Der Kaiser rmd die deutschr Arbtller- schast.
Aus Arbeiterkreisen wird uns geschrieben: Krupp war bas Forum, aber die Rede galt der ganzen deutschen Arbeiterschaft. So wird sie empfunden, so muß sie gewertet werden. Mehrere Tage ist der Kaiser in Essen gewesen, der riesigsten Munitions- und Waffenzentrale Deutschlands, in der die Zahl der Arbeiter allein in den Kruppschen Werken von 40 000 in Friedszeit auf über 100 000 gestiegen ist. Sie gehören den verschiedensten Parteien und G«werffcl>asrs- richtungen an. Ungestört und unbehelligt ging der Kaffee von Werkstatt zu Werkstatt, von FabrMwf zu Fcrbrikhsf, überall von den Arbeitern freundschaftlich und ehrerbietig begrüßt. Diese Tatsack-e sollte der Entente zu denken geben. Herr Wilson wird sich überzeugen müssen, daß dieser ^Kaiserismus" unerschütterlich in der deutschen Volksseele steht. Hier beißen Sie auf Granit, Herr Wllsonl
Die Art. wie der Kaiser sich gibt, geht zu Herzen. Er spricht als Deutscher zu Deutschen, als sorgender Lande», vatcr zu seinen Landesllndern und im ganzen als Freund. Die ganze Rede trägt einen fast kameradschaftlichen Zug, so, als wenn der Kaiser sich als den ersten pflichtbewußten Ar- beiter betrachtet; deshalb gehen seine Worte zu Herzen. Was er über die Leistlingen der deutschen Industrie, der deutschen Arbeiter und der deutschen Frau sagt, wird den lebhaftesten Widerhall finden. Er redet diesmal zum A' beitsheer der Heimat, von dessen unerschütterlichem Arbei! geift u. unverminderter Leistungsfähigkeit die Kampffähig Leit der Frontarmee in so hohem Maße abhängt. Verstand nisvoll spricht der Kaiser von den Schwierigkeiten, die mit der pflichttreuen Arbeit in der Kriegszeit verbunden sind „Schwierigkeiten in der Ernährung, Schwierigkeiten in der Bekleidung, Verluste, Trauer und Sorge aller Art, von denen kein Haus verschont geblieben ist, weder das Fürsten- haus noch das schlichte Arbeiterhaus." Er dankt als Landes- vater den Männern und vor allem den Frauen und Mädchen, „daß sie so opferwillig ihre Pflicht getan haben, trotz der drückenden Sorgen von Rot und Elend, die uns alle betroffen haben". Er betont, daß er darüber Bescheid weiß, und sagt offeicherzig: „Es hätte manches anders gemacht werden können, und daß hier und da darüber Mißstimmung herrscht, ist kein Wunder." Die deutsche Arbeiterschaft wird im Innersten ihres Herzens dem Kaiser danken, daß er ein 'so herzliches Verständnis für die Schwierigkeiten ihrer Lage bekundet hat. “ ,
In der deutschen Arbeiterschaft ist der Wunsch noch dal- bigem Frieden besonders lebendig. Das ist erklärlich; sie trägt, wie der Kaiser anerkennt, besonders schwer unter der Kriegslast. Aber der Kaiser weist hin auf sein Friedens- cmgebot vom Jahre 1916, das mit Spott und Verachtung von den Feinden abgelehnt sei. Er umschreibt den Cha- rakter des Krieges, so wie ihn die deutsche Arbeiterschaft empfindet und empfinden muß, als einen Kampf um unsere Existenz, als einen Kampf, der geboren ist aus dem Neid der Feinde gegen die friedlich fleißige Entwicklung unseres deutschen Volkes. „Das deutsche Volk war fleißig, in sich gekehrt, strebsam, erfinderisch auf allen Gebieten, es arbei- tete geistig und körperlich." Wir förderten Industrie und Wissenschaft, Kunst und Volkserziehung, soziale Gesetzgebung, „dadurch kam unser Volk in die Höhe, und da kam der Neid". In der Tat, die deutsche Arbeiterschaft ohne Unterschied der politischen und religiösen Richtung ist sich längst einig darin, daß der Krieg geführt wird um Deutschlands Welt- geltung, um