mau heute in der Friedenserörte r u n g noch nicht weiter sei als vor einem Jahre. — Die einzig mögliche .Haltung sei nicht der blinde Krieg, sondern man müsse sagen, daß man immer bereit sei, vom Frieden zu reden und ihn in jedem Augenblicke zu suchen, wenn der Feind einwillige. Jean LongueL spricht sich folgendermaßen aus: „Unsere Regierenden würden ein unsühnbares Verbrechen gegen Vaterland und Menschheit begehen, wenn sie die Gelegenheit, ein Ende zu machen, Vorbeigehen ließen."
Allgemeine Kriegsnachrichten.
Ein päpstliches Weißbuch.
Wie die italienischen Blätter melden, steht die Veröffentlichung eines päpstlichen Weißbuches bevor, das über das Werk des Heiligen Stuhles im Weltkriege an Hand von Dokumenten Aufschluß erteilen werde.
Wilson und „sein" Volk.
Er geht aus, läßt sich hören, läßt sich beklatschen, aber ein Heer von Polizisten muß ihn gegen „sein" Volk beschützen. Die ihm nicht übermäßig wohlgesinnte „Newyork Times" gibt über die Ankunft Wilsons in Newyork zur Eröffnung des großen Reklamefeldzuges für das Rote Kreuz folgende Schilderung:
Der Bahnhof war von einem großen Aufgebot von Schutzmännern und Detektiven bewacht. Draußen begrüßte ihn eine vieltausendköpfige Menge mit dröhnenden Zurufen, „die die Bahnhofshalle erschütterten". Vom Hotel Waldorf-Astoria aus unternahmen der Präsident und seine Begleiter nachmittags eine Antomobilfahrt. voran zwei Schutzleute auf Motor rädern, um das Wilsvnsche Automobil herum dre vollbesetzte Autos mit Detektiven und Sicherheitsmannschaften. Nach dem Diner im Hause des Obersten House fuhr Wilson in ein Theater. Im Zuschauerraume saßen fünfzig Detektive in Zivil, unter das Publikum verteilt: außerdem waren sämtliche Zugänge des Theaters von dreißig uniformierten Wachmannschaften besetzt. Auf der Bühne produzierte sich n. a. ein Verwandlungskünstler, der historische amerikanische Persönlichkeiten, wie Lincoln und Grant mimisch darstellte. Als er sich als „Präsident Wilson' vor dem Publikum präsentierte, brach tobender Beifall aus. Wilssn erhob sich in seiner Loge und bielt folgende kleine Rede: „Meine Damen und Herren, ich glaube, daß Sie in einem kleinen Irrtum besangen sind. Sie meinen, den Präsidenten der Vereinigten Staaten in mir zu sehen. Das stimmt nicht ganz. Was Sre hier in mir sehen, ist ein adgeardeiteier Mann der sich amüsiert."
Ncbcrraschte Empörung über die Oesterreicher.
Die englischen Frontberichterstatter in Italien melden, daß die Lesterreicher mehrere tausend Geschütze leichten und schweren Kalibers in Tätigkeit hätten. Die österreichischen Truppen gingen mit unvergleich- lichem Elan vor, und sie würden überall von einem Ueberfluß von Kriegsmaterial unterstützt. Sie haben Befehle, um jeden Preis vorzudringen, und sie bemühen sich auch, diesen Befehlen nachzukommen, denn sie hätten die ihnen gesteckten Ziele bei weitem noch nicht erreicht. — Bemerkenswert sei auch, daß die gefangenen Lesterreicher keinerlei Anzeichen einer schlechten Ernährung zeigen.
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Kleine KriegSnachrichten.
" Wilson hat alle Vieh- und Schlachthöfe in den Vereinigten Staaten unter die Aufsicht der Bundesbehörden . gestellt.
Die von der chinesischen Regierung beschlagnahmten feindlichen Schiffe wurden zur Verfügung der Entente gestellt. Frankreich erhielt eines, England und Amerika je zwei Schiffe.
Politische Nrmdschau»
— Minister des Innern Dr. DrewS besuchte am Sonnabend die Schaustätte desFilmbrand-Unglückes in Berlin.
. — Zum Vorsitzenden der Polen-Fraktion des Reichstages wurde der Abg. Seyda gewählt, zu seinem Stellvertreter der Abg. Laszewski.
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:: Steuer-Gerichtshof für das Deutsche Reich. Der Hauptausschuß des Reichstages nahm heute eine Ent fchlreßung an, die die Errichtung eines Steuer-Ge- rrchtshofes für das Deutsche Reich verlangt.
