Ausgabe 
25.5.1918
 
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verhaftet. Tie Fabriken ivurden aeschlossen uub lverden von Garobtnerle bewacht. Gerüchtweise verlautet, oaß die Verhaftungen wegen Handels mit dem Feinde erfolgt sind, jedenfalls erregten sie ungeheurem Auf. sehen.

Rntzland räumt Finnland

Die Festung Ino (zwischen Petersburg undWiborg, Finnland) wurde von finnischen Truppen besetzt. Die Nüssen zogen sich zurück, nachdem sie eine Reihe von Befestigungsanlagen zerstört hatten. Letzten Diens­tag sind Tausende von Russen von Helsingfors abgereist.

Pom russischen Regen ... «u rumänische Traufe.

AuS deutschen Ansiedlerkreisen wird zur Frage der Behandlung der deutschen Siedler in Bessarabien durch die neuen Landesherrn, die Rumänen, geschrie­ben:

Ob den drangsalierten deutschen Kolonisten in Bessarabien damit geholfen ist, daß man sie an die rumänische Regierung und den liebenswürdigen Herrn Marghiloman verwies, erscheint zweifelhaft. Wer die Herren Rumänen kennt und weiß, mit welchem bru­talen Selbstbewußtsein sie imeroberten" Bessarabien austraten, der kann sich von dem korrek­ten, langwierigen Rechtswege nicht viel Gutes für das deutsche Bauernvölkchen da unten versprechen. Man wird die Deputation in Bukarest mit süßen Redewen­dungen füttern, während die Kolonisten an Ort und Stelle auch weiterhin unter einem Drucke zu leiden haben, der selbst die früheren russischen Gewaltmaß- nahmen um vieles an Folgenschwere übertrifft. Un­sere bessarabischen Stammesbrüder sind also tatsäch­lichvom Regen in die Traufe gekommen", und das nach einem einzig dastehenden Steg der deutschen Waffe, von dem die armen unterdrückten Kolonisten im festen Pertrauen aus eine tatkräftige Unterstützung seitens ihres Stammvolkes gar manche Erleichterung für sich erhofften. Das kecke Vorgehen der rumäni­schen Militärverwaltung ist nichts weiter, als ein un­erlaubtes Attentat aus oas Selbstbestimmungsrecht 1 eines 80 000 Seelen starken, deutschen Völkchens, dem nach allen Gerechtigkeitsbegriffen zum mindesten dte- j selben Privilegien zustehen sollten, wie. den befreiten ! Letten, Litauern oder Weißrussen."

Die Ansiedler dort sollten nach Deutschland zu- rückwanvern. Leider aber wollen viele das nicht. Hier , in Deutschland muß freilich die unmittelbare Teil­nahme an der deutschen Kulturgemeinschaft durch : energische Arbeit erkauft werden, energischer, als sie in Bessarabien Sitte ist.

Was geht mit Belgien vor?

Reibereien mit England? Revolution? In einer Mitteilung desHamburger Fremdenblattes" von der holländischen Grenze wird auf Anzeichen hingewiesen, die dafür sprechen, daß die englische Regierung dem König Albert mißtraue und ihn mit der Drohung unter Druck halte, Belgien später Zur Republik zu machen. Das Volk, das die Leiden des vierten Kriegs­winters in der Erwartung eines Ententesiegeö getra­gen habe, sei in seiner jetzigen Enttäuschung empfäng­lich für revolutionäre Vorspiegelungen. Unter den Belgiern im Lande selbst hätten sich Geheimbünde gebildet, deren Zentrale in Mons sei.

Worauf es jetzt ankommt.

