Bulgariens; Aö'üll.
TiCÜj kann man nicht mit Sicherheit fernen', cb Vulg'- rien wirklich sich von den Mttelinmhtcn losfnqrn uivö, indessen, die Wahrscheinlichkeit, das; dies schließlich dock) ge- schicht, ist groß. Die Gründe, die Bulgarien zu solchem Schritt, der sehr leicht der 2lnfang des Selbstmords sein kann, veranlaßt" haben, sind innnerhin zu übersehen. Eie waren uns auch seit langem bekannt, und da nun müssen wir schon sagen, daß wir es nicht recht verstehen, noch gar billigen tonnen, daß dem deutschen Volk verschwiegen worden ist, wie dort unten auf dem Balkan sich ein Vorgang cinstellte, dessen Auswirkung unter allen Umstünden auf die weitere Entwicklung des Krieges von größter Bedeutung sein muß. Das deutsche Volk hat doch nun wirklich bewiesen, daß es allen Eventualitäten kalt ins Auge zu sehen vermag. Da hätte man ihm ruhig sagen können, was man wußte? daß ,nämlich Bulgarien unter dem Druck mannigfacher Nöt* «ichr als kriegsmüde geworden ist und daß es darum die Waffen sinken lassen möchte.
Wir wußten, daß es von jeher in Bulgarien eine an Köpfen immerhin beachtenswerte Partei gab, die gegen das ' Zusamengehen mit den Mittelmächten war. Daß diese Partei in Anbetracht der Rückverlegung der deutschen Wc,t- ,front und unter dem Druck der eigenen militärischen Niederlagen auf die bulgarische Negierung so einzuwirken vermochte, w-ie das schließlich geschehen ist, ließ sich mit einiger Wahrscheinlichkeit errechnen. Ob durch entsprechende Vorsichtsmaßregeln und bestimmte politische Unternehmungen solchem Treiben entgegengearbeitet hätte werden können, wollen wir nicht entscheiden, aber es ließe sich doch immerhin vorstellen, daß Lei richtiger Initiative das Erforderliche zu vollbringen gewesen wäre.
Nun müssen wir uns bescheiden. Bulgarien wird ans seinem Abfall — wenn es dazu kommen sollte — keine Vorteile ziehen. Die Friedensbediingungen, die ihm von der Entente diktiert werden, sind, falls die entsprechenden Reu- termeldungen auch nur annähernd wahr sind, die schwer- ften. Alle Hoffnung auf ein größeres Bulgarien und im besonderen die auf Mazedonien wird Bulgarien dahinfahren lassen müssen. Wie im übrigen sein Schicksal sein wird, ist iabzuwarten. Wir werden ihm, wenn es sich absondett und der Entente ausliefert, keine Hilfe mehr bringen können. Aber in seinem eigenen Interesse wird cs sein, wenn wir wenigstens dafür Morgen, daß Bulgarien nicht völlig unter die Gewalt der Entente fällt. Und in einem werden wir -us Selbsterhaltung genötigt sein, sorgfältig acht zu geben:
f Ereignisse über stürzen sich so, d I Tr ppen vorerst die Ausgabe erst:
!? österreichisch ungarischen tten, unsere militärische und diplomatische Station zu schuhen. Liber neue militärische Unternehmungen seitens l er Entente ar.r dem Balkan ist noch \ nichts bekannt, aber es ist ni.stt ausgeschlossen, daß sie ihren Vormarsch fortsehen werden in der Absicht, mit kleineren Abteilungen auf Sofia vorzustoßen. Mag rnit dem Waffenstillstand auch sowohl auf Seiten der Entente wie in Bulgarien Waffenruhe eingetreten sein, für die österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen kann dieser Waffenstillstand selbst- verständlich keine Geltung haben. Die Operationen in Albanien werden leine Unterbrechung erfahren. Bei Beurteilimg der allgemeinen Lage ist immer im Auge zu behalten, daß Albanien wie Mazedonien Kriegsschauplätze von nur sekun- därer Bedeutung sind und bleiben. Wir sind jedoch unter keinen Unrständen gesonnen, Italien an unserer Küste Fuß fassen zu lassen, da Italinrs Z',:l nur die Italtenisterung Albaniens ist.
