeierhojW in Kürnstein, Jungbauer, wurde auf der Straße von Steinbruch nach Kürnstein nachts ermordet. Jungbauer trieb einen größeren Handel und hatte stets viel Geld bei sich. Er hatte die Gewohnheit, sein Geld in Gasthäusern herzuzeigen, was ihm zum Ber- Berhängnis wurde Die Se.dtasche '-wurde bei dem Ermordeten nicht ausgefunden.

* Beide Beine abgefahren. Der 16 jährige Eisen­bahnarbeiter Karl Minsk aus Gau-Algesheim hatte, um bei den vollbesetzten Zügen doch an seine Arbeits­stelle zu kommen, sich auf den Puffer eines Wagens gesetzt. In Uhlerborn aber stürzte er beim Anziehen des Zuges ab und kam unter die Räder, die ihm beide Beine abfuhren.

* Im U.Bootnetz gefangen. Eine unheimliche ^Il­lustration zu den Schrecken des Krieges gibt der Be­richt einiger deutscher Matrosen über den Fund in einem U-Bootnetz. Ten Engländern gelang es anfangs, viele deutsche U-Boote in ihren Netzen zu sangen, bis cknan die großen U-Bootkreuzer baute. Ein solcher Kreuzer stieß auf seiner Fahrt an ein Netz, aber da er mit Scheren zum Durchschneiden der Netze aus­gerüstet war, kam er los und brachte das Key im Schlepp nach Ostende. Ais itt das Netz eva >s;vg, fand man, daß drei U-Boote alten Typs darin sestsaßen. Sie hatten zusammen 25 Mann Besatzung an Bord, die hier ohne Aussicht aus Rettung den Tod erlit­ten hatten.

* Zehn Tote bei einem EiscnbahnunsaU in Frankreich. Ter Schnellzug nach Orleans stieß beim Bahnhof von Meung-sür-Loir mit einem amerika­nischen Güterzug zusammen. Vier Wagen wurden zer­schmettert. Es wurden bereits 10 Tote und 25 Ver­letzte festgestellt. Unter den Trümmern liegen noch Leichen.

* Ein Schwindler in Feldwebel,miserm. In

Hirschberg (Schlesien) meldete sich zum Grenzschutz ein Feldwebel, der angab, Alfred von Ritter zu heißen und aus Straßburg (Elsaß) zu stammen. Er wollte sich aus Oesterreich gerettet und dabei seinen Militär paß. verloren haben. Man übertrug ihm die Feldwebel- geschäste der Kompagnie. Am Sonnabend verschwand der Mann mit der abgehobenen Löhnung in Höhe von 8500 Mark.

* Ein glücklicher Walfischfang. Auf Westerland ist in diesen Tagen ein mächtiger Finnwal gefangen worden. Das Tier, das wahrscheinlich durch eine Mine verwundet worden war, hatte die seichten Gewässer am Westrand ausgesucht und war dort von der Küsten­wache bemerkt worden, die sofort Jagd aus den 25 ! Meter langen Wal machte. Durch Gewehrschüsse wurde versucht, den Riesen zu töten, doch gelang das nicht. Von einem Boot aus wurde schließlich dem Wal ein Ätück aus der Seite gelöst, woraus er endlich verblutete.

Zuerst bestand die Absicht, den Fischriefen, dessen Fleisch in der jetzigen fleischlosen Zeit eine nicht unwillkommene Küchenzugabe ist, durch ein Torpedoboot nach Ham­burg schleppen zu lassen, um ihn hier zu zerlegen und fein Fleisch zu verkaufen. Dem hat sich aber der Sylter Soldatenrat widersetzt, sodaß aus der den Hamburgern zugedachten Fleischzulage nichts ge­worden ist.

* Seinen eigenen Vater ans Unvorsichtigkeit er­schossen hat in Haimhausen der erst seit kurzem zum zum Militär eingezogene Peter Orthuber. Der Vater des Orthuber war in Low,., als Stationsdiener be­dienstet. Als er am Samstag abends 11 Uhr vom Dienste nach Hause kam, war auch sein Sohn auf Ur­laub da und hatte ein Gewehr mitgebracht. Bei dem Tändeln mir der Waffe krachte ein Schuß und Vater Orthuber sank getroffen zu Boden.

* Wie die Polen arbeiten. In dem deutschen Orte Rosenberg (Wpr.) wohnt eine Anzahl Polen. Vor einigen Tagen sollten in dieser Gemeinde der Bauern- und Land- arbeiterrat gewählt werden. Der Gememdediener, ein Pole, bestellte nun zur Wahl die polnischen Gemeindemitglieder. Die Folge war, datz ein Bauern- und Landarbeiterrat ge­wählt wurde, der zum größten Teile aus Polen besteht. Kurzerhand wurde der deutsche Gemeindevorsteher für abge­setzt erklärt, ünd ein polnischer Gemeindevorsteher eingesetzt.

* Unter Mitnahme von 230 000 Mt. verschwunden ist der Sohn eines Berliner Großkaufmanns. Der junge Mann hatte in der letzten Zeit ein etwas sonder­bares Wesen gezeigt und verschiedenlich geäußert, daß er lieber ins Ausland gehen wolle, als sich hier noch weiter aufzuhalten. Diesem Plane wurde von seinen Angehörigen entgegengearbeitet. Dennoch hat denn jetzt der Sohn anscheinend seinen Entschluß ausgeführt und mit 230 000 Mark, die er der elterlichen Kasse entnahm, das Weite gesucht.

