Hii$ Hessen.
Das Staatsmimsterium erläßt folgende Bekanntmachung' In Uebereinstlmmung mit dem hessischen Arbeiter- und Soldatenrat verordnen wir, was folgt: Die beiden Kammern der Land- stände werden hiermit aufgelöstt.
Das hessische Staatsministerium hat die Entführung des achtstündigen Arbeitstages für sämtliche staatlichen Betriebe beschlossen. Die Lohnabzüge sollen darunter keine Minderung erleiden. Das Staatsministerium hat ferner beschlossen, daß zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Mittel bereit zu stellen sind. Für Notstandöarbcitcn sind den heutigen Leüensverhältnissen angepaßte Löhne zu zahlen. Eine erhöhte Arbeitslosenunter stützung hat ohne Anrechnung der gewerkschaftlichen oder sonstigen Unterstützungen zu erfolgen. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hat das hessische Finanzministcrium in seinem Arbeitsbereich Arbeitögelcgcnhciteu für nahezu 15 000 Arbeiter geschaffen.
öürgmak für §radr und Kreis ßiefzen.
Der Bürgecrar hicit in den letzten beiden Wochen zwei Sitzungen ob, die sich zunächst mit seinem Ausbau und seinen Aufgaben beschäfttete. Zugcwähit wurden folgende Herren: Oberstaatsanwalt Hofmann, Registraior Rumpf, Kaufmann Motz, Handlungsgehilfe Weise, Sekretär Bäck, der Reinigungsgcomcter Ludwig, Sekretär Kolb, Druckereibesitzec Lange, Kaufmann Leopold Mayer, Kaufmann Heimer, Kaufmann Ringel, Schlosseimeister Kreiling, Ing. Gäbet, Kaufmann Frensdorf und je ein Vertreter des Verbands reisender Kaufleute, des Bankbcamtenvereins und des Werkmcistervcr- bands, außerdem Frau Gcheimrrat Ilsinger, Frau Oberstleutnant Naumann, Frau Rechtsanwalt Leun und Frau Kaufmann Wttttch. In den engeren Arbeitsausschuß wurden gewählt die Herren Nosenbcrg (1. Vor- sitzender), Kiingspoc (2. Vorsitzender), Haubach (3. Voc- fitzender), Krausmulltr (l. Schriftführer), Valentin Müller (2. Schriftführer), Kilb-nger (8. Schriftführer. Die Organisation im Kreis und der Provinz wurde weiter ausgebaut. Die Vertreter verschiedener auswärtiger Bür gerräte wohnten bereits der lrtztcn Srtzung an- Der Vorsitzende konnte mitteiien, daß der Arbeiter- und Soldatenrat die Mitarbeit des Bürgerrates als sehr angenehm bezeichnet und daß gemeinjchaftiiche Sitzungen mit Vertretern des Bürgerrates in Aussicht genommen seien. Die Richtlinien für die Tätigkeit des Bürgec- ratcs wurden unter allgemeiner Zustimmung der Versammlung folgendermaßen sestgrfitzt:
Die Aufgabe der Bürgerräte ist nicht die, Ausgangspunkt oder Grundlage einer Gegenrevolution zu bilden, vielmehr wollen sic zur Aufrcchterholtung der Ruhe und Ordnung beitragen und deshalb in Verb in dnng mit den bestehenden Arbeiter-'und Soi- datcnrätcn treten und vor allem mit den Bauern- ' ät-n Zusammenarbeiten. Aufgabe der Bürgerrätc ist vielmehr,
1. das gesamte Bürgertum, ohne Ansehung der Partei zusammen zu faßen, um die Rechte des Mr- gertums den gegenwärtigen Machthabern gegenüber zu vertreten, (müßte aber bald geschehen. D. Red.)
2. dafür zu sorgen, daß die wirtschaftlichen Interessen des Bmgerlums gewahrt und nicht durch die Herrschaft einer et> zelnen Klasse oder eines einzelnen Standes gefährdet werden. Daher sind wirtschaftliche soziale Forderungen einer einzelnen Grupp- nicht durch den Bücgerrat als solchen zu fördern.
3. dafür einzutreten, daß den gegenwärtigen Zuständen durch die baldige Einberufung der Nationalversammlung eine gesrtzliche Grundlage gege- brn werde und dafür zu sorgen, daß das gcsamlc Bürgertum für weirye bürgerliche Partei auch immer an Die Wahlurne trete.
4. an den, durch die Demobilisierung gestellten Auf gaben mit zu arbeiten. Insbesondere dafür zu sorgen, daß in Handil, Industrie und Handwerk für die rück flutenden Truppen Arbeitsgelegenheit geschaffr und und eine Arbeitrvermittlungsstelle wo solche noch nicht besteht, eingerichtet werde.
