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Frankreichs Schicksalsstunde".

Tie letzte Friedensmöglichkeit."

DieOstschweiz" das führende Blatt des gesam­ten Vodenseegebiets bis weit hinauf in die Äppen- zeller und -^genburgcr O rge, unternimmt es noch einmal, in einem packenden Leitaufsa«e den Gegnern den Ernst der Stu.de klar zu machen. Sie schreibt:

In Berliner Depeschen ist allen Ernstes von einer neuen deutschen Friedensoffensive die Rede. Aller­dings treten die Meldungen erst noch etwas verschleiert, fast schüchtern auf. Kaum, daß der Gedanke eines Ver- standigungsfriedens ausgesprochen ist, wird er auch wieder dementiert und als unmöglich für Deutsch­land nach seinen vielen Siegen hingestellt.

Aber der Gedanke ist immerhin da. man spricht von Friedensunterhandlungen, und die so oft ge­täuschte Volksseele aller Länder hofft aufs neue. Fast scheint es, daß das Furchtbare der neuen Kämpfe an der Westfront sogar die Sieger bangen macht. Jeden­falls wollen sie kein Mittel unversucht lassen, noch­mals Friedeussühler auszustrecken, ehe sie zum Aeußer- sten greifen, und wäre es auch nur, um die Verant- wortlichkeitsfrage vor der Welt klarzulegen. In der Tat wäre heute noch einmal ein Psychologischer Moment zum Friedensschlüsse. Vielleicht der letzte? Wenn in einigen Wochen deutsche schwere Artillerie ihre Rohre auf Paris richtet und die furchtbaren Feuer­schlünde dieser Riesengeschütze die Weltstadt an der Seine in Schrecken versetzen, dann wird es zu spät sein. Heute aber wäre noch eine Stunde in der Weltgeschichte, wo man sich die Hände reichen, ^wundernd die gegenseitige heldenhafte Tapferkeit der Kämpfer anerkennen und dann - verständigen könnte Staatsraison, Vernunft, Humanität und der furcht­bare Ernst der wirtschaftlichen Lage, die Welthungers­not, vor der wir stehen, zwängen die Gewissen der Staatsmänner förmlich zu diesem Entschlüsse Ob es dazu kommen wird, ist gleichwohl eine sehr große Frage. * °

Heute, nachdem die Rede Clemenceaus im Wort­laute vorliegt, ist all dasjenige bestätigt, was wir in unserem Kommentar zum ersten Havas-Auszuge gesagt *1?» bringt denn eigentlich Clemenceau

sür Bewerfe dafür, daß der von ihm gefeierte End­sieg dem Verbände und Frankreich verbleiben wird? Keinen einzigen Beweis als nur die Vertröstung auf die amerikanische Hilfe. Und ist diese Hilfe so sicher, so unbedingt sieghaft? ;

8rcmr r eicf)3 Schicksalsstunde hat heute geschla- sr 0 H'i ma Ä öer Friede unter den gegenwärtigen Umstanden für Frankreich bitter sein, fast unannelim- c nC c?' ö ^ er er ro ^ re immerhin noch unend- lich besser für das heldenhafte, in seinem Unglück so große französische Volk, als eine For.se^ung des Krieges bis in die dunkelste Zukunft hinein. Wenn letzt der Krieg weitergehen muß, dann wird er ein Ende mit furchtbaren Schrecken nehmen."

Das genannte Blatt ist in Frankreich allerdings wegen seiner unverrückbaren Haltung zugunsten des Rechtes schaßt VerkappteBoches" sollen ihm die Feder führen. Das wird aber in Frankreich ernste und wohlmeinende Leute nicht hindern, sich mit dem Gedanken dieses Aufsatzes zu beschäftigen.

Allgemeine Kriegsnachrichten.

Neutrale und Frie-euskousercuz.

Im englischen Oberhause bestritt Lord Stanmvre als Vertreter der Regierung, daß die Regierung es gegenüber dem Papste an Höflichkeit fehlen lasse.

^ie Klausel im Getzeimvertr^g mit Frankreich, Rußland und Italien, durch die der Papst von einer Vertretung auf der Friedenskonferenz aus­geschlossen wird, sagte Stanmore, daß dies eine voll­kommen vernünftige Maßnahme sei. Der Papst befinde sich in derselben Lage, wie der Herrscher irgendeines neutralen Staates, dessen Vertreter ebenfalls nicht

zur Friedenskonferenz zugelassen werden könne, es sei denn mit Zustimmung aller kriegführenden Parteien

Tie überraschten Amerikaner.

