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49» Telephon Nr. 362.
Samstag, den 1. Juni 1918.
Telephon Nr. 362. 3l. Jühtg.
Soissons erobert.
Siegreich die Marne erreicht, näher an Paris heran.
45000 Gefangene, 400 Geschütze und enotm große Kriegsvorräte erbeutet. 20000 u. 30000 «. 9500 Br-R.-T. = zusammen 59500 Br.-R.-T. versenkt.
Zur tnilitärlfcbett Lgge im Arsten u. Südwefun.
* Basel, 28. Mai. Der RkUter-Korrespondent bei der französischen Armee meldet, daß der Geschütz- kampf in Flandern und Nordfrankreich geradezu furchtbar sei. Der Kanonendonner sei fiatf und weithin hörbar. Alle Ortschaften weit hinter der Front befänden sich unter einem ständigen Geschoßhagel. Zwischen der englischen und französischen Armee herrsche jetzt stnnige Fühlung?, man habe Vertrauen zu der gemeinsamen Heeresleitung.
* Genf, 28. Mai. Das „Echo de Paris" meldet, daß Compiegne unter starkem Artillerieseuer liegt, gung der Herabsetzung des Brotantcils ist im Kriegscr
* Genf, 29. Mai. Das „Echo de Paris" meldet von der Front: Nach Lage der Dinge müssen wir mit einem weiteren Rückzüge rechnen und mit der Preisgabe neuen französischen Gebietes. .
* Rotterdam, 29. Mai. Der Korrespondent der „Daily News" meldet: Die deutschen Offensive begann mit allen Einzelheiten ihrer charakteristischen Kennzeichen. Das Artillerieseuer war von kurzer Dauer, aber äußerst heftig. Durch den Gebrauch von Gasgranaten erringen die Dtutschcn einen unvermeidlichen Erfolg, so daß die alliierten Truppen sich zurückziehen mußten.
Die „Times" schreibt: Durch einen etwaigen Fall von ReimS und SoiffonS werde Paris in die unmittel» bare Gefahrzone gerückt.
* Bern, 30. Mai. Die letzten Meldungen von Paris sprechen von schleunigen Manßahmen zur Be» teidtgung der französischen Hauptstadt.
* Bern, 30 Mai. Nach Bern gekommene Meldungen sprechen von dem Ausbruch wiederholter Paniken in Paris und von einer lähmenden Verwirrung nicht nur unter den Volksmaffen, sondern auch in den regierenden Kreisen, die in ihren Maßnahmen für den Schutz von Paris eine nie beobachtete Kopflosigkeit zeigen soll.
* Rotterdam, 30. Mai. Wie holländischen Blättern aus Le Havre gemeldet wird, soll das Vor- rücken der Deutschen auf Paris neue große Beunruhigung verursacht haben.
* Genf, 31. Mai. Der „Matin" meldet von der Front: Compiegne liegt unter deutschen Geschossen.
Das „Journal des Debats" hält die Lage von Reims füc sehr gefährdet und meint, wenn es den Deutschen gelinge, im Südweften gegen die Stadt vorzustoßen, dann würde der deutsche Erfolg eine ganz neue Bedeutung bekommen.
Genf, 3t. Mai. Nach Pariser Meldungen sind in Paris Maßnahmen der Eisenbahnen angeschlagen, die den Reiflveikrhc mit Paris einschränken, indem eine Anzahl Bahnlinien für den Privatverkehc bis auf weiteres gesperrt sei.
* Köln, 31. Mai. Die „Köln. Ztg." meldet von der Schweizer Grenze: Der Vertreter des „Corriere della Serra" in London telegraphiert, man müsse sich aus den unvermeidlich scheinenden Verlust von Reims gefaßt machen.
* Sch w eizer Grenze, 31. Mai. „Petit Journal" meldet: Die Artillerietätigkeit ist neuerdings von Reims nach Verdun und Nancy verlegt worden. Auch an der Vogesenfcont ist es unruhig geworden.
Amtliche deutfcbc Dgesbericble.
