Ausgabe 
3.10.1918
 
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Zu MdeMrgs GeSuttstsg.

<7 - (2. Oktober)

P Don Walter Dloem.

An sonnenlichtem Tage Feste zu feiern, ist leicht. Dem Sieger zuzujubeln im Augenblick, da er lorbeergekrönt durch das Triurnphior einreltet das bringt der Feigste, der Lrbärurlichste fertig. Dem Kämpfer, dem ringenden Hil­den zu huldigen Ln dunklen Stmrüen der Schicksalsprüfung, des Rückschlages in solchen Zeiten gläubigen Herzens, tröstenden Auges vor ihn hinzutreien mit dem Gelöbnis im Blick und Herzen: Du bist dennoch, bist gerade jetzt un­ser Held und Hort dazu brauchss schon einer (Stejmmmg, die selber Heldentum ist.

Seit das deutsche Volk in einer Einstimmigkeit des Empfindens, wie es solche selten einem seiner VorMmpfer Lsl Lebzeiten entgegengetragen, seinem Generalissimus im Krieg der Kriege zum siebenzichsten Geburtstag entgegen- jubelte, hat sich viel Gewaltiges begeben. Im Osten ist Friede geworden. Kein Friede, der uns vollauf beglücken könnte. Eine ganze Herde von Sphinxen scheint dort ge­lagert, starren Rütselblicks, die Tigerpranke wie zu neuem Hieb der Tücke gerrampft. Immerhin: Waffenruhe, ftir

,Gegenwart und Zukunft, feierlich verbrieft »von jenen, die in den vormals feindlichen Ländern die Machthaber der

Stunde fini). t _ rir

Und im Frühjahr holten wrr zu dem furchtbaren Schlaoe gegen unsere westlichen Gegner aus, ixm dem der jüngste Rekrut in der Front und das ärmste Bäuerlein da- heim im entlegenen Waldtal hofften, daß er entscheidend, daß er für unserö Bedränger vernichteird sein würde. Ob der, welcher chn leitente, ob Hindenburg und sein getreuer Kampfgesell die gleiche kindliche Zuversicht gehabt haben mögen? Wir dürfen es bezweiselir. Der stopf weiß meift mi)t, als die Hand, als das Schwert, das sie führt.

Gewaltige Erfolge wurden uns zuteil. Es schien um manchem Tage, als feien die wilden Stegeswochen des Vor­marsches von 1914 neu gekommen.

Doch der Widerstand der Feinde versteifte sich von Stunde zu Stunde. Und schließlich setzte eine machtvolle GegenrÄrkuna der Weltmächte ein, die uns einen großen Teil des Erkämpften wieder aufgeben ließ. Da tat Hin­denburg, was er nicht zum erstenmal in diesem fabelhaften Gigantenringen getan: er gab den Befehl, der in deutsche Soldatenohren mißtönig schrill eingeht: den -Rückzugsbe-

fehl, der alles Eroberte der Frühjahrs- und Sommerkämpfe dem Feinde wieder überließ. Und heute stehen wir von neuem fast in den Ausgangsstellungen der Kämpfe dieses fchreckensoollen Jahres.

Ahnt ihr, was das für einen Feldherrn bedeutet?! Habt ihr eine schattenhafte Vorstellung, was in einem Men- fchenherzen vorgeht während solcher Geschehnisse in je- nem Herzen, das wohl ein auserwähltes Werkzeug des allmächtigen Lenkers aller menschlichen Dinge ist das aber derrnvch eben auch nur ein Rlenschenherz ist, mit der Wucht von einundsiebzig Lebensjahren, von vier furchtbar langen Ichren die Verantwortung für Millionen Soldatenleoen trägt, für das Schicksal eines ganzen Völkerbundes, einer Welt von Menschenglück und Menschenweh?!

Und unser Hindenburg ist kein eiskalter Napoleon, kein Cäsar, der unerschütterten, unbeweglichen Herzens über die Leicheirberge der Schlachtfelder hinritte. Schaut ihm ins Auge, dessen leid kundigen, vergangenen Blick jeder Deutsche kennt, und versucht zu begreifen, was dieser Mann um euretwillen duldet und leidet!

