Ausgabe 
20.7.1918
 
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Expedition: Züdanlage 21

(Sliefteuer Tageblatt)

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Druck der Gießencr Vcrlagsdruckerei, Albin Klein.

Ar. «3.

Telephon Rr. 362.

Samstag, dm 20. Juli 1918,

Telephon Rr. 362.

31. Jahrg.

Die französische Gegenoffensive zwischen AiSne n. Marne siegreich abgeschlagen.

Seit 15. Juli über 20000 Gefangene gemacht.

23000 u. 16000 Br.-R -T. = zusammen 39000 Br.-R.-T. versenkt.

Aus dem amtlichen Kreisblatt.

Der Staatssekretär des Kriegsernährungsamts, 27. 6. 18: Höchst­preise für Getreide, Hülsenfrüchte, Buchweizen und Hirse.

Gemüsekonserven-Kriegsgesellschaft m. b. H., 6. 6. 18: Verar­beitung für Gemüse und Obst.

Kreisamt Gießen, 15. 7. 18: Festsetzung der Kleinhandelspreise für Kartoffeln (bis auf Weiteres 14 Pfennig für das Pfund).

Kreisamt Gießen, 16. 7. 18: Die Liste der über den Handel mit Sämereien zugelassenen Samenhändler.

Kreisaml Gießen, 15. 7. 18: Die Riemenfreigabestelle zur

Versorgung mit Reparaturftücken für Treibriemen an Dreschmaschinen besitze r.

Ministerium des Innern, 11. 7. 18: Neue Fassung über den Han­del mit Gänsen.

Kreisanlt Gießen, 16. 7. 18: Die Erhebung von Deckgeld für Bedecken der Stuten in 1918.

Die Vorsitzenden der Veranlagungskommissionen für die Finanz­ämter in Gießen, Butzbach, Grünberg und Hungen, 15. 7.18: Die Abgabe der,Steuererklärungen für das Steuerjahr 1919.

Hessische Landes-Gemüsestelle, 17. 7.18: Die Bewirtschaftung der

Möhren.

Ministerium des Innern, 9. 7. 18: Bekanntmachung betreffend Bekämpfung des Schleichhandels durch Kontrolle des Trans­ports der wichtigsten Lebensmittel auf der Eisenbahn. Bei Versendung dieser Güter mit der Eisenbahn ist eine Ab­schrift der Beförderungspapiere (Frachtbrief, Eifenbahn- paketadresse) in einem an die ReichSgeireidestelle, Abteilung Frachtprüfung, angeschriebenen (adressierten) und frei ge­machten Umschläge dem Beförderungsunternehmer zu - übergeben.

Zur militärischen Lage im Äesten.

Paris, 16. Juli. Meid. d. Agence Havas Die Beschießung dr Gegend von Paris durch das weittragende Gtschütz wurde am Dienstag fort­gesetzt.

Schweizer Grenze, 19. Juli. DasSecolo" meldet aus Paris, daß las ^lgcnwärtlge Bombar­dement das schwerste fit Beginn der Fernbe^chießung sei. Man habe Grund onzunehmen, daß die Geschütze naher an'Paiis h.rungerückt sind und Flieger das Feuer lüicn. Die Zahl d-r Opfer und der Sachschaden sei bedeutend.

»

Köln, 19. Juli. Wie derP^ogrcs de Lyon" mel- det, w.rden die Städte in der Gegend von EHalo ns durch neue deutsche Ferngeschütze beschossen.

Amtliche üeulscde Qgezvericblr.

wtb. Großes Hauptquartier, 17. Juli 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Nupprccht.

Die Kampstätigkeit lebte erst m den Abendstunden auf. In Erkundungövorpötzen südwestlich von Upern machten wie Gefangene. Südwestlich v n Hcbulerne hat der Feind seine Angriffe ohne Ecsolg wtedeiholt.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Oectliche Kämpfe am Savieresgiunde und westlich von Chateau Thicrcy. Südwestlich von Eourtemont schoben wir unsere Linien bis an den Surmelinabschnitt heran. Heftige Gegenangriffe führte der Feind mit ; starken Kräften gegen unsere Front aus dem Südusec der Mcnme. Seine Angriffe brachen unter schwersten Verlusten, teilweise noch erbittertem Kampfe, vor unseren Linien zusammen. Auf dem Noidnfec der Marne wurden t.ie erfolge des ersten Ai-griffstages erweitert. Nach Abwehr französischer Gegenangriffe sticßrn wir dem Feinde bis auf die Höhen nördlich von Venteuil nach und kämpften uns durch den Nodezat und Königs- wald hindurch. Beiderseils der Ardce warfen wir den Feind auf dos Reimsec Lergland zwischen Nanteuil und nördlich von Pourcy zurück.

