Ausgabe 
24.9.1918
 
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29000 Tonne« versenkt.

DTB. B e r N », IS. Sept. (Amtlich.) Im Sperrgebiet em Englaub wurden von unseres U-Booten 29 000 BRT. Herseirtt. Der Chef de» Admiralstabeg der Marine.

Erfolge unserer Marineluststreitkrilstt MTV. Berlin, 19. Sept. In den letzten Ta

te.

rgen wurden lgzeug-Abwehrmoßnahmen des luazeuge -um Msturz gebracht, 4 weitere zur Notlandung tn Holland gezwungen. Wir büß ten ln der gleichen Zeit 2 Flugzeuge ein.

-mr den Flugzeugen und Marinekorps 7 fctnblfcdje

Italiens Haftung.

TU. Der Seeolo meldet aus Rom, die Negierung habe Vurians Note mit größtem Mißtrauen ausgenommen und halte sie für ein Dkanöver, um im Westen und Osten zu retten, was noch zu retten fei. Immerhin werde die Entente die Note nicht unbeantwortet lassen, wie sie das auch früher nie- prals getan habe. Jedoch scheine es. daß die Entente zuerst Herr Mttelmächten gewisse Vorbedingungen stellen werde, »ohne die eine Einleitung von Verhandlungen überhaupt un- ßröttg wäre.

TU. Die offiziöse italienische Agenzta Information schreibt, in Regierungskrcrsen herrsche die Überzeugung, daß man Leine Minute verstreichen lassen würde, um die öffentliche Met- Nunig, namentlich in der Pvovinz und auf dem Lande, vor dem trügerischen und gefährlichen Glauben <m Friedensab- Achten der Mittemächte zu warnen. Man müsse zu diesem Zweck die stärkste Propaganda oufbieten, zumal zugleich aller- bei Alarmnachrichten von geheimnisvoller Seite tn die Be­völkerung geschleudert werden.

Die Absaae Amerikas.

TU. Der vom amerikanischen Pressedienst übermittelte deutsche Text der Erklärung Lansings auf die Friedensnote Durians stimmt, wie die schweizerische Dcpeichenagentur meldet, im Schlußpassus nicht mit dem Urtext überein. Die genaue Übersetzung des Schlußpassus lautet: Die Regierung vbr Vereinigten Staaten hat wiederholt und mit großer Auf- richtigkeit die Bedingungen bestimmt, unter welchen es mög

lich wäre, einen Frieden zu erlangen, und sie wird keinem Vorschlag zu einer Konferenz Folge leisten, der nicht diesen Bedingungen entspricht.

Die Schweiz glaubt an Verhandlungen.

TU. Das Schweizer Blatt Demokrat behauptet, die Sn- tente werde auf Burians Vorschlag antworten, daß sie bereit sei, mit autorisierten Vertretern des deutschen u. des österrei- mischen Volkes zu verhandeln, nicht aber mit Vertretern, die mach dem Abbruch der Verhandlungen in üblicher Weise Desavouiert würden. Die Meinung der übrigen deutsch- schweizerischen Blätter kann man dahin zusammenfassen, daß hie Verbündeten nunmehr trotz aller Aufschlüsse doch gezwun- gen seien, Farbe zu bekennen, ob sie einen Eroberungskrieg beabsichtigen oder aber den Frieden onslreben.

TU. Aus Bern wird dem Genfer Blatt »La Feuille* ge- Meldet: In gewissen diplomatischen Kreisen verhehlt man sich nicht, daß neutrale Schritte zugunsten eines Friedens und vornehmlich ein Schritt der Schweiz im gegenwärtigen Augen- blick einen gewissen Erfolg haben würden. Trotzdem ist es nicht wahrscheinlich, daß der Bundesrat irgendetwas unter­nehmen wird, bevor er nicht die Meinung der Entente kennt.

TU. Im Schweizer Bundesrat wird ein Vorschlag einge­reicht, allen kriegführenden Staaten einen Waffenstillstand von 3 Monaten für eine allgemeine Wiederwahl aller Parla- mente vorzuschlageu. Dieser Vorschlag wird im Bundesrat besprochen «erden.

Der Papst als Vermittler?

