Ausgabe 
14.9.1918
 
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10000 immn vrrseM.

VTB. Berlin, 12. Sept. (Amtlich.) Um England herum versenkten unsere U-Boote 10 OOO BRT.

Der Lhef de» AdmiraLstaües der Marine.

Englischer Zerstörer gesunken.

WTB. London, 12. SepK (Reuter.) Die Admiralität meldet: Infolge Zusammenstoßes in dichtem Nebel ist em eng- ttscher Zerjtörer am 2. September gesunken. Keüre Mann- schastsoerluste.

Admiral Scheer über den Enderfolg der U-Boote.

TU. 3« einem Bortrage über die Gefahr der Stunde gad der konservative Nekchetag-abgeordnete Dr. Wilbarube tu Dresden ein Gespräch wieder, das er kürzlich mit dem Ad­miral Scheer, dem Lhef des Bdmiralstabes, gehabt hat. Dieser sagte: mMit gutem Gewissen können Die vor dem Lande sagen, daß ich nicht einen Augenblick daran zweifle, England durch unsere U-Boote an den Verhandlungstisch zu bringen. Nur mutz ich es ablehnen, mich auf eine» bestimmten Zeitpunkt fest- rvlegen."

Für die Kleinmütigen, die immer noch nicht gegen das dewnßt falsche Zweckgeschwätz von drüben über die angebliche Unwirksamkeit unseres Unterseebootkrieges gefeit sind, wird es eine Seelenstütze sein, wenn der maßgebendste Mann als seine Meinung aussprechen läßt, daß er nicht einen Augen- blick zweifle, England mit dem Unterseebootkrieg auf die Knie zu zwingen! Daß Admiral Scheer sich nicht auf einen bestimm- len Zeitpunkt für den Erfolg festlegen will, gibt dem grund- sätzliä)en Inhalt seines Ausspruchs nur um so mehr Gewicht. Um diesen Zeitpunkt der endgültigen Wirkung hat sich die Meinungsverschiedenheit in der Frage des Unterseebootkrieges hauptsächlich gedreht. Aber die Hauptsache ist rmd bleibt doch die Gewißheit, daß der Unterseebootkrieg überhaupt das große Ziel erreichen kann, und diese Gewißheit findet jetzt in der Kundgebung des Admirals Scheer eine neue Stütze. Auch als Gegengewicht gegen das schlau ausgeklügelte, auf Irre Führung berechnete Gerede unserer Feinde über denFehl fdjlöfl* des Unterseebootkrieges ist das Wort Scheers bedeut

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fern. In beständigem Wechsel mit diesem Geflunker bläst aber Manntlich drüben der Wind auch aus dem entgegengesetzten Loch, wie gerade wieder folgeirde Meldung zeigt:

Regierung und Wadirechlsugriage.

TU. Der Reichskanzler Graf Hertling hat, wie der Ber­liner Lokalanzeiger erführt, in den letzten Tagen die Führer der Reichstagsfraktionen getrennt empfangen. In der vor- gestrigen Besprechung zwischen dem Reichskanzler, dem Vizepräsidenten des Staatsministeriums Dr. Friedberg, und dem Minister Dr. Drews lagen Besprechungen zugrunde über die Haltung der Regierung in den schwebenden Beratungen über die Wahlrechtsvorlage in der Kommission des Herrenhcm- fes. Wie wir von einwandfreier Seite erfahren, ist die Re­gierung nach wie vor fest entschlossen, falls eine C-nigung Aber das Landtagswahlrecht nicht in einer Form zustande Lommt, wie sie der Regierung annehmbar erscheint, den Landtag aufzulösen. Auf der anderen Seite wird man sich aber durch so brutale Terrorisierungsversuche nicht davon ab bringen lassen, dem Herenhause, das sckne Beratungen in voller Erkentnis des Ernstes des Beratungsgegenstandes mit größtmöglichster Beschleunigung betreibt, die Möglichkeit zu gewähren, einen so schwerwiegenden Rcformvorschlag, wie es der einer grundstürzenden Änderung unserer Verfassung ist.

Mach allen Möglichkeiten hin grünbli< durchzuberaten.

