Ausgabe 
31.7.1918
 
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Ufer fahre Weltkrieg. Deuifcblands Prüfung »nd Bewährung

Von Rudolph Srratz

ES ist hart", furchtbare Wirklichkeit, was seit vier Jahren um uns, durch uns, in uns geschieht Und doch klingt cs wie eine Sage, wie ein Heldenlied aus ferner, grauer Zeit. Wie ein Mythus, in dem die Menschheit ihr Gleichnis dessen kleidete, wessen Menschenwille und Menschenkcoft fähig sind, um das Uebcrmenschliche zu vollbringen, das Unmögliche möglich zu machen-

Wer hätte uns vor vier Jahren und ein paar Monden gesagt der größte Teil Europas, fast ganz Asien, ganz Afrika, ganz Australien, fast ganz Nordamerika und halb Südamerika (kurz: Fast die ganze Welt. D. Red.) werden Deutschland mit Krieg überziehen. Mehr als zwölfhu^dert Millionen Menschen werden sich aus ein friedlich . ihrer Mitte lebendes Kulturvolk von 67 Millionen und seine nicht zahlreichen Verbündeten stürzen. Das russische und das britische Weltreich, das chinesische Ricsenreich, die japanische Weltmacht des Ostens, der amerikanische Erdteil, die einen halben Erd­teil umfassende Ländermasse Brasiliens, das waffen­kundige Frankreich, die Großmacht Italien, das Könige reich Rumänien, mit ein er Ausnahme der ganze Bal kan, Portugal, Haiti, Liberia, ein Gewimmel von Staaten und Raubstaaten hinterdrein sie alle werden sich die Hand reichen, um im Namen der Kultur das Land Gutenbergs und Goethes, Luthers und Kants, Schillers und Beethovens, Richard Wagners und Robert Kochs zu vernichten. Man wird die Wilden aus dem Herzen Afrikas holen, die Inder über das Meer schleppen, die Rothäute bewaffnen, die Siaimftn einschiffen, die Marokkaner und die Madagassen aufbietrn, die Kosaken loslassen, die Kalmücken und Kirgisen cinstellen. Die Buren werden sich in den Sattel schwingen, die Kanadier zur Flinte greifen, die Australier von Weib und Kind Abschied nehmen, die Aankees die Trommel rühren, die Neuseeländer Heim und Haus verlassen alles in einem irren Maffenschrei: Ueber den Rhein! Uebec die Weichsel! Nach Berlin! Nach Berlin!

Wenn das einer vor vier Jahren und ein paar Monden gesagt hätte, so hätten wir nicht die Mensch­heit für wahnsinnig gehalten, sondern den, der dies Zukunftsbild entwarf. Und hätte man ihm geglaubt, so wäre das zweite die Frage gewesen: Wie kann selbst ein Volk von Helden gegen eine solche Sinlflut von Feinden sein Land, sein Leben und seine Ehre behaupten?

Niemals, solange das Gedenken der Menschen zu­rückreicht, wurde ein Volk einer solchen Härtung durch das Schicksal unterworfen, wie Deutschland in diesen Jahren. Es war die schwerste Belastungsprobe, die je die Gemeinschaft eines Volkes in Waffen gegen einen zehnfach überlegenen Feind zu bestehen hatte, gegen eine kriegerische Völkerwanderung, die Lawinen bcw'hc- tcr Wilder als Kanonenfutter vor sich herpeitschte, der alle Hilfsmittel, aller Menschcnwitz, alle Naturschätze der Erdkugel wie böse Geister dienten, die, im Osten zumal, auf alle Schrecken des Krieges alle Schrecken der Bestialität häufte.

Das war der Krieg. Aber er war nur das erste Verderben, das uns drohte. Hinter ihm schritt das Gespenst des Hungers. England rief cS zu Feuer und Schwert an seine Seite. Die Meere schlossen sich. Die Blockade begann. Großbritannien erklärte den Frauen und Kindern, den Greisen und Kranken in Deutschland den AusrottungSkcstg. Von Frankreich aus wurde die Zerstörung der deutschen Kornfelder durch Brandbomben angeraten. Man schickte den Kriegsgefangenen heimlich Anweisungen zum Anzünden der deutschen Getreide­scheunen und zum Vernichten der Kartoffeln. Jedes Mittel schien gegen Deutschland recht. Auch im Ausland. Zu Hundecttausenden und Millionen wurden dort die Deutschen für vogelfrei erklärt, über die Länder gehetzt, die Frauen quer durch Afrika geschleppt, die Greise nach Sidtrien verbannt, alles, was deutsch war, seiner Habe beraubt, eingekcrkert, mißhandelt, getötet. Es war die größte Menschenverfolgung, seitdem cs Menschen auf der Erde gibt.

