Ausgabe 
17.7.1918
 
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Der Kanzler und Belgien.

Die Andeutungen eines dem Vizekanzler v. Payer nahestehenden Blattes über Mitteilungen des Kanzlers Frhr. v. Hertling im Hauptausschusse des Reichstages folgt eine amtliche Bekanntgabe des Wortlauts der Kanzlerrede vom Freitag, soweit sie sich auf Bel­gien bezog. Sie lautet:

Was die Zukunft Belgiens betrifft, so bedeutet, wie ich gestern schon sagte, die Okkupation und der gegenwärtige Besitz Belgiens nur, daß wir ein Faust­pfand für die künftigen Verhandlungen haben. Im Begriff des Faustpfandes liegt es, daß man das. was man als Pfand in der Hand hat. nicht behalten will, wenn die Verhandlungen zu einem günstigen Re­sultat geführt haben. Wir beabsichtigen nicht, Bel­gien in irgendeiner Farm zu behalten. Wir wün­schen genau so, wie ich schon am 24. Februar gesagt habe, daß das nach dem Kriege wieder erstandene Bel­gien als selbständiges Staatswesen keinem als Basall unterworfen, mit uns in guten freundschaftlichen Ver­hältnissen lebe. Das ist der Standpunkt, den ich zu dem belgischen Problem von Anfang an eingenommen habe und auch heute noch einnehme.

Meine Herren! Diese Seite meiner Politik steht durchaus im Zusammenhang mit den allgemeinen Richt­linien, die ich Ihnen gestern dargelegt habe. Wir führen den Krieg als Verteidigungskrieg. Weil wir ihn als Verteidigungskrieg führen, weil uns von An fang an jede imperialistische, jede ans die Weltherr­schaft gerichtete Tendenz ferngelcgen hat, darum werden auch unsere Friedensziele dem entsprechen. Was wir wollen, das ist die Unversehrtheit unseres Territo­riums, das ist die freie Luft für die Entwicklung unseres Volkes, insbesondere auf dem wirtschaftlichen Gebiete, das ist natürlich auch die notwendige Siche­rung für künftige schwierige Verhältnisse. Das trifft vollkommen auch für den Standpunkt zu, den ich Belgien gegenüber einnehme. ^

Wie sich dieser Standpunkt aber im einzelnen fest­legen läßt, das hängt von den künftigen Verhand­lungen ab. Darüber kann ich jetzt keine bindenden Erklärungen abgeben. Ich muß mich damit begnügen, diese allgemeinen maßgebenden Richtlinien hier noch­mals ausdrücklich sestgelegt zu haben, und so glaube rch, doch an Sie die Bitte richten zu dürfen, hel­fen auch Sie mit, daß wir im Innern die Ein- herts front halten, die so überaus wichtig ist. für unsere Brüder draußen im Felde, helfen Sie alle zusammen mit, daß wir die schwere Zeit des Krie­ses, den wir zu führen gezwungen sind, so lange wir ihn führen müssen, bis zum ehrenvollen Ende be­stehen."

Deutsche Nerven.

Bei den Tapferen, die im Stillen wirken.

Man soll sie nicht vergessen! Die M u n i t i o n s - sahrer an Land und die Minenleger zur See!

Bei den Mnnitionsfahrern.

Abend für Abend rasselt die lange Reihe der Wagen über das holprige Pflaster des flandrischen Dörfchens. Im Munitionsdepot gab es schon schwere Arbeit, und nun fahren sie hinaus in die dunkle Nacht. Zwanzig Kilometer Weg liegen vor ihnen; gestern war es ein Höllenweg, wie mag es heute werden? Doch bleibt ihnen nicht lange Zeit zu solchen Gedanken, dann srnd sie wieder mitten drin in dem Heulen und Krachen, dem Schimpfen und Schreien, mitten drin m der Schlacht. Im Trab wird die erstebrenzlige Ecke" überwunden. Eine Lage Schrapnells davor, eine dahinter, es hat gut gegangen. Die Wagen fahren mrt großen Abständen weiter, jeder ist sein eigener Führer, jeder ist auf sich selbst angewiesen. Mit einem gewissen Neid sieht der Kolonnenmann au die Fußgänger herab, die so frei an ihm vorbei­laufen. Sie hören schon, wenn die Granate heran­geheult kommt, und werfen sich in den nächsten Gra­nattrichter. Währenddem sitzt der Fahrer hoch oben auf seinem Wagen. Er kann sich nicht verstecken vor den umhersausenden Eisenbrocken, er muß stillhalten.