Berlin, 28. Mai. Durch unsere U-Boote wurden im Sperrgebiet um England neuerdings vernichtet: 20000 Br.-Reg. To. feindlichen Handelsschiffsraumes. Unter den versenkten Schiffen war ein etwa 5000 To. großer, stark gesicherter und bewaffneter Dampfer. Namentlich festgestellt wurde der bewaffnete englische
Dampfer „Pennyworth" (5388 Br. Neg. To.). Den Hauptanteil an den Erfolgen hat das von Oberleutnant z. S. Warzecha befehligte Boot.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
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wtb. Großes Hauptquartier, 29. Mai 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
An den Kampffronten von der User bis zur Oise hielt erhöhte Gefechtstätigkeit an. Französische Teilangriffe östlich von Ipern scheiterten. Westlich von Mond- didicr drang der Feind bei örtlichem Vorstoß in Santigny ein.
Die Armeen drs Generaloberst v. Böhn und des Generals v. Below (Fritz) der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz haben gestern dun Angriff siegreich fortgeführle Heraneilende französische und englische NJerven wurden grworfen. — Aus den rechten Flügel haben die Divisionen des Generals v Lausch nach Abwehr französischer Gegenangriffe den Rücken von Terny Sorny und die Höhen nordöstlich von Soissons genommen. — Nach hartem Kampf brachen die Truppen des Generals Wichura den Widerstand des Feindes auf der Hochfläche von Coude. Fort Coude wurde erstürmt, Vregny und Mi s s y genommen. Aus dem Südufer der Aisne und Vesle wurden die Höhen westlich von Ciry erstiegen. — Die Korps der Generale von Winckler, von Cvnta und von Schmettow haben die Ves le überschritten. Bra isn e und Fis m es wurden erobert. Wir sichen auf den Höhen hart südlich der Vesle. — Die Truppen des Generals Ilse haben die Höhen nordöstlich von Prouilly erstürmt, Villers Franqueux und Conrcy genommen und kämpfen um die Höhen von Thierry.
Der unermüdlich vorwärtsstcebcnden Infanterie, Artillerie und Mtnenwerflrwaffe folgen Ballone, Flaks und Nachrichtentrupp n auf dem Fuße, Kraftvolle Arbeit der Pioniere, Eisenbahn , Acmierungs- und Bautruppen haben die Ü berwindung des AngriffSfeldcs und den Nachschub der Kampfmittel durch die rastlos tätigen Kolonnen ermöglicht. In aufgeopfernder Tätigkeit ve» sorgen Aerzte und Krankenträger die Verwundeten auf dem Schlachtfeld'. Trotz wechselndes Wetters griffen unsere Flugkräfte den Feind immer wieder mit Bomben- und Maschinengewehren an, während Infanterie- und Artillerieflieger ohne Unterbrechung den fortschreitenden Angriff aus die Wirkung unseres Artilleriefeuers überwachten
Die Gefangenenzahl ist ans 25000 gestiegen, unter ihnen ein französischer und ein englischer General.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendocff.
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Berlin, 29. Mai, abends. Bei und zwischen
Soissons -Reims neue Fortschritte.
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Berlin, 29. Mai. Unseren U-Booten fielen im Spcergcbiet um England wiederum 30000 Bruttoregistertonnen feindlichen Schiffsraumes zum Opfer.
Davon entfallen allein 27 000 Brt. auf Rechnung des von Oberleutnant z. S. Patzig befehligten Bootes, das an der Westküste Englands, vorwiegend in dec irischen See und deren Zufahrtsstraßen 7 Dampfer und 2 Segler versenkte. Die Schiffe waren in großer Mehrzahl englischer Nationalität, darunter 4 tiesbeladene Dampfer von 5000 Tonnen und darüber.
Dec Chef deS Admiralstabes dec Marine.
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wtb. Großes Hauptquartier, 30. Mai 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
An den Kampffronten zwischen Isec und Oise nahm die Gefechtstätigkeit viel zu. Oertliche Jnfanteriegefechte.