Genera! Schekow über Bulgarien.
WTB. Wien, 3. Ott. Der bulgauische Grneralissinrus Sche'ow, der nach der an chm in Wien vorgenommenen Ost- reiwpercckion zum erstenmal das Sanatorium verlassen tonnte, äußerte sich einem Vertreter der Neuen Freien Presse gegenüber zu den Vorgängen in Bulgarien. Schckow erklärte, da die beiden Flügel der bulgarischen Arn>ee unversehrt geblieben und nur ein Durchhurch in der Mitte erfolgt sei, so sei er überzeugt, daß die bulgarische Armee, von den Bundes- gerwsien mit genügend starten Kräften unterstützt, imstande sei, nicht nur den Vormarsch der Feinde auszuhallen, sondern auch die Lage ganz zugunsten Bulgariens zu andern. Was den Schritt der bulgarischen Regierung betreffe, so könne er sich mit ihm keineswegs einverstanden ertläreiu Er habe sich auch dagegen verwahrt, denn, wenn er auch trank sei, so sei er doch immer noch Generalissimus der bulgarischen Armee und >iehe mach wie vor auf dem unverrückbaren Standpunkt, daß das bulgarische Heer unb Volk das eingegcmgene Bündnis aufrechterhalten und mit seinen Verbmrdeten stehen odor sollen müsse. In diesem Sinne babe er auch seiner Mei- nung dem Chef des bulgarischen Generalslabes gegenüber
bt\ fsinen Be bündeton bleiben ii;ü(je, in der sicheren Hoff- ^B^ n ige Unterstützung. v .
Mrmg dre Ssömslr.
Ecsia, 2. Olt. (Bulgarische Telegraphen-Arentur.) Mi- nksterprasident Malinow eröffnete die außerordentliche Ses- ; un der Sobranje mit folgender, im Namen des Königs v:r- j lesener Thronrede: Meine Herren! Die allgemeine Lage des j Landes und die besonderen Sorgen, deren es bedarf, um die ?' zahlreichen Bedürfnisse der Armee zu befriedioen, die heloen- j Haft ihre Pflicht erfüllt hat, haben im Mai dieses Jahres die Bildung der gegenwärtigen Negierung notwendig ge- f macht. Meine Herren Deputierten! Meine von der öffent- S lichen Meinung designierte und von meinem Vertrauen oe- j tragene Negierung hat während des kurzen Zeitraumes, wäh-
wir werden nämlich.nicht dulden, daß die Entente Bulgarien als ein Aufmarschgelände gegen die Mittelmächte mißbraucht.
Mr werden das Er fordert ick)« zu vollbringen'l)aben, um zu «rhüten, daß aus Bulgariens Absonderung für uns und Unsere übrigen Bundesgenossen, vor allem für die Verbindung zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn einerseits vud der Türkei andererseits schwerer Schaden entsteht. Um solchen Sckmden hintanzuhalten, haben wir genügend Truppen nach Bulgarien gesandt. Uber die Art, wie diese Truppen eingesetzt werden sollen, fcmn heute noch nicksts gesaat
-werden. Zu hoffen aber bleibt, daß Bulgarien einsieht, und ! „ s x r - r ^ «. ----- ..., — v
-auch entsprechend handelt, daß Deutschland unmöglich wegen * renö ?.essen sie Die Geschäfte des Landes führt, alles getan, der Schwäche eines bisherigen Teilhabers darauf verzichten j ^ öie Ausiande ihr gestatteten, nun die zahlreichen und jkann, die Politik der Mittelmächte fortzuführen.. Zunächst schweren Probleme zu lösen, die die durch eine Reihe von werden wir jedenfalls alles versuchen müssen, upr de-r Zu- Kr^aswaren aeickianene Snn* ihr whom an*;«* R-«™ pmmenhang mit der Türkei sicherzustellen. . '
D-§ Folge» es» MlgorlsLZ AbssS.
