Ausgabe 
29.6.1918
 
Einzelbild herunterladen

GietzW-r Bettung

vezugspreir 60 pfg. monatlich

vierteljährlich vorauszahlbar, frei ins Haus.

Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,50 Mk. Erscheint Mittwochs und Samstags. Redaktionsschlutz früh 8 Uhr. Für Aufbewahrmi, oder Rücksen­dung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag derGießener Zeitung", Gießen.

«rpeöitfon: Züdanlage 21

Hnjeigenpreis 20 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 80 Pfg. Die 90 mm breite R e k l a m e - Z e ile 73 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung desZahlungS- zieles (30 Taaes, bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gicßencr Verlagsdruckerei, Albin Klei«.

Nr. 57.

Telephon Nr. 362.

Samstag, den 29. Juni 1918

Telephon Nr. 362.

31. Jahrg.

Größere feindliche Angriffe abgeschlagen.

Amiens, Berhnne und andere franzöfifche Städte unter schwerem deutschen Artilleriefeuer.

. Paris mit Bomben belegt.

1889b u. 1699« u. 29099 Br.-R-T. - zusammen 54809 Br.-R.-T. versenkt. Erfolgreiche Lnft- und Seekämpfe vor Flanderns Küste.

seits der Somme. Auch in anderen Abschnitten, zwischen User und Marne, nahm das Aitilleriefeuer am Abend zu. Heute früh steigerte sich das Feuer deS Feindes beiderseits der Lys, zwischen Bailleul und Bethune und südlich der Aisne zu größerer Stälke. Unsere Artillerie nahm den Kampf kräftig auf. In einzelnen Abschnitten haben sich Jnfonteriegefechte entwickelt.

daß

Der enttronte Zar ermordet oder nicht?

In auswärtigen Blättern wird veröffentlicht, der enttronte Zar ermordet sei.

Das StockholmerDagbladet" berichtet aus Peters­burg: Die Sonderblättec über die Ermordung des Zaren wurden von den Rätebehörden nicht beanstandet, obwohl die Zeitungen hinzufügen, daß b.S jetzt keine Bestätigung der Nachricht vocltege. Man glaubt, daß die Behörden über die Ermordung näher unterrichtet sind, als sie zu­geben.

Küne Nachricht in Darmstadt.

*Darmstadt, 27. Juni. Die Meldung, der groß- herzogliche Hof in Darmstadt habe aus Moskau eine von Tschitscherin Unterzeichnete Drahtung erhalten, nach der der Zar ermordet worden sei, ist falsch. Nach Er­kundungen an zuständiger Stelle ist dem gxoßherzoglichen Hose keine derartige Drahtung zugcgangcn.

Zur militärifcben Lage im Kielten und Siidweften.

* Bern, 26. Juni.Echo de Paris" meldet, Amiens werde sehr energisch weiter beschossen. Bisher habe man über 10 000 Einschlagstellen von Granaten gezählt. Der Schaden ist unberechenbar. Jedes 27. Haus sei zerstört, jedes 7. Haus beschädigt. Doullens, Saint Pol und Abbcville hätten durch unablässige Be. schicßung gleichfalls schweren Schaden erlitten. Bet­hune brenne immer noch und gehe wie Acros voll­kommenster Zerstörung entgegen.

* Berlin, 27. Juni. Am 26. wurden Estrees St. Denis und Margny mit schwerstem deutschen Flach, seuer beschossen.

* Holländische Grenze, 28. Juni. Laut dem Amsterdamer Handelsblatt teilt der Kriegsberichterstatter desPhiladelphia Ledger" mit, daß bei den amerika. nischen Truppen an der Westfront erzählt werde, nach Mitteilungen verschiedener deutscher Gefangener aus verschiedenen Bezirken werde das Kriegsende am 17. Juli nach einem großen deutschen Schlage erwartet

* Zürich, 27. Juni. Sondertelegcamme Pariser Blätter melden die Umgruppierung des italienischen und Verbündeten Piave-Aufgebots. DieZüricher Morgenztg." berichtet, daß der Rücktransport der italie­nischen Divisionen aus Frankreich bevocsteht.

* Lugano, 27. Juni. WieSeccolo" aus Paris nielbet, Unterzeichnete der Präsident der Republik ein Dekret, welches die Departements von Paris und der Seine als Kriegszone erklärt.

flmilicbe deutfebe Cagesbericbtt.