TU. Der Papst hatte gestern eine lauge Besprechung mit dem Kardiual-Staatssekretär Gasparri. Rach dem »Messa- gcro* wird der Vatikan vielleicht als unbeteiligter Vermittler auftreteu und zu diesem Zwecke in unverbindlicher Weis« mit den Verbandsregiernngen Fühlung nehmen.

TU. Eine mit den vatikanischen Kreisen ständig Fühlung unterhaltende katholische Persönlichkeit teilt folgendes mit: Die Friedensoffensive Durians erweckt im Vatikan einen äußerst günstigen Eindruck, sowohl wegen der Ehrlichkeit ihres Inhalts als wegen der entgegenkommenden und versöhnlichen Sprache. Wenn man auch im Vatikan nicht an einen sofor- tigen Erfolg des Schrittes glaubt, so ist man doch der Ansicht, daß mit ihm dem Frieden ein sehr wertvoller Dienst erwiesen werde, der tn absehbarer Jett seine Wirkung tun werde. Man legt im Vatikan der ablchnenden Haltung der Ententrpresse gegenüber der Rote keine besondere Bedeutung bei.

Neutrale Warnung an die Entente.

TU. Die Baseler Nationalzeituua schreibt: Die Antwort der Entente wird wahrscheinlich einige Zeit auf sich warten lasierü Sicherlich wird sie an die Adresse der mittelmächtlicheu Völker allerlei Freundlichkeiten richten, in stch jedoch jenen Annexionismns bekunden, der dadurch nicht erfreulicher er­scheint, daß er heuchlerisch mit den erhabeusten Worten von Gerechtigkeit und Selbständigkeit verbrämt wird. Die Entente möge wissen, daß sie ein gefährliches Spiel treibt, nicht bloß für die Menschlichkeit, die für sie ja ein weiterer Begriff ist, sor.»'rn auch für ihren eigenen Imperialismus, da sie ja den Krieg noch nicht gewonnen hat. Auch sie kann nicht ahnen, welche Enttäuschungen ihr noch aufgespart sind und wie weit die Geduld ihrer Arbeiter, Soldaten und Bürger noch

Aus NuWsd.

Zur LnterWtmrg und Belehrung.

Die Zahl der Juden.

In Heft 1-2 der von Buber herausgegebenen Zeitschrift »D^r Iude^ veröffentlicht Dr. A. Ruppin, der bekannte Ver- Hasser der Bllä-er »Di« Juden der Gegenwart und »Syrien jU» Wirtschaftsgebiet* eine interessante Studie über dt, Zahl der Inden. Hiernach betrug die Gesamtzahl der Juden in der ganzen Welt im Jahre 1913 13'/. Millionen, eine Ziffer, dis in keiner früheren Epoche der jüdischen Geschichte auch nur annähernd erreicht worden ist. Die Bolkszahl der Juden betrug im Beginn der christlichen Zeitrechnung 4 >4 Millio­nen Diese Zahl, die später ständig funk, ist erst im 19. Iolrryundert wieder erreicht worden und hat sich im Laufe dleies Jahrhunderts etwa verdreifacht. Der außerorbent- Iick)e Bevölkerungszuwachs der Juden m dem letzten Jahr- hundert wird besonders deutlich, wenn man sich vergeqen- daß es am Ende des 17. Jahrhunderts nur 1 % Millionen Juden gegeben hat. Da stch aber das Wachstum ln der letzten Zeit mehr und mehr verlangsamt, so kann mit einer al>nlick>en Steigerung wie im 19. Jahrhundert nickst mehr gerechnet werden. Immerhin ist es nicht unwahr- sschemllch, dag die Zahl der Juden im 20. Ial)rhundert auf 2° oder auch auf 30 Millionen ansteigen wird. Die größte relative Dcvölkerungsziffer erreichen die Juden in Palüstina. Dort leben 100 000 Juden, geich 1400 unter 10 000 der De- samtbevölkerung. Die von Ruppin gegebene Gesamtziffer von i.»'/, Millionen uruß nach einer neuesten amerikanischen

Die Zustände in Rußland.