Rach englischer Ansicht spielen im Westen folgende Momente die ausschlaggebende Rolle: ,Mir (Student of war" inLiverp. Post") müssen jeden Augenblick auf eine Preisgabe Uperns vorbereitet sein. Weder jetzt uod) in irgendeiner früheren Zeit hat die Stellung an sich einen großen strategischen Wert gehabt, aber mau kann nicht leugnen, daß die Ausgabe des Platzes, für dessen Halten wir sv viel Gut und Blut opferten, ein trauriger Schlag für unsere Selbstachtung wäre. Ipern kann noch gehalten werden, aber Zoch wird es des dafür zu zahlenden Preises nicht für wert halten. ES ist sehr bezeichnend, daß Foch sich so energisch weigerte, feine Reserven an diesen nördlichen Abschnitt zu werfen; er würde selbst dem Feinde in die Hand spielen. Ich kann mir sehr wohl vorstellen, daß die militärischen Autoritäten bereit sind, die Auf­gabe der Küste eher ins Auge zu fas en, als eine Bresche zu riskieren, die Htndenburg in den Stand setzen würde, erst die britischen und dann die fran­zösischen Heere einzeln zu vernichten. Eine solche Aus­gabe der Küste wäre für England sehr anangenehm, da London fast in den Bereich der deutschen Riesen­geschütze kommen würde und den unberechenbaren Ge­fahren der U-Boot-Kampagne ausgesetzt wäre. Dies würde aber^ unsere Widerstandskraft nicht brechen, wäh­rend eine Trennung der englisch-französischen Heere die West-Kampagne beenden könnte!"

Ter bedeutendste französische Sportflieger abgestürzt.

Der Flieger Gilbert, der unter Bruch des Ehren­wortes vor einiger Zeit aus der Schweiz entflohen war, ist bei Villacoublay tödlich abgesiürzt.

Gilbert zählte zu den erfolgreichsten französischen Frontsliegern. Er hatte sich schon im Frieden als Rekord- und Schleifenflieger, aber auch durch Dis­qualifikationen einen Namen gemacht. Er war zu­letzt in der Schweiz interniert, von wo er unter Bruchset neöEhrenworteS entfloh. Er ist jetzt, nicht im Luftkampf, sondern auf dem Pariser Flugplatz von Villacoublay verunglückt.

Kleine Kriegsnachrichten.

. , " Die Ausfuhr von Schweinefleisch aus den Ver­engten Staaten belief sich im März 1918 auf <108 010 711 Pfund, um eni Drittel mehr als je erreicht. Tiefe gesamte Menge ging nach den Verbandsländern.

" Vier Millionen Pfund Kammwolle, die Ende Marz von der Regierung nicht verbraucht waren, sind in England für den Privathandel sreigegeben worven.

In Marseille stieß ein Zug mit Beurlaubten in der Nähe des Bahnhofs Raphele bei Arleö mit einem Güterzug zusammen. Acht Personen sind tot, 22 verwundet.

" Der französische Bankier Zuceo, der eine Zeit- Arg in einer Zuavenabteilung gedient hat, wurde in Clermontferrand uiiter der Anschuldigung verhaftet, mit dem Wiener Bankhause Ersbach Kuponqefchäfte gemacht zu haben.

- " Die sozialistische Kammergruppe beschloß, die

^Ultiative zu einer Interpellation über die auswär- jiLe Politik der alliierten Negierungen zu ergreifen.

" Italien hat die Vereinigten Staaten nnverbind- lich benachrichtigt, daß die Anwesenheit von einigen tausend Mann amerikanischer Truppen an der italie­nischen Front sehr wünschenswert sei.

" Die Niederländisch-indische Presseagentur meldet, daß in Neuguinea außerordentlich reiche Petroleum- quellen entdeckt worden sind. Die Holländer machen sich wohl den Scherz, die Amerikaner mit Petroleum- Konkurrenz zu ärgern.

Der Letter der russischen Revolution, der So­zialrevolutionär Kerenski, wird in nächster Woche in den Bereinigten Staaten eintreffen, zu dem Zweck,

" D?? erste Krtegsjahr kostet den Bereinigten Staa­ten 9 Milliarden Dollar. Mehr- als die Hälfte hier­von kommt ans die dem Verbände gewährten Anleihen.

In England sind mechanisch betriebene Werk­zeug- und Holzbearbeitunasmaschinen. sowie Drehbänke zur Me.all- und Holzb.aroeitung beschlagnahmt worden.

" Tie Frage der Landarbeiter wird in den Ver­einigten Staaten teilweise dadurch gelöst, daß die jungen Leute zwischen 16 und 21 Jahren zu diesen Arbeiten herangezogen werden. In den Schulen wird statt Griechisch und Geometrie landwirtschaftlicher Unter­richt erteilt.

- Staatssekretär v. Waldow hat sich in Begleitung der Unterstaatssekretäre v. Braun und v. Grävenitz nach Kiew begeben, um an Ort und Stelle auf eine Be­schleunigung der ukrainischen Einfuhr hinzuwirken.