° . Die LondonerMorningpost", das große deutsch- ferndliche Hetzblatt, meldet aus der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington:Es hieße die Stim­mung des Volkes falsch wiedergeben, wollte man die Enttäuschung verkleinern, die durch den schnel­len Vormarsch der Deutschen entstanden ist. Die Ame­rikaner erkennen an, daß der FeinD etwas fertig ge­bracht hat, das allgemein für unmöglich gehalten wurde. Was das Volk bestürzt macht, ist das offene Eingeständnis aller militärischen Sachverständigen, daß die deutschen ihre Erfolge einer Ueberraschung ver­danken, und es fragt sich, ob das nicht zu vermeiden gewesen ser."

England will möglichst viele Gefangene austauschen.

Bei einem Empfang bei den britischen Gefange­nen in ^cheveningen (Holland) hat der englische Ge­sandte Eave eine Rede gehalten, in der er u. a sagte, dre^ englischen Vertreter würden trachten, so vlel englische Kriegsgefangene als irgend lnöglich aus Deutschland herauszubekommen. Die britische Abord- iwmit beschäftigt, ein neues Abkommen ahm- ich^/ßen, das die Rückkehr von Kriegsgefangenen nach Holland und in den meisten Fällen nach England vor- fteht. Er hoffe sehr, daß dieses Abkommen zustande kommen werde.

Verringerte Lügcn-Rationcn.

Amerika wird auch geistig knapper gesetzt. Es wird aus Rewyork gemeldet, daß die amerikanische Bereinigung von Zeitungsdirektoren, anläßlich der Pa-

^^""6. siir die Zeitungen, beschlossen hat, ihren Blättern einen k l e i n e r e n U m f a n g zu geben.

Eine sensationelle Affäre:

Nachdem die klerikal-nationalistischeAction F^ancaise" sich so lange in der Rolle eines öffent­lichen Anklägers gefallen und ihr Schriftleiter Leon wandet sich einzig alsprocureur du roh" betätigt hat, um einem leichtgläubigen Publikum die schauerlichsten Spronageaffären aufzubinden, wird dieAction Frau- carse nun ihrerseits der S p i o n a g e überwiesen. Die Humamtee" veröffentlicht heute einen Artikel Re- naudels mit Dokumenten, aus denen hervorgehen soll daß mehrere bei der Postkontrolle tätige Geistliche parlamentarische Briefe entwendeten, um sie der kle- ^lkalenAction Francaise" zu übermitteln. Ein ein- flußrercher Geistlicher habe diese Informationen an verdächtige Ausländer" weitergegeben, die auf diese Weise genaue Auskünfte über K o h le n Versorgung und über gewisse ministerielle Verfügungen erhalten hät­ten. Ern gewisser Cvchin wird der Militürjustiz über­liefert werden.

Die kurze Havas-Meldung spricht nur von einem Herrn Cochin". Die Akten werden der Militärjustiz überliefert. ' "

r^^rMöre erregt größtes Aufsehen. Wenn selbst olche Blätter der Anklage wegen Landesverrats nicht icher sind, dann kann man es verstehen, wenn auch Clemenceau gesagt haben soll, er werde keinen Frie­den machen, weil er sonst als Landesverräter erschos- en werden würde. Die Kriegstobsucht kennt eben keine Grenzen mehr.

Die Verteidigung von Paris.

^ a xrli l l^cht offen von einer im

Hollge befindlichen Schlacht und erwähnt die M ö a- ^Hkeit einer Einnahme von Parts durch die Deutschen, allerdings mit der BemerkunZ. daß der Feind zuvor noch viele Kräfte unternehmen und große Opfer bringen müsse. * n

Die Gegenrevolution

in Petersburg.

Generalstreik in Petersburg.

England will den Sturz der Bolschewiki errei­chen' einerlei, auf welchem Wege. Immer wieder wird M t der besonders wirksame» Verdächtigung gearbei- //e seiendeutschfreundlich". Der so nett eiuge- Wdlte Schlag der kroato-slowakischen Meuterer ist ja sehr gründlich daneben geraten. Es wäre ja auch zu nett gewesen, wenn die Engländer und Amerikaner olcft österreichischen Landesverräter und dlusreißer SteraioeiflungSfamWe gegen die jetzige rus­sische Regierung hätten benutzen und den deutsch-russi- ^^^^^usvertrag zu Fall bringen können. Aber der Plan mißlang eben.