die Möglichkeit der Deutschen, friedlich und Ehrlich ihr Brot in der Welt zu verdienen. Sie ist auch darin einig, daß ein verlorener Krieg den Zusammenbruck aller Arbeiterhoffnungen bedeutet, Arbeitslosigkeit und Rot und den Stillstand der sozialen Aufwärtsentwicklung der Arbeiterklasse bedeuten würde. Deshalb weisen auch die deutschen Arbeiterführer die Anmaßungen der Amerikaner und Engländer zurück. Treffend sagt Lechen, der Führer der größten Gewerkschaftsgruppe in Deutschland, in seiner Erklärung gegen Gompers, daß die Kapitalkraft in Amerika unumschränkter herrsche als in ejnem anderen Stritte Eu- ropas, und baß Arbeiterfchntz und und Arüeiterversicherung kn einzelnen Staaten Amerikas erst in aeringen Ansätzen vorhanden seien. In diesem Sinne ruft der Kaiser zur Pflicht. — „Worin besteht unsere Pflicht: unser Vaterland ftei zu machen!" Nicht phantastische Eroberungen, sondern die Freiheit des Vaterlandes, die Freiheit der deutschen Wirtschaft, die Freiheit der deutschen sozialen Kulturentwick- lung, die sollen wir uns erkämpfen, und dieses Ziel soll uns stark machen zur treuesten Pflichterfüllung. „Mit all unseren Kräften aushalten im Kampfe gegen unsere Feinde .... Du an deinem Hammer, du an deiner Drehbank und ich' auf meinem Thron, wir müssen alle auf Gottes Hilfe bauen." »Ich kenne keine Parteien, ich kenne nur Deutsch." Hier erneuert der Kaiser das Gelöbnis zum Burgfrieden und nimmt durch ein lautes Ja den Arbeitern das Versprechen «b: Wir wollen kämpfen und durchhaUen bls zum letzten. Dieses laute Ja muß widerhallen durch alle deutschen Gaue.
Es ist in der Tat Zeit, daß wir die Nebel zerstreuen u. unsere ganzes Volk sich auf die Aufgabe besinnt, die dieser Krieg uns stellt: Den Vernkchtuugswillen nuferer Feinde zn bre- chen und die deutsche Zukunft sicherzustellen, das wird das Echo der Kaiserrede von Essen sein.
SrrvssgunM mögen zu der neuen Aufnahme bn Angriffe im Abschnitt von St. Quentin geführt haben. Am 17. Dept. setzte um 5,30 vvvnrrttags zwischen Ornignon-Dach uud Somme starkes Feuer ein, dem ein heftiger Angriff beiderseits von Holnon folgte, der im Gegenzurückgewiesen wurde. Gefangene wurden ringe-bra-cht. Desgleichen scheiterte ein Angriff um 9,00 Uhr südlich Holnon, sowie nachmittag« nörd- lich vom Holnon-Wetde, fc« 6am eilt vorgshsndes feindliches Bataillon durch ztlsa«itt«ngLfaßics Feuer in seine Ausgang«, ftoüung zurttckgetrieben lvirrde, ebenso ein Vorstoß gegen Lssigny Le Grxind. — Die französischen Angriffe »wischen Ailette und Msne d^rern an. Nachdem «n Vormittag des 17. September olle Versuche der Fr«rsiffen gsstcheiterl waren, die zwei Tage vorher erzielte Einbuchtung in der deutschen Front bei Mleman-t zu vrbrettern, gingen die Franzosen am dkckmüttag urit frischen Kräften unter dem Einsatz von Tank, mif der ganzen Fvont zum Angriff not. Anfänglich gewannen die Franzosen in Richtung auf Pinon Raum, wurden aber im Gegenstoß wieder zurkckgetr«brn. Deutsch« Feldbatterien fuhren offen auf, setzten A-lrriche Tanks außer Gefecht und uvangen im Verein mit Masckstntzngewel-ren der Infanterie die ssemzösischen SturmkEÜen zur Umkehr. — Zwischen Maas und Mosel arbeiteten sich die Amerikaner trotz aller großftre- cherischen Behauptungen über die Fortsetzung ihres Dormar- sches und noch zu erwartende große Errianisss nur vorstcküig an die deutschen Stellungen heran. Di« verhLltutsuräßlge Rübe an der übrigen Front dürfte ober »jcht dadurch hinweg- ISuschen, daß die gesamte Wffffrs.nL »ach wie vor uuter Hoch, spannrrng steht.
