Ausgabe 
13.7.1918
 
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den. Die Absender sind verpflichtet, alle Sendungen wahrheitsgetreu zu deklarieren. Verbotswidrige Trans­porte verfallen dem Kriegsernährungsamt. Tie Lan­desbehörden haben diese Vorschriften streng durchzusüh- ren. Hinsichtlich der Prcisregelung der landwirtschaft­lichen Erzeugnisse wird gefordert, dag in der Preis­gestaltung mehr Beständigkeit und Gleichmäßigkeit herrsche. Auch soll auf die Kosten der landwirt- schaftlichen Erzeugungsmittel Rücksicht genommen wer­den. Bei den Rahrungsmitteipreisen soll auf die Kaufkraft der breiten Blassen Bedacht genommen wer­den. Das abzultefernde Getreide soll nur in gereinig­tem Zustande abgenommen werden. Das Winterkorn soll :n bestimmten Mengen dem Erzeuger verbleiben. Zur Förderung der Fettversorgung soll der Anbau der Oelsaaten begünstigt, weiterer Anbau von Raps angeordnet werden. Zur Aussaat von Raps und Rüb­sen sollen möglichst große Mengen sticlstosshaltiger Düngemittel geliefert werden. Der Preisunterschied für ausländischen Kunstdünger soll von der Reichs- kasse übernommen werden. Weiter soll die Heeresver­waltung das Pferdematerial möglichst freihändig er­werben und sich an den geltenden Marktpreis halten.

Bezüglich der Kohle nverjorgun g liegt eine Entschließung vor, die eine möglichste Steigerung der Kohlenförderung fordert. Die Zahl der Kohlenardettec joll durch Beurlaubungen voni Heeresdienst, durch Her­anziehung von Hilssdienstpslichtigen, Gefangenen und auslandiichen Arbeitern vermehrt werden. Für die rlvaijerstraßen. sollen genügend Schisse bereitgestellr werden.

Zur BekleidungSsrage liegt nur eine Ein­gabe vor, wonach Per,onen mit einem Einkommen unter 12U0 Marr von der Verpflichtung zur 'Abgabe von Kleidungsstücken befreit werden sollen. Der inus- lchuß empjie^u diese Eingabe zur Berücksichtigung.

' Nachdem die Berichterstatter den Bericht aus der KoniMissivli vorgetragen hatten, nahm das Wort der

^ttaarsjelrerar des ^triegserncn-rungscunls von rvaloow Rach dem Liande unserer Vorräte können wir uns auf oem cr.rnahrungsgebiel keine Experunenie erlauben. Die strasfe Beivirtichaslung der Gctreldevorräle vleidl für die Dauer des Nrlege» undedingl notwendig. Oesterreich hat riach seinen Erfahrungen in diesem Jahre sich die,er Auffas­sung angeschlosjen. Wir haben einheitliche Grund,uhe für die diesjährige Bewirtschaftung ausgestellt.

Wir sind bejscr durch den Winter gelomnien, als wir nach den Aussichten des Herbstes annehmea vurjren. Der Grund dafirr ifi Die gute Karloffeiernre und, wie ich au dieser Stelle ancrlennen muß, bessere DurcyvUdung der tommunalen Organisationen. Ein Sorgenkind wor voll An­fang an in diesem WirtschaslSjahr die Brolgelreidevec- sorgung. Die Ungunst der Witterung hat uns eine völlige Mißernte des Funergerreides und auch eine sehr knappe Brorgelreideernre gebracht, die uns voll Anfang an zur größten Sparsamkeit und straffsten Bewirtschaftung nötigte. Auch die Ernte aus den besetzten Gebieten und aus Ru­mänien brachte uns eine Enttäuschung.

Während die Zufuhr an Zucker und an Eiern einen erfolgversprechenden llmjang genommen hat, sind die Liefe­rungen an Getreide aus der Utiaiue unzureichend. Es wirb noch eine lange Zeit dauerii, dis größere Transporte ln Gang kommen.