Jetzt sollen es unzuftiedene Industrie-Arbeiter beiorgen. Das HelsrngforserHuvudstadblad" meldet: x c* r'^lue Versammlung erwählter Vertreter der Jn- ^strlearbeiter Petersburgs beschloß, den politischen lstreik gegen das jetzige Regiernngssystem gU proklamieren, ^.ie Versammlung fordert die Ar­beiter auf, sorgfältige Vorbereitungen für den Streik Zu heften. Die jetzigen Machthaber ließen die Ar­biter niederschießen, sie verhinderten die Vereins- und .^orsammlungsfreiheit und ließen unschuldige Arbeiter m Gefangnrssen verschmachten. Die Arbeiter fordern die Uebertragung der Macht an die Konstituante (dem grundgesetzgebeuden Anfangsparlament. von dem England mit HUfe der Zartsten, der Kadetten und der Kerenski-^oziallsten das Wiederflottwerden derDampf­walze erhofft), Schutz der kommunalen Selbstverwal- den Kampf für Rußlands Freiheit und Selbständigkeit.

Die Eisenbahnarbeiter sollen beabsichtigen, sich die­sem Streik anzuschließen."

* * *

Tie englische Besetzung der Murman-Knste.

In der Zürcher Post" wird die Besetzung der M urman-Küste (hoch im Norden Rußlands, am ^i'Meer, östlich voii Norbfinnland und Nordnorwegen) 0"^-^ englischen Truppen als ein offener feiudseli ger Akt der Entente gegen Rußland gekennzeichnet. Die Frage der Freiheit der Meere interessiere aber alle Neutralen. Die Abschnürung Rußlands vom Meere und die Ausdehnung der englischen Seeherrschaft auf dre Küste am Weißen Meere sei offenbar ei*c Frage von weittragender internationaler Bedeutung, an der nicht.nur Rußland und England interessiert seien. Zweifellos zeige dieser ernste russisch-englische Konflikt, daß man von englischer Seite eine Annäherung an das neue Rußland nicht suche, sondern daß England die innere Lage Rußlands auszunntzen trachtet, um seine traditionelle Seemachtpolitik fortzusetzen.

Neue Besen kehren gut,

so denkt man in Paris und versorgt sich mit einem neuen Leiter der Verteidigung. General Guillaumat. Oberbefehlshaber der Orientarmee, ist zum Militärgou­verneur und Oberbefehlshaber der Armeen von Paris ernannt worden.

Verteidigung bis aufs Letzte.

, Die Ententekriegführung beschloß, Paris !m Falle eines Angriffs nicht aufzugeben, sondern seine Vertei­digung bis auf das Letzte durchzuführen. Jnspi- rlert von oben, bereiten die Zeitungen das Publikum auf diese Beschlüsse vor und weisen namentlich auf die Notwendigkeit der Auswanderung der nichtkämpfenden Bevölkerung hin.

Vom A-Bootkrieg.

Znm Untergang desPräsident Lincoln".

. (Amtlich.) Berlin, den 15. Juni 1$18. Eines Ä^rer Unterseeboote. Kommandant Kapitünleutnant Remy (Walter), hat neuerdings im Atlantischen Ozea,i J Dampfer mit zusammen über 28 00# Bruttoregister­tonnen vernichtet, und zwar den mit vier 15.2 Zenti­meter-Geschützen bewaffneten amerikanischen Truppen­transporterPräsident Lincoln" (18 168 Br.-Reg.-To ) und'.Me bewaffneten englischen DampferBegum" (4616 Br.-Reg.-To.) undCarlton" (5262 Br.-Reg.- To.). Die militärische Besatzung desPräsident Lin­coln" bestand aus 40 Offizieren und ca. 620 Manu der Marine; außerdem befanden sich noch 20 Offiziere und Mannschaften der Armee an Bord, die nach Amerika zurückbefördert werden sollten. Vermutlich

Der offene üleiderschrcmk.

Geht es nicht anders.

Die Ankündigung der drei Milliarden neuer Reichs- steuern hat das deutsche Volk ganz gewiß nicht gleich- ffllttg gelassen, aber die Anordnung d^r Reichsbeklei- vungsstelle über die Aufbringung von einer Million äktannner-Änzügen sür Arbeiter in kriegswichtigen Belrie- ben hat ln werten Kreisen derer, die da geben sollen, noch mehr Kopfzerbrechen veranlaßt. Viele haben die Tür ihres Kleiderschrankes weit geöffnet, sich davor gestellt und gefragt woher nehmen, wenn nichts da ist?" Und das und nicht nur Leute aus dem Mittelstände gewesen, de- fehlte, um sich ein Lager von Anzügen zu f Zubern es waren Leute aus allen Ständen, ^..^elderstelle hat wohl nicht beachtet, daß bei alteren Männern überhaupt keine große Neigung besteht, stch viele Anzüge hin zu hängen. Kaufen Sie. und sie f CÜe ^seiz. um nach der neuesten Mode ode- wll-n n bann kleben sie auch die alten Sachen fort ^ für den Nachwuchs verwenden. Motten- KolLnien begründen zu helfen, besteht keine Lust. So ist

