qen sollen. Warum, so fragen sie, hat man darauf mcht j gewartet und Die neuen französischen Männerverluste gespart, wenn nicht etwas in dieser Rechnung nicht stimmt. Das Verhältnis zwischen den Amerikanern und Franzosen ist trotz aller Verbrüderungsfeste, die man in Paris veranstaltet, an der Front nicht gut. Die Amerikaner haben sich bei den sparsamen Franzosen als Preistreiber für Lebensmittel sehr unbeliebt gemacht. Gewohnt, mit Dollars zu rechnen, wo. der Franzose nur mit Franken rechnet, zahlen die Amerikaner jeden Wucherpreis und werden vielfach von den Poilus schlechthin „die Preistreiber" genannt.
Diese Mißstimmung wirkt auch auf die Amerikaner zurück, wie viele amerikanische Gefangene aus- sagen. Sie sind mit dem stolzen Bewußtsein nach Europa gekommen, daß ihr Erscheinen und die nach ihrem Glauben unermeßlichen Hilfsmittel der Vereinigten Staaten genügen würden, um in wenigen Wochen den Krieg zu beenden und Europa den Frieden zu diktieren. Statt dessen sagt ihnen jetzt die eigene Regierung, daß frühestens 1919 die amerikanische Kriegsleistung wirklich entscheidend in Kraft treten könne. Statt eines kurzen Abenteuers, zu dem die meisten von ihnen Haus und Hof verlassen hatten, sehen sie sich in einen unabsehbaren harten K r i e g verwickelt, der ganz und gar nicht nach ihrem Geschmack ist. Und das Schlimmste ist, daß bei Streitigkeiten die französischen Soldaten ihnen neuerdings vorzuwerfen beginnen, die Amerikaner seien die wahren Kriegsverlängerer; ohne sie hätte man längst den Frieden und wäre bei Weib und Kind zu Hause."
Tic Kämpfe in Ostafien.
Nach Berichten aus Tokio griffen bolschewistische Truppen General Kalmikoss an und wurden geschlagen. 8000 Boljchewikis befinden sich bei Usponka und Bimakow gegenüber den vereinigten Truppen der Entente. Sie haben Maschinengewehre auf Schiffen am Usseveri ausgestellt. Die Truppen der Sowjerregie- rung längs des Amur zählen 19 000 Alaun und im Baikalgeblet 18 000 Alaun.
Reuter gibt als Gerücht eine Meldung wieder, wo- imd) die Tschechen Werschne-Udjnsk. die erste große Siadt im Osten des Batkal-Sees. eingenommen haben. Falls dies wahr ist, würde es von Richtigkeit sein, da es bedeuten würde, daß die Eisenbahntunnels im Süden des Sees in den Händen der --Tschecho-Slowaken sind.
Frankreich borgt bei — Uruguay!
Das fehlte noch! Das reiche Rentnervolk bei der lleineit Eingeborenen-Ausplünderer-Sippe, die in den Städten der klernen rückständigsten und unkultiviertesten jüdamertkanischen Republtt Uruguay den Segen der Fruchtbarkeit des Landes in ihre Tasche gaunert! Alan lese:
„Nieldungen aus Washington zufolge hat Urugttay nun auch Frankreich einen Kredit von 15 Millionen Fr. zur Finanzierung französischer Kriegsbedarfseinkäufe :m Lande erngeräumt, nachdem England schon im Dezember einen ähnlichen Kredit von 50 Millionen Pesos erhalten hatte.
Uruguay, am Atlantischen Ozean, zwischen Brasilien im Norden und Argentinren im Süden und Westen (Laplata-Strom) eingeklemmt, hat l l U Millionen meistens eingeborener Bewohner, ist aber so groß
Ter türkisch-ukrainische Friede unterzeichnet.
Am Donnerstag fand in Wien der Austausch der Ra.'isttationsurkunden de§ Brest-Litowsker Friedensvertrages zwischen der Türkei und der Ukraine statt.
Italien in banger Sorge.