Nach dem Stande der Entwicklung dürften wir die Winterernte in der Heimat in der allernächsten Zeit zu erwarten haben. Die Ernte der Wintergerste ist bereits ' m vollen! Gange und Zufuhren aus dieser Ernte rollen be­reits den Lagern der Reichsgetreidestelle zu. Die Kariofsel- ratw7i hat mit weuigen Ausnahmen im ganzen Lande bis zum Anfang dieses Monats in voller Höhe aufrecht erhalten werben können. (Widerspruch bei den Soz.). Adg. Krä tz ig (Soz.-: Nicht wahr! Vizepräsident Tr. Paasche rust den Adg. Krätzig wegen dieses Ausrufs zur Ordnung.) Jetzt stehen wir vor den letzten Wochen, in denen die Vor­räte des alten Jahres naturgemäß knapp werden. Die kalte Witterung hat die Frühkartoffelernte um etwa 10 Tage verspätet und es tritt dadurch wider Erwarten eine gewisse Spannung zwischen der Versorgung aus der alten und de: neuen Ernte ein. Jm,nerhin wird es gelingen, solche eintrerenden Ausfälle durch Zuschübe aus den früher erntenden Kartvffelgedieten. sowie aus holländischen Kar­toffeln auszugleichen, ohne ernste Störungen. Tie Mißernte an Futlergewächsen und der Mangel an Kraftfutter ist auch der uns von der nachteiligsten Wirkung auf unsere Viehlrirlschafl gewesen. Tie notwendige Reduzierung der Viehbestände und der Rückgang der Schlachtgewichte hat uns dazu genötigt, die normale Abnutzung unserer Rind­viehbestände erheblich zu überschreiten. ES ist deshalb leider nichr zu umgehen, vom nächsten Wirtschaftsjahre ab, sobald unsere Brotration wiederhergestellt und die volle Kartoffelversvrgung gesichert ist, neben einer geringen He­rabsetzung der Rate eine Zeit lang auch in gewissen Zwi- I, P- 1 UIKC . U el ? e lleischlose Woche einzuführen. Für den Ausfalls wird in den fleischlosen Wochen ein entsprechen­de Cr,atz durch Mehl gegeben werden, der die gebotene Einschränkung erträglich erscheinen läßt.

Tie Ertragnisse der besetzten Gebiete und die Zu­fuhren au» Rumänien und der llkraine bieten uris eine gewisse Reserve, sie sind aber als unsichere Faktoren nur mit Vorsicht in Rechnung zu stellen. Die Erhaltung unserer heimlichen Produktion ist deshalb eine der wichtigsten Fragen unserer Kriegswirtschaft.

Matzlnger (Ztr.): Immer noch gehen ei hebliche Nahrungsmittelmengen in die Taschen de Hamster und in die Kanäle des Schleichhandels. Wen Hl Anette Preis in besserem Verhältnis zum Wer der Ware steht, findet der Versucher weniger Gehör D/r Erzeugung wird nicht genügend Aufmerksamkei . Dre Beförderung der Kohlen nach Srtt Deutschland muß beschleunigt werden.

Evels (Soz.): Tie einzig wirksame Orgc rnsation unserer Ernahrungspolitik ist der Schleid n L öcr Unterstützung, die ihm durch d Militär-, Reichs- und Staatsbehörden zuteil wird Staatssekretär v. Waldow. Ich weise die Behau, tung zuruck, daß der Kaiser kein Interesse für die E nahrungsfrage zeigt; er läßt sich dauernd auf dem La» senden halten.

c- ,^0* Roesicke (fonf.): Tie Kleiderzuweisung mu fuc Andwirt,chaftliche Arbeiter ebenso erfolgen wie fii Die Industriearbeiter. Wenn man eine regere B< tatlgung der einheimischen Landwirtschaft erzielen wil dann möge man von der sozialistischen Wirtschafte weise sich abkehren und die freie Produktion miede zulafsen. ^

Allgemeine Kriegsnachrichten

Für den Tunnelbau England-Frankreich.

Von der interalliierten parlamentarischen Kon­ferenz wurde eine einstimmige Vorlage zugunsten des Baues des Kanaltunnels angenommen. Neben Frank­reich war es vor allen Dingen Italien, das den Vau unterstützte.Daily Chronicle" meint, daß., der Bau des Kaualtunnels die Alliierten stärker aneinan­der binde, und daß die Eisenbahn unter dem Kanal her ein Mittel gebe, um den deutschen Einfluß auf industriellem Gebiet besser bekämpfen zu können."

Der Tunnel wird für England den großen Vorteil einer stärkeren Beeinflussung Frankreichs haben. Zudem weiß man ja auch noch nicht, ob England die in Nordfrankreich besetzten Küstenplätze Calais, Boulogne usw. wieder räumen wird.