:: Tie Besteuerung vcr Luxusgegenstände wurde, nachdem em Unterausschuß den Gegenstand erneut durchberaten hatte, im .Hauptausschuß 'des Reichstages endgültrg für die Entscheidung in der Vollversammlung des Reiches bereitgestellt. Die lange Reihe der Lur.usgegenstande vom Edelmetall bis zum Pelzwerk war noch einmal durchgearbeitet worden. Einige Nachklange dieser Aussprache kehrten dieses Mal wieder. So verlangte ein Zenttumsredner, daß alle Teppiche be- steuert werden sollen, daß Gegenstände für den kirchlichen Gebrauch frei bleiben sollen. Ein Sozialdemo-
wollte Gold für Heilzwecke (Zahnärzte) freige- stellt wissen, ein süddeutscher Nationalliberaler Taschenuhren mit nlbernem Gehäuse. Tie drei ersten Anträge wurden angenommen, alle anderen zurückae- zogen. 0 u
:: Ncbcr unsere Ernähr« ngsanssichLcn hat sich im Ernahrungsausschusse des Reichstages der Untcrstaats- lekretär im Kriegsernährungsamt Dr. Müller aus- Uprochen: „Die Rückerstattung aus der österreichischen Getreideernte wird voraussichtlich bald erfolgen können, weil ja die Ernte dort in einigen Tagen erfolgt. Die Verkürzung unserer Brotrate hat mit den österreichischen Ernährungsschwierigkeitcn nichts zu tun. Eine Vermehrung unserer Fleischrate ist im gegenwärtigen Augenblick leider nicht möglich. Andererseits soll eine Verkürzung der Fleischrate bis zur Versorgung aus der neuen Ernte vermieden werden. Darüber, ob nach dem Beginn der neuen Ernte und der dann wieder gegebenen vollen Brotrate und reichlicheren Belieferung mit Kartoffeln, Gemüse und anderen Lebensmitteln die Flerschrate vorübergehend gekürzt werden oder ob fleischlose Wochen für einzelne Teile
» der Bevölkerung oder für die Gesauttbepölketung eilige- führt werden sollen, wird zurzeit beraten.
:: Beschränkung vor fürstlichen Portofrciheit. Wie verlautet, haben sich die verbündeten Regierungen entschlossen, den im Reichstag mehrfach, noch zuletzt bei der Beratung der Steuervorlage im Hanptausschuß geäußerten Wünschen zu entsprechen und die noch bestehende Portofreiheit voii Angehörigen der deutschen Fürstenhäuser weiter einzuschränken. Ein Gesetzentwurf hierüber befindet sich in der Ausarbeitung Es ist aber ungewiß, ob er noch in diesem Tagunqsab- schnitt dem Reichstag zugehen wird.
:: Zum Fall Scheidemantel. Der von dem Reichs- tag eingesetzte Unterausschuß zur Prüfung der Kriegsgesellschaften hat zum Referenten für den Krieqsans- schuß für pflanzliche und tierische O c l e und Fette den Abg. Hoch bestellt. Herrn Hoch wird alles Material zur Beurteilung der in der Presse angeregten Fragen vorgelegt werden, so daß er in der Lage sein wird, dem Reichstage darüber zu berichten.
:: Tie Regierung gegen territoriale Arllcitskam- ,^ cr Neichstagsansschuß für die Beratung des Arbeitskammergesetzes setzte am Freitag seine Verhandlungen fort. Zu Beginn der Sitzung ließ die Regierung nochmals versichern, daß die Reichsregierung dem Gesetz nur zilstinlmen könne, wenn es sich auf einer fachlichen Gestaltung der Arbeitskammern aufbaut Die Negierung könnte höchstens für den Antrag ^.rimborn (Fachkammern nach Bedürfnis und gemein- saure Bezirkskammern im übrigen) im Bundesrat cin- treten, da ihr an dem Zustandekonrmen des Gesetzes viel liege. Nach längerer eingehender Aussprache ergab sich ein neuer Eintrag Dr. Hitze (Ztr.). Danach sollen, soweit „nach dem Stande der gewerblichen Entwicklung" ein Bedürfnis vorliegt, für einzelne oder mehrere verwandte Gerverbezweige oder für bestimmte "Arten von Betriebeii besondere Arbeitskammern mit entsprechenden Arbeitnehnier-Abteilungen auf fachlicher Grundlage errichtet werden können. Darüber wird das nächste Mal beraten werden.