Line gou^e Kompagnie «eit dem Mssrnon Krenz ausgezeichnet.
Zn den letzten KLoipfen an der Westfront hat sich die »weite Kompagnie der Maschinengervehr^chavfschützencäite-i. lang 13 gart» besonders ausaireichnrt, so daß der wohl einzig dastehende Fall eintrat, daß sünttlichsn Unteroffizieren, Ge- freiten und Mannschaften das Eiserne Kretiz 2. Klasse verliehen werden konnte.
WTB. Um zu beweisen, mit welcher Eile der deutsche Rückzug aus dem Et. Mihiel-Boaen vor sich ging, berichtet ein Funkspruch aus Lyon vom 15. September, baß es den Deutschen nicht gelungen sei, die von ihnen beabsichtigte gurück- führung der Bevölkerung, vor allein der jungen Leute, durch- »uführen. Lyon funktr, daß ein Teri in St. Mihiel zurück Miel>, wo er die siegreichen französischen Tnrppen mit Freude- rufen begrüßte und datz die übrigen in Wäldern u. Schluchten gefunden wurden, wo chre Wächter sie bei ihrer eiligen Flucht im Stich gelassen hatten. Nachdem Lyon so den fluchtartigen Abzug der Deutschen der Welt genügend eingeprägt hatte, mußte au.ch das andere Register von der Bavbarsi der Deutschen gezogen werden. Deshalb funkte Lyon zwei Tage spä ter unbedenklich wörtlich: „Die Deutschen führten im letzten Augenblicke viele, sewst alte Personen, mit sich fort. Alle jungen Leute wurden mitgenommen." — Das Gedächtnis der Welt ist allerdings sehr kurz. Aber ein etwas größerer Zwischenraum zwischen diesen beiden einander diamstval wider- fprechei»den Mitteilungen hätte sich doch empfohlen.
Der letzte Flieger-Angriff aus Paris.
WTB.^ „Proares de Lyon" meldet aus Paris: Der letzte Lufümgriff auf Paris hat großen Schaden ungerichtet. Die Häuser, auf welche die Brandbomben sielen, find in der Mehrzahl eingeäschert. Die neuen Brandbomben, die die Deutschen verwenden, haben eine furchtbare Durchschlags, und Sprengkraft. Das Blatt meldet 5 Tote und ungefähr 10 Verwundete. Der gan»e Angriff war außerordentlich heftig. Mehrere Flugstaffe.n durchflogen in Abständen von wenigen Minuten das Sperrfeuer' und warfen, Andeutungen Pariser Blätter zufolge, ziemlich über das ganze Pariser Ge- bitzt Pomben ab
Der deutsche MeMsrW.
WTB. B e r l I n, 18. S-pt. (Amtlich. Ab»»ds.) Eva- «sch« und französisch- Angriffe auf breiter Front vom Walde vvu Havrincourt bis zur Somme. Gegen den auf der Mitte des Schiachifeldss zwischen Hargicourt und dem Omianou- Waide, euiaedrungcnen Feind sind Gegenangriffe im Sange. Au der übrigen Front sind die Angriffe des Feinde« zeschel- iert. Wir kämpfen überall westlich unserer alten Siegfried- Stellung.
Sie Äampse im 23sS!?n.
WTB. Di» Fortsetzung der englischen Mitzerfoiae an der Eambrai.Front von Moeuvre bis Epsl») hat nur eine vor- lausige Einstellung der eirglischen Angriffe zur Folge gehabt. Ritch einer ^au^e von 2 Tagen fetzte am 13. September ein neuer großer Angriff von Havrincourt bis HoLrwn ein. Die Hartnäckigkeit, nrit wslck-er der Engländer innuer wieder an- greift, erklärt sich, ganz abgesehen von Fo«l>r stratrgisck)on Planen, die noch immer auf den Durchbruch zwischen Canckral und St. Queutin abzuzielen scheinen, aus der Tatsache. daß die Deutschen vor der Siogsriedstellung überall noch die el>e° r.mkigen englischen Stellungen halten, so daß die Engländer ger'Ltigt sinb, sich tut Feuer der deuten Artillerie ln dem verwüsteten, von allen Hilfsmitteln entblößten Gelände tviue - lm grulgsstellungeu zu schaffen, falls es ihnen nicht gelinvr, lich in den Belitz Ujtec alten Stellun<)eu zu schsn. Gleiche
Ein m«L^kr FüedtNS^M.