WTB. Petersburg, 19. Sept. Die Pravba bringt B richte geflohener Arbeiter aus den von der Entente besetztem. Randgebieten. Danach wurde in der Nacht zum 6. V. die oberste Verwaltung verhaftet. In der Stadt und auf der Eisenbahn begannen Streiks. Unter den amerikonifclien Truppen befinden stch auch zahlreiche russische Emigranten. Die Soldaten wissen nicht, mit wem sie kämpfen und wer die Bolschewisten sind, sie holen sich daher Auskunft bei der Be­völkerung. Das verbündete Oberkommando erließ einen Befehl, wonach wahrend der Wirksamkeit der bestehenden Kriegsaesetze die Verbreitung von Bekcmnlmachrnrgen poltti- schen ooer militärischen Inhalts sowie die Veranstaltung von Versammlungen cchne vorhergehende Erlaubnis der Militär- bchörde nach den Kriegsgefeyen bestraft wird und die Schul- digen verhaftet werden. Zwischen den fvanzösischen und den englischen Truppen sollen sich Zwistigkeiten bemerkbar machen.

WTB. Mockau, 19. Sept. Nach der Iswestija vom 17. 9. verspricht Trvtzki tn einem Aufruf an die Tschecho^lowaken allen, die sich freiwillig ergeben, Begnadigung und die Mog- llchleit, tn Rußland wie alle übrigen Bürger zu leben.

Aus der llkaise.

WTB. Kiew, 19. Sept. »Golos Kiewa* meldet, daß eine feierliche öffentliche Erklärung von der Gesellschaft zum Ge­dächtnis des ermordeten Zaren von den Kiewer Behörden verboten wurde. »Rowosti Onja* schreibt: In Südruß- laird ist im Gegensatz zu Moskau ein innerer Zwiespalt spür­bar; die Zugehörigkeit zum Osten im kirchlichen Leben und die Hinneigung zum Westen im weltlichen Leben. Dieser Kwiespalt herrscht seit dem Großfürsten Wladimir, der in Byzanz nur das Christentum, nicht aber die vor allem er- sahnte europäische Kultur fand, was Verbindungen mit dem Westen notwendig machte. Der Anschluß Südrußlands sei ein Sieg des Ostens, denn er erfolgte vor allem aus religio- sen Motiven. Das Entstehen des neuen ukrainiscl)en Staa- tes un-d die Hinneigung zu den gentralmächten ist ein Sieg des alten südrussischen Strebens nach westlicher Kultur. »Widroshenja* schreibt: Der seine Tätigkeit beginnende Ra- tionalbund ukrainischer Parteien soll den Willen und die Dünsche des ukrainischen Volkes in der äußeren und inneren Politik zum Ausdruck bringen. Möge es gelingen, Fehler zu vermeiden und wieder gut zu machen, die in den Monaten der bisherigen Existenz des ukrainischen Staates dazu führ- ten, daß nicht Ukrainer, sondern Fremde vom Norden im ukrainischen Heimleben Ukrainern den Zutritt verwehrten.

AU5 AllMZn'.en.

WTB. Bukarest, 19. Sept. Anläßlich der Beratung des Amnestiegesetzes in der Kammer wandte sich Ministerpräsi­dent Marghilouwn in scl)ärffter Weise gegen die Treiber und Hetzer in der Nloldau, die sich unter dem Schutz der Unver- antworttichkeit unnützen Herausforderungen hingäben mür die Interessen des Landes in schwerster Weise schädigten. Ls ist, sagte der Ministerpräsident, als ob der Wahnsinn dieses Land unaufhörlich bedrohe. Kaum ist an Beamten irgend- welche noch so unbedeutende Änderung zu verzeichnen, so beginnen diese Kaffeel)aushelden ihre lächerlichen Prahlerei- en und ihre zerstörende Tätigkeit. Man müsste am Schick­sal dieses Landes verzweifeln, wenn es aus soviel Unglück und Leiben nichts gelernt hätte. An die Abgeordneten der Op­position gewendet, rief Alarghiloman aus: Denken Sie, was Sie wollen, erwarten Sie, was sie wollen, stimmen Sie, wie wollen, wenn Sie aber das Land lieben und seine Lage er­leichtern wollen, so schweigen Sie. Rach dieser Rede ver­zichteten olle vorgemerkten Redner auf das Wort. Die Kam­mer nahm mit b3 gegen 25 Stimmen die Gesetzesoorlage an.