::Rationc:ttibcrarc und Auswärtiges Amt. Nach der „Köln. Zeitung" stellt die nationulliberale Fraktion zum Etat des Auswärtigen Amtes den Antrag. den Reichskanzler zu ersuchen, baldmöglichst einen Aus- schiiß zur Prüfung der Frage einer organischen Reform des Auswärtigen Amtes einzusetzen, in dem außer Mitgliedern des Bundesrates und des Reichstages und Vertreters des Generalstabes und Admiralstabes insbesondere auch Vertreter des am überseeischen Handel beteiligten Kaufmannsstandes und der deutschen Exportindustrie zu berufen wären.
:: Eine gesetzliche Begrenzung des Wortes „Fahnen fl ncht" hat der ReichstagSansschuß für die neuen militärischen Gesetzentwürfe beschlossen. Vom Zentrum wurde angeführt, daß nach einer Entscheidung des Reichsmilitärgerichtes Fahnenflucht sogar schon in einer eigenmächtigen Entfernung von der Truppe erblickt wird, die in der Absicht begangen ist, bei einem anderen Truppenteil des deutschen .leeres oder bei der Marine zu dienen. Der Ausschuß beschloß einstimmig, dem 8 69 MStGB. folgende Fassung zn geben:
..Wer sich einer unerlaubten Entfernung (§§ '04, 6ö. ü8) in der A bsicht schuldig macht, sich der gesetzlichen oder der von ihm übernommenen Verpflichtung zum Dienst dauernd zu entziehen, ist wegen Fahnenflucht zn bestrafen."
Weiter wurde bei zwei Stimmenthaltungen nach einem Anträge des Zentrums beschlossen, den '§ 34 des MStGB. wie folgt zu nnldern:
„Wer wegen Fahnenflucht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird, kann gleichzeitig in die zweite Klasse des Soldatenstandes versetzt werden."
Bisher war die Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes zwingende Vorschrift.
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Aus aller Welt
.. ^ Einlösungsfrift für Zweimarkstücke. Von zu- tandlger Seite wird nochmals in letzter Stunde darauf aufmerksam gemacht, daß die Feist zur Einlösung der vom 1. Januar 1918 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel geltenden Z;i-eimarkstücke bei den RerchS- und Landeskassen am 1. Juli 1918 ablänft.
A Schutz der Felder. Fortgesetzt wird über die Schäden Klage geführt, die beim Pflücken von Feldblumen auf Aeckern und Wiesen angerichtet werden.
Es wird amtlidj darauf hingewiesen, daß nach $ 368 Nr. 9 des Reichsstrafgesetzbuckeö sich jeder strafbar macht, der unbefugt vor beendeter Ernte über Wiesen oder bestellte Aecker geht ustv. Durch die Entnahme von Feldblumen gehen nicht unbeträchtliche Futtermittel verloren. Biel größer aber sind die Verluste, die der Ernte durch Zertreten der Pflanzen hierbei zugefugt werden. In der jetzigen Zeit, wo alle Futtermittel dringend gebraucht werden, müssen Schädigungen dieser Art unter allen Umständen vermieden werden.
A Verwertung angesäuertcr Milch im Haushalt.
^n der jetzigen heißen Jahreszeit ist es zumal infolge der verminderten Befördernngsmöglichkeiten nicht immer zu vermeiden, daß die Bezugsberechtigten Milch rn angesäuertem Zustande erhalten. Da saure Milch ern ebenso wertvolles Nahrungsmittel darstellt wie süße Milch, so ist ihre restlose Verwertung im Haushalte rn der Kriegszeit von besoiiderer Bedeutung. Vielfach wird angcsäuerte Milch von den Hausfrauen zur Bereitung von Käsequark benutzt, jedoch gehen hierbei rie in den Molken verbleibenden wertvollen Nährstoffe, besonders der Milchzucker, verloren. Dies kann leicht vermieden werden, wenn das Zusammengehen der angesäuerten Milch beim Kochen durch einen geringen Mehlznsatz verhindert wird. Für 1 Liter Milch verwendet man einen Eßlöffel voll Mehl. Das Mehl wird mit wenig ungekochter Milch in einer Tasse glatt gerührt und alsdann der anderen Milch zugefetzt, die nunmehr unter ständigem kräftigem Umrühren zum Kochen erhitzt wird. Durch das ständige Quirlen wird das Zusammenballen und die Abscheidung des Käsestoffes in größeren Klumpen verhindert, und man erhält eine Milch, die, ähnlich wie Buttermilch, das Milcheiweiß in feinslockigem Zustande enthält und nicht nur ein wohlschmeckendes Getränk darstellt, sondern auch in Suppenform genossen werden kann, ohne daß irgendwelche Nährstoffe verloren gehen. Insbesondere ist die so zubereitete Milch auch für die Kinderernährung gut geeignet.