5. mitzuwirken, bei der Ernährung der Allgenmln- heit durch Förderung der Produktion, durch zweckmä- ßtge Verteilung unter Heranziehung des Handels und durch Bekämpfung des Hamsterns und des Schlrich. Handels.
In der lrtztcn Versammlung wurde ferner von den anwesenden Gcwerbetreibcndrn lebhafter Wiederlp uch dagegen erhoben, daß durch Verfügung des Arbe t-r- und Soldatenratcs, ohne Anhörung der bitctligtcn Kreise, der 8 Stundenarbeitstag cingeführt worden ist. Zwar wu.de erklärt, daß man sich der Etnfüh'ung bcs 8 Stur- dmtagrs von dem von der Reichsleitung ln Aussicht genommenen Zeitpunkt an (l. Januar 1919) nicht ent gegenireten wolle. Aber der 8§trmdentag gerade in die. sen Tagen der Demobilisierung und des Zmüäflutens der Tcuppenstclle namentlich das Handwerk, das gegenwärtig wesentliche Arbeiten für die durchziehenden Trup pen aus zuführen habe, vor dem Zusammenbruch und gefährdet dadurch auch die Arbeiter in deren Interesse doch der Achtstundentag ringefühA werde. Außerdem , wurde mit Recht b zweifelt, ob der Anordnung des Arbeiter- and Soidatcnraics überhaupt rechtliche Wirksamkeit z Eomnu, da ihr jede gesrtzliche Grundlage fehle.
Zur wkitiren Behandlung dlcser Frage wurde ein Ausschuß bestimmt, in dem außer dem Vorsitzende die Her rrn Gäbe!, Sack und Röhr grwählh wurden.
Der Bürge-rat will den zu.ückkchrcnden Truppen dcn Dunk des BUrgr-rlums füc ihre heldenmütige Ab wehe der Feinde >n Form von Liebesgaben üurch Ein richtung von Auskunft und B etca g u n gsstel len und in sonstiger Weise ubstatten.
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* Das Grttera!1remmarrds des 18. A.-K wird
vorläufig seinen Si^ nicht in Frankfurt nehnien, sondern m Bad-Nauheim. Das Stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps dürfte demnächst aufgelöst werden. Das Frankfurter Landsturm-Infanterie-Ersatzbataillon 18/13 wird nach Dil len bürg verlegt, das Infanterieregiment 81 nach Braunfels bezw. Wetzlar das Feldartillerieregiment 63 nach S ch lü chtern bezw.' Stemau, das hiesige Kommando der Luftstreitkräfte erhält seinen Standort in Bad-Nauheim. Die Verlegungen sind notwendig, da Frankfurt in die vom Militär zu raumende Neutralitätszone, wenn nicht gar in die Besetzunas- zone fällt. 3
" Uuftre J16uct* w b-;n nach rus g-wordencr Mlttcrlung voraussichtlich am 3. oder 4. Drrembcr ü'l.r in Gießen ei nt reffen.
§§ Giesten» 30. Nov. Der Schneidermeister Jean Gäe> t war je.r 19)5 ftornrnrninti-ro^tec btc hufipen Landsturm Infantin Bataillons. Das ihm damit über lragine Vertrauen Hut kl in ,-röbstcr WUfe mißbraucht und große Mengen Miüläcgut len dir Kammer ge. stöhlen. Gestern wurde seine Wohnung durchsucht und sind dabei 9 große mit Milrtä'sachen v llgepackte.^iuen gesunden worden. Eckert wurde verhaftet und sieht nun seiner wohlverdienten Strafe entgegen.
, Stunde Stunden
gute Chaussee.
Triedricb hülfe,
CifenhiitteiswerK bei Eaubacb in der lüetferati.
Unter dieser Ueberschrift hat im Jahre 1830 ein Herr G. M. Claras aus Frankfurt anr Main zu seiner Belehrung und in dankbarer Erinnerung an die gastliche Aufnahme, die er im Hause des Herrn VergratVudsrus gefunden hatte, die nachfolgende hoch interessente Abhandlung geschrieben. Ein Original befindet sich im Besitz des Herrn Pferfenfabrikanten Waldeck zu Alsfeld.