Tie Vermittlungsstelle in London. die für die ?• Kohlenzusuhr nach Italien zu sorgen hat, gibt in den J englischen Blättern eine von größter Angst vor dem j kommenden Winter beeinflußte Schilderung der ita- ; lienischen Kohlennot:
„Um den Eisenbahnbetrieb zur Not aufrechterhal- , ten zu können, kaufte die Regierung unlängst 50 000 s Tonnen Olivenholz. Sie wissen, was der Oelbau für Italien bedeutet, aber wir müssen ihn zur Verteuerung ubichlagen. Viele prachtvolle Haine sind verwüstet, aber alle Kohle und alles Holz, das wir erlangen können, reicht nicht annähernd aus. Es ist heute nichts Unge- wöhnliches. Eisenbahnzüge aus freiem Felde anhalten und aus Kohle warten zu sehen. Das englische Volk denkt, daß Italien das Land des ewigen Sonnen- ' scheines lst, aber in Norditalien hinter der Frontlinie ist der Winter rauher als in England. Die
I Leiden der Kranken und Verwundeten sind dort furchtbar. Vorigen Winter waren die Hospitäler ohne Koh- l.n. In g....z Italien gibt es nur m den acht grössten Städten Gas. und nur zwei, drei Stunden täglich. Pe- > troleum und Kerzen sind schwer erhältlich, und viel j zu teuer für die unteren Volkskasjen. dle nach Sonnenuntergang im Dunkeln sitzen."
Tie italienische Kohlennot ist zum großen Teil eine Folge des deutschen U-Boorkrieges. da es der Entente an Schiffsraum für die notwendigen Koh- lentransporle fehlt.
Ein Mörder des Zaren erschossen.
Einer der Mörder des Zaren, der Arbeiter Bie- lobrodow, zeigte sich, nachdem er sich lange versteckt gehalten harte, auf den Straßen Jekaterinenburgs. Er wurde von der sowjetfeindlichen Menge erkannt und im Streit erschossen und dann in Stücke gerissen. Die beiden anderen Mörder Adrejkow und Joholow sitzen im Gefängnis.
Ereignisse zur See.
Gegenüber Spaniens Drohung, von den in spanischen Häfen liegenden deutschen Schiffen Ersatz zu Nehmen, sobald wiederum ein spanisches Schiff torpediert und dadurch der spanische Schiffsraum weiter verringert werde, sagt eine halbamtliche deutsche Auslassung: „Gegen das Vorhaben der spanischen Regierung ist deutscherseit energische Verwahrung eingelegt worden. Zwischen den beiden Regierungen sind Verhandlungen eingeleitet."
In Spanien tobt zurzeit eine ganz beispiellose .Pressehetze der Entente gegen Deutschland.
Deutsch-spanische Verständigung?
Nach Madrider Meldungen steht eine neue Note der spanischen Regierung an Deutschland bevor, deren .Erklärungen einen Weg zur Verständigung offen lassen.
In London fährt man gegen Spanien ganz grobes | Geschütz auf. Die „Times" schreiben: „Die Entente hat immer große Nachsicht gezeigt in allen Fällen, wo kleine Völker sich unter direkter Bedrohung durch das deutsche Schwert zur Verletzung der Neutralität zwingen ließen. Aber diese Nachgiebigkeit wird jetzt nicht denjenigen gegenüber gezeigt werden, die ihre Neutralitätspflichten verletzen oder vernachlässigen, entweder aus Sympathie für den Feind, oder aus Egoismus. oder weil die Völker vder die Herrscher närrische Aspirationen hegen."
Gerade Spanien gegenüber dürfte diese Sprache nicht verfangen.
Politische Rundschau.
— Der badische Landtag wurde für die Sitzungsperiode 1917-18 geschloffen.'
— Von einer Verlobung des bayerischen Kronprinzen Rupprecht mit einer Tochter des Erzherzogs Friedrich ist an Münchener zuständigen Stellen nichts bekannt.
— Ein Verwundetenabzeichen für die M a - rine ist vom Kaiser bestimmt worden. Wer die Verwundung bei den Landkämpfen der Marine in Flandern erhielt, bekommt das allgemeine Verwundetenabzeichen des Heeres.