Wie der ftanzösische Funkeudienst rneldet, haben die Abgeordneten Bulgariens den Waffenstillstand im Hauptquar- ^er der Orientarmee unterzeichnet. Die bulgarische Regierung hat es also für nötig erachtet, die Bedingungen der kntente anzunehmen, obwohl sie so ziemlich das Stärkste -essen darstellen, was einer Macht zrigemutet werden kann,
»ie noch einigermaßen verteidigungsfähig ist: Entwaffnung |fnö Demobilisierung der Armee, Herausgabe des Eisenbahnnetzes, Räumung der besetzten Gebiete und freier Zugang zu >en Wegen nach der Türkei, Rumänien und Österreich-Ungarn, mehr konnte wirklich nicht verlangt werden. Nicht mit Unrecht hat die holländische Presse nach dem Dekanntwerden sder Ententeforderungen spöttisch gefragt, welche Vorwürfe pie Alliierten jetzt noch gegen die Friedensschlüsse von Bukarest zu erheben gedenken. Eine nähere Prüfung der Umstände, die zu dem Zusammenbruch Bulgariens geführt haben, zeigt, daß es stch hierbei eigentlich weniger um die Folgen einer militärischen Katastrophe handelt. Die letzten Nachrich- ten von der mazedonischen Front besagen, daß das Dovdrin- oen der Orientarmee durch deutsche u. österreichisch-ungarische ^treillräfte zum Stehen gebracht worden ist. Persagt haben 'm der Hauptsache die Nerven der bulgarischen Staatsmänner, die den Lockungen und den Drohungen der Gegenseite nicht mehr zu widerstehen verinochten. Einen nicht geringen Teil der Schuld daran tragt die Wühlarbeit Wilsons, der den Vertreter Bulgariens in Washington als Ddediuin benutzte,
(um in Sofia seine Künste spielen zu lassen.
Besteht aber darum Grund zur Mutlosigkeit? Gewiß ^>irgt die neue Lage mancherlei gefährliche Konsequenzen.
Zum mindesten.stellt sie die Verbindung Deutschlands nach pem nahen Osten, eine der vornehmsten Errungenschaften des Krieges, erheblich in Frage. Doch alle diese Erwägungen treten zurück vor dem Gedanken, daß auch dieses Ereignis nicht entsche-dcndffür ein Unterliegen Deutschlands sein kann.
Plttbt Deutschlands Kampffront im Westen unerschüttert und sieht d>e Entente, daß das Ringen nur auf dem Wege der Ver- Mndigung entschieden werben kann, dann werden auch alle »lese Probleme, die durch den Abfall Bulgariens aktuell ge- swordbr sind, am Verhaudlungsttfch wieder auftauchen. Ihre ^öfkmg muß dann in einem Geiste erfolgen, der weit anders pussicht, als der von heute, wo sich im Lämn der Waffen die eigen:licherr GesichLspnnkte völlig oerzcrrmw
Amtliche bulgarische Meldung üder die Einstellung der Felndseliftkeilku.
WTV. Sofia, 3. Ott. (Aiutlich.) Mazedonische Fvoiti: Entsprechend dem Abschluß eines Waffenstillstandes, siird die militärischW« Opevai^-ne« etugesiellt.
WTB. Wien, 3. Ott. Zur Annahme der Waffenstillstands bedingen gen seiten, Bulgariens schreib: das ^Fremden, ’tfatt*: Die bulgarische Negierung hat vor Dem Feinde kapj- -tuliect. ttapttulierr m einer jv erniev eigen den, umfassenden wie (ausu c in -werte« Beispiel d«r Geschick>tr lehrt. Bulgarien scheidet or>s der Nell^i D« selbsmubi^en Sinnen, wenn 'p\jt ungeheuer Ache« Bedingung, de, W>affenMLstLnb»aer- träges, den die tnllgarischen tn Sa'ouckt
Vtrklich erfüllt werden,
Zur »UiLLrischs, Lage U» Bulgarien WTB Assen, 8. Ott. Die T&täm schrecke:i über dte milü /irische Lo./e to Bulgarüm «. ^ M&*Dcß- ^zügllch der Derpsümtung, wld# Soartr« > tu/ii’drifmcT Beziehung |ii/ sich uaüm. uocv w -... r ein. Die