** 230030 Mark untcrsHW-n. Unter Mit­nahme von 230 000 Mark ist aus der cltciUWoh­nung der Sohn eines Grotzkausmanns ans Berlin oec- schwunden. Ter junge Mann tzattr m der w^cen Zeit etwas sonderbares Wesen gezeigt und verschied.nuid, geäußert, daß er ins Ausland geben rvoUe. Diesen Entschluß hat er setzt ausgesührt uud i|t unter Mit­nahme von 230 000 Mark, die ec der elterlichen Kasse entnahm, abgereist.

** Eine Bataillonskasse mit 100 000 Mark er­schwindelt. Die Kasse des 2. Bataillons des Eisen­bahnregiments 1, die 100 000 Mark bares Geld ent­hielt, ist zwei jungen Schwindlern durch ein Betrugs­manöver in die Hände gefallen.

(D Zwei Todesurteile vom Reichsgericht bestätigt.

Das Reichsgericht bestätigte zwei Todesurteile. Das eine war vom Schwurgericht Neuruppin am 10. Ok­tober gegen den Musketier Max Fuß aus Wittenberge gefällt worden, der seine Frau ermordet hatte^ um, eine Liebschaft anzuknüpfen, das andere hatte das' Schwurgericht Nordhausen am 21. Oktober gegen den Zigarrenmacher Heinrich Kurs aus Goslar ausge­sprochen, der die Barbiersehefrau Kleemann, bei der er in Untermiete wohnte, ermordet hat.

GD Zwei Mörder vom Schwurgericht Berlin zum Tode verurteilt. Ein mit seltener Kaltblütigkeit aus- geführler Mord beschäftigte das Schwurgericht des Land­gerichts 111 in Berlin. Unter der Anklage des Mordes an der Milchhändlerin Klara Gehler aus der Branden- burgischen Straße 8 zu Wilmersdorf, ferner wegen gefährlicher Körperverletzung haben sich der 23jährige in Wilna geborene Arbeiter Alexander Wojciechowski und der 28 jährige in Kalisch geborene Schlosser Josef Maiewski vor den Geschworenen ^u verantworten. Der Angeklagte Wojciechowski kam un Jahre 1917 aus Wilna nach Berlin. Er war ein fleißiger und geschickter Arbeiter und verdiente über 100 Mark wöchentlich. Masewski lebte schon seit 1915 in Deutschland und arbeitete zuletzt in Mariendorf als Hilfsschlosser. Da Woiciechowskr wiederholt für seinen Arbeitgeber Müller in dem Hause Brandenburgische Straße 8 gearbeitet hatte, fo war offenbar von ihm der Plan ausgegangen, die Frau Klara Gehler, die in diesem Hause 'ein Milch­geschäft betrieb, zu ermorden und zu berauben. Dieser Plan wurde mit allen Einzelheiten vorher aus­gearbeitet.

Ihren Plan, die Frau G. unter dem Vorgeben erner notwendigen Reparatur an der Wasserleitung in die hinteren Räume zu locken und sie dort zu erdrosseln, setzten die Angeklagten am 2. September d. Js. in die Tat um. Frau G., welche den W. als Arbeiter des Müller kannte, ließ ihre beiden Mörder ohne Arg in die Küche und ging dann wieder in den Laden, um Kunden zu bedienen. Einer Frau Anna Pilz teilte sie mit, daß sie in der Küche zwei Russen hätte und bat sie, ein Weilchen in dem Laden zu bleiben. Während sich die Frau P. vorn im Laden mir einem hinzugekomwenen Kunden unterhielt, spielte sich in den Hinteren Räumen ein grauenvolles Ver­brechen ab. Als Frau G. ahnungslos die Küche betrat, warfen ihr die beiden Verbrecher blitzschnell den schon bereitgehaltenen Strick um den Hals und zogen ihn fest zu, so daß, wie die Leichenöffnung ergab, der Tod aus der Stelle eingetreten sein mußte. Die beiden Räuber kamen jedoch nicht mehr dazu, den beabsichtigten Raub auszuführen, da zufällig der Schwager der Ermordeten, der Schlosser Kleiber, den Laden betrat. Als er nach hinten ging, fand er hier ferne Schwägerin entseelt aus dem Boden liegend und sah gerade noch, wie die beiden Angeklagten aus dem Fenster sprangen. Er verfolgte den W. und holte ihn noch in der Brandenburgischen Straße ein. Es kam zu einem wütenden Kampf, plötzlich sprang Majewski hinzu und versetzte dem K. mit einem Hammer einen wuchtigenH Schlag über beu Kopf, so daß K. sofort öewußtlM zusammenbrach. Tie Verfolgung der beiden Mörder wurde aber von Passanten sofort ausgenommen. Woiciechowskr wurde am Hohenzollerndamm von dem Bankbeamteii Alfred Kuhnert überwältigt, Majewski noch rn Derselben Nacht ermittelt und festgenommen.

Zu der Verhandlung da die Angeklagten

der deutschen Sprache nicht besonders mächtig sind, Rechtsanwalt Dr. Zborowski als Dolmetscher geladen. Die Geschworenen sprachen beide Angeklagte des Mor­des schuldig, woraufhin das Gericht beide zum Tode verurteilte.