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Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.
Expedition: Züdanlage 21.
Telephon.Nr. 362.
Samstag, den 3. August 1918
Telephon
Jahrg.
Die GesaMtvcrluste unserer Feinde zu Anfang des 5. KriegsjaÄres.
Die feindliche Grotzoffenfive im Westen ohne Erfolg abgeflaut.
IS 13000 «. 16000 Br.-R-T. = zusammen 48000 Br.-R.-T. versenkt.
Aus dem amtlichen Kreisblatt.
Der Staatssekretär des Kriegsernährungsamts, 15. 7. 18: Beiordnung über die Regelung des Verkehrs mit Käse, O.uark, Molkcneiweiß und ähnlichen Erzeugnissen.
Reichsstelle für Speisefette, 18. 7. 18: Anordnung für Speise ' fette zu der Verordnung über die Regelung des Verkehrs mit Käse etc.
Ministerium des Innern, 22. 7. 18: Zur Regelung des Verkehrs mit Käse etc. wird für Hessen die Landeö-Milch- und Fettstelle in Darmstadt bestimmt. ,
Kreisamt Gießen, 27. 7. 18: Nach Bekanntmachung des Grotzh. Ministeriums des Innern werden keine Fleischmarken auögegeben, für die Wochen vom 19. bis 25. Aug., vom 9. bis 15. Sept., vom 30. September bis 6. Oktober und vom 21. bis 27. Oktober. Für die Zulagen der Kranken, der Schwerarbeiter, Schwerstarbeiter gilt diese Bestimmung nicht.
Kreisamt Gietzen, 27. 7. 18: Der Kleinhandelshöchstpreis für
Kartoffeln ist mit Wirkung vom 1. August auf 13 Pfg. das Pfund festgesetzt.
Stellvertretende Generalkommando 18. A.-K., 1.8. 18: Bekanntmachung betr. Beschlagnahme, Bestandserhebung und Höchstpreise von Leichtöl, Rohbenzol, Benzol, Toluol, Benzin und sonstigen benzol- oder benzinartigen Körpern.
Grotzh. Staatsschuldenkasse Darmstadt, 15. 7. 18: kostenfreie Ausgabe neuer Zinsscheinbogen zu Schuldverschreibungen der 4 proz. Staatsanleihe vom 1. Juni 1908.
Kreisamt Gietzen, 29. 7. 18: Rationierte Lebensmittel sind an Kriegsgefangene nicht abzugeben.
Kreisamt Gietzen, 26. 7. 18: Die Tagegebühr für Bauschatzcr beträgt 12,— Mark.
Ministerium des Innern, 27. 7. 18: Verkehr mit Wild und Ablieferungspflicht für Jagdberechtigte.
Landes-Heu- u. Strohstelle, 23. 7. 18: Preise für Stroh und
Häcksel aus der Ernte 1918.
Der- Staatssekretär des Kriegsernährungsamtes, 24. 7. 18: Höchstpreise für Grünkern' aus der Ernte 1918.
Landeskartoffelstelle zu Darmstadt, 27. 7. 18: Höchstpreise für
Frühkartoffeln aus der Ernte 1918.
Grotzh. Ministerium des Innern, 23. 7. 18: Verkehr mit Stroh und Häcksel aus der Ernte 1918.'
Kreisamt Gietzen, 30. 7. 18: Verbrauchsregelung für Kaffee- Ersatz.
Hessische Landes-Gemüsestelle zu Mainz, 17. 7. 18: Die Be
wirtschaftung der Möhren.
mit 7» Divisionen.
Berlin, 28. Juli. Mit welchen ungeheueren Kräften der'Verbandsoberbefkhlshabcr Foch unter allen Umständen die Entscheidung erzwingen wollte, gch auS der Zahl von 70 feindlichen Divisionen hervm, die er seit dem 15. Juli Zwischen Soissons und Tahuri eingesetzt Hot. Unter diesen Divisionen befinden sich 6 amerikanische, 4 englische, 2 italienische und eine pol nische Division. Der ganze übrige Teil besteht auc französischen Verbänden, die auch hier wiederum in der Hauptsache die schweren Blutopfer tragen mußten. Mn Hinzurechnung der beteiligten feindlichen Artillertetruppei und Heeresgruppen hat Fach rund 1V 2 Millionen Manr. in dieser kurzen Zeit in die verlustreiche Schlacht ge- trieben, ohne sein erstrebtes Ziel auch nur im entfernte, sten zu erreichen. Durch den schweren Aderlaß so starker Velbände hat die Hauptkcoft des Verbandes aufs neue eine außerordentlich starke Schwächung erfahren.
vie Uerlufte der srindr Teil Wegsbeginn.