Oestlich von Reims ist die Lage unverändert. Wir hielten die feindlichen Linien unter starken F uec und y veibssertcn an der Römnstiaße und an der SuippeS unsere Stellungen, No. dw. slllch von Massiges nahmcn wir einige befisttgte Höhen.

Die Gesangenenzahl ist auf mehr als 18Ü00 ge

stiegen.

lieber dem Kampffelde wurden gestern von neuem 36 feindliche Flugzeuge und 2 Fesselballone abgeschossen. Leutnant Menkhoff errang seinen 37. und 38., Leutnant Loewcnhardt seinen 37, Oberleutnant Lorrzec seinen 26 , Leutnant Bolle seinen 22 und Vizeseldwcbel Thom seinen 21. Luflsieg.

Der Erste Generalquartiermeistec: Ludendocff.

Berlin, 17. Juli, abends, Ecncute Gegenangriffe der Franzosen auf dem Südusec der Marne wurden abgewiescn. Im übrigen ist die Lage unverändert.

Berltn,. 17. Juli. Unsere Unterseeboote versenkten im Sperrgebiet um England 23 000 Bruttoregistec. tonnen.

Der Chef des Admiralstab? der Marine.

ntb. Großes Hauptquartier, 18. Juli 1918

Westlicher Kriegsschauplatz:

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Nördlich von Lens und östlich von Villers-Bretonneux wurden örtliche Angriffe des Feindes abgewiesen. Die tagsüber mäßige Gefichtstäligkeit lebte am Abend auf und nahm während der Nacht zeitweilig südwestlich von Upern und Wiederholung der feindlichen An­griffe östlich von Ville:s Bcetonneux größte Stinke an, Bel reger E.kundungstätigkeit machten wir mehi- fach Gefangene.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz:

Die Armee des Generalobersten v. Boehn stand gestern tagsüber in schwerem Kamps Durch neu heran- geführte Divisionen verstärkt, setzte der Feind von neuem nach mehrstündiger Aitillericvorbeceitung zu großen einheitlichen Gegenangriffen gegen unsere ganze Front südlich der Marne an. Am Abend war die L-chlackt zu unseren Gunsten entschieden. Unter schwersten Verlusten brachen die Angriffe des Feindes zusammen. Aus kleinen Ortschaften südöstlich von Mareuil, in die der Feind vorübergehend eindrang, warf ihn unser Gegenstoß wieder hinaus.

Auch auf dem Nordufec des Flusses versuchte der Feind vergeblich, unü unsere Eifolge streitig zu machen. Bei Erstü'mung eines Bergrückens südlich von Pouicy nahmen wir seine Besatzung mit ihrem Regimcntskom- mandenr und mehreren Geschützen gefangen. Oestlich von Reims ist die Lage unverändert. Artilleriefeuer wechselnder Stärke. Nordwestlich von Massiges führte der Feind kleinere Angriffe, die in unserem Gegenstoß zusam menbrachen.

Gestern wurden 23 feindliche Flugzeuge abgcschossen. Leutnant Jacob errang seinen 23. Lustsieg.

Der Erste Generalquartier Meister: Ludendorff.

9

Berlin, 18. Juli, abends. Zwischen Aisne und Marne hat der Franzose mit starken Kräften und Pan­zerwagen angegriffen und etwas Gelände gewonnen. Unsere bereitstehenüen Reserven haben in den Kampf cingcgriffen.

9

Berlin. 18. Juli. AuS stark gesicherten Geleit- zügen versenkten unsere Unterseeboote tm Mittelmeer 4 Dampfer hon rund 16000 Bruttoregtstertonnen. Ein Dampfer von mindestens 6000 Bri. wurde durch Torpedoichuß schwer beschädigt, konnte aber noch in den nahen Hafen cinlaufen. Außerdem wurden 4 keine Segler versenkt. ,

Der Chef des Admiralstabes der Marlne.