Merkt, wie er euch braucht euch alle, jeden einzel­nen unter euch: Mann, Weib und Kind, den (Ärldaten und den Arbeiter, den Streiter und die Dulderin!

Und gelobt chm als Geburtstagsspende, was er mit so unvergänglichen Taten sich erkämpft, was chn und euch stark umcht:

Euer Vertrauen!

Unser Verbündeter Österreich-Ungarn hat noch einmal i* ja, wirklich noch einmal unseren Feinden die Friedens­hand hingestreckt. Auch diesmal haben sie sie cusgeschlagen. Wohlan, es weiß der Einfältigste in Deutschland, was un­sere Feinde wallen unser aller Vernichtung!

Nun, wenn es denn sein muß dann laßt uns alle den Feinden zeigen, daß sie uns noch immer nicht kennen!

Hindenburg, des seid gewiß, der wird chnen zeigen: sie kennen chn noch immer nicht!

Sie sollen chn kennen lernen: chn und uns!

Das Gebot der Btim&e.

Auf, deutsches Volk, die Flammenzeichen rauchen!

So begeisterte vor mehr als hundert Jahren ein deut­scher Sänger das deutsche Volk. Am 31. Juli 1914 zitierte man wieder dieses Wort und vergaß es bald. Weil unsere Heere überall siegreich waren, wiegte sich das Volk in Sicherheit. Der Massrngegner Rußland wurde gefchla- gen. Im fünften Kviegsjahr zeigt stch nun doch ein anderes Bild. Bulgarien ist militärisch zusannnengebrochen. Das bulgarische Volk, das seit 10 Jahren schon an den Kämpfen auf dem Balkan beteiligt war, war noch nie so übe! daran wie jetzt. Die Ernährung ist schlecht. Die Politik wird von einer ganz dünnen Oberschicht gemacht, von Leuten, die ihre Gesinnungen nicht aus den Wurzeln des Volkes, sondern aus den Goldbeuteln anderer Staaten holen. Unsere Feinde wollen mit Bulgarien nur über den Frieden verhandeln. Das kann nach Lage der Dinge aber nur ein bebingungs- loser Friede sein. Das Verbindungsstück Bulgarien soll aus dem Vierbund herausgerissen werden. Solche Gescheh­nisse reizen Rumänien, mit dem wir einen Frieden ge- schlossen haben, der politisch wie taktisch unklug war. Die Lage ist ernst, desto energischer muß der Mille zur Lösung aller dieser Fragen zur Geltung kommen. Dann wird es uns gelingen.

In solcher Stunde hat sich innerpolitisch eine Konsokb dierung vollzogen. Wir sehen immer mehr Einigkeit aus den politischen Parteien erstehen. Von Links nach Reckte geht durch die großen Parteien ein Ahnen jenes Geistes, den 'die Freiheitssänger von 1813 gepflegt und gefördert haben. Es gibt kein Wort, das unsere Lage von heute besser bezeich­ne te als Arndts geflügeltes Wort: Die Flommenzeicheu rauchen!

Jeder Daterlandsfreund wird stolzen Mutes auf seine Volksgenossen schonen; er wird chnen allen die Hand reichen zur neuen Versöhnung und zum neuen Gelöbnis, jetzt alles zu tun, um die Existenz des Vaterlandes zu sichern. Vater­land ist kein theoretischer Begriff. Er ist für uns Deutsche die Summe all der wertvollen Einrichtung«" . die kein Er- Lenvolk außer uns besitzt; er ist der geistige I ^lt all besten, .oas deutsche Wissenschaft und Technik seit I hrhunderten e. sonnen, wenn auch die, die solcher Geistesarbeit dienten, u als Schwärmer und Dichter bezeichnet worden sind; ^aterlarch iit für uns aber auch der Degrisf, in den, mir alle

unsere Existenh haben, dem wir die Möglichkeit unserer Ernährung und Fortbildung danken. Für dieses Volk gibt es in dieser ernsten Stunde keine andere Parole als die: »Frisch «»fl -