Berlin, 31. Juli. Bereits am 2. August 1917 betrugen die Verluste des Verbandes nach vorsichtiger Schätzung über 18 Millionen Mann. Die blutigen Niederlagen des inzwischen vergangenen Kriegsjahxes, die dem Verbände überall neue unerhörte Opfer kosteten, haben diese Ziffer auf 25 Millionen erhöht. Hier« von entfallen aus Rußland 4t 1 h Millionen Toter, 6 Millionen Verwundeter und Krüppel und 3 Millionen Gefangener, Frankreich 5 Millionen, England über 2,800,000, Italien 2.400,000 Mann. Am vernichtendsten hat der Krieg die Volkskcast der kleinen Hilfsstaaten des Verbandes getroffen. Serbien hat seine Teil« nähme am Kriege mit fast seiner ganzen erwachsenen männlichen Bevölkerung bezahlt, Rumänien hat die Hälfte seiner Armee verloren. Rechnet man Belgier,
Montenegriner und Amerikaner hinzu, so ergibt sich eine Gesamtziffer der Verbandsverluste, wie die Einwohnerzahl Spaniens und Portugals zusammen- gercchnet, von 25 Millionen Menschen
Der gebletsverlust des Teindes.
Berlin 2 Aug. Dir Mittelmächte haben seit Kriegs beginnn $70000 Quadratkilometer feindlichen Landes besetzt, d. h. etwa daS eineinhalb fache Gebiet des gesamten Deutschen Reiches. Der Geländegewinn hat sich im letzten Kriegsjahr um über 220 000 Quadratkilometer erhöht. Nicht eingerechnet hierin ist daS durch die deutsche Waffenhilfe befreite Gebiet der russischen Randvölkec mit 85 l 000 Quadrat- kilometer. Allein im Osten fielen durch die Operationen bet Tarnopol, Riga und Oesel und durch die Operationen im Februar und März 1918, soweit diese nicht Gebiete der Randvölkec betrafen, über 178 000 Quadratkilometer russischen Bodens in die Hände der Verbündeten Ja Italien befreite die 12. J-onzosch'aht im Oktober und November 1917 2 211 Quadratkilometer Österreichs vom Feinde und nahm diesem außerdem zwei blühende Piovinzen mit über 12 200 Quadratkilometer Flächeninhalt ab. Bei der deutschen Westoffenstve 1918 sind ungefähr 6 200 Quadratkilometer in Frankreich und 198 Quadratkilometer in Beigen neu besetzt worden. Im einzelnen verloren die' Staaten bes Vielverbandes an ihre Gegner: Beigen 29 178, Frankreich 25 400, Italien 14 558, Rußland 478 705, Rumänien 100 000, kerbten 85 687, Montenegro 14180, Albanien 17 000 Quadrat- kilometer. Diesem Geläadegewinn von etwa 770000 Quadratkilometer stehen nur 2 039 auf seiten des Verbandes gegenüber.
Die Uerlufte der feindlichen flotten.
Im Verlause dieser vier Kciegsjahre haben die feindlichen Flotten verloren: 25 Linünschiffe,
26 Panzerkreuzer, 45 geschützte Kreuzer, 187 Zerstörer und Torpedoboote, 87 U Boote, 23 Kanonenvoote und Monitoren und 75 Hilfskreuzer. Das sind weit mehr Schrffseinbeiten als unsere Hochseeflotte bei Kriegsausbruch besessen hat; sie bestand nämlich am 1. August, 1914 aus: 33 Linienschiffen, 12 Panzerkreuzern, 33 geschützten Kreuzern, 10 Kanonenbooten, 166 Torp-do- booten und 28 U-Booten. Gegenüber den großen.Verlusten der Gegenseite braucht nur darauf hingewiesen zu werden, daß Deutschland seit Kriegsbeginn nur ein Linien schiff verloren hat, die in der Skagercak- schlacht gesunkene „Pommern". Des weiteren ist die große Zahl verlorener seindlicher Hilfskreuzer, Zerstörer und U Boote bemerkenswert. Bon ihnen wurden allein im vierten KciegSjahce von den Flotten der Mittelmächte oder durch andere Ursachen versenkt: 63 Zerstörer, 25 U Boote und 24 Hilfskreuzer. Der Unterseebootkrieg macht sich also besonders in diesen Einheiten der uns gegenüberstehenden Flotten bemerkbar
vie deutsche Kriegsbeute.
Berlin, 1. Ang. Die Zahl der in den Lagern der Mittelmächte befindlichen Gefangenen beträgt am Ende des vierten Jahres über 38 00 000 Mann. Davon sind allein in Deutschland rund 2 300 000 unter- gebracht. Das letzte Kciegsjahr vermehrte die Zahl der Gefangenen um fast 840000 Mann.