Ja, der böse Feind stets mit Ernst cs mc'.nt: Eng­land holte zum dritten Streich aus. Es glaubte auf Grund jahrelanger, geheimer Handelsspionage und 11 5er- wachung des Weltverkehrs g nau den Zeitpunkt berech­net zu haben, wo, infolge der Seesperce, die zur Krieg­führung in Deutschland nötigen Rohstoffe versiegten, der Salpeter für den Schießbedacf ausging, Metalle für d.n Geschützstahl mangelten, das deutsche Heer ein Riese ohne Waffe wurde. Dieser Gedanke allein genügte schon, den kranken Hirnen dcS Weltbunds den Tag des Einzugs in Berlin vorzugaukeln.

Krank, moralisch krank waren diese Hirne. Sonst hätten sie nicht zur vierten und ckelsten Waffe wider Deutschland gegriffen, zur Macht der Lüge. Eine Springflut von Geifer, Gift und Galle, ein Kotmeer der Verleumdung, ein Trug und Stank ohne gleichen ergoß sich über ein reines, großes und starkes Volk wie das unsere, ein Volk, das so stolz war, daß es sich fast für seine Feinde schämte. Niemals ftüher hätten Menschen solchen Wahnwitz geglaubt. Jetzt brach eine MenschheitSdäwmerung herein. Deutschland stand ein­sam inmitten einer entarteten Welt.

Krieg, Hungersnot, Waffenmangel und Verleumdung das waren die vier apokalypttschen Reiter, die un­heilverkündend wider Deutschland heranbrauften. Ein ehern ruhiges Antlitz sah ihnen entgegen. Deutschland

hatte sich, in den Stunden der Not, weit über Irdisches erhoben. Es kannte nicht mehr, was bei anderen Menschen Furcht heißt Es fühlte vom Kaiser bis zum Kärrner nur das eine, daß je ungeheurer sich die Ge­fahren auftürmten, desto ungeheurere, ungeahnte, weit' übirwindende, wunderwiikende Klüfte in ihm lebendig wurden, und nahm mit Gott, in gläubiger Zuversicht und dem Bewußtsein seiner gerechten Sache, den Kampf umS Dasein auf. Und siegte.

Der Krieg? Leuchtend stieg, schon in den ersten Tagen deS Kampfes, über Tannenberg die Siegessonne empor. Sie blieb uns treu. Königreiche zerschellten. Das Zarenreich zersplitterte. Der Westen wankte unter deutschen Schlägen, lieber vier feindlichen Hauptstädten wehte die deutsche Fahne Millionen von Gefangenen füllten die deutschen Lande. Die stärksten Festungen der Gegner stürzten in den Staub Ties stehen unsere Heere überall in Feindesland. Paris vernimmt den Donner ihrer Geschütz'. England schleuderte vergeblich ein Volk nach dem anderen in den Wellbcand. Rief olle seine Hörigen der Erde auf Umsonst, der Mensch besiegt die Masse, Deutschland die Welt.

Die Hungersnot? Auf Deutschlands Feldern reift eben jetzt zum vierten Male das Korn. Frauen, Kinder, Knaben bringen es ein. Kriegsgenesende helfen, Ge­fangene. Die Zeiten sind schwer und voll Entbehrung, das wissen wir aber Deutschland daheim so stark wie je! Von der Fremde abgeschnitten, zog es gleich dem Riesen der Sage aus der Berührung mit der eigenen Muttererde immer neue, unbczwingliche Kraft. Es stampfte Armeen aus dem Boden. Ihm wuchs das Kornfeld auf der flachen Hand.

Der Waffenmangel? Wie aus Hochburgen des Kriegs leuchtet des Nachts das Licht aus deutschen Labora­torien. Deutsche Gelehrte wachten. Forschten, fanden. Kreuzten über Länder und Meere die Klinge mit denen der fernen Gegner, entrissen ihnen die Wehr, schmiedeten sie neu zu Deutschlands Ehr'! Das deutsche Volk der Arbeit stand hinter ihnen. Männer und Frauen zu Millionen. Der Geist zwang den Stoff. Der deutsche Siegfried hämmerte sich aus eigenem AmboS sein Schwert, daß es heute schneidender denn je in se ner Hand blitzt.

Die Lüge? Wir schlugen sie, indem wir zu stolz waren, sie zu sehen. Heute wirken Londons Ver­leumdungen fadenscheinig wie Vogelscheuchen im Herbst. Niemand glaubt mehr daran. Unsere Antwort auf alle Schmähworte der Gegner war immer nur die Tat, die schweigende Tat, die siegende Tat.