Es entstehen militärische und politische Notwendigkei­ten, die unbedingt und unter allen Umständen jetzt durch- geft'chrt werden müssen. Es gibt nicht mehr Raum zum Straucheln; es ist nicht mehr Zeit zrun Überlegen. Freuen wir uns, daß diese Einigkeit auf dem Wege ist! Freuen wir uns, daß es sich nicht mehr um einen politischen Block des Zufalls handelt! Freuen wir uns, daß die nationale Ver­teidigung zur Parole wird für alle, dis überhaupt noch denken mrb den Ernst der Stunde erfassen. Wer jetzt nicht untergehen will, wer nicht das Schicksal erleben will, unter englischer, französischer und amerikanischer Oberhoheit für fremde Mächte arbeiten zu müssen, der komme nun frei­willig und verzichte auf Genüsse des Augenblicks. Schon Schiller ließ seinen Freiheitshelden das schone Wort sagen: Seid einig, einig, einig!

RMrM ftes MWkMkrs mh des

AMZKlrMrs nm Mtze.

TU. Berlin, 30. Gspt. Der Berliner Zeitung zu- folae hat der K Ifcr dis RSStrlttsseknche des Reichskanzlers und des Staatssekretärs des Auervüriigru o. Hintze anaenom- men. Die Entscheidung über die Person der Nachfolger ist noch nicht gefallen.

Nu Erlatz des Kaisers.

WTB. B e r l i u, 30. Sept. S. M. der Kaiser hat an den Reichskanzler Grafen v. Hertlkng folgenden Erlaß gerichtet: Ew. Exzellenz haben mir vorgsschlageu, daß Sie sich nickst mehr in der Lage glauben, an der Spitz; der Regierung zu verblei­ben. Ich wiü mich Ihren Gründen nicht verschließen und muß mit schwerem Herzen Ihrer weiteren Mitarbeit entsagen. Der Dank des Vaterlandes für d!e von Ihnen durch dle Über, nähme des Reichrkanfleramtra in ernster Zeit gebrachten Opfer und die von Ihnen geleisteten Dienste bleibt Ihnen sicher. Ich wünsche, daß das Deutsche Volk wirksamer als bis- her an der Vestimmnng der Geschicks des Vaterlandes mitar­beite. Es iffbahrr mein Wille, daß Männer, dir von dem Vertrauen des Volkes getragen sind, in weitem Maße an den Rechten und Pflichten der Regierung tsilnehmen. Ich bitte Sie, Ihr Werk damit abzufchließen, daß Sie die Geschäfte web ter führen und die von mir gewollten Maßnahmen in die Wege leiten, bis ich die Nachfolger für Sie gefunden habe. Ihren Vorschlägen hierfür sehe ich entgegen.

Großes Hauptquartier, den 30. September 1918. gez. W i l h e l m I. R. gegengez. Dr. Grafv. Hertlkng.

bb. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: Das Schreiben, in dem der Rücktritt des Grafen Hertling bewilligt wird, ist von einem in Form einer feierlichen, von dem zurücktreten­den Staatsmann selbst gegengezeichneten kaiserlichen Erlaß begleitet. Er enthält ein Reaierungsproarawm nan rin^r wuchtigen Bedeutung, die in der bisherigen Geschichte des Reiches nicht ihresgleichen hat. Was den Abschied Kanzlers von seinem Amt auszetchnet, ist dis natürliche Er­gänzung des Bildes, das sich die spätere Zeit von dem setzt scheidenden Kanzler machen wird. Ein aufrechter, klar blickender Staatsmann, der am Abend seines Lebens in kri­tischer Stunde wiederholt um die Übernahme des höchsten Reichsamtes angegangen worden ist, eröffnet durch seinen Rücktritt den Weg zu einer Entwicklung, die der Kaiser als seinen Wunsch und Wällen bezeichnet. 'Das Leitmotiv, das durch des scheidenden Kanzlers Reden und Handeln bis in die allerletzten Tage hinein aing, war die Sorge um die Einigkeit des Volkes, das Bestreben, überall das Einigende zu betonen und das Trennende wegzurävnien. Die Reden von der Volkseinigkeit müssen wieder heiliger Ernst werden und wenn wir endlich den inneren Fo'eoen schaffen, der die erste Vorbedingung ist für einen äußeren Frieden, wie er von deutschen Männern geschlossen werden kann. Das B. T. schreibt: Mit der Einsetzung von Parlamentariern in die Regicrungsämter wird die Umgestaltung des Staats- aebäudes nur ermöglicht, keineswegs vollzogen. Die Reform, hie auch eine Reform des Geistes sein muß. Ist nicht voll­endet, sondern sie beginnt.

