Ausgabe 
22.6.1918
 
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Druck der Gießencr Verlagsdruckerei, Albin Klein.

Expedition: Ziidanlage 21.

Nr. 55. Telephon Nr. SW. _Samstag, den 22. Juni 1918. Telephon Nr. 362. 31. Jahrg.

Seit 21. März 1918 im Westen weitere 6829 Quadratkilometer feindliches Geviet besetzt, 212999 Gefangene eingebracht, 2899 Geschütze u. über 8909 Maschinengewehre erobert. 24399 u. 13999 «. 19999 Br.-R-T. = zusammen 46500 Br.-N.-T. versenkt. Erneute österreichisch-ungarische Erfolge in Italien.

Der flbfcbluss.

Die gefangenen- und Oescbütrvente.

Berlin, 20 . Juni. Infolge der schweren Mißerfolge und der gewaltigen Niederlagen während der drei­monatigen deutschen Offensive im Westen von 21. März bis zum 21. Juni verlor die Entente an Gefangenen Geschützen, Maschinengewehren und Gebiet: In der großen Schlacht Ende März an Gefangenen über 94 400 Mann, infolge der Niederlage in Flandern 30575 Mann, bei den schweren Schlägen an der Aisne und der Oise über 85000 Mann; zusammen mit den in der Zeit zwischen den großen Kampfhandlungen gemachten Ge­fangenen

über 212000 Mann allein an Gefangenen.

An Geschützen verlor die Entente im Westen an der Somme über 1300, in Flandern über 300, an der Aisne und Oise über 1200,

zusammen 2800 Geschütze.

An Maschinengewehren verloren die Engländer und Franzosen sowie ihre Hilfsvölker an der Somme und in Flandern 5000, an der Aisne über 2000, an der Oise über 1000 Maschinengewehre,

zusammen mehr als 8000 Maschinengewehre.

An Gebiet verlor die Entente an der Somme 3450, in Flandern 650, an der Aisne 2470, an der Oise 250 Quadratkilometer, insgesamt 6820 Quadratkilo­meter. Dieses Gebiet umfaßt wichtigste strategische Ver­bindungen und äußerst fruchtbare Landstriche.

Demgegenüber beträgt der Raumgewinn der Entente in den großen Kämpfen der vergangenen Jahre an der Somme, bei Accas und in Flandern nur 561 Quadrat- ktlometer eines völlig zerstörten und wertlosen Gebietes.

6820 Quadratkilometer Gebietsverlust.

In dem 6820Quadratkilometer großen Gebiet, das die Entente im Westen innerhalb dreier kurzer Monate verloren hat, befinden sich allein im Sommegebiet 52, in Flandern 37, an der Aisne 15 Städte mit über 1000 Einwohnern.

Zur militärifcben tage im Welten und Süflweften.

* Berlin, 19. Juni. Der Bahnhof St. Nicolas und die Bahnanlagen von Amiens wurden auch am 18. Juni mit schwerstem Flachfeuer bekämpft.

* Wien, 19. Juni. DieWien. Allg. Ztg." meldet von der Schweizer Grenze, daß die Räumung von Paris tatsächlich durchgefühlt wird. l x / 2 Millionen Bewohner sollen die Stadt Paris verlassen. Dagegen werde die Regierung bis zur zunehmenoen Beschießung in Paris bleiben und die Kammer in Permanenz tagen.

* Bern, 19. Juni. Der große Wald von Laigue, der Compiegne vorgelagert ist, steht lautSt. Galler Tagbl". von drei Seiten unter schwerem Arttlleciefcuer. Die Beschießung von Compiegne dauert fort. Die Stadt liegt sowohl unter dem Feuer der schweren als auch der mittleren Artillerie.

* Genf, 20. Juni. Der LyonerNonvelliste" schildert in einer Drahtung die Verwüstungen von Com- piegne. Ganze Viertel, die bisher verschont waren, liegen in Trümmer. Compiegne muß den Widerstand unserer Soldaten teuer bezahlen. Am Tage liegt das Artillerie- feuec aus der unglücklichen Stadt, nachts wird sie von Fliegern heimgesucht.