Kriegsiahren geschaffene Lage chr gestellt hat. Meine Herren Deputierten! Von der größten Loyalität gegen unsere Der- bünüeten erfüllt, hatten ich und meine Negierung nichts andere sim Auge, als unsere Pflicht gogenüber dem Vater- lande zu erfüllen und ihm sowie unseren tapferen Truppen die Möglichkeit zu geben, zu einem ehrenvollen Frieden zu gelangen, entspvechend den schmerzlichen Opfern, die das Volk zur Erringrmg seiner Einheit auf sich gSsiommen hat. In diesem Sinne wurde getan, was möglich war. Schließlich hat nieine Regierung nach reiflicher Erwägung der Lage be- schlossen, unseren zahlreichen Gegnern den Vorschlag zu machen, in Verhandlungen wegen Abschlusses eines Waffen- stillstandes und evtl, eines Friedens einzutreten. Meine Herren Deputierte! Die Negierung, die die geschaffene Lage und die Fülle der Fragen vor Äugen hat, welche diese aufgeworfen und noch au.fwerfen kann, hat beschlossen, die Nattonalversammlung zu einer außerordentlichen Tagung einzuberufen. Es versteht sich von selbst, daß dies nicht ausschließt, daß die Nationalversammlung in ihrer außer- ordentlichen Tagung sich mit anderen Angelegenheiten wird beschäftigen können^ die durch die Notwendigkeiten der ge° wöhnlick-en regelmäßigen Verwaltung sich aufdrängen wür- den. Meine Herren! In der Uberzeugimg, daß Sie in ihren Arbeiten und Enffchlteßungen jene Geschicklichkeit, Weisheit und patriotische Gesinnung an den Tag legen werden, die der gegenwärtige Augenblick erfordert, flehe ich den Segen des Allmächtigen auf Ihre Arbeiten herab und erkläre 'die vierte außerordentliche Session der 17. ordentlichen Nationalversammlung für eröffnet. Es lebe Bulgarien! (Langan- haltender Beifall.) — Nach Verlesung der Thronrede erfolgte die übliche gottesdienstliche Handlung, worauf Ministerprä- sident Malinow vorschluo, daß die Sobranje sich bis Freitag oertigen solle, damit er Volk und Vertreter der Nation eine erschöpfende Darstellung über die allgemeine Lage und auch über die Taffache der zum Abschluß eines Waffen- stillstandes und des Friedens eingeleiteten Verhandlungen geben könne. Die Versammlung nahm diesen Dorschlaa an, worauf die Sitzung geschlossen wurde..
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Koalition oder Mehrheit?
Die Verhandlungen, die om Dienstag geführt worden sind, haben in wünsck-enswertester Form eine Klarheit ge- bracht: Es handelt sich nämlich nicht mehr darum, ein Koalitionskabinett zu bilden, sondern man begnügt sich mit der Schaffung einer Negierung der Mehrheit. Welche Gründe waren für diese Politik maßgebend? Es liegt auf der Hand, daß für die entschiedene Fortsetzung des Krieges und für die Wiederherstellung der Stimmimg in der Heimat ein Kabinett, das aus allen Parteien gebildet wird, zweckmäßiger wäre; ein solches Kabinett könnte die nationale Verteidigung in die Hand nehmen. Für ein solches Kabinett gäbe es eben aber dann nur einen Programmpunkt und der hieße: Focttetzung des Krieges zur Erreichung eines Friedens. Es ist ganz klar, daß ein solches Kabinett bei unseren Feinden ganz merk- würdige Anschauungen auslösen würde. Man würde der Auffassung sein, daß die deutschen Innenverhält.ijsse so zerfahren sind, daß nur das Zusammenraffen der äußersten E^krouie und das erzwungene Gleichstellen der sich am meisten widerspreck-enden Gegensätze notwendig wäre, um über- kwupt noch den militärischen und poiitilcher Ansturm der Gezner auszuhalten. Das deutsche Volt selbst weiß, dag von e»n^ solchen Situation nicht gesprochen werden kann. Aus frei ittfxM haben Die itetiuuieiLOlcute ver Äjoue Ae-
* m.'',ffchaf!l!ch m!l den Parlamentariern, mit denen verhan, keil worden ist, sich auf den Standpunkt oestellt, daß ciix Kabinett der Mehrheit gebildet werden müsse. Wenn nu«, po'ii'.'.g ehrlich ist, so muß man sagen, daß auch ein so Ich-z Kabinett nur so lanee arbeiten tonn, als auch die C^Ucuun von Links und Rechts es stets unterstützen.
