An der Front von der Oise bis Reims ist die Lage unverändert.
Ein Angriff des Feindes nordwestlich von Chateau Thierry brach verlustreich zusammen.
Der Elfte Gcneralquartiermeister: Ludendorff.
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Berlin, 11. Juni, abends. Auf dem Kampf, selbe südwestlich Noyon sind erneute Gegenangriffe d r Franzosen unter schwersten Verlusten gescheitert.
Die 6esamlbeute.
Berlin, 8, Juni. Durch die Erfolge der siegreichen Armee des Deutschen Kronprinz'« wuchs die Beute aus den großen Kämpfen im Westen seit 21. März nunmehr auf 185 000 Gefangene, über 2250 Geschütze und viele Tausende von Maschinengewehren an. Tic Einbuße an nicht annähernd zu schätzendem Kriegsmat.eial und Gerät aller Art kostete die Entente ungeheure Werte.
Amerikaner in deutschem Massrnirner.
Berlin, 10. Juni. An der Front von Chateau Thierry nach Nordwest verblutete sich der Feind seit dem 5. Juni in nutzlosen mit starken Kräften unternommenen Gegenangriffen. Am 7. Juni ging hier zum ersten Male eine amerikanische Division zum Angriff vor. Im Brennpunkt dcS Kampfes stand der Wald von Belleau. Hier hatte ein deutsches Regiment unter Person- lichec Führung des Regimentskommandeurs den Amerikanern ungewöhnlich schwere Verluste beigebracht. Es warf den Feind, der biS an den Rand des Waldes vorge- kommen war, im Kampf Mann gegen Mann mit Handgranaten und Bajonett zurück. Als trotz dieser blutigen Abfuhr Teile der amerikanischen Division und zwar der Marinebcigade in der Frühe des 8. Juni nochmals in mehreren Wellen hintereinander zum Sturme vorgingen, ließ sowohl die deutsche Artillerie wie die Infanterie den Feind nahe h.rankommen. Dicht vor dem Walde wurden seine Sturmkolonnen frontal und von bciden Flanken her vom wirksamsten zusammengrfaßten Maschinengewehr- und Artillertefeuec überschüttet. Nur wenige Amerikaner konnten sich in die Gefangenschaft oder durch eilige Flucht retten. In dichten Haufen blieb die Masse der Amerikaner tot vor dem Belleau-Walde liegen.
Gefangene Amerikaner sagen aus, daß sich in ihren Reihen viele Naturalisierte befunden halten, von denen einige bereits hätten erschossen werden müssen, weil sie bet Nacht ihre Stellungen verließen.
Die Ausdehnung des Sieges.
Don unserem militärischen Mitarbeiter.
Dm. Der Sieg unseres Kronprinzen türmt Leistung auf Leistung. Am 29. Mai siel Soissons, einer der Angelpunkte der französischen Front, unseren Stürmern in die Hand. Uebrigens ein eigenartiges Schicksalswalten, daß es Brandenburgern vergönnt war, die Stadt zu nehmen. Spielte sich doch im Januar 1915 die Schlacht bei Soissons zwischen dem General Maunoorg und General von Lochow, dem damaligen Kommandierenden General des 3. bran- denburgischen Korps ab. Brandenburgische Leibgrenadiere stießen damals dem nördlich Soissons nach seinem vergeblichen Durchbruchsversuch schwer geschlagenen Feinde bis in die Dorstadt St. Medard bei Soissons nach. — Die Ereignisse an der Kampffront überstürzen sich beinahe. Nach Soissons die Marne! Auch sie weckt Erinnerungen andasIahr 1914, andiegeit, da unsere siegreichen Armeen im stürmischen Dorwärtsdrang Ioffre bis hinter die Marne folgten. Unsere rechte Flanke war damals noch frei; jetzt ist die Lage beim Vorwärtsdrang anders. Eine zusammenhängende Front spannt sich bis zur Küste, der vorspringende Keil der großen Schlacht in Frankreich deckt die rechte Flanke unserer Kampfarmeen. Aber selbst damals, im Herst 1914 gelang es dem Feinde nicht, trotz weitausholender Bewegung durch