Ausgabe 
16.10.1918
 
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y«ld Kckenden Oberst Scheüch. Vom U. Fanuar 1917 öks 17. Juli 1918 stand er als Vrigadekommandeur im Felde in Rußland und in Frankreich. Seit 17. Juli 1918 war General Hofsmann dem Kriegsministerium zur besonderen Verwendung zur Verfügung gestellt.

:: Kein Rücktritt o. Gahlö. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, ist die Nachricht liberaler Blätter, daß der stellvertretende Kommandierende General des 7. Armeekorps (Münster), v. Gayl, von seiner Stelle zurücktreten werde, nicht zutreffend. Es liegt eine Verwechselung mit dem 4. Armeekorps vor.

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Finnland: Ter englische Einspruch.

; Vor der Königswahl in Helsingfors machte die Regierung den Landtagsparteien Mitteilung von der englischen Erklärung, wonach England Finnland die Anereknnung der Selbständigkeit verweigert, falls es den Schwager des Kaisers zum König mache. Tie Regierung teilte zugleich mit, daß sie die Antwort erteilt habe, daß die Wahl Prinz Friedrich Karls keinen Neutralitätsbruch bedeute. Finnland hat in letzter Zeit zahlreichen Angehörigen der Verbandsländer die Durchreise gestattet. Prinz Friedrich Karl erklärte, daß er, wenn er Finnlands Thron besteige, Finnlän­der sei und nicht länger deutscher Fürst.

Rußland: Tie Entente ist jetzt der Feind.

! Trotzki sagte in einer Rede zur Lage: Von Japan und Amerika kann uns unzweifelhaft eine große Gefahr drohen. Aber sie ist von uns durch Tausende von Wersten getrennt. Für uns besteht noch die Mög­lichkeit, t\en ganzen Winter zur Stärkung unserer Macht auszunutzen. Gestützt auf die Autorität des Voll­zugsausschusses werden wir mit der bereitwilligen Zu­stimmung der Arbeiter und Bauern in kurzer Zeit Rußland in ein Heerlager verwandeln.

Tie neue Aushebung junger Leute wird uns einige erstklassige Divisionen bringen, die Reserven für dre Armee schassen. Wir müssen die Engländer und Fran­zosen (am Murman) überzeugen, daß ihr Unternehmen nicht nur ein ehrloses Verbrechen, sondern auch eine große Tummheit ist. Unser Widerstand im Osten wird eine mächtige Wirkung bis nach Amerika auslösen, und wir werden allen unseren Feinden einerseits und allen unseren Freunden andererseits zeigen, daß wir eine Macht sind, und daß wir leben wollen.

Ereignisse zur See.

Neue Erfolge zur Scc.

Berlin, 11. Oktober. Im S'??' um

England versenkten unsere U-Boote 21 000 Br-R.-T.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

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Englische Schiffe zusammengestoßen.

Die englische Admiralität macht bekannt: Am 6. Ok­tober stieß der bewaffnete HilfskreuzerOtranto" (12124 Br.-Reg.-To.) mit dem TampserKaschmir" (8841 Br.-Reg.-To.) zusammen. An Bord beider Schiffe befanden sich amerikanische Truppen.Otranto" ist vollkommen gesunken; dabei sind vier Mann ums Leben gekommen. Ter DampferKaschmir" konnte einen schottischen Hafen erreichen und die an Bord befindlichen Truppen dort langen. Weitere Meldungen besagen, daß das Wetter während des Zusammenstoßes sehr schlecht war. Beide Schisse gerieten außer Kurs und verloren einander aus den Augen. Durch Funk­spruch herbeigerufene Torpedojäger konnten 87 Offi­ziere und 239 Mann retten. Auch 30 französische Sol­daten befanden sich außer den Amerikanern an Bord der Tampser, die alle in einem Hafen von Rordirland gelandet wurden.Otranto" strandete an der Insel Jslay und wurde völlig zertrümmert. 16 Ueberlebende wurdsn auf Jslay gelandet.