Noch bevor die österreichische Negierung ihren Friedens- fchritt untornahni, liefen Gerüchte um, die von einer neutralen Friedensvermittlung sprachen. Diese Gerüchte waren nicht allein in Deutschbrnd zu Hause, sie wurden auch in den umliegenden neutwlen Staaten eifrig kolportiert. Man ging dabei von dem Gedanken aus, daß die Zeit gekommen wäre, um den Weltkrieg durch gütlicke Auseinandersetzungen zu beenden. In Holland und in oer Schweiz sind geradezu be- stimmte Tatsachen veri>rritet worden. So konnte '.. an hören, daß die Königin der Äiiederlande sich mit einer iiiots an die Kriegführenden wenden werde. Don anderer Seite ist wieder die Vermutuna ausgesprochen worden, daß der König von Spanien irgeno etwas im selben Sinne unternehsnen werde. Hoffnungen tatsächlicher 2lrt nach dieser Richtung hin sind allerdings enttäuscht worden. Man darf aber das Kind nicht mit dem Bad ausschütten; man darf aber nicht glauben, daß, wenn jetzt etwa von diesen Herrschern keine Friedensschritte unternommsn werden, daß dcntn auch bet ihnen keine Sympathie bestehe, einen solchen Sck)ritt zu unterstützen. OLachidem von kriegführender Seite selbst ein Friedensangebot vorliegt, kann dc^ran nicht ntehr gezweiselt werden, daß auck) die Neutralen ein vergrößerte» Interesse haben, den Wettsriel n unter Dach und Fach zu bringen. 'Auch in der Schweiz nieh- ren sich die Stimmen, die davon sprechen, daß der Schweizer Bunvesrat selbst etwas unternehmen müsse. Zwar wird an mutlicher Stelle in Bent diese Auffassung weder bestätigt noch bestritten. Eie klingt nicht ganz unwahrscheinlich, vor oUem dann nicht,, wenn nran von einer neuen Friedensaktion des Papstes l)ört. Die österreichische Rrgicruna hat ja auch durch eine besondere Ztote ihrer Rdaßnahme den Vatikan verständigt. Rtan kann also sagen, daß die Stimmung vorbereitet ist, um jeden neutralen Schritt zu fördern.
Tritt man dieser Frage näher, so wird man geradezu gezwungen, sich einnml darüber klar zu werden, wie die 2ll- liicrten das neutrale Angebot des Papstes, ohne es einer Antwort zu würdigen, abgelebnt haben. Es ist begreiflich, wenn ein neutraler Staat es aolshnen muß, sich einer solchen Gefahr auszusetzen. Auf der anderen Seite haben aber selbst die neutraler-Staaten es an dem Barometer chrer wirt- schaftlichen Leistungen verspürt, daß jede Verlängerung des Krieges ihnen nur wachsende Nachteile bringt. Wenn es gelingt, cms der neutralen Atmosphäre heraus allen Kriegführenden diese Überzeugung beizubringen, dann ist für den Frieden einiges zu erwarten. Dian trifft sich also immer wieder auf jener Plattform, wo es sich darum handelt, fest- justellen, ob der Gegner die Seele des Neutralen richtig ein- lä^itzt, wo es sich aber auch darum dreht, wie er sich zur ver- nünftigen Reaeluna der entstandenen Differenzen überhaupt verhält. Rack dieser Richtung spricht bis jetzt alles gegen irgendwelche Friedensaussicht. Auch Friedensvorschläge wie der des Herrn Burüan und der. der etwa von Neutralen im- Icrnotnxttn werden würde, werden von solchen Gefahren l-cd recht.