Berlin, 25 Juni. Neue U-Bootserfolge im Sperr- grbiet um England: 18800 Naumtonnen. Bon den versenkten Schiffen wurden 3 bewaffnete Dampfer an der Ostküste Englands aus stark gesicherten Geleitzügen herausgeschossen.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

*

wtb. Großes Hauptquartier, 26. Juni 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht

Südlich der Scarpe griff der Engländer gestern früh mit mehreren Kompagnien in breiten Abschnitten an. Bei Foucky und Neuville Bitasse wurde er im Ge­genstoß zurückgrworsen. In den Nachbarabschnitten schei­terten seine Vorstöße in unserem Feuer. Am Abend lebte die Artillerietätigkeit fast an der ganzen Front Mrs. Zwischen Arras und Albert und beiderseits der Somme blieb sie auch während der Nacht lebhaft. Mehr- fad) stieß der Feind zu starken Erkundungen vor. Ec wurde abgewiesen und ließ Gefangene in unserer Hand.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Zwischen Avre und Marne zeitweilig auflebende Gcfcchtstätigkeit. Westlich der Oise erbeuteten wir in Borfeldkämpfcn französische Maschinengewehre. Ein feind­licher Teilangriff nordwestlich von Chateau Thier, y wurde abgcwiesen.

Heeresgruppe Herzog Albrech.

. Nördlich vom Rhone-Marne Kanal brach bayerische Landwehr in die französischen Stellungen nordwestlich von Bures ein und brachte 2 Osfiziere und 40 Mann gefangen zurück

Aus einem feindlichen Geschwader, das am 24 Juiu östlich von Soissons bis zur Aisne zum Bombenwurf vo,drang, wurden 5 Flugzeuge abgeswossen. Gestein wurden 12 feindliche Flugzeuge und 3 Fesselballone zum Absturz gebracht. Leutnant Udet errang seinen 33., 31. und 35., Leutnant Kirsch seinen 27., Leutnant Rumcy seinen 24., Leutnant Beltjens seinen 23., Leutnant Billik seinen 21. Luftsteg.

Der Erste Generalquactiermeister: Ludendorff.

Berlin, 26. Juni, abends. Bon den Kampffronten nichts Neues.

Berlin, 26 Juni Aus dem nördlichcn Kriegs­schauplatz wurden durch unsere Unterseeboote wiederum 16000 Br. Reg.-T. feindlichen Handelsschtffsraumes vernichtet. Zwei Dampfer wurden im Westausgang des Kanals aus stark gesichertem Geleitzuge herausgeschossen.

Der Chef des Admiralstabcs der Marine.

r»t

wtb. Großes Hauptquartier, 27. Juni 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht u. Deutscher Kronprinz.

Die Lage ist unverändert. Rege Tätigkeit des Fundes nördlich der Scarpe und Somme, westlich von Soissons und südwestlich von Reims. Auf der Kathedrale von Reims wurden erneut Beobachter des Feindes erkannt. Während bec Nacht nahm die Artillerietätigkett auch a-n der übrigen Front zwischen Iler und Marne in Ver­bindung mit Erkundungsgefechten der Infanterie wieder zu.

Heerespruppe Gallwitz.

Auf dem östlichen Maasufer führten wir erfolgreiche Erkundungen durch. Nördlich von St. Mihiel wurde ein stärkerer Vorstoß des Feindes abgcwiesen. Aus feind­lichen Bombenstaffeln, die in den beiden letzten Tagen zum Angriff gegen Karlsruhe, Offenburg und das lothringische Industriegebiet vorstießen, wurden 5 Flug­zeuge abgeschossen. Unsere Bombengeschwader griffen gestern Paris und auf dem Wege dorthin Bahnknoten­punkte und Flugplätze des Feindes an. Leutnant Rumey errang seinen 25? Lustsieg.

Der Erste Generalquaitiermeister: Ludendorfs.

»

B e r l i n, 27. Juni, abends. Von den Kampffronten nichts Neues.

Berlin. 27. Juni. Das unter dem Kommando des Käpitänleutnants Jost stehende Boot hat in der Irischen See und deren Zufahrtsstraßen 3 besonders wertvolle Dampfer von je 5000 bis 6000 Br-R.-T. versenkt. Zwei dieser Dampfer wurden aus starken, nach England einlaufendcn Gelettzügen herausgeschossen. Im t anzen nach hier eingegangenen Meldungen unsrer U-Boote: 20 000 Brutto-Reg.-Tonncn.