Aus aller Welt

A Keine Erhöhung der Kartoffelratiou «uahrfchrin- ilch. Man jchreibt uns: In Verdraucherkreisen besteht der an sich berechtigte Wunsch auf eine Erhöhung der Kartofselration. Ausschlaggebend für die Ent­scheidung dieser Frage ist einmal'der Ernteauöfall und außerdem der Umfang der Wagenstelluna seitens der Eisenbahn. Mit der Ernte dürfen wir durchaus zu- frieden sein: ein stellenweise geringerer Ertrag wird durch die Steigerung der Anbaufläche ausgeglichen. Auch die Beschaffenheit der Kartoffel ist gut. Es ist mit einer guten Haltbarkeit der Kartoffeln zu rechnen. Tie Transportfrage dagegen liegt wenig günstig. Zur Erhöhung der Ration wäre vor Eintritt der Frost­periode eine erheblich stärkere Zufuhr, vor allem in die großen Verdrauchszentren, erforderlich, als sie augen­blicklich und in der nächsten Zeit, trotz Inanspruch­nahme aller verfügbaren Wagen, ermöglicht werden kann. Es gilt deshalb nicht als wahrscheinlich, daß die Wünsche nach einer reichlicheren Versorgung mit Kar­tossein sich in absehbarer Zeit erfüllen'lassen.

A rlnerkennunA für Lehrer u«v Schüler. Das Kriegsministerium hat folgenden Erlaß an die zustän­digen Behörden gerichtet:Vom Generalintendanten des Feldheeres ist folgende Drahtung bei mir ein- gegangen:Sammeleifer der Lehrer und Schüler hat sehr erfreuliches Ergebnis gezeittgt und Feldheer in Zeiten größter Futternot unterstützt. Pferde fressen Laudkuchen gern. Allen an Sammlung Beteiligten, insbesondere Lehrern und Schülern, gebührt uneinge­schränkter wärmster Dank. Generalintendant." Ich freue mich, diese Anerkennung weitergeden zu können. Es bleibt für alle Zeiten das Verdienst der deutschen Lehrer und der ihnen anvertrauten Schüler, in ernster Zeit durch aufopfernde Tätigkeit eine drohende Gefahr von unserem Feldheer abgewender zu haben. Durch Erhaltung des Pserdebestandes ist die Versorgung der Front mit Munition und Verpflegung sichergestellt worden. Die Leistungen auch der jüngsten Schüler und Schülerrnnen reihen sich würdig den Leistungen der Jungmannen in der Landwirtschaft an. Deutschland darf stolz sein auf seine Jugend und aus die Auf­opferung ihrer Lehrer."

--- Ukrainischer Zucker wird in den nächsten Mo­naten laufend in Deutschland und Oesterreich-Ungarn etngeführt werden. Rach den zwischen den Regierungen getroffenen Abmachungen soll bis Ende Juni näch­sten Jahres eine knappe Million Zentner ukraini­schen Lxckpr» «n »ie Mitlelnrilchte zur A-UefsrNng

kommen. Diese Menge ist als das Mindestmaß der Leistung der Ukraine festgesetzt worden. In Wirklich­keit dürfte weit mehr ukrainischer Zucker seinen Weg nach Deutschland und Oesterreich-Ungarn finden. Denn in den wirtschaftlichen Abmachungen ist die Ukraine außerdem verpflichtet worden, den dritten Teil der die Höhe von rund 7,25 Millionen Zentner über­steigenden Jahreserzeugung an Zucker an die Mittel­mächte zu liefern. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Jahreserzeugung die Grenze von 7,25 Millionen Zentner weit hinter sich lassen wird. Die Durch­schnittserzeugung an Zucker während der Kriegsjahre betrug iw- der Ukraine mehr als die doppelte, vor und noch im Anfang des Krieges mehr als die vier­fache Menge.

** Brennender Straßenbahnwagen. In Stuttgart ge­riet auf dem Eugensplatz ein Straßenbahnwagen infolge Kurzschlusses in Brand. Der Wagen, der auSbrannte, wurde von der Hauptfeuerwache gelöscht. Verletzt wurde niemand.

* Falsche Todesmeldnng. Eine in Bochum woh­nende Kriegerfrau erhielt vor langer Zeit die amt­liche Mitteilung, daß ihr Ehemann, der in Rußland kämpfte, den Heldentod gestorben sei. Sie beantragte die Heimsühurng der Leiche und ließ die Bestattung in der Heimat vornehmen. In der Zwischenzeit bot sich der Frau, die außer für sich auch für fünf Kinder zu sorgen hat, Gelegenheit zu einer guten Heirat. Jetzt, nachdem sie die neue Ehe bereits eingeganegn ist, er­hielt sie aus Warschau eine briefliche Mitteilung ihres totgeglaubten ersten Mannes, worin dieser mitteilt, daß er sich in Gefangenschaft befunden habe, jetzt auf der Heimreise sei und in den nächsten Tagen bei seiner Familie eintrefsen werde.