Der böseste Feind sitzt der Kolonne im Nacken: die schwarze Nacht. Und die flandrischen Straßen! Bis an die Achsen sinken die schweren Wagen in dem aufgeweichten Boden ein, und daß dann die Mu- nitwn drei und noch mehrere Male ab- und aufgeladen werden muß. gehört nicht zu den Seltenheiten.' Ganze Wegstrecken sind in ein Trichterfeld verwandelt. Ta vertrauen Reiter und Fahrer blind auf ihre Pferde, denn sehen kann niemand etwas. Vorne scheint die Hölle los zu sein. Der Gegner weiß, daß jetzt ein reges Leben auf den Straßen herrscht und sucht durch sein Sperrfeuer die Munitionszufuhr abzusperren. Aber me Batterien müssen Munition haben. Stundenlang halt die Kolonne vor einer Straßenkreuzung; wenn dann das Feuer etwas abebbt, dann geht es vor­wärts, hinweg über Pferdeleichen und zertrümmerte Wagen, durch Trichter und Gräben, im Trab, im Galopp.

m « ? a terie ist erreicht, Mann und Pferd haben ihr Bestes hergegeben. Doch nicht alle sind anqekom- men. Dem einen hat's die Pferde vorm Wagen er- IgM««» der andere sitzt noch fest in irgend einem Sumpf und mancher Brave hat seine Pflichttreue mit dem Leben bezahlen müssen. Die Kolonne scheint aus otlicj. in die andere hineingeritten zu sein.

Zwrschen das eintönige Alarmläuten mischt sich der nQ i< ber Gasgranaten. Im nächsten Augen­blick ist die Gasmaske auf, und den Pferden wird der nasse Futtersack vorgebunden. Keine Minute darf versäumt werden, nur möglichst schnell wieder von hier fort. Mühsam werden die schweren Geschosse zu ihrem Lagerplatz geschleppt. Das Gesicht beginnt unter der eng anliegenden Maske zu glühen, die Lungen arbeiten schwer. Endlich rollt der letzteZuckerhut" vom Wagen. Nun, was die'Pferde greifen können, zurück, fort von hier. Und dann wiederholt sich der- selbe beschwerliche Weg, über Baumstämme, durch tau- send Morastseen, Sperrfeuerriegel, Gestrüpp und Stacheldraht. Der Morgen ist schon längst hereinge­brochen, als die letzte Reihe der Wagen wieder im Luheguarttev avlangt.

Bei den Mlueulegeru und -Suchern.

Da hört man viel von der Tragik dieses Dien­stes, von manchem Drama auf hoher See, von Unwetter, Stürmen, Menschenverlusten und Schiffsuntergängen. Wird da eine Minensuchflottille vom Sturm überfal­len, braucht sie zu dem Heimweg, den sie sonst in acht Stunden macht, jetzt auf der rasenden, sturm­gepeitschten. winterlichen Nordsee 56 Stunden und fin­det vor der heimatlichen Flußmündung eine schwere, brechende Grundsee, eine schäumende Brandung, wie sie zu den Seltenheiten gehört. Aber glücklich und unversehrt bringt der Führer sie sicher in den Hafen. Hafenzeit, herrliches Wort nach solcher Sturmfahrt!

