Ausgabe 
17.9.1918
 
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V - 1 . -

* Aochwaldtzattsett (Vogelsberg). Dcr Grün' er des hiesigen Luftkurortes Joh. Berlitt in Kossel hat aus Anlaß seines 70. Geburtstages dem Hessischen Landesverein für Kriegerheimstätten 100000 Quadrat­meter seines hiesigen Grundbesitzes gestiftet.

** Darmstadl. Die 4. Kriegstagung (74. Jahres Versammlung) des hessischen Hauptvcreins der Gustav A olf Stiftung, die am 9. September hier unter dem Vorsitz von Kirchenrat D. Dingeldey Darmstadt zu- sammentcat, konnte 25 OOO Mk. hessischen, 15 5OO Mk. nichthessischcn Diasporagemeinden und dem Zentralvor- stand in Leipzig zuwenden. Die Gemeinde Hütienfeld wurde neu in den Unterstützungsplan oufgcrwmnun, Amöneburg erhielt die nächstjährige Konfirmmidengobe zugcwiesen. Die Arbeit des Gcsamtvereius, den: sich Hessen als einer der 44 Harpivereine eingliedert, ist durch neue Aufgaben im Osten von Estland bis zur Tür­kei mächtig erweitert worden. Packende Bilder von dem Leben der evangelische Kirche in Livland gab in der Versammlung wie abends öffentlich Oberpastor Keller aus Riga.

* Ans dem Gdernimtd. Ein heilsames Abschreck­ungsmittel für Felddiebe und solche, die es werden wol­len, wenden zahlreiche Gemeinden des vorderen Oden­waldes an. Rücksichtslos wird der Name eines jeden ertappten Obst- bezw. Felddiebes durch die Ortsschelle der Einwohnerschaft bekanntgegeben, eine Methode, die sich bisher als durchaus brauchbar erwiesen hat, zumal ein durch die Ortsschelle gebrandmarkier Dorfgenosse mit Ar­gusaugen bewacht wird, er mag seine Schritte lenken wo­hin er will.

* Aus RsteLustesten. Eine verfrühte Aepfelernte ist aus zahlreichen Gemeinden Rheinhessens zu melden. Viele Baumbesitzer pflückten schon jetzt die Aepfel, die erst in drei bis vier Wochen reif werden, um sie vor dem Diebstahl zu retten. Namentlich die an den Straßen und Feldwegen stehenden Väume werden in vielen Ge­meinden schon jetzt abgeerntet, um wenigstens noch einen kleinen Rest der ohnehin schon sehr knapp bemessenen Apfelernte sich zu sichern. Dies Obst kann selbstverständ­lich nicht als Tafelobst für den Winter aufbewahrt wer­den, da es noch keine Haltbarkeit besitzt. Man will aber lieber die Aepfel einkochen oder zu Aepfelschnitzen verwen­den, als sie stehlen zu lassenund noch obendrein die Bäume der Gefahr rücksichtslosester Zerstörung auszusetzen. Im übrigen werden auch für die halbreifen Aepfel Preise gezahlt, die weit die früheren Obstpreise für die beste Edelforten und {elbft die gewohnten Kriegspreise erheblich übersteigen. Käufer, die 80 Pfg, bis 1 Mark für das Pfund solcher unreifen Aepfel zahlen, überschwemmen täglich die Ortschaften.

* Mai«?. Im Stadt - Parlament ging es vor eini­gen Tagen lebhaft zu. Der Antrag der preußischen Milch- und Fettstelle bei den Kriegsemahrungs- Aemtern den Milch- und Butterpreis um 33 Prozent zu erhöhen, war der Gegenstand einer Interpellation. Der Vorsitzende führte aus, daß die hessischen Städte einstimmig gegen diese Erhöhung protestieren. Die Preissteigerungen aller Lebensmittel würden immer weiter gehen und sei eine Schraube ohne Ende; dem müsse Halt geboten werden. Bei den großen Aufwendungen würden die Städte in immer größere Schulten geraten. Dem Bauernstand sei der größere Verdienst zu gönnen, aber zu Ende müsse doch einmal dieser unglaubliche Zustand kommen. Die Stadtverordneten waren mit dem Protest der Städte ein­verstanden.

Humorvolles von der Grippe. Folgender humorvoller Vorgang geht n- Belgischen von Mund zu Munde. Als vor einigen Wochen dieSpanische" so plötzlich ausbrach, geschah es in einem kleinem Dörfchen, daß t'Van Hofbesitz-r und Ortz?Vorsteher ein hölzerner Furterdrog auü dem Stalle gestohlen wurde. Wenige Tage nachher stellte sich jm benachbarten Städtchen einem Arzt n Bauec zur ärztlichen Begutachtung. Der

von der guten, alten Schule, sieht den ust ihm zu:Ihr halt de Gripp !" Der usammmen und stottert: Avver Herr ' ihr datt denn füm?" (sehen).Kunst» der Arzt, Ihr hatt die Gripp, und ' is Bctt, sonst schleppt Ihr se noch um."Da sei Gott vor," meinte . dringend- ihn nicht zu verraten, denn habe gedroht, den Dieb ins Zuchthaus o es habe sich Vach nur um einen Scherz Octsvorsteher so geprotzt Härte. Der wußte er Bescheid.