und westlich von Paris, im Angriff über den Ourcq unseren rechten Heeresflügkl aufzurollen. Der Plan scheiterte am Widerstand unserer staffelweise dort eingesetzten Korps und Divisionen; während gleichzeitig die Armee v. Kluck den Feind frontal derart anpackte, daß er schon die Schlacht verloren gab. Auch Foch war dabei! Er führte damals die 9. französische Armee. Also nicht die Schlacht an der Marne, die sogar zu einem taktischen Siege der Deutschen heranzureifen schien, war der Grund zum damaligen Rückzuge. Der Grund ist in der strategischen Gesamtlage, - dem Zweifrontenkriege,-^ suchen. Der Osten regte sich schneller, als man annehmen konnte. Die heimliche, verfrühte Mobilmachung des russischen Heeres hatte den Aufmarsch der Feinde im Osten so beschleunigt, daß unsere schwache Verteidigung Ostpreußens nicht mehr ausreichen konnte. Der Westen mußte hergeben, was an Kräften möglich war; - so wurde ein gewaltiger Entschluß von der Heeresverwaltung gefaßt: Abbrechen der Schlacht an der Marne mitten im Erfolge, Rückzug in feste Wehrstellung hinter die Aisne, um so das Gleichgewicht der Kräfte wiederzusinden.
Dieser Entschluß ist bestimmend gewesen für die Gestaltung der Lage während der folgenden 3 1 /» Kriegsjahre; er hat sich als richtig erwiesen, da unterdessen die Entscheidung im Osten gefallen ist. Nun ist der Schwerpunkt des Krieges an seinen alten Platz zurückgekehrt. Mit fürchterlicher Unruhe harrt Frankreich der Dinge, die noch kommen können. Denn angesichts der Leistung, ein in die Tiefe hinein vollkommen ausgebautes Verteidigungssystem einfach in einem großen Schwung zu durchreißen,
2 Flußläufe (Aisne und Vesle) fast gleichzeitig mit dem Gegner zu passieren, den dritten Flußlauf (Marne) bereits am 4. Angriffstage in breiter Front zu erreichen, verstummt jede feindliche Stimmungsmache über unsere angebliche Erschöpfung. Das Gegenteil ist bewiesen, unsere Stoßkraft hat an Wucht sogar bedeutend zugenommen.
Da das Frankreich auf einmal fühlbar am eigenen Leibe merkt, erhebt sich darüber der Schrei, daß Soissons und Reims viel wichtiger als Talais und Ppern wären, womit die Kritik an Fochs strategischen Maßnahmen ja von den eigenen Landsleuten selbst gefällt wird. Foch ist allerdings in wenig beneidenswerter Lage; er wird die Fessel, die ihm Hindenburg durch seine ersten Hiebe umgelegt hat - die strategische Zwangslage — nicht mehr los; sie schlingt sich immer enger um ihn. Zunächst mußte Foch das einzig Mögliche und Naheliegende tun, um den Zusammenbruch der angegriffenen Front örtlich einzudämmen : die Flügel stützen. Das hat er auch getan, obgleich diese Maßnahmen alle nur taktische Aushilfen, nicht aber operative Gegenmaßnahmen darstellen. Was an örtlichen Reserven in der Angriffsgegend war, wurde bei Soissons und Reims hineingeworfen. Der Widerstand des Feindes bei Reims muß ja stärker sein,' da das ausgebaute Festungsgelände einen guten Rückhalt bietet; daß überhaupt schon die Nordwestfront des Festungsgürtels in unserer Hand ist, zeugt von der Leistungsfähigkeit unserer Sturmtruppen
Die Frontmitte zu stützen, ist Foch dagegen bisher nicht gelungen. Das schnelle Ueberwinden der Flußläufe, womit gleichzeitig die Hinterverbindungen der französischen Front durch die Bahnen Eompiegne-Soissons-R^ims und das Erreichen der Marne, wodurch die Gleise Paris- Meaux-Ehalons unterbrochen sind, hat ein rechtzeitiges Heranführen feindlicher Reserven verhindert; was vereinzelt auftrat, wurde in die Niederlage verstrickt und geworfen.