*

Schneller wie erwartet ist der Rücktritt des Reichskanz­lers und auch des Staatssekretärs des Auswärtigen erfolgt, ohne daß bisher die Nachfolger schon ernannt sind. Graf Hertlkng wird zunächst noch eine, Festigung und Ordnung der innervolitischen Verhältnisse vornehmen und noch dem neuesten Erlaß des Kaisers der kommenden Reairrung die Wege ebnen. Man torf erwarten und hoffen, baß die Klärung recht bald erfolgt und eine Regierung des ctTTfctt!« gen Vertrauens und der nationalen Verteidigung alle Mlttel mit der erforderlichen Energie anwendet, um auch die Au­ßenpolitik in die richtigen Wege zu leiten. Der Ernst der Stunde erfordert gebieterisch einen geschlossenen Willen des ganzen Volkes, alles in den Dienst des Vaterlandes und sei­ner Verteidigung zu setzen. Die nächsten Tage und Wochen entscheiden für unsere ganze Zukunft, für Freiheit, Sein oder Nichtsein. Wir haben das Vertrauen zu der ftnars- männifchen Einsicht des Grafen Hertling, daß er feiner Auf. aabe gerecht wird und die schnelle und sichere Überleitung schafft zu der kraftvollen Regierung der nationalen Ver­teidigung.

Das Entlassungsgefuch von Hintzes.

TU. Wie die Germania erfährt, bat Staatssekretär van Hintze zwar dem Kaiser sein Enttassungsgesuch überreicht, doch ist darüber eine Entscheidung v ch nicht getroffen. Sie dürfte erst in den nächsten Togen zu erwarten sein.

Die Kandidatenliste.

bb. Wer Reichskanzler wird, st"' zur Stunde noch nicht fest. In parlameniarflchen Kreiie.. werben als aussichts­reiche Kandidaten Vizekanzler v. Payer und Staats minister Dr. Solf genannt. Daneben tauchen auch die Namen des Grafen Monts, des Grafen Posadowsky, des Grafen Brock- dorfftRonjum und des Generalgouverueurs v. Beseler auf. An eine Kandidatur des Raichsschatzsekretars Grafen Roe- dern will man in parlamentarischen Krei n nicht glauben.

Auch das preuLWe StüMMisterirm tritt zurLL

TU. Das Preußische Starttsministerlum ist gestern nach- mittag zn einer Sitzung zufammeugetreten. D^m Vernehmen nach haben die jetzigen Vitglieb-r dem Kaiser ihre Porte­feuilles zur Verfügung gestellt um ihm und dem Parlament Freiheit zur Bildung einer neuen Regierung zu geben. Die sämtlichen Staatssekretäre haben bereits im Verlaufe des gestrigen Tgg"s ihr Nllcktrittrgsft'ch ützorreicht. Dle Ent- fchUeßnng darüber dürfle nach Abschluß der Verhandlungen mit dem Parlament in den reckst?.', ^ageu erfolgen. Die Verbau dl unqeu darüber ü'-'d not)» nW a boe schloss »u.

Die VMaMungen im ZauptausMZ.