Im Anfang war die Tat; die Tat soll auch das Ende dieses ungeheuren Ringens sein. Kein Wort allein, kein bester Wille auf unserer Seite bringt der Mensch­heit Erlösung, solange der Rest unserer Feinde auf ihrem blutigen Wahnsinn eines Kreuzzugs wlder Deutschland verharrt. Diesen Wahn heilt nur das Schwert. Es wird gut vollenden, was es gut begann. Noch stehen wir mitten in der letzten Prüfung. Aber eine Stimme von oben sagt uns: Ein Volk, das die Wunder voll brachte, die schon hinter uns liegen, das schreitet auch aufrecht und siegreich bis zum Schluß, zum Frieden überall, zu neuer deutscher Kraft und Herrlichkeit.

* Wetzlar. Im Alter von 7'8 Jahren erlag hier vergangene Woche einer Lungenentz jündung Generalleut- nonnt z. D. Walter von Leczwar; j owskh. Der Verstor­bene übernahm 1894 das Kommand o der 37. Infanterie- Brigade in Oldenburg. In dieser E ftellung war von Lec> zwarzowsky der unmittelbare Vorgesetzte Hinden- burgs, der damals Oberst des 91. Jnsantecie-Regi- mentS in Oldenburg war. Generalfeldmarschall von Hindenburg hat seinem einstigen Brigcrrdekommandeur bis an den Tod ein treues Andenken bewahrt und ihm noch in den letzten Lebenslagen herzliche Grüße und Wünsche gesandt. Bei der getzriege» Beisetzung auf dem Friedhofe in Wetzlar erwähnte der Geistliche ein Wort Hindenburgs, das so recht den Dank deS Marschalls an den Verewigten ausdrückte. Es lautet:Ohne Olden­burg kein Tannenberg!" In dem Beileidstelegramm, das der Feldmarschall den Hinterbliebenen sandte, heißt es:Tiefgebeugt sende ich Ihne» den Ausdruck innigster Teilnahme. Ein edler Mann und hertwrcagender Sol­dat ist mit dem teuren Entschlafenen vvn uns gegangen. Ich werde meinem einstigen, hochverehrten Vorgesetzten stets ein dankbares treues Andenken bewahren. Ec xuhe sanft in Gottes Frieden. Felmai schall v. Hinden­burg."

Verantwortlich: Albin Klein in Gießen.

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Aus dem amtliche« Kreis bl att.

Ersatzmittelstelle der Provinz Oberhessen, 25. 7.18: Die Geschäfts stelle befindet sich im Gebäude der Großh. Handelskam­mer, Lonystraße 7. Alle in der Provinz Oberhessen her- gestellten Ersatzmittel müssen angemeldet werden mit Ausnahme derjenigen, die durch besondere Berordnung des Kriegsernährungsamtes von der Anmeldepflicht befreit sind.

Großh. Ministerium des Innern, 15. 7. 18: Richtpreise für Klee -, Gras-, Futterrüben - u. Futterkräutersamen.

Kreisamt Gießen, 22. 7. 18: Verbot des vorzeitigen ErntenS von Herbstgemüse und Rüben.

Kreisamt Gießen, 22. 7. 18: Verteilung von Schuhwerk für landwirtschaftliche Arbeiter.

Der Zivilvorsitzende der Ersatzkommission des Kreises Gießen 25. 7.18 : Die sich zur Landsturmrolle meldenden Personen haben sich auch beim Einberufungsausschuß zu melden.

Hessische Landes-Gemüsestelle, 22. 7.18: Festsetzung von Erzeuger­und Handelshöchstpreisen für Gurken.

Großh. Ministerium des Innern, 18. 7.18: Verkehr mit Getreide, Hülsenfrüchten, Buchweizen und Hirse aus der Ernte 1918 zu Saatzwecken.

Kreisamt Gießen, 26. 7. 18: Ausbreitung der Bartpflcchte.

Kreisamt Gießen, 25. 7. 18: Beglaubigung von Rentenquittungen nach den Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung.

-.5 und Land.

** In letzter Zeit wird gelegentlich über die Kleb fähigkeit der Briefmarken und die Beschaffenheit des Papiers der amtlichen Postkarten geklagt. Die Post­verwaltung stellt nicht in Abrede, daß sich in beiderlei Hinsicht die Verhältnisse gegen früher etwas verschlechtert haben. Die Ursache davon ist in gewissen Schwierigkei­ten zu suchen, die sich neuerdings bei der Herstellung des Klebstoffs und des Papiers ergeben und die sich vor der Hand nicht beseitigen lassen. Sie müssen als eine Begleiterscheinung des Krieges hingenommen werden. Um zu erreichen, daß die Marken möglichst gut haften, em­pfiehlt es sich sehr, wenn die Verbraucher sie vorsichtig und nur mäßig anfeuchten. Andernfalls wird von der Klebstoffschicht zuviel fortgenommen, sodaß die Marken dann unter Umständen abfallen.

Kad Salzschlirf. Die Möbel- und Hausgerätever­steigerung des HotelsTerminus", die drei Tage währte, erbrachte mehr als 80 000 Mark, ein Erlös, der den An- jchafflmgswert des Inventars um ein Vielfaches überragt.

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