Aus WeMeuMM.

Köln, 19. Sept. Aus der Gerichtsverhandlung gegen die Rabenmutter fttou Karl Raemer in Kalk, Mülheimer Straße, welche das Ableben ihres Kindes Elisabeth verschuldet haben soll, sei noch folgendes mttqeteilt: Das Kind starb am 29. Juni d. Z. Am Tage vorher war das genannte Mädchen ins evangel. Krankenhaus in Kalk gebracht worden, wo es bald infolge völliger Entkräftung starb. Gegen die Frau schwebte eine Untersuchung wegen Diebstahls, was eine Haus- suchung bedinate; da fand mar: denn in dem Heim der Frau unsagbare Zustände: Ein neunjähriges Mädckxm lief nackt herum und das etwa zweijährige Mädchen Elisabeth kauerte halbverhungert, schon mehr lebende Leiche, in einer Ecke, und auf dem Kleiderschrank lag ein Skelett; es war die Leiche des 3 Wochen vor dem polizeiuchen Eingriff verstorbenen Knaben Karl Raemer; Fliegen, Maden und Würmer hatten das mehr einer Pergamenthaut ähnelnde Fleisch vertilgt. Das Mäd­chen Elise, das jüngste »tnd, geboren nach dem Tode des im Kriege gefallenen Vaters, wurde, wie erwähnt, untergebrncht. Uber die Leiche erklärt die Frau vor Gericht, sie habe nach dem Tode des kleinen Karl aus Scheu, weil sie keine weiße Wäsche gehabt habe, ein Begräbnis verhindert. Da habe sie die Lerche eingewickelt und auf den Schrank geschoben. Gerichtsarzt Geheimrat Dr. Plempel erklärte: Die kleine Elise war 21 Monate alt, hochgradig verwahrlost und voll- ständig abgezehrt. Si e geriet infolge Unterernährung im-

Zählung, die Ruppin noch nicht kannte, noch um mindestens 500 000 erhöht werden, so daß sich die Gesamtzahl gegen» wärttg aus 14»/« BUlltonen stellt. Nach der erwähnten neuen amerikanischen Zählung erreichte die Zahl der Juden allein in den Bereinigten Staaten im Jahre 1917 3 012141, in Chicago 250 000, tn Philadelphia 175 000. Das jüdische Viertel in dlewyork bildet ein« Großstadt für sich mtt ausge­prägtem eigenen jüdischen Leben.

Die eroberte Fran'Lsla.

»Unsere Bundesgenossen behaupten, daß sie keinen Er­oberungskrieg sichren. Ich bin nicht ganz davon überzeugt,* so beginnt Clement Vauwl ciiu Betrachtung im »SJöcrttn*, die trübe Perspektiven für die Zukunft der fvanzösischen issasse eröffnet. »Der Bürgermeister von Dijon*, schreibt er weiter, »hat soeben an demselben Morgen die Ehe von vier jungen Damen seines Bezirks nüt einem Franzosen, einem Italiener, einem Polen, und einem Amerikaner feier­lich geschloffen. Dieser Rekord wird gewiß schon sehr bald geschlagen werden. Ein anderer Bürgermeister wird am selben Tag« Französinnen mit einem Belgier, einem Eng- länder, einem Japaner, einem Serben, einem Tschecho-Slo- waken, einem Australier, einem N^Xrier u:rd einem Chine- sen verheiraten. Und schließlich wird man hören, daß in ir- gend einem Bürgern,elsteramt 23 Braute das entscheidende »Ja* in den 22 Sprachen gehauckst haben, die die Völker des neuen Bundes sprechen. Das wird dcnrn der wirkliche Völ- terbund sein bei dem Frankreich wieder die Kosten zahlt! Es ist sicher, daß die französischen Schwiegermütter nicht vl«hr uux dem gutes Vaudeville gehörest, jvndern fortan eine