Wie es an der Marne werden wird, läßt sich noch nicht beurteilen; es kommt auf die Pläne unserer Heeresleitung an.
Einen weiteren Erfolg haben wir aber unterdessen aus unserem rechten Angriffsflügel buchen können. Der Fall von Soissons und die Fortschritte dieses Flügels nach Westen haben die französische Front zwischen Soissons und der Oise, die rettungslos eingekeilt wurde, zum Weichen gebracht, sodaß sich unser Angriff am 31. Mai bis nach Noyon herüber ausdehnte. Aus 40 Klm. Anfangsfront irrt Angriff sind nun schon über 100 Klm. geworden; und der Angriff schreitet gut vorwärts, das zeigen ja die letzten Heeresberichte wieder.
So hat unser Sieg eine Ausdehnung erfahren, die ganz ungeheuer ist und weitere Entwicklungen noch zuläßt. Mit Zuversicht sehen wir diesen entgegen; haben uns doch die Ereignisse erneut davon überzeugt, daß wir es, schaffen, daß wir den Krieg auf diese Weise zum siegreichen Ende führen werden. Aber es kostet alles seine Zeit! d Z 2 ‘
Nachdem die Wirkung unseres in Zeit, Geländegewinn und Leistung gleich verblüffenden Sieges zunächst in der allgemeinen Richtung nach Süden am auffallendsten ausstrahlte, begann sie sich mit besonderem Nachdruck nach Westen, an der bisherigen rechten Flanke unserer neuen Schlachtsront zu zeigen.
Der auf die Marne zeigende Keil, der zuerst bei Erreichen dieses Flußlaufes spitz und verhältnismäßig schmal war, verbreiterte sich hierdurch zusehends und schaffte eine immer gesichertere Basis unserer Operationen. Der linke (östliche) Teil unserer Schlachtsront hat ebenfalls nach dem Erreichen der Marne in der Frontmitte danach getrachtet, sich seitlich in südöstlicher Richtung zwischen Verneuil und Reims vorzuschieben, - soweit es noch notwendig war. Vor ihm liegt jetzt das schwierige, für große Bewegungen ungeeignete Reimser Waldgebirge, in das hineinzustoßcn wenig verlohnt. Reims selbst als stark ausgebaute Festung mit einer Menge bombensicherer Räume hat sich halten können, zumal ein unmittelbarer Angriff auf diesen verschanzten Platz ja gar nicht stattge- funden hat, sondern nur eine gewisse Umklammerung von Westen her angestrebt und auch zum Teil erreicht worden ist. Die Verluste des Feindes, dessen farbige Truppen als Massenopfer dort unserem konzentriscken Feuer aus- gesetzt sind, müssen ungeheuerlich sein; während wir dort in richtiger Erkenntnis der Lage Spartaktik treiben.
So sind auf 'diesem Flügel der Angriffsfront größere Ereignisse nicht mehr zu verzeichnen, während der Westteil unserer Schlachtfront noch in dauerndem Kampfe steht. Aus der zunächst erreichten Linie Soissons-Ehateau-Thierry
heraus, begann das Vorrücken nach Westen, das durch das organische Verbinden der alten Angriffsfront von NvM mit der neuen immer größeren Umfang annahm, sodch Foch mit verzweifelten Krastanstrengungen am Ientralpunö dieser Bewegung, westlich von Soissons, sich anzuklammerrr suchte. Einige Tagelang hat er das mit gewissem Erfolge getan. Als aber am 2. Juni nördlich der Aisne Moulin- sous-Touvent fiel, bildete sich dort ein Keil, aus dem her. aus eine starke Artilleriefeuerwirkung auf das Aisnetal und den linken Flügel der vor Soissons zäh haltenden Franzosen möglich wurde. Ebenso wurde weiter südlich durch unser Vordrucken beiderseits des Ourcq und das Erreichen der Ostränder der Wälder von Villers Eoterettz ein ähnlicher Keil gebildet, aus dem heraus nach Norden zu mit Feuer stark siankierend gewirkt werden konnte. Infolgedessen gelang der Angriff des 3. Juni, der den Feind unter schwersten Verlusten aus seinen Stellungen südwestlich Soissons bis auf die Linie Soulier-Dommiers zurückwarf.