Abgelehnte» berufsftandige» Wahlrecht.

WTB. Berlin, 12. Sept. In der Wahirechtskomrnisflon ves Herrenhauses wurde von konservativer Seite <m Stelle Lines zurückgezogenen Antrages ein Antrag auf Abänderung jdes 8 3 als Vorlage eingebracht, der in seinen wesentlichen fiZeftimmungen lautet: Jeder Wähler hat eine Stimme in rinerBerufswählergruppe, der er noch seinem Hauptberuf Sinne der Berufsstattstit des Deutschen Reiche» ongeyö fs werden 6 Wühlergruppen gebildet. Gruppe 1 besteht aus Selbständigen aus dem Bereich der Land- und Forstwirt schaft, sowie der Fischerei. Gruppe 2 umfaßt den Rest der in Landwirtschaft, Forstwirtschaft uird Fischerei Tätigen. Die Gruppe 3 umfaßt die Selbständigen aus Industrie und Hand werk. Gruppe 4 umfaßt die Selbständigen von Handel und Verkehr. Gruppe 5 umfaßt alle übrigen AngelstZrigen von Industrie, Handel und Verkehr. Gruppe 6 umfaßt die Be amten und freien Berufe. Die Zahl der Mtglieder wird folgendermaßen verteilt: 1. Gruppe 117, 2. Gruppe 41, 3 Gruppe 29, 4. Gruppe 49, 5. Gruppe 99, 6. Gruppe 55 Ad geordnete. Für jede Wählergruppe werden unter Wahrung der Provinzgrenzcn Wahlbezirke abgetcilt, deren jeder tun lichst gleiche Zahlen in der betreffenden Gruppe der Wahl berechtigten umfassen soll. Der Minister des Innern sprach sich grundsätzlich gegen die Annahme des berufsständigen Wahlrechts aus und legte Ungleichheiten, zu denen das in vorliegendem Anträge liegende System im einzelnen führen müsse, dar. Don mehreren Seiten wurde erneut der Wunsch

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<nts(icfprocficn, daß Md Regkenmg weitere- Material zur Prüfunq der Wtrkung des Derufswahlrechts beibrmgen möchte, du man im Lande erwarte, daß diese wichtige Frage gründlich geprüft wurde. Don anderer Seite wurden schwere Bedenken gegen den Antrag geltend geilwcht.

TU In der Haltung der beiden Serrenhausfrakttonen zur Wahlrechtsfrage hat sich nach den Plenarsitzungen am D'ens- taq und Mittwoch nichts geändert. Die nerre Fraktion halt, wie das Berliner Tageblatt zuverlässig erfahrt, nach wie vor nicht nur an dem allgemeinen, geheimen und direkten, son- dem auch an dem gleichen Wahlrecht fest und zwar ohne! >ede Einschränkung, wird also auch Alterszusatzst.mmen ablehnen. Dagegen schefnt dle Mehrheit der neuen Fraktion aus ge- wisse Sicherungen hlnznnrbeiten, die sich aber nicht auf das -Wchlrecht selber erstrecken sollen.

Am MefthentWend.

Köln, 12, Sept. In einem Zug in Richtung Köln ver- etniaen 3 Mtesmack)er ihre Msichten über dle Lage im Westen. Da dos Geschwätz zu albern war, um der Widerlegung zu bedürfen, schweigen die übrigen Insassen des Abteils. Kurz vor der Einfahrt in Köln erhebt sich indessen ein Herr der bisher halb belustigt, halb verärgert den RÄckzugsmunbgefech- ten der Heimlrieger zugehört hot. Er lüftet den Hui:Ber- zethnng, meine Herren, aber ich war seit Samstag nicht mehr in Köln; ist Köln nocl) Etappe oder schon beietztes Gebiet? Spott, Lachen und Verlegenheit waren nunnwhr im Abteil gleichmäßig verteilt.

Koblenz, 12. Sept. Nach einer Verordnung des stellv. Generalkommandos und des Gouverneur der Testung Köln dürfen Kaffeemühlen aller Art in den Geschäften nicht mehr feilgeholten werden. Die Kasseemühlen müssen sofort aus

dem Verkehr gezogen werden. ^ .