WTB. Berlin, 1. Okt. Der Hauptausschug des Reichs­tages trat gestern nachnüttag wieoer zu einer Sitzung zu- sammen. Don der Negierung waren erschienen Vizekanzler von Payer, Schatzsekretär von Roedern, fast sämtliche Unter- staatssekretäre und eine größere Anzahl von Mitgliedern des Bundesrats und des Reichstages. Vor Eintritt in die Tages­ordnung nahm der Präsident des Reichstages. Fehrenbach, Stellung zu der heutigen Meldung des ^Berliner Tageblatts^ dahingehend, er hätte vor der Abreise des Reichskanzlers diesem im Aufträge der Mehvheiteparteien Uner'^'Uiches untgeteilt. Diese Meldung berührt meine Stellung " Prä- sidrnt. Ich fungiere nicht als Vertreter der Mehrhcitspar- teien, sondern als solcher des Reichstages und habe an den Besprechungen der Mehrheitsparteien nnch nicht beteiligt. Entsprechend einer Einladuna des Reichskanzlers besuchte ich diesen vor seiner Abreise. Das zur Klarstellung. Hierauf nahm der Stellvertreter des Reichskanzlers o. Payer oas Wort und erklärte: Ich habe hiermit Kenntnis zu nehmen von einem kaiserlichen Erlaß an den Reichskanzler. Für diesen Erlaß, durch den der Kaiser dem ernstlichen Mllen Ausdruck gibt, daß dem Wunsch des nun schon seit Jahren nur Gewaltiges leistenden und ertragenden deutschen Volkes nach einer verstärkten Mitwirkung bei der Leitung der Ge­schäfte des deutschen Reiches weitgehend Rechnung getragen werde, ^bühre chm unser aufrichtiger Dank. Im Aufträge des Relchskanzlers werden wir heute noch in Beralunoen mit den Fichrern der einzelnen Parteien über den besten Weg, zu diesem Ziele zu gelangen, eintreten. Wir haben die sichere Hoffnung, daß es uns gelingen wird, in kürzester Frist diese für die Zukunft unseres Vaterlandes höchst de- deutfame Entwickelung zu einer unsere Einigkeit und Kraft stärkenden Lösung zu bringen. (Die Verlesung des kaifer- lichcn Erlasses wurde mit Bravorufen cuffaenommen.) Der Vorsitzende des Ausschusses, Abg. Ebert. schlug nach diesen Mitteilungen vor, sich zu vertagen. Die Abaq. Ledebour und Eohn von den Ilnabhängkaen Sozialdemokraten widerspra­chen diesem Bovschlage. Fehrenbach verwies diese Redner auf die vorausgegangene persönliche Unterredung, in weläET er sich auf den Standpunkt stellte, daß der Reichstag nach Be­nehmen mit der Regierung auf Wimsch der Mehrheitspar- teien e'mberufen werden soll, jedenfalls aber dann, wenn die gegenwärtige Regierungskrise ihren Abschluß gefunden habe. Er schlage vor, daß der Ausschuß nicht auseinandergehen, sondern sich auf einen späteren Zeitpunkt vertagen solle. Dieser Vorschlag fand allgemeine Zustimmuirg. Rur die Un. abhängigen Sozialdemokraten glaubten, sich nicht damit be- richigen zu können. Schließlich machte der Vorsitzende unter Berufung auf die einschlägigen Bestimmungen der Geschäfts­ordnung den Einreden der ilnnbh. Soüaldemokraten dadurch ein Ende, daß er ihnen das Wort nicht mehr erteilte. Die Sitzung wurde hierauf auf unbestimmte Zeit vertagt.

Gemeinsames Programm der Mehrheitsparteien.

TU. Die Mcbrbeitsparteien haben ihre Beratungen über ein gemeinsames Attionsprogramm beendet. Da» Programm ist bereits so gut wie fertig nnd lehnt sich eng an bas Mindest- Programm der Sozialdemokratie.

Parlamentarisierung.