.Und doch bleibt eine Aussicht! Dos ist das Handel- »roroende England, jene Schicht der englischen Bevölkerung, die vorn Kriege nicht gewinnt, die vieluretzr alles, was sit
besitzt, daran geben must. In wesipoNiischen Kreisen bezeichnet man dte;e Leute mit dem einsackxn Ausdruck: die City Londons; man meint damit jene Kreise, die vom großen überseeischen Handel leben. Die Eity-Leute hoben es sehen müssen, daß ihre Schaffe eins nach dem andern für Kriegszwecke^ der Alliierten benutzt worden sind. Dann folgte der Übergang der englischen Tonnage unter den verschiedensten Vorwänden unter die mnerikanisck)e Seeoberhohcit. Das Erirpfinden dir- ser Gefahr wird zweifellos in der City richtig eingeschätzt. Tvs englische Gefühl ist für solche Dinge sehr gut entwickelt. Wollte die City in Zuliunst noch Handel pfleaen, so bliebe nichts übrig, als unter Ameriöas Gnaden und Schutz die See zu befahren. Der Eity-Kaufmann weiß auch, welcke Zinsen, lasten er hierfür seinen: lieben angelsäckiüscken Bruder zu be. zahlen hat. Der Gedanke ließe sich noch weiter ausspinnen, Aber mich in aller Kürze beweist er schon, wie schwerwiegend das Sck-ffahrLsprobkem für England werden wird. Es scheint uns, daß auf diesem Wege der Friede noch viel eher Zustande tomanen kann, als «rf dem der mittelbaren und unaiittel- baren Friederrsangebote. Auch neutrale Angebote oder Der. nntllungsvorfchiäge werden das Schicksal erleben, das bis jetzt noch allen solchen Bemühungen zuteil wurde.
D§s Echs Werreichifchm FriLdeAs- lÄriltes.
. ««raiuug der Lllii-rt-n.
^ ^.Schweizer Blätter melden von der französischem Drenze dciß tue Beratung der Alliierten über die öftettcicl)ii\iie Jiüt« f)ödj,tws erjt für die nächst. Woche zu er-varien sei.- Das ennlqche Kabinett wird am Donnerstag zur ^-'chlu». fagung über den Friedensantrag Burtons zusani^^etclt. - Llo,-d George ist no«i- immer bettlägerig. - Lüiuenevau» .Homin« I*»*,reibt, daß sich der Ministerpräsident einer neurriichen Farbe, .g der Sozialisten auf Abgabe einer Lrllarnng über die neuen Kriegozieie Frankrelä-s nie . wider- setzen werde.
WTB. Das österreichisch- Angebot wird von der Mehr, zahl der ftanzösischen Dl llter heute schon einZehend kom. mentiert und größtenteils von der ganzen Presse der 'Rechten und der Baulevardpresse glatt abgeleh.lt. Zu den Huvas- wnt»eilul>gen ist naä^gutrageil: Der Rlatin hält es gleich einer großen Anzahl von Blättern fllr selbstverständlich, daß Österreich von Deutschland vc: hoben wurde und nicht aus
eigenem Antriebe handelte. B.-can müsse der absurt-en Le- Lerlde van einem unatchällgigen Österreich ein Ende macheir. Der Matln bezweifelt, daß die Entente das Angebot bemit. Worten werde. — Von den sozialistischen Blättern liegen bis. her nur Kommentare in der France Libre, dem Organ der 41 Rechts-sozialijten, und im Populaire vor. Wie zu erwrlr- ten war, äußert sich die Frauee Lidre ebenso ü)auoinisti ch wie die übrige Hetzpresse und schreibt: Das einzige Mittel für die Entente, augenblicklich mit Deutschland zu unter- handeln, sei, unseren Soldaten das Wort zu überla,,en. Popumlre dagsgeu meint, daß dis Entente unbedingt antwor. ten müsse. Die österreichisck-e Siote sei geschickt, weil sie an Gefül)le appelliere, mit denen man nicht Scherz treiben dürfe. Wenngleich der österreichifch« Vorschlag auf Geheim- Unterhandlungen hinauslaufe, so dürfe man doch nicht übe-*, sehen, daß die Mittelmächte den Wunsch äußern, aus dem Konflikt zu toillmen. Riöglich sei es, daß sie Frieden zu schließen wünschen, ebenso, daß sie jede Verantwortlichkeit von sich vor chren Völkern abwälzen möchten. In jedem Falle sei eine Antwort unbedingt notwendig. Sie dürfe niäjt. eine einfache glatte Ablchnung des Angebotes darslellen. Sie müsse die Eventualität eines baldigen Friedens und seine wesentlichen Klauseln ins Auge fassen, sich von den Gefühlen der Vollsinassen, nicht aber von der Begehrlichkeit der bo-