Das erbeutete Kriegsmaterial des der« gangenen Jahres erhöhte die bisherige Beute aus die folgenden ungeheuren Zahlen: An Stelle der bis zum
2. August 1917 erbeuteten 12 157 Geschütze sind es nunmehr fast 23000, anstatt der 8352 Maschinengewehre fast 38 000, während sich die Zahl der Fahrzeuge von 10 640 mit einer Erhöhung um 05 000 versiebeufachte. An Panzerwagen fielen, ungerechnet die vernichteten, 365 in d e u t s ch e Hände, davon allein im letzten Jahr 300. Dazu kommen seit dem 1. August 1917 rund eine Million Gewehre, über 6 Millionen Schuß Artillerie- und 200 Millionen Schuß Jnfanteriemmution, rund 300 Lokomotiven und 28000 Eisenbahnwagen. Aus all diesem ergibt sich, wie weit die deutsche Heeres
leitung ihr Ziel, die Schwächung der Kampfkraft des Verbandes, erreicht hat. Zugleich ist das Volksvec- mögen des Verbandes um viele Milliarden Werte verringert worden.
Zur militärifcben Lage im Msien.
Zürich. 29. Juli. Noch dem „Corriere dclla Serra" wird hier mit der Möglichkeit, gerechnet, daß auch mit dem bevorstehenden zweiten Test der Foch'schen Offensive in der nächsten Zeit eine Entscheibui-.g noch nicht erreicht wird. Der Feind wirft starke Reserven in die Kampffront. Der Ausgang ist augenblicklich noch nicht abzusehen.
Rotterdam, 30. Juli. Den „Daily News" werden Aeußerungen Georges und ClemenccauS mitge- teilt, daß Amerika den Krieg für den Verband gewiw nen muffe, da die W-stmächte infolge der Erschöpfung ihrer Reserven einem jahrelangen Kriege nicht mehr gewachsen seien.
Genf, 1. August. Die Havasnote erklärt, daß die Schlacht zwischen Reim? und Soissons gestern em neues Gefickt angenommen hat. Seit Montag früh zeige sich auf deutscher Seite ein Rückschlag von äußerster Heftigkeit, und die deutschen Truppen feien zu Gegenangriffen Ubergegangen.
Genf. 2. Aug. Die Pariser Miiitärkcitikcr schreiben: Die letzten Tage waren die schrecklichsten, die die Amerikaner in diesem Krieges bisher durchgemacht haben. Der „Daily Chronicle" schreibt: Die erwartete Entscherdung
ist durch den Fochschcn Angriff nicht gebracht worden, und die Uncnrschiedenbeit kann wieder die nächsten Wochen und Monate überdauern.
Zmilicbe deulfcbe Cagesbericbte.
Berlin, 30. Juli. Im Mittelmeec wurden 5 Dampfer von zusammen rund 18000 Bruttoregistertonncn Versenkt.
Der Chef.des Admicaistabs der Marine.
V
wtb. Großes Hauptquartier, 31. Juli 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
In Flandern sehr rege Erkundungstätigkeit. Bei erneutem feindlichen Vorstoß gegen Mcrcis blieb der Ort in Feindeshand. Nördlich von Albert und südlich der Somme am frühen Morgen starker Feueckampf. Der Tag verlief ruhig. -
Heeresgruppe Deutscher' Kronprinz:
Auf dem Hauptkampffeld des 29.7. zwischenHartennes und westlich von Fere.en Tardenois blieb gestern die scindlrche Infanterie nach ihrer Niederlage am 29. untätig. Vor Soponay wurde ein heftiger Teilangriff de» Feindes abgewiesen. Zwischen Fere-en-Tardenois und dem Menniere-Walde stürmten Franzosen und Amerikaner gegen Mittag erneut in tiefer Gliederung an. Ihre Angriffe sind blutig gescheitert. Auch am Walde selbst brach sechsmal wiederholter Ansturm des F.indes zusammen. Unsere Infanterie stieß dem geschlagenen Feinde vielfach nach und setzte sich im Vor. geiände ihrer Linie fest. Oestiich von Ferc-enTacdenois , erneuerte der Gegner am Abend und während der Nacht ohne Erfolg seine veriustretchen Angriffe. Ebenso scheiterten seindliche Teilangriffe bet Remigny.
Wir machten in den Kämpfen der letzten Tage mehr als 4000 Gefangene. Damit steigt die Zahl der seit dem 15. 7. gemachten Gefangenen auf mehr als 24.800
Gestern schossen wir im Luftkampf 19 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Löwenhardt errang seinen 47. und 48., Leutnant Bolle seinen 27. Luftfieg.
Der Erste Gencralquaiticrmeister: Ludendorff.
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Berlin. 31. Juli, abends. An der Kampffront herrschte tagsüber Ruhe.