Beratung unter dem Vorsitz des Kaisers.
WTB. Berlin, 3. OLL. Der Kaiser und Generalfeld r:arschnll von HindrnLurg sind gestern nachmittag zu kurzem Äufertthalt in Berlin eivgttroffen. Nmhnritlags ü Uhr fan» im Ncichskarrzlerp-alais unter dem Vorsitz des Käfers und Königs eine Beratung statt, an welcher Reichslan-'^er Tr. Graf v. Hertling, Generalfeldmarschall von Hino^nbnri, Prinz Ma§ von Baden, Vizekanzler v. Payer, der Vizepräsi* dent des StaaLsminlsterluMS, Dr. Friedse^'g, der Chef des Geheimen ZiottkabineLts v. Berg und mehrere Elaarssekre- tare teilnahmen.
bb. Laut LokalanZeiger hat sich die Konferenz auf de^ Grundlage einer aügemLirren Erörterung der militärischen und politischen Lage mit den Fragen beschäftigt, die mit der Neubildung des Kabinetis u-'d den daraus enffpriugendeu Änderungen unserer Politik zusammenhangen. Dieser Beratung ging eine Besprechung i« Relch^-ar.tt des Innern voraus. Auch an dieser nahm Generalfrldmarschall v. Hindenbnrg und Prinz Max von Laden teil. Auch der Kronprinz uud Prinz August Wilhelm find in Berlin eingetrosfeu.
Das Aktlonsprogramm der Mehrheitspartrisn.
bb. Die Verhandlungen über die Neubildung der Reichs- regieru;,g stehen unmittelbar vor ihrem Abschluß. Das von den Mehrheitsparteien vereinbarte Aktionsprogramm verlangt unbedingtes Festhalten an der Antwort der Reichsregie- runq mrf die Friedensnote des PO'pstes und an der Friedens- enffchließung des Reichstages. Weiter tritt es für die Schaffung eines Völkerbundes ein und fordert eine unzweideutige Erklärung über Belgien und eine angeniellens Entschädigung an dieses Land. Sodann erhebt es die Forderung, daß die bisherigen Friedensschlüsse für den allgemeinen Frieden kein Hindernis bilden würden. Die Autonomie für Elsaß-Lothrin. gen, die Änderung des Gesetzes über den Belagerungszustand und die Beschränkung der Zensur auf rein politische Fragen, die baldige Einführung des gleichen Wahlrechts in Preußen ! und die Einheitlichkeit der Reichsregierung sind weitere Forderungen dieses Aktionsprogramms.
Die Kandidatur des Prinzen Max von Duden.
TU. Prinz Max von Baden hat gestern die Vsrhandlun» gen mit den Fraltionsführern ausgenommen. Er hat am Vormittag mit dem Abgeordneten Ebert konferiert und nach- mittags mit den Abgg. Gröber (Ztr.) und Fischbeck (Fortschr. Pp.) Seine Aussichten als Kandidat für die Kanzlerschaft scheinen erh-eblich gestiegen zu sein, denn es verlautete am Vormittage im Reichstage, daß die Sozialdcmotratte von ihrem ursprünglick>en Widerstand gegen den Prinzen Max bekehrt und ihr grundsätzliches Einverständnis mit seiner Kanzlerschaft ertärt hätte.
Sin Kabiuett der Mehrheitsyalttrie» unter Prinz Max vov
BaLen.
TU. Drrliv, 3. Oft Prinz Max von Baden hat cesl-ern die Führer von fast allen Fraktionen des Reichstages empfan-' geiu Die Sozüttdemokraten erklärten, daß sie gegen die Person des Prinzen Riax von Baden nichts einzuroenoen hätten. Sie stellten ober mehrere Bedingungen, von deren Erfüllung sie dorr Eintritt in das Kabinett des Prinzen Max von Baden abhängig xn&äycn. — Die Neubildung des Kabinetts dürfte heute noch erfolgen. Der Prinz will ein Kablnett lrch aus drn Mehrhrit-kparLeien Ulb-en. Es so^en v^r d-e nattcmaltt-eraleu Politiker Dr. v. Krause, Dr. Schlffer uo- Dr. Frirdberg in ihren Ämtern verdl-lbrrr.