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:: Ter Zeitungskrieg in Halle zwischen den offiziellen und den unabhängigen Sozialdemokraten wird am 0. September die Gerichte beschäftigen. Die „Unabhängigen" hatten das „Hallesche VolkSblatt" in ihren Besitz gebracht, und darauf hatten die „Offiziellen" unter Führung des Abg. Thiele ein neues Blatt „Volksstimme" gegründet. Die Offiziellen" machen vor Gericht geltend: „Tie „Volksstimme" fei voriges Jahr als Provisorium gegründet worden. Sobald das Eigentumsrecht am „Volksblatt" ihrer Partei zugesprochen werde, sollte dieselbe ihr Erscheinen wieder einstellen. Tatsächlich erfordere das Blatt unter den gegenwärtigen Verhältnissen einen monatlichen Zuschuß von mehreren tausend Mark."
:: Gemeindewahlresorm in Oldenburg. Der Land- tagsadschied für das Großherzogrum Oldenburg ist soeben veröffentlicht .worden. Er besagt u. a.. daß die Regierung den Wünschen des Landtags, dre auf Einführung des aktiven und passiven Gemeindewahlrechts der Frauen und BeseirigungS des Grundbesitzer- Vorrechts hinsichtlich der Gemeindvertretungen ab- zielen, nicht entsprechen kann. Wohl aber sollen Dienstboten und Gewerbegehilsen, die im Brote eines andern stehen und keine eigene Wohnung haben, fortan das Gemerndebürgerrecht besitzen, also zum Gemeinde- rat wählen bezw. in ihn gewählt werden können. Auch sind neu in eine Gemeinde eingezogene Personen in Zukunft schon wahlberechtigt, bezw. wählbar, wenn sie zwei Jahre (früher drei) zu den Gemeindesteuern beigerragen haben.
:: Hermicyr a..: Gefangenschaft. Am
Freitag wurden die aus England angetonnnenen Militär- und Zivilgefangencn sowie die Frauen und Kinder der deutschen Internierten in Rotterdam ausgeschftft. Der deutsche Gesandte Dr. Rosen und seine Gemahlin, zahlreiche Persönlichkeiten des Roten Kreuzes, sowie die Vertreter der verschiedenen Hilfskomitees und die holländischen Behörden waren anwesend.
:: Ten Ausschluß der Warenhäuser und Konsum- vererne bei der SchuhwarcnvcrrcUung hatte der Zentralverband Deutscher Schuhwarenhändler beantragt. Der Staatssekretär des Reichswirtschaftsamts Frhr. v. Stein hat das grundsätzlich abgelehnt. Er sagt zur Begründung: „Ich kann in der Fürsorge für die Erhaltung des Mittelstandes nicht soweit gehen, daß offenbare Ungerechtigkeiten gegenüber anderen Kreisen verfügt werden."
:: Lin Orden für einen Sozialdemokraten. Anläßlich des badischen Verfassungsjubiläums erhielt der sozialdemokratische Schriftführer der Zweiten Kammer Stockinger das Ritterkreuz 2. Klasse vom Zähringer Löwen.
^ Ueber eine Steigerung der Mahllöhne wird berichtet, daß Mühlen von mindestens 50 Tonnen Mahl- fähigteil 1 Mark, Mühlen von 10 bis 49 Tonnen 2 Mark, Mühlen biB 9 Tonnen 3 Mark für je eine Tonne mehr erhalten werden.
Aus aller Welt<
/X Zum Ausfuhrverbot für Möbel wird darauf hingewiesen, daß die beim Reichskommissar für Aus- und Einfuhrbewilligung zu stellenden Anträge auf Ausfuhr eingehende Angaben über Menge, Beschaffenheit und Verkaufswert der auszuführenden Möbel enthalten müssen. Kunstgewerbliche Erzeugnisse von hohem Wert, unter Ausschluß solcher mit anerkanntem Altertumswert, können zur Ausfuhr z u g e l a s s e n werden. Möbel, die den Bedürfnissen der weniger bemittelten Bevölkerung dienen, sind von der Ausfuhr ausgeschlossen.