Frechste Verletzung der holländischen Rechte.

__ Seil dem 15. Mai, also in den letzten sechs Wochen, sind nicht weniger als 2 0 Fälle festgestellt worden, in denen englische Flieger bei ihren An­griffen ans die flandrische Küste holländisches Gebiet überflogen, um auf diesem Wege den deutschen Ab­wehrgeschützen zu entgehen. Auch aus dem Rückfluge ae,chah in vielen Fällen das Gleiche aus demsel­ben Grunde. Die Blätter in Holland nehmen in aus­führlichen Artikeln gegen diese offenkundige Verletzung des niederländischen .Hoheitsrechtes Stellung. Sie über­sehen dabei nicht, daß auch von deutscher Seite (es geschah dies zu Anfang des Krieges) niederländisches Gebiet überflogen worden ist. Wie die Blätter her­vorheben, erfolgt das Ueberfliegen niederländischen Ge­bietes durch die Engländer mit einem ganz be­stimmten Zweck. Man kann daher annehmen, daß es seit den letzten Monaten schematisch betrieben worden ist. Soweit man hört, wird auch die niederländische Regierung einen scharfen Protest an die englische Negierung gegen dieses häufige Ueberfliegen gelangen lassen.

Bourgeoisie" nicht Frontdienst - 'Arbeitsdienst.

Trotzkr rüstet zum Kriege, zum Kriege gegen die Entente. Und da die uichtbolfchewislischen Kreise, von KerenSki bis zu den Anhängern des Zaren Anhänger der Entente sind, kann er sie in der Armee nicht dulden. Andererseits will er sie aber unter Militär- zwang haben. Er fordert daher, daß die Bourgeoisie ebenfalls herangezogen werde. Da die Bourgeoisie aber zum Frontdienst nicht zugelassen werden soll, sieht die Eingabe die Einreihung der Bourgeoisie in ein 21 r b e i t» b a t a i 11 o n vor, zur Reinigung von Straßen, Kasernen, Lägern. Schützengräben arbeiten usw. Außerdem werden die Privatunter- uehmungen verpflichtet, zu dem Fonds zur llnter- slützung der Familien Einberufener ein Monatsgehalt aller bei ihnen Angestellten einzuzahlen. Diese Steuer muß vom Unternehmer entrichtet werden.

Schwere Explosion in Grenoble.

..Progres de Lyon" zufolge scheint die gemeldete Explosion in Grenoble außerordentlich ernst gewesen zu sein. Noch am 30. Juni, also 21 Stunden nach der kr,len Explosion, brannten die Baracken am 'Artillerie­schießplatz. Erst spät abends war die Gefahr beseitigt. Die Meldung besagt, die Sicherheit der Stadt sei nunmehr geivährlei,tet, eS seien Vorkehrungen getrof­fen, daß die Explosivneu sich nicht wiederholen könn­ten. Die Pulverdepots wurden überschwemmt, das Zeughaus gesichert, in Grenoble könne das uorniale Leben wieder beginnen. Ter Deputierte von Grenoble, Mistral, wird in der Kammer die Negierung über die Explosion sowie über die unvollständige Durchführung der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen interpellieren.

Terreine" Idealismus.

Journal des Debats" beschäftigt sich seit letzter Zeit eingehend mit den französisch-amerikanischen fi­nanziellen Beziehungen.

Bekanntlich hatte Frankreich mit seinen Haupt­kriegslieferanten Amerika und England abgemacht, daß die Bezahlung für die Lieferungen an Kriegsmaterial beträchtliche Zeit nach Friedensschluß stattfiuden sollten. Später, als die englischen und dann die amerikgnischen Druppen in großer Zahl ankamen, übernahm es die französische Negierung, den Gästen den Sold auszuzahlen und für ihre Ernährung zu sor­gen, um den alliierten Regierungen die Umwech,lungs- manüver §u ersparen, die auf dem offenen Markt kaum realisierbar gewesen wären. Die 'Auslagen hier­für werden mit den Kriegslieferungen kompensiert.