* Tie Frauen. Die in den städtischen Kriegsküchen in Barmen beschäftigten Frauen und Mädchen sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie fordern Erhöhung des Tage- lohneS von 2,40 auf 4,00 Mark mindestens täglich, Ein­führung des Hamburger Systems und Zubilligung der städtischen Teuerungszulagen.

* Bon einer Stichflamme tödlich verbrannt wurde im Lokomotivschuppen der Kleinbahn in Nastätten der 41jähr. Philipp Berg aus Oelsberg, der bereits 15 Jahre das An- heizen der Lokomotiven versieht.

* Ein bedauernswerter NnglückSfall ereignete sich in Bützow in der Stettiner Papier- und Pappenfabrik. Aus bisher nicht aufgeklärter Ursache war ein 21jährtger Ar­beiter auS der Ukraine in die Kammräder der Maschine ge­raten, wodurch er furchtbar zugerichtet wurde. Ein Arm war oberhalb deS EUbogenS voUständig abgequetscht, außer­dem hat der Bedauernswerte an beiden Beinen schwere Fletschwunden erlitten.

** Eine männliche Leich« wurde in Oldenburg in der Hunte vorgefunden. Sie war bekleidet mit langen Stiefeln und blauem Arbeiteranzug. Die Hände waren der Leiche hinten mit festen Schnüren auf dem Rücken zusam- meugebunden. Nach dem Befund ist anzunehmen, daß der Mann getütet und die Leiche in» Wasser geworfen wurde, um da» Verbrechen zu vertuschen. Die Leiche zeigte schon starke Spuren von Verwesung und hat offensichtlich längere Zei im Wasser gtelegen.

** Einen Tiebstahl raffiniertester Art vollsührten in Swinemünde im HotelEuropäischer Hoj" zwei nett ge­kleidete junge Damen. Sie baten um Nachtquartier, be­zogen das ihnen angewiesene Zimmer und verschwanden nach kurzer Zeit auf rätselhafte Weise. Wie am andern Morgen festgestellt wurde, hatten sie die Bezüge von den beiden Betten mitgenommen.

** Zwei Betrügerinnen zeigten in einem Dorse bei Ludwigslust in mehreren Häusern Proben von Kleider­stoffen und Beinkleidern und erklärten sich zur größeren Lieferung dieser Sachen gegen Fett zu einem billigen Preise bereit, darauf erhielten sie bereitwilligt Fett und auch Bargeld im voraus, da ja die Kiste mit den Sachen am nächsten Tage aus dem Bahnhof abgeholt werden konnte. Aber am nächsten Tage war weder die Kiste da, noch war die von den beiden Mädchen angegebene Adresse richtig. Also Vorsicht! Die Reingefallenen melden sich wohl kaum. Um so leichter wird eS den Schwindlerinnen, ihr Werk auch anderswo fortzusetzen.

* Tie Grippe in Berlin. Nach dem Stande der Krankenmeldungen bei der Allg. Berliner OrtSkranken- lasse hat die Grippe in den letzten Tagen eine beträcht­liche Zunahme erfahren. Am Donnerstag wurden von insgesamt 1463 Neuerkrankungen 885, am Freitag von .1328 Neumeldungen 830 als Grippe sestgestellt. DaS macht allein bei der genannten Kasse eine Gesamtzahl von 1715 neuen Grtppefällen für den Zeitraum der beiden letzten Tage. Hierzu kommen weitere zahlreiche Erkrankungen an Lungenentzündung. Aehnlich sind die Ziffern bet den übrigen Groß-Berliner Ortskranken- kassen, wo man die Zahl aus 6080 Prozent aller Krankheitsfälle schätzt. Wie von ärztlicher Seite mtt- geteilt wird, verlaust die Grippe im allgemeinen leicht, wenn nicht eine Erkrankung der Lunge hinzutritt.

Die Grippe tritt auch rn Landsberg a. d. Warthe zurzeit epidemisch aus. In einzelnen Familien liegen sämtliche Familienmitglieder krank darnieder. Vielfach endet die Krankheit durch Hinzutreten von Lungen­entzündung, Rippenfellentzündung oder Gehirnentzün­dung mit Tod. Seit dem 25. September beträgt die Zahl der Todesfälle 41, darunter sind einige Soldaten. Die Krankheit hat störend in den Postbetrieb eingegrif­fen. Der Fernsprechdienst mußte an den Wochentagen um vier Stunden und Sonntags um zehn Stunden ver­kürzt werden. Der Magistrat beschloß, die Ferien der Kinder sämtlicher Sckulen Landsbergs bis auf weiteres zu verlängern. Auch in anderen deutschen Städten nimmt die Zahl der Kranken täglich zu.