/x Viehzählung. Am 2. September findet im Deutschen Reiche eine Viehzählung statt. Sie erstreckt sich auf Pferde, ohne Militärpferde, Rindvieh, Schweine, Schafe, Ziegen und Federvieh (Gänse, Enten und Hüh- ner). Durch Verordnung des Bundesrats ist die Zählung auch auf die Verwendungsart der Pferde und die Zahl der Zuchteber und Zuchtsauen sowie der Kaninchen ausgedehnt. Im Königreich Preußen werden wie bisher auch die Trut- und Perlhühner gezählt. Falls ein Zähler nicht erscheinen sollte, ist die mündliche Anzeige des Viehbestandes zu erstatten. Die Ergebnisse der Viehzählung dürfen nur zu amtlichen statistischen Arbeiten, jedoch nicht zu Steuerzwecken benutzt werden. Sie dienen lediglich den Zwecken der Staats- und Gemeindeverwaltung und der Förderung wissenschaftlicher und gemeinnütziger Aufgaben. Ueber die den Viehbesitz des Einzelnen betreffenden Nachrichten wird das Amtsgeheimnis bewahrt. — Wer vorsätzlich eine Anzeige nicht erstattet oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis oder mit Geldstrafe bestraft.
** Tie Reise in Tonröhrcu. In einem Güterzuge wurden auf dem Bahnhof Nieukerk in einem mit Tonröhren beladenen Wagen fünf Franzosen entdeckt. Der Wagen kam aus Baden und war für Holland bestimmt. Seit 6 Wochen hatten die Franzosen in den Tonröhren gewohnt und waren halb verhungert.
** (gilt neuer Badeort. Der während ves Krieges in Nieder-Breifig erbohrte Geyr-Sprudel, der aus einer Tiefe von 605 Metern aufsteigend, fortwährend eine 12 bis 15 Meter hohe Wassersäule auswirfc. scheint für die Zukunft des Ortes ein Faktor von ausschlaggebender Bedeutung zu werden. Das in einer Menge von 1200 Litern in einer Minute ausströmende, 34 Grad Celsius warme Mineralwasser hat sich in Form von Bädern als ein vorzügliches Heilmittel, besonders bei Herz- und nervös-rheumatischen Leiden bewährt, so daß die Zahl der Kurgäste ständig steigt.
** Hinter den Kulissen der Schmiere. In der Besprechung einse „Theaterfalles" gibt der „Kreisanzeiger" in Iserlohn folgende eigene Erlebnisse zum Besten: „Wie köstlich ist manchmal so ein Blick hinter die übertünchten Kulissen der Tbeaterwelt der göttlichen Schmiere! Auch unsere Geschäftsstelle mußte aus letzter Zeit wieder neue Erfahrungen auf ein Konto buchen, das dem Geschäftsmann nicht sonderlich sympathisch ist. In unseren Mauern ward in den letzten Monaten ja der Thespiskarren bekränzt und festlich herumgefahren von den hochwohlmögenden Theaterdirektionen Schüren und der Tegernseer. Was Helsen Künstlerlocken, Zylinder und „goldene" vierfache Uhrkette, wenn man eines Tages abreisen muß und das Zahlen der Jnsertions- und Drucksachenrechnungen „vergißt". Es ist nicht schön wenn der Gerichtsvollzieher das „Unpfändbar" als einzigen Zahlungsvermerk in QuUtungsform zurückgibt. Herr Schüren ging so. . . . Die Tegernseer, über die wir damals kein Wörtchen schrieben, stützten sich auf das Wortspiel von den „Oberammergaunern", packten die Requisiten und verschwanden in den Sauerländischen Bergen. ... So wird mit hochtrabender Würde die Kunst vom traurigsten Schmierentum an den Pranger gestellt!"
** 320 Mark für eine Flasche Sekt. Von glaubwürdiger Seite wird den „M. N. N." mitgeteilt daß in einem „vornehmen" Münchener. Vergnügungslokal aus der auch sonst sehr bemerkenswerten Weinkarte eine Flasche Mumm mit 320 Mark ausgezeichnet ist. Es wäre wirklich interessant, die Leute kennen zu lernen, die vor solchen Preisen an einem „lustigen" Abend nicht erschrecken.
** Unfall einer Lokomotive. Auf der Eisenbahnstrecke Kalscheuren—Kierberg platzte an einer Lokomotive ein Siederohr. Durch den ausströmenden Dampf und aus der Feuerbüchse herausgeworsene glühende Kohlen wurden der Lokomotivführer und der Heizer schwer verletzt. Die Verletzten wurden ins Hospital nach Köln gebracht, wo der Heizer inzwischen gestorben ist.