Eine böse W i n t e r n a ch t steigt vor meinem gei­stigen Auge auf. Bei starkem Seegang ist das Führer­boot des H.Chefs, der Unterseeboote nach dem Sperr­gebiete geleiten soll, auf eine Mine gelaufen. Furcht­bare Erschütterung im ganzen Schiff, Licht aus, das Hinterteil des Schiffes knickt zusammen und sinkt weg. Der Mast kommt von oben, fällt auf die Schnur der Dampfpfeije, und wie ein todwundes Tier vor dem Verenden brüllt die Sirene ihr Klagelied in die stür­mische Januarnacht. Der Schornstein ist geborsten, ringsum ein ohrenbetäubender Lärm von ausströmen­dem Dampf, der aus Hunderten von gerissenen Rohren entweicht. Der H.Chef in seiner Kammer eingepfercht, die Tür verrammelt. Tiefste Finsternis auf sinken­dem Schiff im Wintersturm. Einige Fußtritte schaffen Freiheit. Heraus auf das Vordeck, wo die Mannschaft zusammensteht. Die Stimme des Führers gibt ihnen Zuversicht. Flöße werden in Ruhe ausgebracht, das einzige Boot war zerschmettert. Langsam bahnen sich auf hohen Wellenhügeln die inzwischen ausgesetzten Boote der anderen Minensuchschisfe ihren Weg zu dem sinkenden Schiff, dessen Leben nur noch nach" Mi­nuten zählt. Die kommen näher. Ordnung muß beim Einsteigen sein. Also Kommando des Führers:An­treten in zwei Gliedern! Vordermann!" Und das auf sinkendem Schiff, den Tod vor Augen. Zweimal fuhr das Rettungsboot. Als es seine letzte Last da­vontrug, sank das Schiff in die Tiefe. Einige Tage später kamen die Geretteten im Heimathafen an.

Englische Quertreibereien.

Ter Zionismus im Judentum

findet jetzt im Kriege eine ausfällige Förderung durch die Engländer, obgleich diese ihm früher stets'Steine in den Weg gelegt haben.

Der Zionismus will überall in Palästina, dem Ursitz des Judentums, einen jüdischen Nationalstaat ausrichten, um dort die Juden wieder in ihrer alten Heimat zu sammeln und national stark zu machen.

Diese Gründung wird von den Türken nicht gerne gesehen, weil sie Anspruch aus einen Teil des türkischen Reiches erhebt. Jetzt will England offen­bar den Zionismus fördern, um der Türkei Schwie­rigkeiten zu machen.

Und um das Judentum in der Welt, soweit es den Zionisten nicht ablehnend geaenübersteht, gegen Deutschland aufzuhetzen, drahtete Reuter am 8. Juli olgendes:

Die Bureaus der deutschen Zionistenföderation n Berlin wurden von der Polizei durchsucht, an- cheinend wegen des Verdachtes, daß die deutschen Zionisten seit der britischen Palästina-Deklaration mit den Alliierten sympathisieren."

Hierzu erklärt die Zionistische Vereini­gung für Deutschland folgendes:Die Meldung des Reuterbureaus ist unwahr. Die zionistischen Bu­reaus arbeiten seit Kriegsbegrnn völlig ungestört, sie sind niemals von der Polizei durchsucht oder über­haupt von irgendeiner Behörde in ihrer Tätigkeit gestört worden, vielmehr haben die deutschen Behör­den sich gegenüber den deutschen Zionisten und gegen­über der allgemeinen Zionistischen Organisation stets entgegenkommend verhalten und dem Zionismus bei vielen Gelegenheiten sehr wertvolle Unterstützung zuteil werden lassen."

Wir in Deutschland betrachten eben die Juden­frage nicht als ein Mittel, den Gegnern Schwierigkei­ten zu machen. Wir stehen gegenüber zersplitterten Völkern auf dem ganz demokratischen von der En­tente in Worten stets lautgepriesenen, durch Taten aber leider stets verleugneten Selbstbestimmungsrecht der Völker.

Allgemeine Kriegsnachrichten.

Fliegerangriff bei Tiinkirchen.

Deutsche Flieger bewarfen La Panne bei Dünkir­chen mit Bomben und trafen einzelne Häuser. Es wurden insgesamt 50 Personen, meistens Frauen, ge-

Gcschützseuer an der italienischen Front.

r- "Zürcher Post" meldet: Im Umkreise der ita­

lienischen Front hat eine schwere Kanonade eingesetzt. Seit einigen Tagen vernimmt man auf den Schweizer Bergen, besonders auf den Höhen bei Chur anhal­tend starken und derart heftigen Kanonendonner, daß die Fensterscheiben der Häuser erzitterten.