Der König von Sachsen hat am Freitag den Kaiser im Großen Hauptquartier besucht.

:: Beamteukammern. Die Beamten in Bremen haben bei der Bürgerschaft den Antrag auf Einsetzung einer Beamtenkammer gestellt mit der Erklä­rung, daß eine solche Kammer aus allgemeinen Wah­len von seiten der Beamten hervorgegangen fein und das Recht haben müsse, nicht nur auf behördliche An­forderung, sondern auch aus eigener Entschlußkraft in allen Beamtenangelegenheiten gutachtliche Aeußerun- gen abzngeben.

In der Beamtenpresse wird dazu bemerkt, daß bloße gutachtliche Aeußerungen nicht genügen. Den Be. amten müsse vielmehr das Recht des Mi tbesch lie­ßen s, wenigstens innerhalb bestimmter Grenzen, ein­geräumt werden.

Tic Steuern iit Preußen. 1917 gab es in Preu­ßen bei einer Einwohnerzahl von 40 Millionen Per­sonen 7,1 Millionen Steuerzahler, das sind also 17v.H. Im Durchschnitt hatte jeder der Steuerzahler ein Ein kommen von 2688 Mark. Insgesamt sind an StaatSein kommensteuer einschließlich der Zuschläge 585,76 Mil­lionen Mark erhoben worden. Davon entfielen auf die Städte 426 Millionen und auf das Land 159 Mil­lionen.

:: Lisen-ahuer-Kleinwirte Die Preußisch-Hessische Eisenbahnverwaltung hat sich seit Jahren bemüht. Kleintierzucht, Kleingarten- und Landban für ihre Eisenbahnbediensteten' zu fördern. Das hat sich wäh­rend der Kriegszeit in außerordentlichem Maße ent­wickelt. und jetzt hat der Minister der öffentlichen Ar­beiten kürzlich Anordnungen getroffen, um diese kriegs­wirtschaftlich überaus wichtigen Erzeugungsgebiete der Selbstversorgung durch planmäßigen Ausbau auch für die UebergangS- und Friedenswirtschaft nutzbar zu machen. Zunächst wird die gemeinsame Beschaffung deS Saatgutes, der Obstbäume usw. erfolgen, um durch zweckmäßige Ausnutzung der Sämereien die jetzt not­wendigen Ersparnisse zu erzielen. Inzwischen haben sich die Bediensteten überall zu Eisenbahn-Kleinwirte­vereinen zusammengeschlossen, deren es bereits mehr als 800 gibt.

:: Die Wiederznlassung der Hausjchlachtnngen soll nach einer Mitteilung des sächsischen LebensmittelamteS chon für den Herbst zu erwarten sein. Es werde edoch erwogen, daß ein Teil des Hausschlachtungs- leischeS an die öffentliche Fleischversorgung abgegeben werde.

:: Im Bundesratsausschusje für auswärtige Angc- lcgeuheiten, der am 22. Mai unter dem Vorsitze des bayerischen Ministerpräsidenten Dandl znsammentre- ten wird, dürften nach Münchener Telegrammen die im Großen Hauptquartier in den Grundzügen festge­legten Abmachungen betrefsend das deutsch-österreichi­sche Bündnis, ferner die elsaß-lothringische und die litauische Frage den Gegenstand der Be­sprechungen bilden.

:: Der Vorstand deutscher Bcamtenvcrcine sagt in einer Eingabe an den Reichskanzler, die vom 1. April d. I. ab gewährten verhältnismäßig geringfügigen Erhöhungen hätten in weiten Kreisen der Beamten­schaft eine tiefe Niedergeschlagenheit und eine nicht unbedenkliche Verstimmung hervorgernfen. Seit dem Februar hätten sich die Verhältnisse weiter verschlech­tert, und die Beamtenschaft versinke in immer schwe­rere Not und Verschuldung. sei daher zur wirk­samen Abhilfe die Bewilligung einmaliger größerer Beiträge zur Abbürdung dringender Schulden und zur Anschaffung der notwendigsten Bedarfsgegenstände so­wie die ausreichende Erhöhung der laufenden Kriegs­zuwendungen unbedingt erforderlich.