* Genf, 20. Juni. Nach einer Pariser Sondec- meldung sind die südöstlichen Rei mser Außen« festen andauernd dem schwersten deutschen Geschützfeuec ausgesetzt. Von der Feste Pomvelle sind nur * noch Trümmer vorhanden.

* Rotterdam, 20. Juni. Wie die heutigen Zeü Lungen aus Paris melden, wurde das ganze Gebiet zwischen Compiegne, Villecs Cotterets, Chateau Thterry und Paris seit acht Tagen evakuiert. Die Leute durften Pariser Boden nicht betreten.

* Wien, 19. Juni. DieNeue Freie Presse" meldet: Treviso steht unter schwerem österreichischen Geschützfeuec.

Wie dasVolksblatt" meldet, stehen die österreichischen Truppen an der Piave nur 15 Kilometer von Treviso entfernt.

* r i ch, 20. Juni. Der Berichterstatter derJtalta" drahtet von der Front: Der feindliche Druck an der Piave ist überaus ernst. Sollte der Montello fallen, so würde die italienische Linie schwer bedroht.

* Rotterdam, 19. Juni. DerDaily Chronicle" meldet von der italienischen Front: Alle von Treviso ausstrahlenden Bahnlinien liegen im schwersten feindlichen Granatfeuer, so daß die Truppen nur auf großen Um­wegen nach der Front gebracht werden können.

* Zürich, 21. Juni. Die Lagunengebiete und die Stadt Venedig rücken in die Gefahrzone.

* Genf, 21. Juni. DasPetit Journal" meldet: Die Lage im Lagunengebiet ist in den letzten Stunden kompliziert geworden. Man erwartet weitere Vorstöße des Feindes, die die Verbindung nach Venedig abschnei­den sollen. Das verschanzte Lager von Treviso wird andauernd von schwerer ferndlicher Artillerie beschossen.

* Wi e n, 21. Juni. DieNeue Freie Presse" meldet: Die Sturmtruppen des Erzherzog Joseph haben a m Montello eine ganze italienische Division gefangen genommen, in der sich auch tschechische Legionäre und ein englischer Stoßtrupp befanden. Zum Schutze der ernstlich bedrohten italienischen linken Flanke sind drei Armeekorps bei Treviso zusammcngezogen, an dessen Verschanzung 100 000 Mann arbeiten.

flmilicbe deuifebe Cagesbericbte.

Berlin, 18. Juni. Im Sperrgebiet des Mittel­meeres versenkten unsere U-Boote 6 Dampfer und 4 Segler von zusammen 24500 Brutto Reg.-To.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

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wlb. Großes Hauptquartier, 19. Juni 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht.

Rege Erkundungstätigkeit der Infanterie. Teilan­griffe des Feindes am Nieppewalde und nordöstlich von Bethune wurden abgewiesen. Der Artilleriekampf lebte nur in wenigen Abschnitten auf.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz:

Südwestlich von Dommiers scheiterte am frühen Morgen der Angriff französischer Regimenter im Nord­ostteile des Waldes von Vtllers-Cotterets. Am Tage mehrfach wiederholter Ansturm drückte unsere östlich von Montgrbent vorspringende Linie etwas in das Innere des Waldes zurück. Im Clignonabschnitt, nord- weplich von Chateau Thierry, stießen mehrere feindliche Kompanien zum Angriff vor. Sie wurden von unseren Vorposten abgewicsen. Artillerie und Mincnwerfec belegten mit stacken Feuerübersällen die feindlichen An­lagen bei Reims. Nachstoßende Jnfanterieabteilungen brachten etwa 50 Gefangene ein.

Gestern wurden 23 feindliche Flugzeuge und 3 Fessel­ballone abgeschossen. Hauptmann Berthold errang seinen 35., Leutnant Veltiens seinen 22. Luftsieg.

Der Erste Generalquactiermeistec: Ludendorff.

m :

Berlin, 19. Juni, abends. Von den Kampffronten nichts Neues.

