Ausgabe 
7.8.1918
 
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Wie i». Eichhorn ermordet wurde.

ImHambuiHer Fremdenblatt" berichtet ein A u g e n z e u c\ e der Ermordung des Generalfeldmar­schalls v. Eichhorn:

Während der Marschall sich seinem Hanse näherte, stand ein elegant gekleideter junger Mann auf der mit­tagsleeren Straße. Er war mit einer Droschke angefah­ren gekommen, v. Eichhorn und sein Begleiter waren vorbeigegangen, als Plötzlich ein außerordentlich schar­fer Knall die Luft durchschnitt. Der Attentäter hatte eine zylinderförmige Bombe, die so klein war, daß er sie in der hohlen Hand verborgen halten konnte, geworfen. Sie war mit einem äußerst starken brisanten Sprengstoff gefüllt und besonders für diesen Zweck in Moskau angefertigt worden. Ein von einer Fenergarbe begleiteter Regen von Splittern über­schüttete den Marschall und seinen Adjutanten. Die Bombe war unmittelbar hinter des letzteren Füßen aufgeschlagen und zerschmetterte ihm beide Beine, so daß er über und über mit Blut bedeckt war. Die Verletzung des Feldmarschalls erfolgte haupt­sächlich in der rechten Seite und sah weniger schlimm aus. Unter den ersten am Tatort Erschienenen war der H et man, der der Feldmarschall umfing und im warmen Gefühlsausbruch küßte. Der Mörder'suchte zu fliehen. Tie Wache, vor deren Augen der Bomben- wurf erfolgte, feuerte mehrere Gewehrschüsse, wor­auf dann die Verhaftung erfolgte. Die Feststellung, daß es kein Ukrainer war, wurde in der Stadt mit Genugtuung festgestellt.

Ereignisse zur See.

N-Goot-Beute.

(Amtlich.) V e r l i n , 3. August. Im Sperrgebiet westlich England fielen weitere 13000 Brnttoregister- tonnen der Tätigkeit unserer U-Boote zum Opfer.

. Ter Chef des Admiralstabes der Marine.

Die Unmöglichkeit der nettseeländischen Ausfuhr.

Nach Mitteilungen, die der Ministerpräsident von Neuseeland Ende April 11) 18 der Handelskammer in Wellington laut Lloyd List. 24. 6., gemacht hat, warten in Neuseeland auf Verschiffung nicht weniger als 3,27 Millionen gefronene Tierkörper von je 27,24 Kilogr. Gewicht. 600 030 Ballen Wolle, 172 318 Kisten Butter zu 25,42 Kilogr. die Kiste, 305 768 Kisten Käse zu 08 Kilogr. die Kiste, 57 518 Fässer Talg, 42 058 Ballen neuseeländischer Hanf und 18 822 Ballen Werg. Ende Süll beträgt der Vorrat an Gefrierfleisch voraussicht­lich 4 Millionen Tierkörper.

Ter Wert der Erzeugnisse, welche auf die Ver­schiffung warten und zum großen Teil auf Rechnung der Reichsregierung verwahrt werden, übersteigt 489,6 Millionen Mark und kommt dem Wert einer normalen gahresausfuhr gleich.

Politische Rundschau»

Der Reichstagsabgeordnete Tr. Pfleger, der Marine- sachverständige des Zentrums im Hauptausschuß und Mit­glied der Vaterlandspartei, wird am 1. Oktober als Beirat bei der deutschen Zivilverwaltung in Belgien ins Amt treten an Stelle des Universitätsprofessor^ Geh. Rats Dr. Beyerle.

*

u Verräter, die des Volkes Rot ausnutzen. In der Schlußsitzung der bayerischen Reichsratskammer äußerte sich Kriegsminister v. Hellingrath über die Un- beirrtheit des deutschen Volkes, das sich im felsen­festen Vertrauen auf tzindenburg mit der unvermeid­baren Verzögerung der endgültigen Kriegsentscheidung abfinde. t Die Ueberlegenheit unseres härteren und stär­keren Willens wird uns den Sieg bringen.

