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Nr. 69.
Telephon Nr. 362.
Samstag, den 10. August 1918.
Telephon Nr. 362.
31. Jahrg.
Paris wird ans deutschen Geschützen weiter beschossen.
37 666, «. 25669 Br.-R -T. = zusammen 82666 Br -R.-T. versenkt.
Zur militärischen Lage im Aesten.
Genf, 7. Aug. Nach den zuletzt eingegangenen Pariser Meldungen dauerten auch im Laufe des Mitt- wuchs die Fernbeschießungen auf Paris fort. Einzel, heiten über die Beschießung dürfen weder in Pariser noch in auswärtigen Blättern veröffentlicht werden.
Paris, 8. Aug. Die Beschießung der Gegend von Paris dauert an.
Zürich, 9. Aug. Der „Corr. della Sera" meldet aus Paris: Die einfallenden deutschen Geschosse sind jetzt von schwarzem Rauch umgeben, während flüher weißer Dampf wahrzunehmen war. Die Pariser Ost- bezirke sind durch die letzte Fernbeschießung außerordent- lich schwer betroffen.
Amtliche deutsche Cagesbericbte.
wtb. GroßeSHauptquartier, 7. Aug. 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Die Gefangenenzahl aus den gestrigen Kämpfen nördlich der Somme hat sich auf 280 erhöht. Ein englischer Gegenangriff südlich der Straße Brayc—Corbte brach vor unseren neuen Linien zusammen. Die Ec- kundungsiätigkeit war beiderseits der LyS und an der Avre besonders rege. Nordwestlich von Montdidier kam ein feindlicher Terlangriff in unserem Feuer nicht zur Entwicklung.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
In den Morgenstunden Teilkämpfe an der Vrsle. Oestlich von Fismes machten wir beim Vorstoß über die Vesle Gefangene. Am Abend heftiger Feuerkampf, dem beiderseits von Braisne und Bacoches starke feindliche Angriffe folgten Sie wurden teilweise im Feuer, an einzelnen Stellen im Gegenstoß abgewiesen.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
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Berlin, 7. Aug., abends. Von der Front nichts Neues.
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Berlin, 7 Aug. Eines unserer U-Boote, Kommandant Kapitänleutnant v. Schräder, beschädigte an der Nordküste Irlands den stark gesicherten Dampfer „Justicia" von 32120 Brutto Reg.-To. durch mehrere Torpedotrcffer so stark, daß das Schiff am folgenden Tage durch das vom Oberleutnant z S. v. Nuckteschell befehligte U-Boot trotz Bedeckung durch 18 Zerstörer und 16 Fischdampfer endgültig vorsenkt werden konnte. Infolge sehr ähnlicher Bauart wurde das Schiff zunächst irrtümlich für den früheren deutschen Dampfer „Vaterland" gehalten.
Das U-Boot schoß außerdem noch 2 große Dampfer, davon einen vom Typ „Fcanconia" (18000 Bc- Reg.'T.) aus stark gesicherten Geleitzügen an der Westküste Englands heraus, insgesamt rund 57 000 Br.- Reg.T.
Der Chef des Admiralstabcs der Marine.
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wtb. Großes Hauptquartier, 8. Aug. 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Beiderseits der LyS schlugen wir englische Teilvorstöße zurück. Nördlich der Somme führte der Feind heftige Gegenangriffe gegen unsere neuen Linien beiderseits der Straße Braye—Corbte. Sie wurden abgewiesen. Während der Nacht zeitweilig auslebende Artillecietättg- keit und Erkundungsgefechte. Westlich von Montdidter scheiterte ein Teilangriff der Franzosen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Zwischen Soissons und Reims lebte der Feueckampf nur vorübergehend aus. Kleinere Jnfanterükämpse an der Aisne und Vesle und nördlich von Reims.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
In den Vogesen erfolgreicher Vorstoß in die feindlichen Linien am Schratzmännele.
Leutnant Freiherr v. Boerigk errang seinen 20. Luftsieg.
Der Erste Generalquarttermeister: Ludendocff.
Berlin, 8 . Aug., abends. Angriff der Engländer l zwischen Ancce und Avre. Der Feind ist in unsere I Stellungen eingedcungen.