TU. Die vom Vizekanzler anberanmten B-ratuugea mit den Parteiführern fanden gcstsrn abend im Rrichsamt des Innern statt. Der Vizekanzler v. Pager und der Staats­sekretär des Reichsschatzamtes Graf Roedern empfingen nach- einandsr die Führer der einzelnen Fraktionen, auch die der Polen nud der unabhängigen Sozialdemokratie. Herr von Bauer fragte, wie sich die Parteien die Parlamentarisierung denken, ob durch ein Koalitionsminiftsrinm, das sämtliche Parteien umfassen soll, oder durch ein Knbin"tt, in dem nur die Mehrbeitspartkien vertreten sind. Die Reckte sowie die Unabhängigen Sozialdemokraten erNLrten, von ihrem Stand­punkte an» an einem solchen Kabinett nicht teilnehmen z« können. Man müsse dies den Mehrheitsparteien allein über­lassen. Buch die Nationalliberalen fchriusn nicht große Nei­gung zu bab^n, dem Kabinett bekZntreten. Zerr von Paper erklärte a'wtzrücklich, daß sich die Parlamentarisirrung nicht nur auf di- Relchsämter. sondern auch auf das Preußische Staatsministerlum erstrecken soll.

bb. Der Vorwärts teilt mit, daß in den gestrigell Bespre­chungen zwischen den Sozialdemokraten, der fortschr. Volks- pavtei nnd dem Fenimrm bereits eine we!iael>ende Über- einstimnumg über die so-ialdemokraiiscken Forderungen er­zielt wurde. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion se» für Mittwoch zu einer Satzung einberufen. Heute soll zwi- schon den Parteien über die Personenfraae verhandelt wer» den. Die Zeit erfordere ganze Männer mit festem Entschluß. Wir brauchten nickt So-ss^ldenwkroten als Minister, sondern sozialdemokratische Minister, Männer, die in ihrem Amt das blieben, was sie seien und mit leidenschaftlick^r Eneroi» iür das wirkten, was sie als Sozialdemokraten für rtchttg hielten.

Der Zusammentritt des Reichstages.

TU. Der Ältestenansfchuß des Reichstages tritt am Mitt­woch zu einer Sitzung zusammen und wird sich mit der Frage der Einberufung der Vollversammlung des Reichstages de- Ichäfttgen.

Die GrchkMuzse im WMen.

WTB. Berlin, 80. Sept. Abends. Amtlich. In Flandern im allgemeinen ruhiger Tag. Erneute Massenan­griffe der Engländer gegen mrd bridersrtts Cambrai sind un- ter schwersten Verlusten für den Feind gescheitert. Westlich Le Latelet haben sich am Abend Kämpfe entwickelt. In der Ehanrpague validen Teilangrisfe der Franzosen, östlich der Argmrnen starte Angriffe der Amerikaner abgewissen.

I WTB. Die Zurücknahme hinter den Handzameab- schnitt in der Nacht vom 28. zum 29. 9. verlief planmäßig. Gegen Milternac't setzte der Belgier seine Angriffe mit star-

I ken Kräften von - rdöstlich Dixmuiden bis gegen Houthoulet ohne Erfolg fort. In den Nachmittag- und Abendstunden litten weitere heftige Angriffe zwischen Zarren rmd Moors- iede -ur südwestlich Staden geringen Erfolg. Der 9 Ichr vormittag in Richturrg Gomen eingebrockene Gegner wurde am Nachmittag auf Houthrm zurückgeworfen. Der feindlichr Flie."reinsatz an den Eindruckstellen war außerordentlich start.^ Nachdem an der Cambraiftont die Schlackt südlich der Straße Arr. ^Eanckrat bis ln die Nacht vom 28.°?9. ange­dauert hatte, setzten vom Seeabschnitt bei Arleux bis nördlich St. Ouentin 4 Uhr morgens auf der aanzen Front stark»» Ar tilleriekämpfe ein. Gegen 6 Uhr verstärkte sich das feindlich Feuer zu größter Heftigkeit. Der bei Arleux in einem Tekb verstoß einaedri'irgene Gegner wurde wieder zurückgeworitn Gegen 7 Uhr vormittags traten dle feindlichen Stnrmwellen von starken Panzerwagen- und Flu^esckMadern unterstützt von Epinoy bis zum Omignonbach gm Angriff an. Epmoy ßnff tr.r Feind allein « «uU an. 3>to ^"a.r*nd de« sansev