Weiter sprach der Minister über jene Volksge­nossen, die in dieser schweren Zeit Sonderinteressen selbständig verfolgen:

Nichts wirtt abträglicher auf die Geschlossen­heit und Einheit des Willens, als die Empörung gegen einzelne, die aus der gemeinsamen Not des Volkes Nutzen ziehen und sich ihrem Anteil an den Opfern de§*Volksgauzeu entziehen. Wer daran Mit­wirken will dem Volk den stahlharten Willen zum wei­teren Aushalten bis an ein glückliches Ende zu erhal­ten, muß auch mitkämpfen gegen die, welche ans der Konjunktur der Kriegsverhältnisse persönlichen Vor­teil zu ziehen trachten, gleichgültig auf welchem Gebiet. Wer für eigelle Sonderinteressen arbeitet, der arbeitet gegen die Gesamtheit des Volkes und gegen die Ein­heit des Willens die uns bitter not tut in schwerer Zeit, in der aber auch die sichere Gewähr liegt für die Erreichung einer besseren Zeit."

:: Zoll und Seuchenschutz auch Oesterreich gegen­über. Der bayerische Minister des Innern v. Brett­reich trat in der Neichsratskammer den bayerischen Bedenken wegen der geplanten engeren wirtschaftlichen Verbindung mit Oesterreich-Ungarn gegenüber. Er sagte:

Die Salzburger kommissarischen Verhandlungen sollen demnächst fortgesetzt werden. Die Regierung be­steht darauf, daß bei den sachlichen Verhandlungen Bayern das Recht der Beteiligung zugestanden wird. Die Negierung hält an der wiederholt bekundeten Auffassung fest, daß der der bayerischen Landwirtschaft notwendige Zoll- und Seuchenschutz auch Oesterreich- Ungarn gegenüber erhalten bleiben muß. Bestrebun­gen, die sich dagegen richten, würden auf entschiedenen Widerspruch der bayerischen Regierung stoßen."

:: Zur Kleiderbestandsausuahme. Gegenüber laut gewordenen Befürchtungen teilt die Reichsbekleidnngs- stelle mit. daß an die Ehefrauen der im Felde stehen­den HeereFangehörigen die Kommunalverbände eine Aufforderung zur Anzeige des Bestandes der Anzüge ihrer Ehemänner nicht ergehen lassen dürfen.

:: Beamtcu-Kriegsfürsorge. Zllrzeit schweben Er­wägungen, in welcher Form den Reichs- und Staats­beamten weitere Beihilfen gegen die steigende Teuerung gewährt werden sollen. Es bestand die Absicht, an Stelle von Geldzuwendungen die Beamten in ähnlicher Weise wie andere Gruppen der Bevölkerung mit Le­bensmitteln, Kleidung usw. zu versorgen. ' Die Ab­sicht mußte jedoch nach Fühlungnahme mit den zu­ständigen Reichsstellen aufgegeven werden. Voraus­sichtlich wixd die erneute Kriegsfürforge für die Be­amten in Form einer einmaligen Zulage gewährt Werden.

:: Eine AusmietunK zurnckaeilominctt. Der 'Enk- rüstungssturm gegen die Behörden, die in der Zeit der Wohnungsnot ganze Großstadthäuser ansmieten, um für srch Bureauräume zu schaffen, hat in einem Falle zu einem Erfolg geführt. Die Reichsbekleidungs­stelle hat ihre Absicht, ein Haus in der Prager Straße in Berlin zu mieten, aufgegeben. Wenn die Absicht verwirklicht worden wäre, hätten 18 Mieter auf die Wohnungssuche gehen müssen.

Schweiz: Tic Rhein-Schiffahrt.

; Ein Artikel derNeuen Zürcher Zeitung kommt auf die Frage der freien Schiffahrt Straßburg-Basel zurück und bedauert, daß Deutschland der schweizerischen Forderung der Freihaltung des Rheines von Stauwehren nicht zu entsprechen gewillt sei.Die Hemmung der Nheinschiffahrt als welche die Schiffahrt anzusehen sei, könne für Deutsch­land ein zweischneidiges Schwert werden. Man müsse sich immer wieder fragen, ob Deutschland wünsche, daß sich die schweizerische Verkehrspolitik nach dem Mittelmeer richte."

Selbstverständlich wünscht auch Deutschland die Ver­ständigung mit der Schweiz in dieser Frage und wir glauben nicht, daß die Gegensätze so scharf sind, wie diese schweizer. Stimme es vermeint.

Grotz-Nnßlaird: Klasse bei der Brotvateilung.