** Line mutige Lebcnsretterin. Der Fräulein Walli Koch aus Mülheim-Ruhr ist die Rettungsmedaille am Bande verliehen worden. Die mutige junge Dame hatte unter Einsetzung ihres eigenen Lebens zwei Mädchen, die beim Kahnsahren im Schleusenkanal ins Wasser gefallen waren und schon mit dem Tode kämpften, durch Tauchen vom Kanalbett heraufgeholt und ihnen so das Leben gerettet.
** Ein reicher Knecht. Bei der Ordnung des Nachlasses des beim Sturz von einem Karren zu Tode gekommenen Knechts van Boltrik aus Borghees wurde die Entdeckung gemacht, dast der Mann, der als recht arm galt, ein Vermögen von rund 35 000 Mark hinter- läßt.
Kleine Nemgkeilen.
* Zn Malente-Gremsmühlen wurden 108 Pfund Butter, die ein Kurgast für 1800 Mark erworben hatte, beschlagnahmt.
* In Floridsdorf bei Wien haben Verbrecher mit Schußwaffen einen Zug zum Halten gezwungen und dann zwei Waggons erbrochen; sie mußten aber wegen Herannahens einer Wache ohne Beute fliehen.
GerichLssaal.
i Mit der „UnzurechnungIähigkeil" der Millionenschieberin Lepa, Frau des Geheimen Justizralö Dr. Lepa, in Charlottenburg, beschäftigt sich die „Deutsche Tageszeitung" in recht gallischen aber angebrachten Bemerkungen: „Als die Sache allzu bunt wurde, ging die Frau Geheim- rar in bas Lankwitzer Sanatorium, und sie ließ sich nur noch mit einer Krankenschwester sehen. Jedoch der Staatsanwalt war von einigen Leuten der „ersten" Gesellschaft, die sich allzu heftig „geueppt" fühlten, auf die Kranke aufmerksam gemacht worden, und die weitere Verhandlung der Sache spielt sich jetzt für die Hauptbeteiligten hinter schwedischen Gardinen ab. Die Frau Geheimrat macht aber auf den bekannten § 51 Anspruch: der „bös e Geist" in Gestalt der Tochter des Gebhardt soll auch bereits da sein; — man braucht also auf die weitere Entwicklung nicht besonders neugierig zu sein. Erfahrungsgemäß geht alles seinen richtigen Gang. Der Gatte der unternehmungslustigen Frau hat sich inzwischen vom Amt entbinden lassen, und seine Frau wohnt getrennt von ihm in der Schwäbischen Straße, in Berlin, die unter Kundigen als ein Sammelbecken für Schieber bekannt ist."
Einzelheiten aus dem Treiben der Lepa lassen sicher einen ganz großen Zug erkennen, obgleich alles in ihrem Sinne dargestellt wird und die Geldgeber allein die Schuldigen sein sollen. Der eine der Geldgeber der Frau Dr. Lepa verlangte für 130,000 Mark, die er einschoß, 450,000 Mark zurück, und das für einen ganz kurzen Zeitraum. Aehnlich liegen andere Fälle. Ein anderer Geldgeber schoß 60,000 Mark ein und verlangte und erhielt die Zusicherung dafür, nach kurzer Zeit weit über das Doppelte der Einlage zurckzuerhalten. Erhalten haben aber alle nichts. Durch diese Habgier werden natürlich die Schwindeleien der eigentlichen „Unternehmer" nicht entschuldigt.
± Ein ungetreuer Postsekrctär. Unter schweren Beschuldigungen stand ein seit 30 Jahren im Dienste stehender Postsekretär, ein Mann in guter Vermögenslage, vor dem Hamburger Schöffengericht. Nach den Behauptungen eines Postschaffners und einiger ihm ebenfalls untergeordneter Hilfsbeamtinnen soll der Sekretär sich ein Postpaket angeeignet sowie bei der Entleerung der Postauromaten einiges Nickelgeld in die eigene Tasche gesteckt haben. Als er von dem Postschaffner bei der Wegnahme des Postpaket» beobachtet worden war, soll der Beschuldigte diesem 1000 Marl und eine lebenslängliche Rente zugesichert haben. Der Beschuldigte stellte sämtliche Anklagepunkte in Abrede. Nach einer sehr eingehenden Zeugenvernehmung wurde er der Unterschlagung des einen Pakets und der Beamtenbestechung schuldig befunden und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.