Arzt, noch - Mann on Bauer ;u Doktor,

stÜck/ Cl:

und da k&i int ganze De der Bauer uu der Orttzvorste zu bringen. Und gehandelt, weil bt Arzt erstaunte irarr Der Bauer hatte dem Ortsvorsteher die Krippe gestohlen und hatte geglaubt, der Arzt Hütte mit dem ihm unbe­kannten Wort Grippe die Krippe gemeint.

Dterarifcbts.

ftmiä wider Kokarde", Jagdflüge des Leu mts Ernst Udet, heransgxgeben v qn Ernst Friede. Eichler, mit 36 Bildern, M. 2.. Verlag Gustav Braunbeck G. m. b. H.,^Lettin W 35. Udet, der i.-nge Kampfflieger, der soeben durch ein kaiserliches Handschreiben ausip zeichnet ward, steht an der Spitze unserer 'uiHelden, da er über 60 Flugzeuge zum Absturz brachte. Das Udelbuch gibt uns in kurz packenden Schilderungen ein lebendiges Bild des unendlich schweren Jliegerlebens und zugleich in dem Werdegang des Helden den Beweis deutscher, zäher, unbesieg­barer Kraft.

Beranlwörtlich: A l b i n Klein, Gießen.

Deulschkands Spende für Säuglings­und Kleinkinde cschuh.

Aufruf!

Vier Jahre lang wütet nun der Weltkrieg. Furchtbar sind die Opfer, die er von unserem Volk gefordert hat und noch täglich fordert. Die Zukunft unseres Uater- landes ist aufs schwerste gefährdet, wenn es nicht gelingt, einen Ausgleich zu schaffen für die Hunderttausende von blühenden Menschenleben, die uns durch den Krieg entrissen worden sind. Vor allem gilt es, die erschreckend hohe Sterblichkeit der Säug­linge und Kleinkinder zu bekämpfen. In den letzen Friedensjahren

gingen von hundert deutschen Kindern fünfzehn bereits inr e rsten Lebensjahr zu Gründe, mehr als ln fast atteu anderen Knlturftaaten. Eine durchgreifende Hilfe durch Ausbau des Mutterschutzes und der Kinderfürsorge ist hier dringend nötig. Dazu sind aber neben den Zuschüssen des Staates, der Kreise und Gemeinden weitere bedeutende Mittel erforderlich, die durch eine große

Molksspends

aufgebracht werden sollen. Die Sammlung fürDsrrtschlauds Spende für Sang- lings- und Kleinkinderfchutz" wird in Hessen im September dieses Jahres statt­finden r ihr Ertrag verbleibt ausschließlich unserem engeren Uaterlande. Wir wenden uns an den oft bewährten Opfersinn des Hessenvolkes mit der herzlichen Bitte, an dem großen Werk der Nächstenliebe mitzuhelfen. Möge jeder nach Kräften dazu beitragen, die Fürsorge für unsere Kleinen und Kleinsten zu fördern. Es gilt die Ankunft unseres Volkes. die Macht und Große unseres heißgeliebten Naterlaudes!

Darmstadt, im September 1918.

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Bekanntmachung.

Zur Gewinnung von Wagen für den Ladungs- verkehr, insbesondere für dringende Nahrungsmittel, wird von Mittwoch» den 11. September an» ö s auf weiteres der Ucrfand von Frachtstücks«-» CSü- stückgut und beschleunigtem Gilstückgnt gleichwie im Vorjahre derart eingeschränkt» daß eine Anzahl Güter von der Beförderung ausgeschlossen ist.

Für dis noch zugelassenen Güter bleiben die bis' herlgen Höchstgewichtsgrenzm von 100 kg für Eilsrück- gut und von 50 kg für beschleunigtes Etlstückgut bestehen.

Anträge auf Zulassung von Ausnahmen, die nur in durchaus dringenden Fallen berücksichtigt werden können, sind für Güter des öffentlichen Verkehrs an die Königliche Eiffnbahndircktisn, für Militär-Mer an die Kriegsomtstelle des Emfangsortes zu richten.

Die Annahme von Expreßgut bleibt in der seit­herigen Weise eingeschränkt.

Nähere Auskunft erteilen die Auskunftstelle für Güter» verkehr im Geschäftsgebüude der Königlichen Eiscnbahn- dicektion, Hohenzollernplatz 35, sowie die Güter-, Eisi gut- und Gepäckabfertigung.

Frankfurt (M), den 9. September 1918.

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