Der Schilderung ist eine Uebersicht der auf der Hütte vorkommenden Arbeiten und der dabei beschäftigten ständigen Arbeiterkategorien in Tabellenform vorausge chickt. Die Zahl der Belegschaft betrug solbigmal 164 Mann Die Arbeiter teilten sich in einer Reihe von Prozeduren- Das Klernlrlopfen, Kleinpochen, Auswaschen und Vermengen. Der Rohmaterialien das Kalkbrennen, das Eisenschmelzen, -verschiedene Gießereiprozesse, Putzen, Ziselieren Schleifen, Drehe,» Schlackenpochen und der Jarnhammer- betrieb. An Hilfswerkstätten waren eine Wagnerei Schmiederei, Schreinerei, Holzdreherei und Schosserei vorhanden. Dazu kamen noch die ständigen Holzmacher Reiseraushauer, Holzspalter und Köhler sowie die Tag- öhner. Alljährlich wurden folgende Summen ausbezahlt
Gewinnerlohn von Eisensteinen . 2500 Florin = Gulden
r , r , r u Gulden = 1,70 m.)
Holzmacherlohn . 2200
Spalter- und Köhlerlohn . . . 3800 "
Frachten nach der Friedrichshütte 8100 "
Frachten von der Friedrichshütte nach den drei Hammerwerken Hessenbrückenhammer, Beorgen- hammer und Louisenhammer . 600 „
und von den fertigen Waren in das In- und Ausland .... , 4000 „
zusammen 21200 Gulden.
Elarus schreibt weiter:
Die Friedrichshütte (Eigentum des Grafen zu Solms- Laubach) ist in dem Jahr 1699 von dem Grafen Friedrich Ernst zu Solms - Laubach angelegt, zwei Jahre für eigene Rechnung admrmstrirt, und hierauf an einen Hüttenwerkkundigen, Namens Neuburger, verpachtet worden, welcher j bald darauf den Johann Wilhelm Buderus zum Teilhaber an dieser und einigen andern Pachtungen ähnlicher Art aufnahm. Nach einiger Zeit fanden sie es ihrem ! Vorteil angemessener, daß jeder gewisse Hütten und Hämmer allein übernehme, und bei dieser gegen das Jahr 1720 ! geschehenen Abteilung erhielt der ebengenannle 3. W i Buderus die Friedrichshütte, welche von dessen Nachkom- j men.seitdem ununterbrochen, also nunmehr schon über - ern Jahrhundert lang, betrieben worden ist.
Dieser 3. W. Buderus, der Großvater des jetzt leben- ' bert Herrn Bergrats Buderus, führte im Jahr 1723 seine Frau heim, und das neue Ehepaar pflanzte bei dieser Veranlassung den noch in dem Hofe der Friedrichshütte stehenden, zu einer Laube gezogenen Lindenbaum der von^ ihren Nachkomnren mit sorgsamer Hand gepflegt
Die Buderus'sche Familie widmet sich nun schon im Erlen Glied ausschließlich der Eisengewinnung, und bat ^ EM, sowohl in Ansehung der Mannigfaltigkeit, Vorzüglichkeit und Zierlichkeit der Fabrikate, als durch den Umfang ihres Geschäftsbetriebs, zu einer hohen Stufe gebracht. Außer dem auf diesem Blatte genauer erwähnt werdenden einen Hüttenwerk und drei Hammerwerken (p. q. r.) werden nämlich von ihnen noch betrieben: als Pächter:
1) das gräflich stollbergische Hütten- und Hammerwerk i 3Us^P>rzenharn bei Ortenberg im Großherzogtum !
2) das Herzog!, nassauifche Hütten- und Hammerwerk zu
Lohnberg bei Weilburg, 0
3) der gräflich bassenheimische Hammer zu Schmitten bei Usingen,-
als Eigentümer:
1) das Hütten und Hammerwerk zur Audenfchmidt bei
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2 v;
3 5
Stunde
Weilmünster,
2 ) die Christianshütte bei Runkel
3) l?ÄT roerfi „ un v b bk Dratzügs. zu Gen,..„den bei Westerburg, alle drei im Herzogtum Nassau.
Die Friedrichshütte liegt eine halbe Stunde van Lanbach, und eine Stunde von dem nächsten Punkte her üoti Düngen nach Grünberg führenden chausirten Land: straße, dem Dorf Radches entfernt. Mittelst Einschlagung
FriedrichslMe'^'^^ ble Entfernung von der
nach deni Hessenbrücker Hammer nach Grünberg . . .
„ Alsfeld.
„ Gießen.
„ Hungen.
„ Nidda.’ ’
„ Friedberg.’
unb von Rädches an findet man überall Dagegen kann man pur auf Feldwegen, welche H?r ungünstigen Jahreszeit und bei starkem Negenwetier beinahe unfahrbar smd, im Herbst und Frühjahr manchmal
Orten^Aangens^^^ ^nnen, zu nachfolgenden
Laubach - Entfernung Schotten . . . „
Nidda ....