Damit ist dieser Teil der Front sehr viel kürzer und geradliniger geworden nnd bietet vor allem Foch keinen so günstigen Angriffspunkt mehr - falls er eine größere Gegenmaßnahme plant; jedenfalls hat dieser Erfolg ihm zunächst das Konzept verdorben.
Der ganzen Lage nach ist es durchaus natürlich das Foch jenen Gegenaufmarsch, zu dem er von weitentlegenen Fronten die verfügbaren Reserven zusammengeholt hat, an dem Teil der Angriffsfront vornimmt, von dem aus Paris am bedrohtesten erscheint. Lompiegne, Villers Eotterets und Meaux sind seine Sorgenkinder, die er sichern will.
Dabei ist allerdings weder ihm noch uns bekannt, was für Absichten unsere Heeresleitung hat. Aus der Tatsache, daß sich ganz Frankreich um das Schicksal von Paris sorgt, und daß Foch ganz selbstverständlich Maßnahmen zur Deckung der Festung trifft, dürfen wir unter keinen Umständen ableiten, daß Paris das Ziel unseres Angriffs sei. Zunächst gilt es, den Feind zu schlagen, dort zu schlagen, wo wir ihn anpacken und selbstver- stündlich jeden Erfolg soweit ausnützen, als es vorteilhch ist und mit geringen Verlusten geht. Denn das vornehmste Prinzip bei unserer jetzigen Offensive ist immer wieder der Leitgedanke, mit möglichst geringen Verlusten möglichst Großes zu erreichen; dann aber auch im richtigen Augenblick aufzuhören und sich ähnlich günstige Bedingungen erneut zu schaffen.
Während die Massenopferung der Feinde geradezu ungeheuer ist; die dick massierten Sturmkolonnen beim Gegenangriff, der verzweifelte Einsatz von Kavallerie, das Zusammendrängen auf den Rückzugsstraßen, bei Flußübergängen bringen im Feuer des Siegers fürchterliche Verluste ein;-und rücken uns unserem Ziele, die feindliche Wehrkraft zu zerschlagen, langsam aber sicher näher.
Wir brauchen uns gar nicht zu wundern, wenn in der nächsten Zeit die Entente triumphierend verkündet, es f wäre uns nicht gelungen, nach Paris zu kommen und deshalb wäre unsere Offensive wieder einmal mißglückt. Diese rein äußerlich aus Stimmungsmache in Frankreich ; v . berechneten Lügen lassen uns kühl; wir wissen es besser, wie es auf dem Schlachtfelde gemacht wirh und werten | jeden Sieg soweit aus, als es ratsam und unter Schonung von Kräften möglich erscheint. Hindenburg weiß, was er will!
Der letzte Sturmerfolg vom 4. Juni, der die Fran ! zosen auf dem Südufer der Aisne wieder zurückwarf, und f zwar auf die Linie Ambleny-Eutry, wobei die feindlichen Stellungen nördlich von Dommiers erobert wurden, zeigt? wieder zur Genüge, wie stark die Auswirkungen unseres j I Sieges selbst gegen die mit allen Mitteln verstärkte Ge | genwehr des Feindes noch sind. Die Frontlinie zwischen W Noyon und Ehateau-Thierry wird immer gerader, dü» Störung des Transportverkehrs auf dem französische: » Bahnknotenpunkt Villers-Eotterets durch unser Fernfeue I muß recht erheblich sein. Und schließlich,-die größte Aus» wertung des Sieges ist doch die, daß wir wieder der» Feinde das Gesetz des Handelns oorgeschrieben haben» Foch muß seine Kräfte dorthin ziehen, wo wir es wollen » er muß weiter opfern und die Schlagkraft seines Heere» dransetzen, um die Lage zu retten, soweit das möglich is I - Er steht unter dem eisernen Zwang des Sieges! Z. i ■
verhallen gegenüber Kriegsgefangenen.
Darüber hat der stellt). Kommandierende Generc der 18. A.- R. folgendes am 26. März 1917 veröffentlich Bezüglich des Verhaltens gegenüber Kcie jSgefangene treten mit brr Veröffentlichung dieser Verordnung fr