** Tie Orden de» Prinzregeutrn Luitpold gestohlen. König Ludwig von Bayern hatte im Jahre 1914 dem bayrischen Armeemuseum sämtliche ausländische Auszeich­nungen seines Vaters, des Prinzregenten Luitpold, zur Ausstellung zur Verfügung gestellt. Von diesen auslän­dischen Orden sind 16 wertvolle, darunter der brillanten- besetzte Orden mit dem Bildnis des Schahs von Persien, ferner auch die massiv goldene Kette des Hosenbandordens gestohlen worden. Die gestohlenen 16 Orden sind mit großer Sachkenntnis ausgewählt worden.

** Einen empfindlichen Verlust hat ein Landwirt auS Eulo gehabt. Der Mann hatte einen Rock sorglos auf den Wagen gelegt, obgleich sich in einer Rocktasche neben anderen Gegenständen ein größerer Geldbetrag in Scheinen befand, wie bedichtet wird, 610 Mark. Dieser Rock glitt während der Kahrt v«N «egen. Gr »prdß nufgehphen und irn

Fundamte abgegeben. Als man dort aber die Rocktasche untersuchte, waren die Scheine nicht mehr darin.

** TiePorzelliner" beim Hamstern. AuS Kulmbach wird berichtet: Täglich bringt der Morgenzug auS Rich­tung Hof Scharen von Menschen nach Kulmbach, von wo auS die Ankommenden Fußwanderungen in die Dörfer antreten, um bei den Erzeugern Obst und andere Lebensmittel ein- zukaufen. Bon der Erwägung ausgehend, daß der Bauer lieber Ware in Tausch nimmt, als lein Erzeugnis gegen gegen Lebensmittel um. Marktpreis: Ein PorzeNanteller au» dem nördlichen Oberftanken Gebrauchgeschirr (Tassen, Teller usw.) mit und setzten die Artikel im Tauschhandel gegen Lbeensmittel um. Marktpreis:x Ein Porzellantellev gegen ein Kilogramm Zwetschen, zwei Eier gegen eine Tasse, ein Pfund Butter gegen eine Suppenschüssel.

Ein neuer Kniff. Ein seinem Aeutzern nach besser­gestellten Kreisen angehörendes Mädchen, das sich für eine Lehrerin und Tochter eine» Gemeindebeamten auSgad, fragt« auf dem Markt in Steglitz eine Händlerin, ob sie nicht eine Frau Schultz gesehen habe. Sie habe für diese fünf Butte» besorgt und mit ihr verabredet, sie auf dem Markte zu treffen. Weil die fünf Pfund nur 5 Mark kosten sollten, so drang die Händlerin in die angebliche Lehrerin, ihr doch die Butter zu überlassen. Die weigerte sich zunächst, erklärte jedoch schließlich, sie wollte erst ihren Vater um Er­laubnis ftagen. Sie ging dann weg, kehrte bald zurück und teilte mit, ihr Vater sei einverstanden. Die Händlerin nahm jetzt das Paket, ohne es zu öffnen, in Empfang und zahlte die 75 Mark. Zu Hause fand sie jedoch in dem Patet lediglich Mohrrüben, zusammen gefaltete hiesige Zei­tungen und ein Blatt der Continental Times vom 87. September 1918.

** Ein großer Schwindel, der in Brüssel verübt wurde und dessen Spuren nach Forst führen, hält die Förster Kri­minalpolizei in Auftegung. ES handelt sich um einen Barbetrag von 287,000 Mark, der in Brüssel von Unbe­rechtigten erhoben und zum großen Teil nach Forst gebracht wurde. An dem Schwindel ist der ftühere Werkführer Wil­helm Woicke beteiligt. Woicke war in Brüssel bei der Reichs« bekleidungsstelle beschäftigt. Dort lernte er den in dem gleichen Betriebe angestellten Kontoristen Weber auS Ber­lin kennen. Weber hatte Gelegenheit, sich des Scheckbuchs zu bemächtigen. Er trennte eine Formular heraus, füllt« es über 287,000 Mark aus, versah es Mt Stempel und der nachgeahmten Unterschrift des Bürochefs und übergab den gefälschten Schein an Woicke. Dieser hob den Betrag bei der Bank ab und erhielt ihn, da die Fälschung nicht erkannt wurde, anstandslos ausbezahlt. Weber, der in Berlin verhaftet wurde, war der Tat bald geständig, Woicke ver­legte sich zunächst aufs Leugnen, bequemte sich jedoch später ebenfalSS zu einem Geständnis. Wo beide das er­schwindelte Geld versteckt haben, darüber verweigern si« noch jede Auskunft.