S en Klassen inspirieren lassen, und sich vor allem an die : der Liittelmächte wendelt. (Der Rest des Artikels ist von der Zensur gestrichen). — „Populair" schreibt au <xu. derer Stelle, jeder vernünftige Franzose habe Freude emp. fturden, als er das österreichische Angebot erfuhr. Er wird aber entmutigt und betrübt gewesen sein, sobald er aus sei- ner Zeitung sestsiellen konnte, daß das Angebot von den Alliierten blind crbgelchnt werden würde. Dle Presse hat sich dem Kriegsregime angepaßt urw spekuliert auf die unendliche Gutgläubigkeit der leideirden Klassen. Sie wiederholt heute ein chr so oft gelungenes Manöver, indem sie bas Angebot als eine Falle hinstellt. Als ob bei unserer jetzt besser gewordenen militärischen Lage dies auch nur die geringste Ge. fahr bedeuten könnte. Hinter ihr zeichnet sich das grausame, unerbittliä-e Profil der Kriegsgewinnler ab, in deren Namen die Presse am hellen Tage arbeitet.
TU. Der „Daily Telegraph" ist einverstanden mit dem Auftreten Wilsons gegenüber dem Konferenzvorschlag. Die wenigen Worts Wilsons seien würdig rurd ließen nicht den geringsten Raum übrig für ein Mißverständnis. Der „Daily Cbronicle" sagt: Es steht jetzt fest, daß der Vorschlag abge- lehnt wird. Die Ententemächte können sich dem Einfluß Wilsons nicht entzichen. Dessen ungeachtet sind sie verpflichtet/ auch selbst zit antworten. Sie sollen ihren eigenen Völkern bewehen, daß sie nicht vom Imperialismus beseelt sind und daß sie Deutschland nicht vernichten (?) wollen. Diese Ant. wort soll hoffnungsvoll, für das deutsche und österreichisch. ungarische Volk nicht verhängnisvoll sein.
Die i»teralliierten Arbeiter für eiueu Derständigungsfriedem MTB. London, 19. Sept. (Reuter.) Der Vorsitzende der interalliierten Arbeiterkonferenz erklärte, daß die An- wesenden durch ihr Erscheinen nicht für den Frieden um joden Preis erntreten, noch einer Äkiederlage in die Hand arbeiten wollten, sondern daß sie einen ehrenvollen und dauerhaften Frieden verlangten. Über den' österreichischen Vorschlag sagte der Vorsitzende, es sei Pflicht der Anwesen- den, jeden Weg zum Frieden zu untersuchen. Kcrenskt wurde ein Motz auf der Dorstanbstribüne eingeräumh.
. . — nächsten Sa ifj
Der Admiralität Bergen verlassen tönaten. Henderfon las ein Telegramm der russisck)cu Delegierten, vor, das bi« Aufmerksamkeit aus die unaussprechlick)e Notlage des russi- Volkes unter der bolschewistischen Regierung richtet und die we'Uichen Länder ersucht, Kommissionen nach Nuß. land zu icten, um die Politik der Sowjetregieruna zu untersuchen. Der Vorsitzende fügte hinzu, daß die Kon-
erenz der Ansicht ist, daß eine Niissioll rrach Rußland hen soll.
Der Gruud unserer Verständignngsöercltschast TU. Be! einem in Leipzig zu Ehr?» von Düsten aLgehsltenen Fest hielt StaatsGraf ' von Eckftsüt eine Rede über Krieg und "'cieden, v erklärte, der Grund unserer Verstäobi- ;osberci nicht das Gefühl militärischer Schmacke.' sondern "die - Lerne Erkenntnis, baß die endlose Länge des Krieg's ein-m Znsanimenbruch der eurk'^äischeu Kultur führen V
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