Koblenz, 12. Sept. Dos Eisenwerk Gebr. Stumm in Neunten a. d. Saar bot in Koblenz-Lützel ein umsanarei- ches Gelände zur Errichtung einer Werft für Flußschiffe erworben. Dos Unternehmen hat sich bereits kürzlich an der Schiffswerft I. Frerichs, A.-G. in Einswarden beteiligt.

Krefeld, 12. Sept Der Polizei ist es gelungen, den Wilderer, der gestern nacht den Polizeibeamten Rellers er- schossen hat, zu ermitteln.

Krefeld, 12. Sept. Ein angeblicher Uhrmachergehckfe von auswärts, Hermann Fröndhoff, der sich hier kurze Zeit unter dem falschen Rameü Rottmann herumtrreb, erschwin. delte Uhren im Gesamtwerte von 14 OOO M und ist flüchtig. Es ist anzunehmen, daß er in anderen Städten ähnliche Gau- nereien er nimmt meist Uhren zu Reparieren in Empfang versuchen wird; die nach ihm fahndende Krinnnalpolizei warnt dal)er vor dem Märschen, der, wie erwähnt sei: groß- gewachsen, leicht kriegsverletzt ist und wahrscheinlich noch in Feldarau mit Abzeichen stecken dürfte. In 6t. -lönts sind der Gerberei Giesen für etwa 20 000 M Leder gestohlen worden. Es ist zwar geglückt, Diebe und Abnehmer der Deute zu ermitteln, es konnte jedoch bisher nur ein Teil des Leders im Werte von 1000 M wieder sichergestellt werden.

Rheydt, 12. Sept. Auf eine 70jäl^ige Dienstzeit bei der Firma Wilhelm Beines Söhn- rannte der Fabrikbote Wilhelm Eaumanns hier zurückblicken. Aus diesem Anlässe wurde chm heute das Berdiensttreuz in Silber verliehen, nach- dem er beim 50jährigen Arbeitsjubiläum das Allgemeine Ehrenzeichen in Silber, beim OOjährigen dos Kreuz zum Allgemeinen Ehrenzeichen erhalten. Ehrenvolle Diensttreue!

Lintfort bei Mörs, 12. Sept. Um die schädlichen Ein- fliisse der Zeä)enabwässer in etwa zu mildern, bot die den Rheinischen Stahlwerken in Duisburg gel)örige Zeche Fried­rich-Heinrich beschlossen, unterhalb des Kümper Berges eine Kläranlage zu schaffen.

Essen, 12. Sept. Der Hetman der Ukraine General Skoropadsli ist zum Besuche aus Billa Hügel eingetroffen. Im Gefolge des Hetman befanden sich: Selteniewsti,

Adjutant des Hetman, Graf von Derchem, Legatimrsrat der deutschen Ukraine-Delegation und Legationssekretar Assessor Dr. Meyer. Heute vormittag wirrden eine Reche Werkstät­ten und der Speisesaal an der Hammerstraße besichtigt. Nach- mittags wurde die Besichtigung der Gußstohlfabrik fortge setzt und im Anschluß daran eine Fahrt durch die Wohn siedelungen Alfredshof, Margaretenhöhe u. Altenhof gemacht.

Bochum, 12. Sept. Bor der Strafkammer begann die wiederholt rvertagte Verhandlung gegen den Fabrikanten Friedrich Gross aus Witten, von dem Gußstahlwerk Witten, der bei Lieferungen für das Heer sich unredlicher Machenschaf, ten säMldig gemacht haben soll. Ls soll sch um das Unter- schieben fehlerhafter Geschosse gehandelt haben. Zur Ber- l)andlung sind 84 Zeugen geladeiu Außerdem sind militari sche und technische Sachverständige geladen. Die Verneh­mung des Angeklagten sindet unter Ausschluß der Öfsent- lichkeit statt.

Dülmen, 12. Sept. Beim Rombergschen Schlosse in Dül dern fanden Kinder in einem Brunnen die Leiche eines Man­

MMlmAahM m] der Friedr'MMe.

Berliner Skizze von Gustav Hochstetter.

(Nachdr. verb.)