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Berlin, 8. Aug. In der Nacht vom 5. zum 6. August hat der so oft erfolgreiche Führer unserer Luftschiffangriffe Fregattenkapitän Straffer mit einem unserer Luftschiffgeschwadec erneut die Ostküste Mittelenglands durch gut wirkende Bombenangriffe besonders auf Boston, Norwich und die Befestigungen an der Humbermündung schwer geschädigt. Wahrscheinlich fand er dabei mit der tapferen Besatzung seines Fühcer- schiffs den Heldentod. Alle übrigen an dem Angriff beteiligten Luftschiffe sind trotz starker Gegenwirkung ohne Verluste und Beschädigungen zurückgekehct. Nächst ihrem bewährten gefallenen Führer sind an dem Erfolge besonders beteiligt die Luftschiffkommandanten Korvettenkapitän der Reserve Proelß, KopitänleutnantS Laeschmar, Walter, v. Freudenreich und Dose mit ihren braven Besatzungen.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
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Berlin, 8. Aug. Im Sperrgebiet um die Azoren und westlich Gibraltar wurden neuerdings wieder 5 größere Dampfer und 1 Segler von insgesamt rund 25 000 Bruttoregistertonnen versenkt. — Die Ladungen waren zum Teil besonders wertvoll. Mit einem der Dampfer ging neben 370 To. Munition gemünzt.s englisches Regierungsgeld im Werte von */* Million Mark unter.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
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wtb. Großes Hauptquartier, 9. Aug. 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Zwischen Iser und Ancre lebhafte nächtliche Artillerie- tätigkeit. Südwestlich von Ipern und südlich der Lys folgten stärkstem Feuer feindliche Teilangriffe, die abgewiesen wurden.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Zwischen Ancce und Avre griff der Feind gestern mit starten Kräften an. Durch dichten Nebel begünstigt, drang er mit seinen Panzerwagen in unsere Infanterie- und Artillerie Linien ein. Nördlich der Somme warfen wir den Feind im Gegenstoß aus unseren Stellungen zurück. Zwischen Somme und Avre brachten unsere Gegenangriffe den feindlichen Ansturm dicht östlich der Linie Morcourt—Harbonnieres— Caix—Fcesnoy—Con- toire zum Stehen. Wir haben Einbuße an Gefangenen und Geschützen erlitten. Durch Gefangene, die wir machten, wurden Engländer mit australischen und kanadischen Hilfskorps, sowie Franzosen festgestellt.
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lieber dem Schlachtfelde schossen wir 30 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Loewer.hardt errang seinen 49., 50. und 51., Leutnant Udet seinen 45., 46. und 47., Leutnant Frhr. v. Richthofen seinen 33., 34. und 35., Leutnant Kroll seinen 3!. und 32., Oberleutnant Billik seinen 29., Leutnant Koennccke seinen 23., 24. und 25 und Leutnant Auffarth seinen 20. Luftsieg.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
In einzelnen Abschnitten der Vesle lebte die Artillerietätigkeit auf. Erfolgreiche Teilkämpfe beiderseits von Braisne und in der Champagne westlich von Sonain.
Der Erste Generalquartiermeistec: Ludendocff.
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Berlin, 9. Aug, abends Zwischen Somme und Avre setzt der Feind seine Angriffe fort.
vle Eandwirte gegen das ZwatigMieni.
Der Vorstand des Bundes der Landwirte erläßt eine Erklärung mit dringenden Forderungen gegen das bisherige Zwangssystem. Die Landwirte würden auch künftig wie bisher alles daransetzen, daß wir durchhielten, aber das System, das gemäß freisinnigen und sozialde mokcatischen Wünschen uns in den Zustand des sozia. ! listischen Wictschastszwangsstaates gebracht habe, erbit I tere. Die Landwirtschaft wolle gehört werden. Statt
nach dem Antrag Roesicke abzubauen, wolle man dem Landwirt auch noch die Selbstversorgung nehmen. Der Landwirt sinke herab zum Kostgänger des Reiches. Das erdrossele die Erzeugung. Der Bund erhebt folgende Forderungen:
1. Bessere Abhilfe gegenüber dem Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft; 2. Bereitstellung großer Mengen Dügemittel; 3. Freigabe des Hinterkorns; 4 bei Viehbeschlagnahme Rücksicht auf Milch-, Zucht- und Spannvieh, entsprechende Erhöhung der Schlachtviehpreise; 5. schnellere Bezahlung; 6. Rücksicht auf örtliche Verhältnisse bei der Zwangserfaffung der Milch und zutreffende Preisbemessung; 7. weniger schablonenhafte Behandlung der Heu- und Stroherfassung; 8. Freigabe leichtverderblichec Nahrungsmittel (Eier, Obst, Gemüse) für den freien Handel; 9. Wegsall der ehrenrührigen Haussuchungen, die es dahin bringen, daß dem Landwirt alle Winkel und Ecken seines Besitzes durchsucht werden, ohne Gewährung deS Schutzes, den die übrige Bevölkerung sonst für sich genießt.