len S, e f£f T * ox !> an ** xl «naa fl c # Die fortgegeben wer- Den ' heute Zwenellos bedeuted überschätzt wor-

den. und dann liegt zum Teil die Erklärung dafür dak vcrhaltnlsmäßig wenig aus den Kleiderschränkerr heraus­gekommen ist. Wo nichts ist. kann nichts gegeben werden Oder das Geben lohnt sich nicht, wenn das FlÄen mehr kosten als die Gegenstände wert sind. Wie mitgenommen die Beinkleider oft sind, braucht nicht erst langend breit auseinander gesetzt zu werden. " U

u. ^ber an weiteren Gründen i'icht, wesbalb

dre Aufiorderung der Bekleidungsstelle nicht mit dem an­genommenen Beifall begrüßt wurde, und auch diese muß man Horen Wohl steht es geschrieben, daß dem geholfen

< bCr fClnCn ^ od h^^' a6er nicht, daß einer helfen soll, der weniger hat. wie der, für den die Hilfe be-

^?b /s ist nun einmal Tatsache, daß ein Rujinngs- und Munitionsarbeiter heute durchschnittlich ein größeres Einkommen hat. als mancher Mann des Mittelstandes. Deshalb verstimmt eine solche Zumutung.

Auch der. welcher seine alten Anzüge verschenkt, tat das als Ersatz an jemand, dem damit gedient wär. aber nie ist cs ihm in den Sinn gekommen, einen andern zu be­denken der sich ebenso leicht wie er selbst mit neuer Gar­derobe versorgen konnte. Viele wissen nicht, ob die ver­langten Anzüge nur auf diesem Wege aufgebracht wer­den können. und sie meinen, daß die Arbeiter, die wohl das Geld heben, sich neue Anzüge zu kaufen, diese letzteren den gebrauchten Kleidungsstücken vorziehen werden.

Alle Arbeiter, die in nickst kriegswichtigen Betrieben tätig sind, müssen sich selbst Anzüge beschaffen. Und es i,t bisher nicht bekannt geworden, daß sich diese Notwen­digkeit als unmöglich herausgestellt hätte. Sollte e^ nun wirklich unbedingt geboten sein, die Aulbringung der mangelnden Million Männeranzüge für kriegswichtige Betriebe auf die Reichsbekleidungsstelle zu übernehmen? Ist die Probe gemacht worden, ob die Arbeiter nicht selbst haben auftreiben können, was sie gebrauchen. Auf der anderen Seite tun ihre Lieferanten das möglichste, ihre stunden zufrieden zu stellen, denn diese sind leicht verloren, aber schwer neu gewonnen. Man darf also cnnehmcn. daß dem Turchschnittsarbeitcr es getrost über­lasten werden kann, sich die nötigen Kleidungsstücke zu besorgen. Natürllch sind die Preise andere geworden. Aber was macht das? Wenn die Vekleidnngsstelle für gebrauchte Anzüge, die oft vielleicht nichr einmal den Ar­beitern passen werden, Geld zahlt, so wäre es doch cigenl- lich sehr viel einfacher, wenn sie diesGeld dem Personal der kriegswichtigen Betriebe als Subvention gäbe, damit suH dies gleick) neue Anzüge, oder auch gebrauchte, ganz nach seiner Wahl besorgte. Dabei rvürde wahrscheinlich togar noch Geld gespart.

Es ist möglich, sogar wahrscheinlich, daß nicht überall die erforderlichen Vorräte an Anzügen vorhanden sind, aber >ür diese Orte kann das Fehlende besorgt werden. Und in jedem Falle würde doch wohl die Mühewaltung oco Reichsbekleidungöamtes unendlich vereinfacht wer- ? C A l ' f4 rJr* 1 ? bekämen die Arbeiter aber das, was sie selbst sich wünschten, denn sie sind in ihren eigenen An-

Ö t 0d} ""fettig größere Praktiker, als alle wohlmeinenden Herrn vom grünen Tische.

Der offene Kleiderschrank, der zeigt, was nicht Darin ist. bedeutet eine gute Lehre: Sich und andere keine un­nütze Mühe zu machen. Die deutsche Heeresleitung spart nach Kräften Blut. Tie Reichsstcllen zu Hause mögen noch sparsamer mit dem Aerger umgehen. Onkel Bräsig sagt bei Fritz Reuter, daß ein lütter Aerger sehr gut sür die Verdauung sei. Aber bei deuPortionen des Relchs- ernährnngsamies ist Humor angebrachter, wie Verdruß.

Wm.

In New Vork werden l'orkehrüngen gegen einen deutschen Flieger- angnfr gefroren. Wilson bst sich einen Unterstend mit seinen Sämtlichen Reden und BotschsFlen auspclstern fassen