9

wtb. Großes Hauptquartier, 19. Juli 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht

Die Kampftätigkeit lebte am Abend auf. Bet Er kundungen machten wir mehrfach Gefangene.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Zwischen Aiöne und Marne ist die Schlacht von

neuem entbrannt. Der Franzose hat dort seine lang erwartete Gegenoffensive begonnen. Durch Verwendung stärkster Geschwader von Panzeckcaftwagen gelang es ihm, zunächst überraschend an einzelnen Stellen in un­sere vorderste Jnfant.rte- und Artillerielinie etnzubrechen und unsere Linien zurückzudrücken. Weiterhin haben unsere SllllungSdiVisionen im Verein mit bereitstehen­den Reserven einen feindlichen Durchbruch vereitelt. Gegen Mittag waren die französischen Angriffe in der Linie südwestlich von SolffonS Neuilly nordwest­lich von Chateau Thierry zum Scheitern gebracht. Am Nachmittag brachen an der ganzen Angrtffsfcont sehr starke Teilangriffe des Feindes an unseren neuen Linien zusammen. Die dem Kampsfelde zustrebenden feindlichen Kolonnen waren das Ziel unserer erfolgreichen Schlacht- sliegcr. Unsere Jagdflieger schossen 32 Flugzeuge deS Gegners ab. Leutnant Loewenhardt errang seinen 38. und 39., Leutnant Bolle seinen 23 und 24, Leutnant Go hring se neu 22. Luftsieg.

Gegen die Südfront der Marne hat der Franzose nach seinen Mißerfolgen am 16. und 17. Juli nur noch Teilangriffe südöstlich von Mareuil geführt; sie wurden abgewiesen.

Zwischen Marne und Reims und östlich von Reims blicb Die Gefechtstäligkeit auf örtliche Kampfhandlungen beschränkt. Feindliche Angriffe im Königswalde und beiderseits von Pourcy scheilecten. Bei erfolgreichem Vorstoß nordwestlich von Prosnes und bet Abwehr feind­licher Teilangriffe an der Suippes und beiderseits von Perthes machten wir Gefangene. Die Zahl der seit 15 7. eingebrachten Gefangenen hat 20000 überschritten.

Der Erste Genecalquartiermeister: Ludendorff.

Berlin, 19. Juli, abends. Oertltche Kämpfe nörd­lich der Ly?. Auf dem Schlachtfelde zwischen der Aisne und Marne ist ein erneuter französischer Durchbruchs- Versuch unter schwersten Verlusten für den Feind ge- scheitert. _ __

Aus Staat und Land.

Uackeriheiui. Vor einiger Zeit hatte eine Frau Zimmermann ihrem Sohn, der Johannisbeeren im Felde entwendet hatte, mit einer Art schwere Verletzun- gen am Kopfe hergebracht. Rach dem Vorfall stürzte sie sich mit ihrem jüngsten Kind in den Rhein. Das Kind ertrank, während die Mutter von Soldaten gerettet wurde. Jetzt, nachdem die Frau wieder hergestellt ist, wurde sie tn Untersuchungshaft genommen.

* Camberg bei Wiesbaden. Die Gemeinde hat für ihre Einwohner 200 Stück junge Gänse eingekauft, die vorläufig noch in der Obhut der Stadt gehalten und von ihr qi füttert werden. Damit aber die Freude auf einen leckeren Martinsvogel nicht etwa durch Spitz­buben zu Wasser wird, ist man auf die schlaue Idee gekommen, die Gänse während der Nacht in eine Ein­friedigung zu treiben, deren Drahtzaun von dem Elek­trizitätswerk aus mit Starkstrom geladen wird.

* Ahlen. Der 13jährige Quartaner unseres Real­gymnasiums, Gerhard Fred.' aus Ostenfelde. erhielt vom komm. General ein Ehrendiplom, weil er die Fest­nahme von zwei flüchtigen englischen Kriegsgefangenen bewirkt hat. Der Schüler, ein schwächlicher Knabe, ver­folgte in vierstündiger Hetzjagd die Flüchtlinge in den Ennigerlohec Gebüschen. Nachdem die Ausreißer wieder­holt hatten bewerten müssen, daß die Büchse deS Verfolgers nicht blind geladen war, gaben sie in der Nähe deS Gefangenenlagers Hoest die Flucht auf.

* Der Storch als Kirrderrväschedieb. Von der Bleiche des Kolon Heitmeyci: tn Heithöfen bei Lübbecke waren Wäschestücke entwendet, und eS fiel auf, daß gerade kleinere Wäschestücke, besonders Ktnderwäsche, fehlte, während man größere und offenbar wertvolle Wäschestücke verschmäht hatte. Man kam aus den Gedanken, einmal Haussuchung zu halten bei dem Storche »paar, das oben aus dem Hausdache seine Wohnung bezogen hatte. Und siehe da: der Verdacht bestätigte sich voll und ganz. In dem Storchnest fand man die vermißte Kinderwäsche.