:: Zum Fall Erzbergcr. Der Abg. Gras Westarp (kons.) hat im Reichstage folgende kleine Anfrage ein­gebracht:

,,Trifft es zu, daß der Abgeordnete Erzbe^M im Dezember vorigen Jahres mit Einverständnis des Auswärtigen Amtes eine Reise nach Wien unternommen hat, über deren Ergebnis er dem Herrn Reichskanzler und dem Auswärtigen Amt Bericht erstattet hat?

Hat es sich dabei um politische Angelegenheiten gehandelt, zu deren Erledigung der Abgeordnete Erz- verger vom Auswärtigen Amte beauftragt oder er­mächtigt war?

Sind dem Abgeordneten Erzberger seither auch sonst derartige Aufträge oder Ermächtigungen zu poli­tischer Tätigkeit im Ausland erteilt worden, und welche Oolicgenbeiten sind dem Abgeordneten Erzberger vom Auswärtigen Amte übertragen?"

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Finnland: Verhaftung aller Sozialistenführer.

; Die finnische Regierung soll, nachdem sie mit deutscher Hilfe ihre sozialistischen Gegner niedergewor-

fett hat, die Verhaftung sämtlicher sozialdemokratischer Landtagsabgeordneten, auch der revvlutionsfeindlichen, angeordnet haben. Zugleich sollen deren Mandate für ungültig erklärt werden.

Au§ den Revolutionskämpfen wird regiernngssei- tig berichtet, die Rote Garde hätte eine Masse voii Gefangenen in Savitaripale in einen großen Viehstall eingesperrt und dann das Gebäude angezündet und die Unglücklichen verbrennen lassen.

Aus aller Welt

A Der Verkauf von Wertzeichen gegen Scheck.

Hur Förderung des bargeldlosen Verkehrs beim Ver­laus von Wertzeichen hat die Reichs-Postverwaltung den Mindestbetrag der gegen Scheck oder Üeberweisung zu verabfolgenden Wertzeichen von 20 Mark auf 10 Mark herabgesetzt. Es können also Wertzeichenein- kanfe von 10 Mark an mit Scheck usw. beglichen werden. Ferner dursten bisher Wertzeichen bis zum Gesamt­beträge von 00 Mark an Käufer, gegen Vorlegung eines von der Postanstalt ausgestellten Ausweises bereits vor der Gutschrift des Schecks usw. verabfolgt werden. Fortan dürfen solchen Käufern Wertzeichen bis zum Gesamtbeträge von 50 Mark sogleich ausgehändtgt werden. Mit diesem System erreicht die Post nichts!. Dafür sind die hier in Betracht kommenden Marken­beträge die-, zu gering. Will man den Marken-Bar- geldumsatz ansschalten, dann möge man bei den Post­scheckämtern Markenverkaufsstellen für geschlossene Mar- kenpakete von je 1000 Stück einrichten und diese auf eingesandte Schecks hin den Bestellern portofrei unter Einschreiben" im normalen Briefpostverkehr ins Haus bringe.' Was die Verkaufsstellen bei den Scheckämtern kosten, würde zehnfach an Arbeitskräften an den Schaltern der Aemter erspart werden.

** Berliner Pfingstrcifen. Warnungen und Mah­nungen und Bitten an die Bevölkerung, zu Pfingsten zu Hause zu bleiben und die so furchtbar überlastete Bahn nicht noch mehr zu belasten, sind in den Wind gesprochen worden. Ein besonders skrupelloser Teil der Bevölkerung verreist doch. Wie es aussah, schildert ein Bericht z. B. vom Stettiner Bahnhof in Berlin: Schon Freitag abend begann der Andrang der Rei­senden, die erst Sonnabend fahren wollten. Die Rei­senden, die die Frühzüge benutzen wollten, stellten sich schon um 10 Ubr abends an. Um 12 Uhr nachts bereits nahmen die Polonäsen vor den Fahr­kartenschaltern einen unheimlichen Umfang an. Um Vs" Uhr morgens sollte der Bahnhof zur Reinigung und Lüftung geschlossen werden, die Beamten stan­den indessen von einer Schließung ab, da sich die Rei­senden weigerten, die Tore freizugeben. Auf Reise- körben, Kosfern und Kasten wurde Abendbrot ver­zehrt. der mitgebrachte Kaffee genommen und ge­schlafen. Ganze Familien mit Kindern und Hund verbrachten die Nacht in der Bahnhofshalle. Wieder­holt wurden Frauen in dem Gedränge ohnmächtig. Auch Diebe benutzten die Gelegenheit und stahlen Ge­päckstücke und Wertsachen. Einige Verhaftungen wur­den vorgenommcn. Um 5 Uhr 10 Minuten früh fuhr der erste Zug nach Stralsund ab. Eine Stunde vorher wurde der Billettschalter geöffnet. Es gab einen Sturm. . .