Der Angriff dec Kampfarmecn des deutschen Kronprinzen schreitet siegreich vorwärts. — Nördlich der Aisne wurde in hartem Kampfe bei Ccccy- au-Mont, - Juvigny und Cufsies Gelände gewonnen.
Brandenburgische Truppen haben Soissons genommen. Südlich der Vesle brach die in Bildung begriffene neue Armee dec Franzosen in den aufhalt, samen Angriffen unserer Divisionen zusammen. Wir warfen den Feind nach hartnäckigem Widerstand bis über die Linie Vtllemontoire—Fere-en-Tardenois— Coulognes—Bcanscourt zurück — Die F o c t s dec Nord- Westfront von Reims sind gefallen. Der Nordteil von La Neuvillette und Betheny wurden genommen.
Die Gefangenenzahl ist auf über 95 000 gestiegen. Die Beute an Artillerie und Kriegsmaterial ist gewaltig. — Geschütze aller Art bis zum Eisenbahngeschütz schwersten Kalibers wurden erobert. Das stürmische Vordringen unserer Angriffstruppen v.r- wehrte dem Feinde, die im eroberten Gebiete aufge- stapelten reichen Kriegsvorräte Zurückzuführen. Große Bestände sielen in Soissons, Braisne und Fismes in unsere Hand. Ausgedehnte Munitionslager^ Eisenbahnzüge, Lazarettanlagen mit zahlreichen Sanitätsaus- rüstungcn kamen in unseren Besitz. Flughäfen mit statr- bereiten Maschinen und Flugzeugmaterial wurden erbeutet.
Bei den Heeresgruppen Gallwitz und Herzog Al brecht lebte die Gefechtstätigkeit nur zeitweilig auf.
Unsere Flieger schossen in den letzten 3 Tagen 38 feindliche Flugzeuge ab. Oberleutnant Bert- hold errang seinen 29. Luftfieg, Leutnant Ro et h brachte in einem Fluge von Dixmuiden bis südlich von Ipern 5 feindliche Fesselballone brennend zum Absturz.
Dec Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
m
Berlin, 30. Mai, abends. Südlich von Fere en-
Tardenois nähern wir uns kämpfend der Marne.
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Berlin, 30. Mai. Durch unsere U-Boote wurden auf dem nördlichen Kriegsschauplatz 9 500 feindlichen Handelsschiffcaumes versenkt.
Der Chef des Admicalstabes der Marine.
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wtb. Großes Hauptquartier, 31. Mai 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Artillerickämpfe wechselnder Stärke. Kleinere In- fanteriegefechte.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz
Dem von der Ailette Front südlich der Oise weichenden Feinde stießen wir über die Oise und Ailette scharf nach und gewannen die Linien Br tigny—St.Paul— Torsly—Loire. Nördlich der Aisne warfen wir im steten Kampf den Feind über Bieucy—Chavigny zurück. Südlich von Soissons führte dec Franzose Kavallerie und Infanterie zu heftigen Gegenangriffen vor. Ec wurde von unserem Feuer vernichtend gefaßt und geschlagen. Wir haben die Strafe Soissons—Hartenes überschritten. Die in der Richtung auf Fere-enTardeno:s von Südwesten über die Marne und von Südosten her herangeführten französischen Divisionen vermochten trotz verzweifelter Gegenangriffe nirgends unseren vorwärtsdringenden Korps erfolgreichen Widerstand zu leisten. Rückwärtige Stellungen des Feindes bei Arcy und Grand Rozoy wurden durchstoßen. Südlich von Fere-en- TacdenoiS haben wir die Marne erreicht. Die Höhen bei Chamvoisy, St. Gemme, Romigny sind in unserem Besitz. Auf dem Süousec dec Aisne, westlich von Reims, wurden Gecmigny, Gueur undThil» lots genonmmen.
Gefangenenzahl undBeute sind ständig im Wachsen. Mehr als 45 000 Gefangene, weit über 400 Geschütze, lausende van Maschinengewehren.
Dec Erste Generalquartiermeister: Ludendorfs.
O
Berlin, 31. Mai, abends. An der Front von Noyon bis westlich von Reims ist unser Angriff in gutem Fortschreiten.