Es ist noch nicht lange her, daß ich zum ersten Mal der Aufnahme eines selbstverfaßten Films zusehen konnte. Bei- nahe coäre es auch diesmal nicht dazu gekommen. Ich habe die Kinoreglsseure im Verdacht, daß sie an manches Andere lieber denlen als an die Einladung desDichters" zurAuf­nahme" ....

Zufällig klingelte ich bei dem Leiter des Filmbetrtebes cm jenem Vormittag an. Ich fragte nur ganz nebenbei: .Wann wird eigeirtltck) der Film gekurbelt, für den Sie mir kürzlich das Honorar schickten?^ Da rief mein Freund ins Telephon: »Wenn Sie sofort die Hocistiahn stürmen, kommen Sie gerade noch zurecht . . . Friedrichstroße, Ecke Behrenstrrße . . . Sie sehen's schon am Rrenschenauslauf . . . Eilen Sie sich, sonst kommen Sie zu spät.^

Na. ich kam nicht zu spät. Im Gegenteil. Ich spähte vergebens nach dem Menschknouflauf. Rur ein pc -r unauf- fällig wartende Kinv-Münen sand ich an jener Ecke; sie sül-r- ren mich in eine benachbarte Kutscher kneipe, wo allect-and be- schcidenes Volk vor Rlefentasscn dampfenden Mokka-Ersatzus saß, die große Tasse sage lyxb schreibe zu süri^vl-n RcLchsvseunigen.

Mein Führer erklärte mir: .Hier tst das SteKbichein: hser warten wir auf den berühuilen Komiker. Er konnut natürlich zu spät. Er kommt imuwr zu spät. Triirken Sie auch einen Sechsdceteruwküa?''

Noch tbiexa, etivas lang ge rate non Viertelst imdcl-e« er- phbe« er der berühmte Äomifec. In einer Ecke bes Lokals v-rtorhchtr «. ohne Schwa, den Straßenanzug mit

tkmi «pUjchen Lsijizu?Lslcachl. Seine Kleider hüuc er cur

den nächsten Dildernagel; seine wertvolle Schlipsperle . . . keinerlei Vorkehrung nötig gewesen: die Massen fanden sich er schaute sich strnnm ringsuur . . . und bums, hatte ich seine Perle in meiirer Kravatte stecken ...

.Los, Kinder, losl^ Der Regisseur Natschte in die Hände.

Zu meinem Erstaunen snl) ich, daß das bescheidene Volk der Kaffeetrinker sich inzwischen geräuschlos in die Perfvlren meines Filmlustspiels veruxnrdelt hatte . .. Darbier, Photo­graph, S<l)usterjunge, Köchin, Portier ...

.Also", wmrdte ich mich an den berühmten Z^omlker, .Sie wissen, in meineur Rranuskript steht... Sie haben es ja ge- lesen? . . "

.Gelesen7 Wieso?" knatterte der berühmte Komi- ker, .ich lese nie Manuskripte. Da lese ich lieber Ihre Ge­dichte, die sind amiisanter . . .*

.Sehr schmeichelhast. Abu wieso wissen Sie, wa» Sie zu mimen haben?"

.Ach ... das sagt mir der Regisseur zwei Minuten vorher und dann spiel' ich's eben 'runter!"

Sa war's.

Außer dem Regisseur (und mir) hatte kein Mensch hier eine Mnung von dem Inl^alt des Manuskripts!

So tst d<rs nun mal beim Film ...

Und wie klappte alles! Der Regisseur sagte: .Kinder, mlfge^ßt! Also du (.du" war der berühmte Komiker), du rennst zur Tür hinaus, mit dem Koffer tn der Hand, schrust dich vier'.!«! nach deinen Verfolgern um. läufst rechts um die Ecke, fertig. Und du (jetzt war der Scl)usterjungebu") läßt dich von ihm umrcnnen, kletterst dann vor Angst am Later- ncnpfal)l hoch/bleibst vben, fertig." So bekam jeder seine An­weisung. 9iach zehn Minuten war die Aujnahuw in der süll-.n Behre-rPraße erledigt.