* Aus Petersburg kommende Finnländer berichten: Die Lebensmittel seien dort furchtbar. Seit dem 1. Juli sei die Bevölkerung in vier Klassen eingeteilt. Die erste Klasse ist die der Arbeiter, die täglich ein halbes Pfund Brot und jeden zweiten Tag ein Pfund Fleisch oder Fisch erhalten, die zweite Klasse besteht aus Arbeiterfrauen und er,haltenPersonen mit leichter Arbeit, sie erhalten täglich ein viertel Pfund Brot und jeden zweiten Tag.ein viertel Pfund Wurst; die dritte Klasse ist die der Wohlhabenden, die jeden zweiten Tag ein, viertel Pfund Brot und Wurst erhalten. Die Mitglieder der vierten Klasse, zu der die reichen Hausbesitzer gehören, erhalten täglich ein sechstel Pfund Brot. Der Brotmangel ist aber so groß, daß die zweite und dritte Klasse nur die Hälfte und die vierte Klasse fast gar nichts bekommt. Täglich sterben Hunderte durch Hunger und Cholera.

Dieselben Leute, die früher nach Gleichheit und Freiheit schrien, geben sich jetzt als die schlimmsten Bedrücker und die ungerechtesten Verteiler des Allgemeinguts.

Aus aller Well

A Ratschläge über Ratschläge wirbeln seit KriegSbeginn um die Köpfe der Landwirte, und es muß leider gesagt werden, daß in der berufenen Fachpresse manches ange­raten wurde, was unsinnig war. So wurde 1917 lebhaft Propaganda geinacht für das Abschneiden des Kartoffel­krautes im Juli und dessen Verwendung als Futter. Zu dieser auch dieses Jahr wieder ausgetauchten Anregung schreibt man unö:Ich habe im vorigen Jahr auf Grund dieser Erörterung an vier verschiedenen Kartosselsorten mit je 20 Pflanzen mitten in den Feldern einen Versuch ge­macht; es war gegen Mitte Juni. Alle Sorten hatten bereits einen guten Stand erreicht. Bei der Ernte wurden diese vier Versuchsfelder einzeln abgeerntet, und ebenso um jedes herum der Reihe nach je gleich viel, also 20 Pflanzen. Dabei ergab sich ein geradezu niederschmetterndes Ergebnis für die Entlauberidee: das Verhältnis zwischen Entlaubten und Nichtentlaubten stellte sich aus 1) 14: 18, 2) 15: 20, 3) 10:20 Pfund für je 20 Pflanzen. ES handelt sich um Lehmboden in gutem Kulturzustande, dem zurzeit frei­lich der Kunstdünger fehlt!" Man wird bei solchen Er­gebnissen eifrig angepriesener neuer Methoden den Land­wirten wahrlich nicht verübeln dürfen, wenn sie auf jede Anregung nicht mit Begeisterung sofort reagieren.

A Fang von Krammetsvögcln. Wie in den beiden Vorjahren ist auch in diesem Jahre den Landeszentralbe­hörden durch das KriegSernährungSamt die Ermächtigung erteilt worden, in der Zeit vom 21. September bis zum 31. Dezember 1918 den Fang von KrammetSvögeln im Dohnenstieg zuzulassen. Maßgebend hierfür war die Er­wägung, die Krammetsvögel zur Verbesserung der knappen Fleischversorgung in möglichst großem Umfang der mensch­lichen Ernährung nutzbar zu machen. Gewissen Bedenken, die mit Rücksicht auf den Schutz der heimischen Cingvögel- welt gegen die Maßnahme sprechen, ist nach Möglichkeit dadurch 'Rechnung getragen, daß die Zulassung des Dohnen- stiegs auf eine Jahreszeit beschränkt bleibt, in der sich nistende Singvögel in Deutschland nicht mehr aufzuhalten pflegen.

A Landwirtschaft und Altklcidcrsammlnng. In den

Kreisen der Landwirtschaft ist mehrfach die Meinung ver­breitet. daß bei der Reichs-Altkleidersammlung die land­wirtschaftlichen Arbeiter nicht genügend berücksichtigt wür­den. Diese Ansicht ist irrig. Die Landwirtschaft ist an der gesamten Sammlung mit einem Drittel beteiligt. Ihr fließt also nicht nur der dritte Teil der gesamten Altkleider, svnderlt auch der gleiche Anteil an neuen Anzügen und an unigeänderten Uniformen zu. Hieraus ergibt sich ohne weiteres, daß die Behauptung hinfällig ist, daß die Land­wirtschaft die Kleidung für die NüstungSarbeiter beschaf­fen müsse.