. ** Der falsche Prinz. In Weinheim an der Bergstraße wurde ein Schwindler in Leutnantsuniform, geschmückt mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, verhaftet. Es handelt sich um den fahnenflüchtigen Gefreiten Wenzel aus Paderborn, der vor drei Monaten geflüchtet war. Seitdem verübte er in süddeutschen Großstädten allerhand Betrügereien. Immer war er von einem Schwarm junger „Damen" umgeben, die er dadurch anlockte, daß er sich als „Prinz Oskar" ausgab. Aus die Frage nach dem Zwecke seines Aufenthaltes antwortete er geheimnisvoll, daß ihn sein Vater hergeschickt habe, um auszusorschen, ob Weinheim genügend mit Lebensmitteln versehen sei. Dieses Märchen wurde von den „Damen" als bare Münze ausgenommen, und sogar noch nach der erfolgten Verhaftung des Schwindlers erschienen junge Mädchen in dem Hotel, um sich angelegentlich nach dem Aufenthalte „Seiner Hoheit" zu erkundigen.
** Beim Ittdiancrspiclcn aufgehängt. Mehrere Kölner Jungen vertrieben sich die Zeit mit Jndianer- spielen: dabei wurde ein elfjähriger Junge zum Tode „verurteilt". Man legte ihm zn diesem Zwecke einen Strick uni den Hals und hängte ihn auf. Als man ihn nicht wieder befreien konnte und merkte, welch Unheil mau ungerichtet hatte, wurden die Feuerwehr und ein Arzt herbeigeholt. Der Junge wurde ans der Schlmge befreit: aber leider waren die Wiederbelebungsversuche mit dem Sauerstoffapparat erfolglos, er war tot.
** Herabsetzung der Karloffclration. Weil mehrere Städte im Regierungsbezirk Düsseldorf mit Kartoffel- vorräten knapp sind, ordnete die Regierung der Gleichmäßigkeit halber eine vorübergehende Herabsetzung der Kartoffelration auf fünf Pfund wöchentlich an.
** Gute reiche Partie. Prinz Christoph von Griechenland, der dreißigjährige jüngere Bruder des Königs Konstantin, soll sich, wie ausländische Blätter mit- ttllen, in der Schweiz in aller Stille mit einer reichen amerikanischen Witwe, Mss. Leeds, verheiratet haben. Ter frühere Gatte der neuen Prinzessin war Direktor der Rock-Jslandbahn und Metallindustrieller. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau verheiratete er sich mit einer Richmonder Schönheit, Miß Lonme May Steward. Als Leeds im Jahre 1908 rn Paris starb, hinterließ er ein Vermögen, das auf 40 Millionen Dollars geschätzt wurde, und das, abgesehen von einem Legat für seinen Sohn aus erster Ehe ferner Witwe ungekürzt zufiel. Unter anderem soll Frau Leeds einen prachtvollen Landsitz in Hamp- stead ber London erworben haben und ein Perlenhalsband im Werte von etwa 800 000 Mark besitzen Kein Wunder, daß sie zahlreiche Bewerber hatte, unter denen auch Fürst Talleyrand-Perigord genannt wurde.
Gerichtssaal.
TA '± Todesurteil wegen Toppclmord. Die 19 Jahre alte Katharina Heutz aus Karten bei Aachen, die dort ^nd des 28. Februar d. I. den Pfarrer Theodor Fischer und dessen Haushälterin durch Axthiebe und ^urchjchnerden des Halses ermordete, wurde wegen Doppelmordes zweimal zum Tode verurteilt. Das Urteil nahm sie anscheinend gleichgültig auf. Sie verübte dre Tat, weil der Pfarrer ihr aufgetragen hatte, sie joltte ihrem Vater gestehen, daß sie anonyme Briefe geschrieben hatte.
± „Möve"-Geheimnisse verraten. Der Vereinigte und 3. Strafsenat des Reichsgerichts verurteilte den 24iährigen Maschinenschlosser Max Messing aus Bocholt wegen Verrats militärischer Geheimnisse und versuchten Landesverrats zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust unter Anrechnung von einem Jahr der erlittenen Untersuchungshaft.' Der Angeklagte hatte Gelegenheit, von Mannschaften der „Move", welche die berühmte Fahrt des Schiffes mitgemacht hatten, verschiedenes, was im Interesse der Landesverteidigung unbedingt geheim zu halten war, ,owie Näheres über die zukünftige Bestimmung der „Move zu erfahren. Die so erworbenen Kenntnisse hat er nach seiner Entlassung vom Militärdienst in Holland an den Agenten eines feindlichen Spionagebureaus verraten. Da der Angeklagte für geistig nicht ganz vollwertig erklärt wurde/ wurde tue Sache vom Gericht milde angesehen.