Jetzt kam die Hauptsache: Aufnuhure .mit Volks Massen"

nes, dessen tftiße zu,^>mnengedunben wsske«. SfeWtt o«P Leichs, der Rock und Schuhs fehlten, lag ein leerer Rucksack. Der Mann scheint im nahen Walde errnordet und dann m den Brun nen geworfen zu sein.

Schweres EisekduhrniNgM.

33 FerteuNnder aus M. Tiaübach getötet.

WTB. S ch u e i d e m ü h l, 11. Sept. (Amtlich.) Hent^ 4,55 Uhr früh ist bei Blockstelle Pöttke, kurz vor dem Bahnhof Schneidemühl an Klm. 2,4 der Strecke Bromberg-Schnerdemuhl der Kindersonderzug 2244 nach München-Sladbach infolge Überfahrens des Haltesignals auf den Schluß des Güterzugrs 7595 aufgefahren. Der erste Wagen des Kiuderfonderzuges wurde in den Packwagen hineingeschoben und bis auf v er Abteile zertrümmert, vom Güterzng acht Wagen beschädigt oder zertrümmert. Getötet sind der Schlnßschaffner oes- terzuqes, ein Mann und 33 Kinder, verletzt sind eine Frau und 15 Kinder leicht und zwei Kinder schwer. Die Schuld- frage ist noch unbekannt.

TU. Schneidemühl, 12. Sept. Der nahe dem Bahnhof Schneidemühl gestern friih verunglückte Feriensonderzug war mit 760 Kindern in Begleitting chrer Lehrer und Lehrennnen besetzt. Die Kinder, ermüdet von ber schon langen Fahrt, schliefen in ihren Abteilen. Plötzlich horte man ernen furcht­baren Krach. Die Wagen erschütterte ein heftiger Ruck, und der Zug hielt. Iaanmern und herzzerreißende Tone erfüll- ten die Luft. Den von allen Seiten Herbeieile,iden Ersen- balmbeamten bot sich in der Morgendämmerung ein ent- setzliches Bild. Die LcLourotioe bes Ferienfonbrrzuges, due letzten Wcmen des GüterLUges, der auf dem Glois hielt, nrw die ersten 'Wagen des Krnderzuges bildeten ein Et^sos von Trürmnern, aus dem Jammergeschrei der verletzten Ktude» erschallte. Der Packwagen des Feriensonderzuges hatte de« ihn folgenden, mit Kindern voll besetzten Personemoagen t, der Mitte durchschnitten. Aus den Splittern uud -usamme^r. geqrretschten Holz- imb Eisenteilen drang das Blut der Ge- töteten hervor, rangen sich die blassen Händchen der einge- quetschten, säpver verletzten Kinder empor. Die meisten dev in dem Wagen untergebrachten Kinder waren getötet. Mrch den ersten Auftäun^ungsarbeitrn bot sich den Arbeitern et« furchtbarer Anblick dar. Unter den Trümmern fand man 38 vollständig zerfetzte Kindesleichen und die Leiche eins» Erfen. bahnbeamten.

M.-G!adbach, 12. ^epk. Die Namen der 33, in dem Kindersonderzug bei Schneidemühl verunglückten Kinder sind hier nicht bekannt geworden, so daß außerordentliche Unruhe tn der Dürgersck-aft herrscht. Im Mai ds. Is. waren aus der Stadt M.-Glodbach etwa 200, aus der Stadt Rheyot 170 Kinder und aus dem Landkreise Gladbach 230 Kinder nach Ostpreußen gebracht worden, wo ste im Kreise Angerburg Kräftigung und Erholung während des Sommers finden sollten. Diese Kinder wurden mit dem Sonderz-ug, der ge­gen 11 Ul)r abends hier eüitreffcn sollte, zurückerwartet. In dem Zug befand sich muh noch eine größere Anzahl Kinder aas Sterkrade. Ls ist ein seltsames Verhängnis, daß in die» fem Jahr wiederum ein M.^Lladbacher Kindersonderzng ver. unglückt, wie es im Oktober vorigen Jahres bei Stendal dev Fall war, wobei 25 Kinder ihr Leben verloren.

RRZ aZer Wett.