Englische und amerikanische Verluste.

Die englischen Blätter vom 2. Juli veröffentlichen die Gesamtzahl der britischen Verluste im Juni mit 4406 Offizieren und 135 729 Mann. Hierzu kom­men noch die Verluste der Flotte mit 40 Offizieren und 204 Mann. Die amerikanischen Verluste sind im Verhältnis zu den Engländern gering. Sie betragen bis 30. Juni 9131 Mann. Die Verluste der Flotte sind nicht mit eingerechnet.

Wieder russische Geheimdoknmente.

Die Bolschewiki enthüllen wieder aus den Akten der russischen Zarenregierung. So meldet die rus­sische Pressekorrespondenz, daß der Kommissar für Aus­wärtiges, Tschitscherin, in den nächsten Tagen den Briefwechsel zwischen dem Zar und Kaiser Wil­helm veröffentlichen werde.

Ferner gab Tschitscherin ein Blaubuch:Indien nnG^loWellt 5craU *' bCl§ ben englischen Jperialis-

Kerenski in Paris unten durch.

Im ,,PoPulaire" vom 9. Juli ist folgende Erklä- rung des Ausschusses der Gewerkschaften der optischen Arbeiter in Uaris zu lesen:

Der Ausschuß erhebt Widerspruch gegen die plan­mäßige. von allen reaktionären Kräften geführte Ver- leumdungskampagne und lehnt es ab. irgendeinem rus- liichen Sendboten Vertrauen zu schenken, solange den Bolschewiki der Eintritt in Frankreich versagt bleibt Er spricht Keren fk i jede Berechtignnv ab. tm Namen des rnriischen Volkes von der Möglichst einer Wie­deraufnahme der Feindseligkeiten zu sprechen, während seine Diktatur nur eine neue Niederlage davon­trug, und ist der Meinung, daß Länder, die behaup­ten. für die Freiheit der Völker zu kämpfen, die erste Pflicht haben, sich nicht in die inneren Ange­legenheiten fremder Staaten einzumischen."

Die Pariser Brillenglasschleifer, die zum größ­ten Teile Russen sind, sind offenbar scharfsichtiger als die französische Zensur.

Henkersknechte gegenMießmachcr".

Ter Ruhm, in der Verfolgung vonMießmachern" und angeblichen Spionen usw. die größte Energie an­gewandt zu haben, gebührt den Italienern. Der rö­mische Appellationsgerichtshof (Berufungsgericht) bestä­tigte die über den sozialistischen Deputierten de Gio- vanni wegen defaitistischer Aeußerungen verhängte Ge­fängnisstrafe von drei Monaten.

Drohender Kohlcngräbcrstrcik.

. ber Kontrolleur für die Bergwerke in Eng-

and sich geweigert hat. alle Forderungen der Berq- leute nach Er Höhung derLöhne und Herabsetzung der Arbeitsstunden zu bewilligen, hat der Nationale Rat der Bergleute mit Rücksicht auf die ernsten Fol­gen, die ein allgemeiner Ausstand in den Kohlen- dergwerken haben wird, Lloyd George gebeten, eine ^or^dnnng zu empfangen. Lloyd George hat znge-

Tcr gescheiterte Luftangriff auf Koblenz.

... .^üe J^ugaeitge in deutsche Hand gefallen, das i,t das Ergebnrs einer großen amerikanischen Luftunternehmung:

In der Nacht vom 10. zum 11. Juli hat ein amerikanisches Geschwader von sechs Flugzeugen ver­sucht, die Stadt Koblenz mit Bomben anzugreifen. Der Angriff scheiterte vollkommen. Keines der Flug- 30 ^ 6 ^ ist dazu gekomnien, seine Bomben abzuwerfen. Fünf Flugzeugen dieses Geschwaders wurde die Rück­kehr über die eigenen Linien.verwehrt. Sie fielen sämt lich in u n se re H a n d. Die Besatzungen wur­den bis auf wenige lebend gefangen. Seit über einem Jahre haben sich die Amerikaner wieder und wieder gerühmt, mit Tausenden von Flugzeugen die Städte Westdeutschlands in Schutt und Asche zu legen und dem deutschen Volke durch ihre Luftwasse die ent­scheidende Niederlage zu bereiten, die alle Machtmittel Englands und Frankreichs ihm nicht hätten beibringen können. Der gestrige Luftangriff war der erste größere selbständige Versuch der Amerikaner. Er ist kläg­lich gescheitert. Schmerzliche Erfahrungen am eigenen Leibe haben die amerikanischen Flieger den Unter­schied zwischen Prahlerei und Wirklichkeit gelehrt. Inzwischen ist auch das 6. Flugzeug in unsere Hand gefallen.

Kleine Kriegsnachrichten.

" In Boulogne-sur-Mer stieß der französische Kut­terAlcyon" mit einem französischen Dampfer zu­sammen und sank; 11 Matrosen ertranken. Der Rest der Besatzung ist gerettet.

" Durch die Explosion einer Eisenbahnlokomo- tlve wurden in Frankreich ungefähr 20 Urlauber schwer verletzt.

" Der Schaden der großen Explosionskatastrophe in Grenoble beträgt 15 bis 20 Millionen.

" Italienische Blätter melden den TodeSftnrz eines der erfolgreichsten italienischen Kundschafksslieaer, des Hauptmannö Luigi Bourlot.

Wl IPolitische Rundschau.

Am nächsten Donnerstag um 11 Uhr findet in der Hedwigskirche zu Berlin ein feierliches Requiem statt DCU ermordeten Gesandten Grasen Mirbach-tzarsf

.?* e rumänische Regierung hat an die deut­sche Neichsregierung eine Depesche gesandt, in der sie lhr Mitgefühl an der Ermordung des deutschen Gesandten in Moskau ausspricht.

Der neu ernannte rumänische Gesandte Jean Carp (Sohir des alten deutschfreundlichen Führers Peter Carp) ist in Wien eingetroffen.

:: Lichnowsky gegen Lichnowsky. Im Anschlüsse an die Geheimsitzung des preußischen Herrenhauses über den Fall Lichnowsky veröffentlicht dasNeue Wiener Journals einen Brief, Den Fürst Lichnowsky am 21. Mai 1915 au einen sozialdemokratischen Reichs- tagsabgeordnelen gerichtet hat. Das Schreiben lautet:

Sehr geehrter Herr! Ihr gestriger Besuch hat mich um jo mehr gefreut, als ich feststellen konnte, dag manche gemeinsamen Anschauungen zwischen uns be­stehen, trotz ber Verschiedenheit unseres Standpunk­tes In einem glaube ich mich mit Ihnen eins zu wissen, und das ist sicherlich die Ueberzeuqung, daß, solange die Nation um ihr Dasein kämpft, es ver- hängntsvoll wäre, durch Kritik an unserer Politik Uneinigkeit in das deutsche Volk zu bringen und dadurch seine Widerstandskraft zu lähmen. Ob die Politik, die dem Weltkriege voranging, den Beifall aller Parteien und Bürger verdient, ist eine Frage, deren öffentliche Erörterung einer späteren Zeit Vorbehalten bleibt. Vorläufig aber erscheint es mir die vornehmste Pflicht aller Patrioten zu sein, im Interesse der gemeinsamen Sache die Regierung zu mterstützen und in weiten Kreisen das Vertrauen in *Jr oii ö" erschüttern. In ausrichtiger Hochachtung Ihr Lichnowsky."

Eer freie Samstag-Nachmittag für die Arbeiter.

TZerbände der Metallarbeiter tm niederrheinisch- westsalischen Industriegebiet haben seit längerer Zeit eine Bewegung zur Erlangung einer Kürzung der Arbeitszeit eingeleitet. In jüngster Zeit hat sich diese Bewegung auf die Forderung des freien Sani^tag- Rachmittags geworfen. In einer in Essen abgehalte­nen, aus allen Jndustrieplätzen des Gebietes gut be­uchten Versammlung von Vertrauensleuten der Metall- arbeitecverbände, des sozialdemokratischen, des chrifh,