A Verbot von Waschmittel«. Die ReichSbekleidungs- stelle macht deshalb den Wäschereien aufs nachdrücklichste die schonende Behandlung der Wäsche in ihren Betrieben unter strengster Beaufsichtigung ihrer Angestellten zur Pflicht. Um zum mindesten die Gefahr der chemischen Zer­setzung der Gewebe abzuwenden, hat sie die Anwendung bestimmter ätzender Stoffe bei der Reinigung der Wäsche in gewerblichen Wäschereien verboten und auf die Gefahr strenger Bestrafung mit Gefängnis und Geldstrafen, neben denen auch die Anordnung der Veröffentlichung der Straf­urteile zulässig ist, bei Zuwiderhandlungen hingewiesen. Es dürfen die verbotenen Chemikalien nur zur Anwendung gelangen, wenn sie als Bestandteil der voin Ueberwachungs- auSschllß der Seisenindustrie beziehungsweise vom KriegS- anSschutz für pflanzliche und tierische Oele und Fette ge- nehmigten Waschmittel gebraucht werden. Das Verbot be­trifft alle Aetzalkallen, ferner Aetzkalk, Mineralsäuren und deren saure Salz, Alaun und andere Alumintumsakze, Natriumpersulfat, Natriumsuperoxyd und Caleiumsulfat und Magnesiumchlorid als Bestandteile von Stärkeersatzmitteln.

** Versuchter Schcckschwindcl. Ein unbekannter Manu erschien in der Wechselstube einer Berliner Großbank und legte einen Scheck über 100 000 Mark vor, der zu Lasten einer hiesigen Großfirma ausge­stellt war. Der Kassierer hatte Bedenken wegen der Höhe der Summe und sah sich den Scheck sehr genau an. Während er noch mit seiner Prüfung beschäftigt

war, trat der Kassenbote der Großfirma ein. Der Kas- Nerec zeigte ihm den Scheck, und auch er wunderte NW über die Höhe des Betrages. Während die beiden sich über die mutmaßliche Fälschung unterhielten, ge­lang es dem Manne, unbemerkt zu verschwinden. Die genauere Prüfung des Schecks bestätigte den Verdacht der Fälschung.

** Schweinefleisch als Lockmittel. Ein unbekann- ter Mann veranlaßte den Arbeiter Stubenrauch von Oberndorf, mit ihm aufs Feld bei Bergrheinfeld zu gehen dort habe er einschwarz" geschlachtetes Schwein versteckt, das sie zusammen holen wollten. Als sie dort angelangt waren, gab der Fremde mehrere Schüsse auf Stubenrauch ab so daß dieser bewußtlos zusam- mensturzte; erst am anderen Morgen wurde er auf­gefunden. Geraubt wurden ihm etwa 80 Mark Der Täter ist noch nicht ermittelt.

** Nachtszene in einer Fiirsorgcanstalt. In der Bezrrksanstalt Lichtenstein erschlug in der Nacht zum Dienstag der Korrektionär Rosenbaum den Korrektio- nar Kopzek mit einem Beil, welches er am Tage in den Schlafsaal gebracht hatte. Als ein anderer Korrektionär, der bei der Mordtat erwacht war, dem Aufseher klingeln wollte, wurde er ebenfalls mit Er­schlagen bedroht, weshalb sich keiner Per sechs Kor- rektionäre zu klingeln getraute. Erst am Morgen, als der Aufseher den Erschlagenen sah, konnte der Mörder festgenommen und dem Amtsgericht zugeführt wer­den. Der Grund zur Tat ist unbekannt.

** Tie erste Nacht in der Heimat. 20 deutsche Rückwanderer sind in Riddagshausen eingetroffen. Die Leute kamen aus Sibirien und trafen in später Nacht­stunde in Riddagshausen ein, so daß keine Unterkunft mehr für sie beschafft werden konnte. Sie mußten die erste Nacht in der Heimat im Freien schlafen. Am nächsten Tage wurden die Leute bei einem Land­wirt untergebracht, bei dem sie auch alle in Arbeit getreten sind.

** Eine Stadt ohne Mehl und Brot. Seit einigen Wochen ist in Hildburghausen oftmals bei keinem Bäcker Brot und Mehl mehr zu haben. Hieran trifft aber weder die städtische Verwaltung, noch den Kom­munalverband die Schuld, da sie rechtzeitig ihre Be­stellungen bei der in Betracht kommenden, 'leider sehr entlegenen Mühle aufgegeben habe». Lediglich die ver­spätete Wagengestellung seitens d?c Bahn ist schuld. Vorräte dürfen sich die Städte nicht hinlegen, so daß nun die Bevölkerung darunter leiden muß, wenn öffentliche Verkehrsmittel versagen.

Kleine Neuigkeiten.