Das Programm dos Prinzen Max von Baden.
TU. Das Programm des Prinzen Max voor Bad-err lebut sich rüg an dss Attionspregr^mm bcr Mrl-rhciL au, gibt ein» §eu Punkten eine prvzffcre Form, geht in audrrru über Li» Forbrrungrn der Mehrhett«i-orteien hinaus und setzt den Haupl.^dtnien vrrau, dom dentfchrn BÄle den FrieLrq in gcberr. Daraus wird d-c Prinz dann wv>l feine prattffchc» Foizerungen zs ziehen hsLeu.
Lräbsrger an der Spitze des NeichLprcsseamtes.
TU. An die Sptze des neu zu errichtenden Reichspresss- cnntös soll der Abc;. Erzberger treten und ihm ein fortschritt-' licher und ein sozialdemokratischer Abgeordneter beigegeoei» werden.
WTB. Berlin. 3. Okt. Der Kaiser verlirh dem Reichs- kanzler Grafen von Hertlirrg den hohen Orden vom Schwär» zen Adler.
Das neue Kabinett.
bb. Die Berufung des Prinzen Mar von Baden zum Reichskanzler kann, wie die Vofsifche Zeitung berichtet, w?nn auch nicht formell, so doch in Wirklichkeit als veüzogene Tatsache angesehen w?rden. Die Bckauntmachmug soll nach stre, g tonstttnLionrllru Grundsätzen erst ersolgen, nachdem die Eir>^ gung über das Programm vollzogen ist. — Der Borwär.» teilt die Amrisse d77 neuen Regierung mit, so weit sie scöo.» erkennbar find: Nc *, ckanzler Prinz Max ven Baden, kanzler v. Pager, Staats,'efretäre ohne PorcefeniUe Sche'.»' mann und eln Zentrumrabgeordnetkr, ein parlamentarisch?r UnterstaaLsselretür: ein Sozialdemokrat. Lber dis Befeßunz des StaatLsekretariats des Ä»sx:rn sagt der VorwLris: Staatssekretär: Einer von drei vorgeMagenen Diplomaten, die alle drei m'tt ihrer Überzeugung auf dem Bo^en des neuen Rc- gisrungsprogramms steyen; zwei neue parlamentarische lln- terft-aatsselreiüre; Pattei nock) unbestimmt. Dann ko mutt das Nslchsaröeitsamt (neu), StantssekretLr: ein Sozialdemokrat (über die Person soll noch die Generalkommission der G-ewrrk- schafteu befragt werden. Zwei parlamentarische Uniersi.^ts- sekretäre: Ein Fortschrittler und ein Zcutrumsmann. Wc >r da» AelchsamL des Innern. Staatssekretär: Ein FentrumsaL» geordneter. Reichspresseantt (neu), Stoatssekretäe Erzberger; zwei parlamenlarrsck^e Unterfiaatssekretärs: Ein Fottschrü.'er und ein Sozialdemokrat. 9ttich»vrirffchaftsamt, Staatss-ckr:-» tär: Wie bisher v. Stein; ein parlamentarischer Unter staats, sekretar: Ein Soz'aldemvi'vai: Reichsschatzamt, StaetssekretLr: Wie bisher Graf Roedcrn; ein parlamentarischer Unter'taats- sekretör: Ein Zentrumsabgeorducter. Preußisches Slazts- minlsterinm: Sozlaldemckraten, Zentrum uud sorffchrittliche Partei stellen je einen Minister. Die neue Regierung, sagt der Vorwärts, ist als kollegiale gedacht, au deren enffü>rldr,> den Beschlüssen olle Staatssekretäre teiluchmen. Dr-r Reichs- kanzler, der Vizekanzler und die beiden SkaatssrkrejAre ostue Portefeuille sollen ihren engsten Ausschuß darstellen. Die neue Regierung werde es als ihre Aufgabe beiracksten, der Welt und dem deuffckzen Volke den Fr.c^u wieder zu geben. Dieser soll ein dauernder sein. Lr ssll sich auf dem Völkerbund gründen u*b die allgemeine Abrüstung ermöglichen, die politische und wrttschaftlick»e Freiheit der Völker sichern 'ur.d dc^t Wirffchajtsk ' g nach dem Kriege auszufchUetzeu.