Journal des Debats" stellt fest, daß diese Art der Rückzahlung bis zu eiuem gewissen Grade ange­nehm gewesen wäre, weil dadurch die Kassenschuld Frankreichs herabgemindert würde. Nun aber sind die 'Auslagen für die amerikanische 'Armee, deren schlechtest bezahlter Soldat 5,70 Francs pro Tog ?rhält. so groß, daß in Wirklichkeit eigentlich eine ofortige Barzahlung der amerikanischen Lieferungen tattfindet, die im Gegensatz zu dem bisherigen Kredit tände, und die französische Regierung zwinge, sich mmer größere Vorschüsse von der Bank von Frankreich auszahlen zu lassen.

Uncle Sams Niesen-Portcrnonnaic.

LautTimes" vom 18. Juni 1918 haben die Ver­einigten Staaten England einen weiteren Kredit von 35 000 000 Pfund eingeräumt, und Belgien weiter l 800 000 Pfund geliehen. Die Gesamtvorschüsse ^Ame­rikas an die Verbandsmächte belaufen sich auf die Summe von 1 191 000 000 Pfund (= 22 Milliarden Mark), darunter an England allein 634 000 000 Pfund.

Englischer Bcrgarbcitcrstrcik.

Daily News" zufolge traten 12 000 Bergleute in den fünf Castlefordgruben in den Streik, wodurch wichtige nationale Industriezweige in Dorkshire schwer in Mitleidenschaft gezogen werden.

Fude,,Verfolgung in Rußland.

Infolge der Pogrome beschloß die jüdische Ge­meinde von Petersburg, den 23. Juli zum allgemeinen Trauertag zu erueunen. Es werden in allen Syna­gogen Trauergottesdienste abgehalten werden.

Tie Engländer in Palästina.

Die in Damaskus erscheinende deutsche 'Armee- zeitungJilderim" bringt folgende Mitteilungen über die Lage unserer Landsleute in Jerusalem und Jaffa:

.FZn Jerusalem sind die Deutschen in ihren Wohnungen belassen ivorden. Schule und Gottes

dienst unter Leitung des Propstes Jeremias gehen uu- gehindert vor sich. Ebenso dursten die Schwestern der Oelberg-Stiftung verbleiben, trotzdem der Stab des 20. englischen Korps dort einquartiert ist, auch die Patres im St. PauluS-.tzospiz, dem früheren deut­schen Genesungsheim. Weniger günstig lauten die Nachrichten aus Jaffa am Meere. Tie Kolonien Wilhelma und Savona wurden Ende Dezember 1017 geräumt und ihre Bewohner nach Jaffa gebracht. Nahe­zu alle deutschen Männer sind zunächst in Zelt­lagern an der türkisch-ägyptischen Grenze, dann in einem Ort bei Alexandria interniert worden. Tie Schule war mehrere Monate geschlossen, da die Englän­der das Gebäude für Lazarettzwecke in Anspruch "nah­men und die Lehrer zu der Zahl der Internierten ge­hörten; die Tatkraft der Kolonistenfrauen überwand jedoch alle Hindernisse, so daß im Februar 1918 der Unterricht wieder ausgenommen werden tonnte.

Japaner in Sibirien?

Eine Korrespondenz meldet aus Kiew: Nach einer Radiomeldung aus Moskau hat die Sowjetregierung eine außerordentliche Sitzung wegen des Erscheinens japanischer Truppen bei Tschita einberufen. Im Falle die Japaner und Engländer die Okkupation russischen Gebietes beabsichtigen, würde sich die Sowjet-Regie­rung sofort an Deutschland anschließen.

Eine Bestätigung dieser Meldung bleibt abzu­warten. Tschita ist eine Stadt an der transsibiri­schen Bahn in der Nähe von Irkutsk, also bereits mitten in Sibirien.

Politische Rundschau.

:: Tie Vorsitzenden der freikonservativcu Partei.

Der Hauptausschuß der Reichs- und freikonservativen Partei wählte an Stelle des ausgeschiedenen Vor­sitzenden Freiherrn v. Zedlitz den Reichstagsabgeord- neten Schultz (Bromberg) zum ersten Vorsitzenden und den Landlagsabgeordneten Lüdicke zum geschäftsführen- den Vorsitzenden.