| mer mehr in Verfall. Die Mutter ga- an, fftz hebe keines , Arzt gerufen, weil sie sich geschämt habe, und in der Tat sah cs furchtbar aus in der Wohnung. Geheimrat Dr. Plempcj sagte, als Genchtsarzt komme er in alle möglichen Spelunken die oft entsetzlich aussehen, aber eine solche Schweinerei Hab» er doch noch nicht geschen. Der Junge sei offenbar auf die» selbe Weise durch Unterernährung ums Leben gekvnrmen w:> die Elise. Die Witwe R. war Granaten dreherin; ihren Vor) gesetzten sagte die Airgeklagte, als sie »ines Tages sehr fpä| zur Arbeit gekommen sei, ihr Söhnchen sei gestorben. »Dany hätte ich mir doch wegen des Begräbnisses freiaenonlmenft meinte die Zeirgtn, aber die R. antwortete: »Das besorgtz alles mein Vater". Abends lachte urrü scherzte sie schon wie­der mit Mannsleuten: daheim wurde getantt und gezecht, Staatsanwalt Custodis beantragte das Etrafminimum von' drei Jahren Gefängnis. Die Summe der Leiden der armen Kinder, die Gefühlsroheit der Mutter sei ja fast nicht ausffu- denken. Fünf Kinder habe sie avhabt; zwei seien früheD schon gestorben, wrd da habe sie Die drei übrigen angeblich aus Schamgeftihl so behandelt, daß die rein menschliche Em-s pörung kaum Ausdruck finde. Da» Gericht hielt einjährige Gefängnisstrafe unter Verkündigung eiues Haftbsfehl» fiW ausreichende Strafe.

Lebach (Rhld.), 19. Sept. Eine unbekannte Person ver. suchte an der -wischen Lebach und Pcimsweiler liegenden Teelbachbrücke einen Anschlag zu verüben. Ein Strecken.' läufer bemerkte einen Mann, welcher bereits cur der Brücke ein 15 Zentimeter tiefes Loch eingemeißelt hatte, um dis Drücke zu sprengen. Beim Herannahsn de» Streckenwärters nahm der Fremde Reißaus, wobei er noch 2 Revolverschüsss auf den Streckenläuser abgab. Dt« beiden Schüsse gingen' fehl. Der Täter entkam.

Aachen, 19. Sept. In einer hiesigen Kleiderwerkstätü wurden von zwei Arbeitern nachts für über 3000 Ji Militär» anzüge, -Mäntel usw. gestohlen. Die Täter sinü unerkannt entkourmen. In einer als Lazarett neu eingerichtetes Schule erschienen dieser Tage drei angebliche Dachdecker,^ um Dacharbeiten vorzunehmen. Cr war ihnen aber nur darum- zil tun, Diebstähle auszuführen und eine Menge Decken, Militürmäntel, Stiefel usw. hießen si« uütgehen. Doch sie. wurden bald abaefaßt und mit Unten ein Hehler, der die Sachen gekauft hatte.

Creseld, 19. Sept. In der Maschinenfabrik Ioh. Kleine, wefers Söhne ist der Airgestellce Küpper infolge Fahrlässig, keit des Pförtners jäh zu Tode gekommen. Der Portter R. war mit dem Reinigen eines Jagdgewehrs beschäfttgt. Ale der junge K. hinzutrot, legte der unvorsichtige Mann au» Ubcrntut auf den Gehilfen an, die ohne sein Wissen geladen» Waffe ging los, und der Bedauernswerte brach so schwer ver­letzt zusammen, daß er starb.

Bocholt, 19. Sept. Die hiesige Firma Franz Beckmann u. Co. wird demnächst als erste der rheinisch-westf. Baumwoll- spinnereien neben der Papiergarnspinneret eine Zellulon- garnberstellung aufnehmen. Das Zellulongawt wird direkt, ai^s dem Kellstoffbrei hergestellt, hat eine größere Haltbarkeit wie gewöhnliches Papiergarn und den Vorzug, daß stch dis hieraus gefertigten Gewebe waschen lassen. Die Reuanlag» dürfte etwa 200 Arbeiter beschäfttgen.