* In einer der letzten Nächte sind durch Bubenhände an der Kirche in Silstedt fünf Fenster mehr oder weniger zerstört worden, darunter eines mit einer uralten Glas­malerei, den heiligen Nikolaus darstellend. ES hatte ge­schichtlichen Wert, denn eS stammte aus den Anfängen der deutschen Glasmalerei^

* In der Gemeinde Berghausen stahlen zwei 17 bis 18 Jahre alte Burschen einem kleinen Bauern, der mit Familie im Heu war, über 3000 Mark. Die gelähmte Großmutter mußte vom Bett aus zusehen, ohne den Dieb­stahl verhindern zu können.

Gerichtssaa!»

ifc Billig vavongckommen. Wegen Schleichhandels mit Eiern und Butter hatte der Großschlächtermeister Oskar GusravuS in Landsberg einen richterlichen Strafbefehl in Höhe von drei Monaten Gefängnis erhalten. Gegen diesen Strafbefehl hatte er Widersprach erhoben. Zu seiner Ver­teidigung führte der Angeklagte in der Schösfengerichts- verhandlnng aus, daß er die auf dem Bahnhof beschlag­nahmten Pakete mit Eiern und Butler zur Beförderung nach Berlin von einem Manne erhalten hätte, der ihm wohl bekannt sei, dessen Name er aber vergessen habe. Für seine Bemühungen Hütte er 10 Mark erhalten. Tie Pakete seien von einer Frau, der er 1 Mark gegeben hätte, zum Bahnhof gebracht morden. Nachdem vom Amts­anwalt drei Monate Gefängnis beantragt waren, führte der Verteidiger des 'Angeklagten aus, daß mau dem Ange­klagten, selbst wenn man ihm auch nicht glauben wolle, Schleichhandel nicht Nachweisen könne. Das Gericht ver­urteilte den Angeklagten auch nur wegen Beihilfe zum Schleichhandel zu 900 Mark Geldstrafe .

Volkswirtschaftliches.

H Tie deutschen Sparer. Wie zu erwarten war, hat auch der Monat Juni den Sparkassen einen starken Zufluß an Kapital gebracht. TieSparkasse" berechnet ihn auf 350 Millionen Mark gegen 200 bezw. 110 im Juni der beiden Vorjahre. Der gesamte Zuwachs seit dem Beginn dieses Jahres hat sich damit (ohne die Abschreibung der Zeichnungen auf die achte Kriegsanleihe) auf nicht weniger als 3650 Millionen Mark erhöht, gegen 1860 bezw. 1575 Millionen Mark in der gleichen Zeit des Vorjahres.

$ Tie ljoljcit Löhne Da Rüstnngsarbctter sind in aller Mund. Dem gegenüber unternimmt es jetzt oer deutsche Metallarbelterverband, den Nachweis zu liefern, daß in der Hauptsache von den NüstungSarbeitern auch heute noch zu wenig verdient werde. Er macht zu dem Zwecke eine Statistik auf. Es ergaben sich für sämtliche an dieser Er­hebung beteiligten Männer folgende Wochenverdienste:

158,477 gleich 31,1 Prozent verdienen unter 50 Mark,

224,083 gleich 43,9 Prozent verdienen 50 75 Mark,

113,956 gleich 22,4 Prozent verdienen 75 100 Mark

und 13,429 gleich 2,6 Prozent erreichen Verdienste von über 100 Mark.

Tie Wochenverdienste der 259,061 beteiligten Arbeite­rinnen betragen: 3764 1215 Mark, 13,031 1518 M., 6995 18-20 Mark, 13.513 2022,50 Mark, 17,463 22,50 bis 25 Mark. 48,729 25-30 Mark, 28.851 30-35 Mark, 51,164 35-40 Mark, 63,882 4045 Mark. 15.628 45 bis 50 Mark, 5517 50-60 Mark und 524 über 60 Mark. Stundenverdienste von 175 Pfg. und darüber sind nur für Berlin und einige Orte der Provinz Brandenburg

festgestellt worden und zwar für 21,226 Arbeiter. Ange- nommen die Statistik habe eine allgemeine Giltigkeit, obwohl sie ja längst nicht alle Betriebe umfaßt und gerade die Höchstverdiener die Neigung haben werden, sich der Sta­tistik zu entziehen, so ist doch festzustellen, daß weite Kreise des selbständigen Mittelstandes, der freien Berufe, nicht zuletzt der Angestellten und Beamten in ihren Einkommens- Verhältnissen an die hier festgestellten Durchsnchittslöhne der Metallarbeiter nicht heranreichen und wenig Verständnis für deren Ruf nach höheren Löhnen haben.