WTD. Berlin, 12. Sept. Die nach dem deutsch-ruMcheu Finanzabkommen am 10. Sept. fällige erste Rate der russischen Gold- und Rubelzahlungen ist in Ovscha eingetroffen und von einem Beauftragten' der Reichsbank übernommen.

Doppelmord.

Berlin, 12. Sept. Eine schreckliche Aufklärung Hai das Verschwinden des 67 Jahre alten Geldbriesträgers Albert Weber in Berlin gefunden. Beim Absuchen der Häuser in der Spandauer, und Zkaiser-Wilhelmstraße durch Krmnnalbe- amte wurde Weber am Mittwoch nachmittag im vierten Stock- werk des Eckgrundstückes Spandauer Straße 33-34 in der Wohnung der Schneiderin Marie Rühle geb. Furchn^:, m einem der beiden Vorderzimmer auf einem Sessel sitzend mit durchschnittener Kehle tot aufgefunden. 3a dem anderen Zimmer fand man die Wähnu ngsinhaberin, Frau Rühle, in einer Blutlache tot am Fußboden liegend. Rach den bisher angestellten Erunttelungen sollen vor kurzer gekt l^i Frau Rühle zwei junge Durscl-en ein Zimmer abgeuuetet haben. Diese dürften Frau Rühle und dann den Br-vchtrügsr-«mor­det haben«

Dr. Karl Peters f.

WTB. Braunschweig. 12. Sept. Der bekannte Afrika. forsä)er Dr. Korl Peters ist gestern in Wollorf bei Perne ge­storben. Er wird in Neuhaus an der Elbe beigefetzt. Er er- reichte ein Alter von 62 Jahren.

Posen, 12. Sept. Seit gestern 3 Uhr nachmittabs brennt der Monumentalbau der Kgl. Akademie am Derlmer Tor. Der Dachstuhl stcht in ganzer Ausdehnung in Flanmlen. DE Feuerwehr ist fast

ln der Friedrichstroße. Für das Erscheinen der Menge ro« ganz von selbst ein! Zuerst waren es Hunderte Neuglerrger ncch einer Viertelskurde Tauseärdel Zivilsten, bolbaten, Arbeiter, Feingekletdete, fowten, Greise, Mädchen, Ma1v> nen, Schutzleute, alle, alles, jeder fügte sich mrt Freude uu* Genuß demOberkommando" des Kinoceglsseurs.

.Jetzt ganz still, meine Herrschaften! . - - 3e^t We Arn hoch und dorthin zeigen! . . . Werrn der Offizier mrt den. Koffer aus dem Panoptikum konuut, respektvoll Platz nwcheni . . . Wem: der Barbier zu laufen anfangt. Alle harter chm

herlaufen . . .!" ^ ^,

Sie taten's! Und wie! Daß ihnen der Schweiß nur so herunterrann! Als ob ste's bezahlt bakamen» Leid tat chnen, wie's aus war! t . TY . m

^Das Ganze noch einmal aufnchmen! befahl der Re-

^^Nicht einer mis dem tlmfendk'öpflgen, freüvMg mit- fpielcirden Pul^ililm ging nach Hause; alle tzrielten die zweite, ja sogar die dritte Auftiahme rnit. Bei der dritten waren's sogar ncxh tausend Menscl)en mehr . ..

-Als ich ein paar Wochen im Parkett des Äino?

saß und mir mein Lustspiel cmsal> hörte ich, wie eine fremde Dann: zur anderen sagte: .DLch da» ein teurer Film geweke» sein. Mindestens viertauiend Gchrnspleler! Germ da ted« nur zwanzig Rlark Sviell»noror bekounnen hat

Ich unterbrach die ftenrde Dcuue nicht.

Mir kann es imr recht sein, wenn die Zuschauer denkön, die Filmfabrik l)ä1te für urciner Härwe Arhett ynud-rktausenö Rkark Gagen bezahlt...

Sollte aber die fremde Dame morgen beim Spazierrm- gehen in ein ähnliches Massenbild hüremgeratrn, ich biv überzeugt: sie wird ebenso freudig und ebenso vrbezahü miknimen, wie damals dis merümpud Anderr« ouj Friedrichstraße«