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Berlin, 19. Juni. Neue U Bootserfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplatz nach Meldungen der aus See urückaekchrten U Boote: 13 000 Bruttoregistertonncn. lus 2 Geleitzügen wurden an der Ostküste Englands die beiden größten Dampfer trotz starker Gegenwirkung der Bewachungsstreitkräfte abgeschossen.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

»

wtb. Großes Hauptquartier, 20. Juni 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht

Fast an der ganzen Front nahm die Tätigkeit des

Feindes abends zu. Das Artilleriefeuer lebte auf. Starke Jnfanterieabteilungen stießen in zahlreichen Abschnitten gegen unsere Linien vor. Sie wurden abgewiesen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Erneute Versuche des Feindes, nordwestlich von Chateau Thierry über den Clignon-Abschnttt vorzudcingen, schei­terten ln unserem Feuer. An der übrigen Front blieb die Gefechtstätigkeit in mäßigen Grenzen.

Heerespcuppe Gallwitz.

Südwestlich von Ocnes wurden kräftige Verstöße des Feindes abgewiesen. Zwischen Maas und Mosel drangen eigene Sturmtruppen tief in die amerikanischen Stellungen bet Seicheprey ein und fügten dem Feinde schwere Verluste zu.

Hauptmann Berth o ld errang seinen 36. Luftsieg.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

»

Berlin, 20. Juni, abends. Nördlich von Albert, südwestlich von Noyon und nordwestlich von Chateau Thierry sind feindliche Tetlangriffe unter schweren Ver­lusten gescheitert.

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Berlin, 20. Juni. Das unter dem Kommando des Kapitänleutnants Middendorf stehende U Boot ver­senkte vor dem Westausgang des Kanals und an der englischen Westküste 4 Dampfer mit zusammen IS000 Bruttoregistertonnen. Von ihnen wurde ein wertvoller 8000 Bct. großer Dampfer aus einem einlaufenden, sehr stark gesicherten Geleitzug herausgeschossen. Sämt- liche Schiffe waren beladen.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

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wtb. Großes Hauptquartier, 21. Juni 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Der Feind setzte an der ganzen Front heftige Ec­kundungsvorstöße fort. Sie wurden überall abgewiesen. Nordöstlich von Meects und nördlich von Albert brachen englische Teilangriffe blutig zusammen.

Heeresgruppe deutscher Kronprinz.

Oertliche Angriffe der Franzosen südwestlich von Noyon, der Amerikaner nordwestlich von Chateau-Thierry scheiterten. Franzosen und Amerikaner erlitten hierbei schwere Verluste. Gefangene blieben in unserer Hand. Südwestlich von Reims wurden Italiener gefangen. Die großen ehemals von Franzosen benützten, deut­lich kenntlich gemachten Lazarettanlagen im Vesle-Tal zwischen Bceuil und Montdtgny waren in letzter Zeit zweimal das Ziel feindlicher Bombenangriffe.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

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Berlin, 21. Juni. Von den Kampffronten nichts

Neues.

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Oefterreicbifcbe erfolge.

Wien, 19. Juni. Der Südflügel der Heeresgruppe des Feldmarschalls v. Boroevic erkämpfte in stetem Vordringen neue Vorteile. Der Ka na l Fosetta wurde an einigen Punkten überschrittten. Heftige Feind- angriffe, die namentlich beiderseits der Bahn Odeczo Treviso mit großer Zähigkeit geführt wurden, brachen unter schweren Verlusten teils in unserem Feuer, teils im Nahkampf zusammen.

Die Divisionen des Generalobersten Erzherzog Joseph durchstießen bei Sovilla am Südfuße des Montello mehrere italienische Linien. Die Zahl der Gefangenen erhöht sich.

Der Chef des Generalstabes.

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Wi e n, 20. Juni. Die Schlacht in Venetten dauert fort. Der Feind erwiderte den Fall des größten Teils der Piavefront durch heftige, mit zäher Ausdauer ge- fühlte Gegenangriffe. Um unsere neue Stellung am Fosetta-Kanal, an der Bahn OderzoTreviso und auf dem Montello wurde erbittert gerungen. Im Montello