r * Durch Traumbilder geüngstigt, sprang daS 6jährige Söhnchen de» Drehers Martert au» Magdeburg au» der im 3. Stock gelegenen Wohnung in den Hof hinab. Wun- derbarerwetse gelang der Sprung bis auf das weiche Erd­reich de» Gartens hinüber und noch wunderbarer ist e», daß der kleine Springer ohne innere und äußere Verletzun­gen c«ci rnkam fodatz er seiner vom Füllen deL an»

dem Garten zurückkehrenden Mutter Übergeben werden tonn­te, die von dem während ihrer Abwesenheit Borgefal­lenen natürlich aufs höchste erschrocken war.

* Widerspenstige vauernweiber. In Simbach am Inn (Ntederbayern) ist wieder ein Mühlenkontrolleur in Aus­übung seine» Dienstes von einer Wetberschar überfallen und schwer mißhandelt worden. Die Weiber streuten ihm Sand in di« Augen, entrissen ihm seine Waffe und v«c- prügelten den Beamten.

Gewarnt. Die WohnungnSnot in der bayerischen Hauptstadt ist so groß geworden, daß der Magistrat öffent­lich vor dem Zuzug warnt. Besonders war der Ankauf von Häusern in München und in den Landorten, die da­durch der allgemeinen Vermietung entzogen werden, in den letzten Monaten sehr lebhaft.

** Zwei Eiserrbahn-UnglückSsäHe. Bei Köln fuhr der von Erdorf kommende Personenzug auf den vor der Sta­tion Jederath haltende Militärurlauberzitg Nr. 27. Der Per'onenzug hatte Fahrterlaubnis erhalten, ehe die Rück­meldung über das Freigeleis der Strecke etngelaufen war. Unglücklicherweise behinderte starker Nebel auch noch die Aussicht. Von dem Milltärurlauberzug wurden 16 Militär- Personen getötet, 10 schwer u. etwa 30 leicht verletzt. In Essen stießen zwei mit Arbeitern besetzte Straßenbahn­wagen zusammen. 4 Arbeiter wurden getötet und 28 schwer verletzt. . j

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* In Madrid und in einigen Provinzstädten streiken die Briefträger, bis jetzt etwa 12 000 an der Zahl.

* Der 16 jährige Arbeiter Josef Klein auS HechtS- heim hantierte an einer scharfen Patrone, um sie zu ent­leeren. Plötzlich explodierte da» Geschoß und die Splitter zerfleischten dem Leichtsinnigen Gesicht und Hände in schwer­ster Weise.

Gerichtssaal.

:£ Ein vergeßlicher Vater. Ein vergeßlicher Vater stand in der Person eines Zuschneiders vor dem Bres­lauer Schöffengericht, um sich wegen eines nicht ae- rage alltäglichen Betruges zu verantworten. Ter An­geklagte ist Vater von sieben Kindern, hat es aber fertig gebracht, sich höchst eigenhändig noch zehn weitere Kinder zuzulegen, und zwar, um mehr Bezugsscheine von der Kleiderstelle zu erhalten. Schließlich kam der Schwinde! aber heraus, und der erfindungsreiche Vater wurde mit einem Strafbefehl über 600 Mark bedacht, gegen den er Einspruch erhob.

In der Verhandlung vor dem Schöffengericht er­klärt der Angeklagte, daß er sehr vergeßlich sei und sich daher nicht genau erinnern könne, wieviel Kinder er habe und wie sie heißen. Auf Vorhaitungelt gab er jedoch zu, daß es nur neben seien und daß die an­deren nur in seiner/ Phantasie existierten. Er be­hauptete aber, daß er die 600 Mark Strafe bei seinem Einkommen nicht zahlen könne, und berief sich auf ein Gnadengesuch, da? er bereits an den Kaiser er­richtet habe.

Der Angeklagte benahm sich vor Gericht so son­derbar, daß dieses die Verhandlung aussetzte und beschloß, zum nächsten Termin einen medizinischen Sachverständigen hinzuzuztehen, um sich über den Gei­steszustand des merkwürdigen Vaters ein Urteil bilden zu können.