LH.;; ; ;
Gießen. . . . „
2m Frühjahr ist der Vorrat an rohen Materialen gewöhnlich unbedeutend. Eisen- und Kalksteine können wegen der grrmdwsen Wege in der Umgegend in der Reger wahrend den Monaten Oktober, November, Februar .Rarz, und April, und, wenn es ein nasser Winter ist' crull) ,n den Monaten Dezember und Januar, nicht anqe- ä°^rei sängt gewöhnlich erst mit hu' ^ ® le Eisensteine werden aus der Aepfelsbach (l ,3 Stunden weit) dem Heckenwald (2 St)
cn 11 !!' 11 0 St.), Niederohmen A'U SfV S°?Ä ,n * ^ 2t.) Fellingshausen (9 St.), Waldgirmes e ■ öoI ’ en l° I n ts . (9 St.), Wetzlar (9 St.), - und die Ka,ksteme von Gnedel (5 St.), Klcrnlinden (7 St.) und Bleichenbach (8 St.) herbeigeschaffl. Nur die Eisengruben mr. Heckenwald und m der Aepfelsbach gehör/n zu der FmdnchshuUe. alle andere .find Elgentun, der Herren
Der Kalkstein und Basalt werden dem Eisenerz bei- geschlagen, um letzteres leichter in Fluß zii brinaen^ nad) Beschaffenheit des Eisenerzes, so wie mit Berücksich- Ä» b “ erzeugt werden sollenden Ware, wird
Kalkstein oder Basalt genommen, und in der Quantität ab- und zugegeben. Wo es angeht, wird Basalt als Beischlag vorgezogen, da er selbst 15 Prozent Eisen enthält
Früher ging die Hitze der aus dem Hochofen heroor- loderndsn «und bei Nacht in der einsamen Waldaeaeitd emen ganz besonderen Effect hervorbrrngenden Flamme völlig verloren. Jetzt wird sie auf die angegebene Weise benutzt, und es kairn namentlich kaum so viel Kalk ac- brannt werden, als sich Abnehmer dazu melden. "
? cr Hochofen und das denselben umgebende ae- ^^" 9 e Gebäude zrrr Platten- und Sandgieserei sind im Jahr 1822 neu erbaut worden. Zum letzten Mal wurde der Hochofen am l4. Juni 1827 angeblasen, ist seitdem ununterbrochen fortgegangen, und war demnach am 14 Ium 1830 drei rolle Jahre im Gang. An letzterem Tage gab der Herr Bergrat Buderus aus dieser Veranlassung seinen Arbeitern ein Fest, wozu derselb e im Freien einen
Beka«n1machu«g.
Vom SS. d. Mts. ab muß auf dcn Strecken Beie n hei in -Nidda und G c ü n b ec g - Lo n d or f der Eisenbahnverkehr aus mllitäAschen Gründen !."^Eurze Zeit eingestellt werden. Crlali durch zrraftwagrnvcrkrhr zwischen Beienhe-m Niddci und Grunbcrg-Londorf. Die Kraftwagen dienen in erster Lrnte dem Milch- und dringendsten Arbriler- veckehr, andere Reiflnde werden nur insoweit zur Mitfahrt zugelassen, als darüber hinaus noch Platz vor- Hände» ist Heber Fahrzeiten des Kcaftwagenverkehrs geben die Llatronc» der gesperrten Strecken Auskunft Tie Benutzring der Kraftwagen erfolgt auf Fahrkarten oes gewöhnlichen Verkehrs.
Frankfurt (Main), 28. Nov. 1918.
eifenbäbndiiekiion Fninkfiiri (hl).
Die MfErungen von Lekleiaungzstijckerr.
Bei fast allen urilltäcischen Stellen verlangen ständig Soldaten teils g^nz neue Einkleidung, teils die Abgabe einzelner Betllidungsstücke unter Vorlage der verschieden, sten Ausweise von Sol^atenräten, einzelnen Personen und auch Behörden. Es tjtjedoch erforderlich, daß sämtliche Ansoederungen von Bekleidungsstücken auf ihre Not- wenolsile^ hin gep üft werden, damit unter allen lim standen z-unüchlt einmal die aus deni Felde zurückk hren den Dcuppen ver sorgt werden konutf. Anforderungen an! ^ kstidüngsstück: sind von den Mannschaften aus- U an ihr ; zu Kündigen Er satziruppenteil zu richten.
ZurVervollstandigung undzum Umtausch derBekleidungs'
Nucke Ieurlaubtee und kcanker Soldat, n iverden in amtlichen Gaknisonen Eittk'cidungsstelleii errichtet. Die Garn so.lkommandos w^din diese Stellen alsbald üffent' lich betanntgeben. Alle nicht zu.- Entlassung:anzug Auslüstungsstück sind sofo.t zruückzugebei.' Frankfurt a. M., 26. November 1918
o* A. des A.» und S. Notes:'Dassieuv. Generalkomniando des 18. Acmeeko ps.