Die Anfrage Dc. Roestckes im Reichstag zusammen mit den Herren Dc. Böhme, Herold, Dc. v. Hiydebrand, Frhr. v. Kerckerinck zur Borg, Dc. Matzinger, Dr. Rtesser, D. Dc. Graf v. Schwerin, Dc. Siresemann, Graf v. Westarp, Weilnböck, also Mitglieder verschiedenster Parteien im Reichstag, zeige die weilverbcettete Verurteilung der- artiger Durchsuchungen. Es widerspreche jedem gesunden Menschenverstand, wenn der Kciegerfcau auf dem Lande durch Einziehung aller Arbeitskräfte zum Heere die Wirt- schaftssührung unendlich erschwert wird, darin aber noch Soldaten zu solchen Polizeidienften frei seien. Warum würden solche Haussuchungen nicht in den Städten bei den Kriegswucheiern, Kriegsgesellschaften und allen des Hamsterns verdächtigen Personen vorgenommen? Der Lauer habe jetzt das erbitternde Gefühl, daß er allein im Reich unter dem Druck von Ausnahmegesetzen stehe. So wie jetzt könne es nicht weiterg<hen, wenn nicht unermeßlicher Schaden angerichtet und unser Durchhalten trotz allen Siegen in Frage gestellt werden solle.
Der verblutende Mittelstand und sein Wiederaufbau.
(Schluß des Artikels aus Nr. 65)
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Schließlich ist die Durchführung nachstehender dringlicher Aufgaben in die Wege zu leiten:
1. Zur Steuerung der Handwecksflucht unserer schulentlassenen Jugend ist unter Mitwirkung der Volksschul- lchcec und durch Bereitstellung angemessener staatlicher Mittel, der Berufsberatung und Lehrstellenvermittelung erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden.
2. Zur Stärkung unserer Volkswirtschaft ist planmäßig darauf hinzuwirken, daß für Hebung der besten Feinarbeit im Handwerk geeignete künstlerische und kunstgewerbliche Kräfte bei entsprechenden Aufträgen zur Anfertigung mit hecangezogen werden.
3. Die sogenannten Kciegsnotgesitze (Bestimmungen über Zwangsversteigerungen, Stundung von Miets- und Hypothrkenzins, über die Wecheselsristen usw.) müssen in den Frieden übernommen werden, zur Schonung der aus dem Felde heimkehrenden Gewerbetreibenden.
4 Auf grund der BundeSratsverordnrnz vom 4. Au- gust 1914 oder durch besondere ceichsgesetzltche Regelung ist ein „Güteverfahren" einzurichten, wodurch den durch den Krieg geschädigten Handwerkern eine wirtschaftlich erträgliche Abbürdung der nachweisbar durch den Krieg entstandenen Schuldinlastcn ermöglicht wird, insbesondere Wohnungs-, Werkstatt- und Ladenmieten. Waren-, Betriebs , Hypotheken- und Kapitallasten usw. nebst ausgelaufenen Zinsen.
Zeritrirursanträge gttttt Sch nt; e des gewerblichen Mittelstandes.
In der Sitzung der Kommission für Handel und Gewerbe des Abgeordnetenhauses vom 23. Januar 1918 wurde die zweite Gruppe der Anträge Dr. Bell u. Gen. betr. die Uebergangswirtschaft, nachdem der aus das Tätigkeitsgebiet der Kriegshilfskassen gerichtete erste Teil in der Sitzung vorher einstmmig angenommen worden war, einer eingehenden Beratung unterzogen. Die