Haltern, 19. Sept. Sein 50jähriges Mlttärjubiläun feierte General der Infanterie Louis von Held in Berlin am Montag. Am 22. November 1849 in Haltern i. W. geboren, trat er am 16. September 1868 in das Infanterie-Regimen! von Voigt-Rhetz (3. Hannoversches) Ätr. 79 in Hilüesheim ein. Am 2. April 1909 als General der Infanterie tn den Richestand getreten, war er bei Beginn de» Krieges zunächst Gorwerneur von Köln, später Gouverneur von Kowno. Als solcher erhielt er das Eiserne Kreuz 1. Klasse und den Kro­nenorden 1. Klasse mit Schwertern.

Aus dem Müusterland, 19. Sept. den vielen uner­freulichen Begleiterscheinungen des Hamfterns und der mit ihm verbundenen polizeilichen Beaufsichtigung an Bahnhöfen rmd Postanstalten gesellt sich ein Vorkommnis, das stch in ver-^ gangenen Tagen auf einem Kleinbahnhof des Münsterlandes' ereignete. Dort sollte der Bahnhofsabort geleert werden. Das Erstaunen der Arbeiter war nicht gering, als sie aus der» Grube eine Menge Lebensmittel, wie Eier, Würlle, Schinken, Speck, Dutterwcllen usw. zu Tage förderten, die von Ham- stern, in ihrer Angst vor dem Erwischtwerden, in den Orcus versenkt waren.

Aus aütt Welt.

WTB. Berlin, 19. Sept. Der Reichsanzetger veröffenb licht eine Verordnung über die Preise von Margarine, ein^ Bekannttnachung über Höchstpreise für Soda und Berichttgun- gen und Nachträge zum Verzeichnis der anerkannten Ab- saaten im Deutschen Reichsanzeiqer Nr. 194 vom 17. 8. 1918.

WTB. Berlin, 19. Sept. Dem Reichstag ist der Ent) wurf eines Gesetzes über die Arbeitszeit in Bäckereien und Korvditoreien zugegangen. Nach 8 1 des Gesetzes müssen in allen gewerblickien Bäckereien und Konditoreien an Werb tagen alle Arbeiten mindestens tn der gett von 9 Uh» abends bis 6 Ichr morgens vollständig ruhen.

Hamburg, 19. Sept. 150 000 JL in Kriegsanleihe» scheinen wurden auf unbekannte Weise aus den Geschäfts­räumen der Commerz- und Diskontodank elttwendet. Ube» den Täter und den Verbleib seiner Beute war noch nicht« zu ermitteln. ' '*

höchst wichtige Rolle in den kosmopoltttschen Stückett spielen werden. Sie werden Schwiegersöhne von allen Farben un6 überall tn der Welt haben. Run sage noch einer, daß die Töchter schwer All verheiraten sind; man kommt ja aus allen Weltgegenden, um sie zu heiraten! Und wenn ich von den Millionen Amerikanern höre, die nach Frankreich komnlen sollen, so ftage ich mich, ob sie einige Herren leer, einige Hände frei für unsere jungen P ilrrs lassr^ werden. Viel­leicht könnten in dieser delikaten Angelegenheit doch cinig» Vorsichtsmaßregeln ergriffen werden, ^lüchrend des Krie­ges haben die Eltern ihre Söhne dahingehen sehen; sollen sie nach dem Kriege sich daun^ abfinden^ ibrtz- ab-

reisen zu sehen?

r* Merlaufbahü.

Der bekannte Mldhauer Rauch ffcmtmte aus kleiner Verhältnissen. 20 Jahre att, kam er nach Berlin, mußtt aber, um sich zu erhalten, einen Dienst als königlicher Lakai annehmen. Später gelang es chm, durch Herstellung künst- leriicher Arbeiten die Gunst vornehmer Gönner zu erlangen. Als er nun schon berühmt geworden war, fuhr er einst mit dem Fürsten von WUtgenstein von Berlin nach Charlotten-' bürg. Unterweas sagte Rauch: »Ew. Durchlaucht erin- nern sich sicherlich nicht daran, daß wir beide schon einmal gufcr rmcn im Wagen diesen Weg zurück?elegt haben.* ,,Nelu, lieber Rauch", entgegnete der Fürst. ,Doch,* ant- wartete Rauch, »es war vor vierzehn Jahren. Aber di Urals faßen Ew. Durchlaucht ollejtt im Mgen und Um als Lakai hatten darauf.*