** Niesenbrand in Gotenburg. In dem bedeutend­sten schlvedischen Hafen, an der Westküste, in Goten­burg, wurde der Stadtteil Hulmans Holme von einer- großen Feuersbrun st heimgesucht, die fast den gan­zen Stadtteil m'.t Gebäuden und bedeutenden Waren­lagern, die teilweise nner-esind, zerstörte. In einem Packhause fielen Ijü Tonnen Maschinenöl den Flammen zum Opfer. Der Materialschaden ist sehr be deutend.

Gvtenbura ist der bedeutendste Hasen S'..", weden -5 für den westlichen Ueberseeverkehr. Ter Schaden, war» für die Stadt und für das Land doppelt fühlbar sein, da aleichzH.ig auch die Gotenburger Schiffahrt wegen der Verseuchung des Kattegats mit englischen Minen eingestellt werden mußte.

'' ( lue b.n:.rischeAnleihe" irr Preußen. Eine

nette OWdiiäjie o;:i einer erfolgreichen bundesstaat­lichen Hi.;, ^reußens an Bayern wird aus dem Flecken Parsberg in Oberbayern gemeldet. Im Bezirksamt Parsberg waren die Mehlvorräte sehr knapp geworden, zur großen Verwunderung der Behörden und Sach­verständigen, die sich aus den Standpunkt stellten, daß in dem überwiegend ländlichen Bezirk noch große. Vorräte an Mehl und Mehlgetreide vorhanden sein müßten. Man sandte Kontrolleure ans, die die ver­schiedenen Mühlen kontrollieren mußten, aber diese fanden nichts. Da kam ein Schlaukopf, der anscheinend leine Leute gut kennt, auf eine Idee, die bei berr Behörde Anklang fand. Man ließ Kontrolleure aus Preußen kommen und der Erfolg ihrer Ä^gkeit war verblüsfend: in vier Mühlen konnten 500 Zentner Getreide beschlagnahmt werden. Alle Achtung vor» dem Spürsinn der preußischen Kontrolleure. Ob frei­lich durch derartigeAnleihen" in Preußen die ohnehin nicht gerade übermäßige Liebe der bayerischen Bauern zu dem größeren Bruder Preußen eine Steigerung er­fährt. durfte man füglich bezweifeln.

* C selig, in Kassel. Wie . ans den Kreisen der städtischen Behörden in Kassel mit Bestimmtheit ge­meldet wird, ist die Kasseler Lebensmittelversorgung in der ausnahmsweise günstigen Lage, die angekün- digte Verkürzung der Brotrate auf 10 Prozent ^be­schränken zu können. Das ist die Halste der an allen anderen Orten Deutschlands notwendig werdenden Ver­kürzung. Dieser Ausnahmezustand ist eine Folge der bisher vom Stadteinkanf beobachteten sparsamen wirt­schaftlichen Rationierung der vorhandenen Levensmit- tel sowie davon, daß der Stadteinkanf über größere Mengen an Vorräten und Streckungsmittel verfügt. Wir können nur seufzen und den Mund halten.

** (Sin neues DicbstahlSsystcm. Eine raffinierte Frauensperson hat Himmelfahrt in Königshütte (Ober­schlesien) ein Kind an sich gelockt und ihm Schuhe, Kleids Halskette, Schleife, Schürze usw. abgenommen. Ein Junge, der ans das fünfjährige Kind acht geben sollte, hatte es im Gedränge vor der Tierschau Hagenbeck aus dem 'Auge verloren. Dies mußte die Diebin bemerkt und ansgenntzt haben.

Kleine Reiiigkeiten.

* Bei einer Kahnfahrt ans dem Kleschiner See im Kreise Flatow konterte das Boot. Drei Personen ertranken.