England: Rcnc Gewalttaten gegen Irland.

m JL e,t 0 H c Polizei nahm in der irischen Grafschaft Galway und den anschließenden Grafschaf­ten wieder ausgedehnte Haussuchungen nach Waffen vor Die Streifzüge erstreckten sich über einen Um­kreis von 50 Meilen um BalLtsq-Loe herum. Es wurden Hunderte von ©ero^fh und andere Waffen beschlagnahmt. Im allgemeinen ergaben sich keine Schwierigkeiten. In einigen Fällen, wo Wider­stand geleistet wurde, wurden Verhaftungen vorae- nommen.

Aus aller Welt

A Wann darf Sauerkraut hergestcllt werden? Die Reichsstelle für Gemüse und Obst hat bekanntlich die gewerbsmäßige Bearbeitung auch von Weißkohl aller 'Art zu Sauerkraut für die Zeit vom 1. Juli bis 20. August d. I. verboten, um eine Entblößung des Frisch- marktes zu verhindern. Von btefeni Verbote sind jedoch die an den Frischmärkten verbleibenden Ueberstände von Weißkohl ausgenommen, die durch Einsäuern vor dem Verderben geschützt werden müssen. Das Verbot gilt ferner insoweit nicht, als Weißkohl auf Grund besonderen Auftrages der Reichsstelle zur Deckung des Bedarfs von Heer und Marine zu Sauerkraut einge- schnltten werden wird.

** Merkwürdige Mißbildung. In Buchhoffen bei Kelherm an der Donau hat eine Frau ein Kind mir zwei Köpfen und vier Armen geboren, das noch kur^e Zeit nach der Geburt lebte.

** Ein Märchen aus uralter Zeit. Wer in Schön­berg (Meck!.) Bürger werden will, muß den Bürgereid nach einem 18B3 ausgestellten Stadtrcglement leisten Dies ReglemenV legt dem Bürger die Pflicht ans. wenn die Reihe an ihn kommt, zwei Jahre lang jeden Sonntag den Klingelbeutel in der Kirche umzu­tragen und die Spenden der Kirchenbesucher einzusam­meln. Als Belohnung dafür erhält er am Schlüsse des Jahres einen Schuh, so daß er nach Ablauf der bei­den Jahre ein Paar Schuhe hat. Schon vor längerer Zeit hat man gegen diese alte Sitte Front gemacht und hat erreicht, daß sich der neue Bürger durch den Küster gegen Erlegung von acht Mark jährlich los- kaufen kann. Dafür übernimmt dieser das Um­tragen des Klingelbeutels. Jetzt hat sich ein Bürger geweigert, auch diese acht Mark zu bezahlen, und es soll ihm der Prozeß gemacht werden.

** Goldene Jugend. Vor dem Landgericht Zwei- brucken spielte sich kürzlich ein Strafprozeß ab, in dem sestge,teilt wurde, daß zwölfjährige Gymnasiasten in Plrma-ens durch Handelsgeschäfte während des Krieges Vermögen von 50 000 bis 60 000 Mark erworben haben und Bankguthaben besaßen.

v->- Bei der Grippe in Berlin wird in vermehr- [ et . das Zusammentreffen mit Lungenentzündung leobachtet. Im Virchow-Krankenhause, in dem nur chwerere <^älle zur Aufnahme gelangen, liegen eine Reihe von Erkrankungen an Lungenentzündung vor. bei douen offenbar ein Zusammenhang mit spanischer Grippe besteht. Einige von diesen Lungenentzündun­gen verliefen auch bereits tödlich. Es wird aber darauf hingewiesen, daß schwere Erkrankungen der Lunge und des Rippenfelles seit längerer Zeit und lauge dor dem Umsichgreifen der spanischen Grippe zahl­reich, ja fast epidemisch ausgetreten sind.

Scherz uud Ernst.

kl. Scchundssleisch in Schweden. Die unerhör­ten Preissteigerungen für Rind- und Hammelfleisch -aden eine Stockholmer Firma veranlaßt, Seehnnds- 4ei,ch auf den schwedischen Markt zu bringen. Tie rorma hat dieses Fleisch u. a. auch sämtlichen stüdti- chen Lebensmittelausschüssen angeboten. Da jetzt eine Milderung des Fleischmangels von großem Interesse ist, jo hat das Blatt sich bei der Firma wegen der näheren Einzelheiten erkundigt. Danach hat die Firma A u 1 JL e 1 2 0 it über 1 0 0 0 0 Kilogra in m ver sind größere Lieferungen nach Norr- koping, Gäfleborg und an die Heeresverwaltung ge­gangen.