Der Chef des Admiralstabes drr Marine.

wtb. Großes Hauptquartier, 28. Juni 1918.

We stlicher Kriegsschauplatz:

Rege Tätigkeit der Engländer und Franzosen beidec-

Starker Fliegerelnsatz führte zu heftigen Luftkämpfen. Unsere Flieger schossen gestern 2b feindliche Flugzeuge und einen Freiballon, unsere Flugabwehrgeschütze 5 feind- liche Flugzeuge ob. Hauptmann Berthold errang seinen 37., Leutnant Loewenhardt seinen 29., Leutnant Rumcy seinen 26. und 27. Luftsieg.

Der Erste Generalquactiermeister: Ludendorff.

Berlin, 28. Juni, abends. Nördlich der Lys und südlich der Aisne kämpfen wir in der Abwehr heftiger Teilangriffe des Feindes.

Berlin. 28. Juni. Am 87. Juni griff eine unserer Marine Jagdleiter, unter Führung des Leutnant? d. R. Osterkamp quer ab der flandrischen Küste ein stark von Einsitzern gesichertes feindliches Bombengeschwader an. Im Verlause des Kampfes, ln dem alle feindlichen Flug­zeuge ungefähr 20 - eingriffen, gelang cS unserer Kette, die nur aus 4 Flugzeugen bestand, 4 feindliche Flugzeuge obzuschießen. Leutnant Oflerkamp errang seinen 1b. Luftsteg. Flugwart Zenses war an dem Ec- folg mit 2 Abschüssen beteiligt.

Am Abend des 27. Juni gerieten Teile unserer Tor> pedobootstceltkiäfte Flanderns aus einer Patrouillenfahrt vor Ostende in ein G.fecht mit englischen Zerstörern unter Führung eines Zerstörerführerschiffes. Nach einem halbstündigen Gefecht zogen sich die feindlichen Zerstörer mit hoher Fahrt zurück, indem sie sich durch E «nebeln der Sicht entzogen. Es wurden Treffer auf dem Füheec- schiff und einem der feindlichen Zerstörer beobachtet. Unsere eigenen Boote sind ohne Verluste nnd Beschä- digungen eingelaufen.

Oestrrrrlcbilcbe krkolge.

Wien, 27. Juni. Bei Bczecca im Etschtal und auf der Zugna scheiterten italienische Eckundungsvor­stöße. Der heiß umstrittene Col del Rosso, am 15. Juni von der Edelweißdiviston im Sturme genommen und seither in den schwersten Kämpfen siegreich behauptet, wurde gestern vormittag nach schwerem Trommelfeuer abermals durch stacke Kräfte angegriffen. ES war für den Feind ein vergebliches Beginnen, seine Kampffähig­keit mit der unserer Salzburger, Kärntner, Ober- und Niedeiösterreicher zu messen, an deren Tapferkeit alle Angriffe zerschellten. Der Feind erlitt schwere Einbuße an Toten und Verwundeten und ließ zahlreiche Gefangene ln unserer Hand Bei Ponte di Piave versuchte der Italiener in Booten unser Ufer zu gewinnen. Ec wurde zusammengcschossen.

Der Ehef des GencrolstabcS.

fieimat und Vaterland.

Nicht da, wo dir die Sonne immer scheint,

Dort, wo die Sonne dir zuerst geschienen,

Und wär's auch nur im kargen Glanze, dort,

Wo deiner Mutter Auge sorgend sich Auf deine Wiege neigte, wo der Laut Der heik'gen Muttersprache in der Brust Die Seele dir erweckte, wo die Faust Des Paters mit dem harten Boden rang,

Den seine Ahnen schon mit ihrem Schweiß

Und ihrem Blut gedüngt dort, wo des Klugen

Erfahrung und Gefühl in Sturm und Donner

Dir Gottes Allmacht offenbarte, wo

Den Stein am Weg, den rauhen Dornbusch, selbst

Die dürre Heide er dich lieben lehrte,

Weil sie ein Teil des Vaterlandes sind,

Das dich gebar, nur dort ist deine Heimat,

Du Erdensohn! E. M. Arndt.