Ausgabe 
11.5.1918
 
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Skoropadski als Diktator.

Eine neue Itor.r'.:; in der Ukraine.

Nachdem die Bauern Vis alte sozialrevolutionäre Regierung gestürzt hatten, hat General Pawlo Skoro- padstl. ein Mitglied des eingesestenen Großgrundbe­sitzes, sich der Herrschaft bemächtigt, vor allem ern aus der Kadetten-(H andels-)Part?i zu - mmengesetztes Mr- nisterium aus früheren Den.scheufeinden gebildet und sich selbst zum Diktator gemacht. Er hat die volle Nearerunasgewatt. Er b:;:ä.v.t die Gesetze, ernennt den Ministerpräsidenten, das Kaiinect und dre Beamten, ist oberster Kriegsherr und vertritt den Staat nach außen. Er erläßt Ausnahmegesetze, erklärt den Belagerungszustand, ihm sreyt das BeguadiguugsrechL zu usw. Das von ihm oci seiner Proklämterung zum .sietman verkündete Gesetz, das Dteje Befugnisse des Hetmans regelt, sieht in 8 10 die UnailtastbarkeU des Eigentums vor; Rede-, Preß- und Versamm­lungsfreiheit werden bestätigt. Die Befugnisse des Ministerrates sind durch die Aussichtsbesugnrs des Het- mans stark eingeschränkt.

Ein Klasscrrwahlrcchl für die Ukraine.

Ter ukrainische Kongreß der Landwirte hat eine Entschließung gefaßt, die Den -curz der Rada begrüßt, dir Sozialisierung verwarf:Zur Konstrtulerung der Regierung und zu ihrer Ueberwachung sowie zur un­aufschiebbaren Gesetzgebung muß eine neue gesetzgebende Körperschaft einberufen werden, bestehend aus Vertre­tern aller schaffenden und staatlichen Elemente der Ukraine auf Gruud eines Klassenwahlrechts. Die Wahr- len zur Konstituante, die vor sich gegangen sind im Gewühl des Bürgerkrieges, unter Nötigungen, Brand­stiftungen und S. v-ejuitgeii, können nicht als Willens­äußerung des ukrainischen Volkes angesehen werden."

Es handelt sich tster um die Großgrundbesitzer. Aber auch die kleinen Besitzer, die sich während der Revolution eines Landstreifens bemächtigt haben, sind jetzt entschlossen für das Privateigentum.

Ter russische Bankdirektor Dobrh, der von der alten sozialistischen Rada verhaftet worden sein sollte, ist in Charkow, der großen Kohlen- und Handelsstadt im Osten der jetzigen Ukraine, aufgefunden und befreit Ivorden.

Das Petroleumabkommen mit Rumänien.

Der deutsche Bedarf an Erdölcrzeugnisscn und seine Deckung 1913.

1913 betrug die Einfuhr an Benzin, Leuchtöl »der Petroleum, Gasöl oder Treiböl und Schmieröl rund 1 290 000 Tonnen. Die deutsche Rohölerzeugung im gleichen Jahre betrug nur den zehnten Teil der Einfuhr, 120 000 Tonnen (42 v. H. Elsaß, 58 v. H. Norddeutschland). Diese 120 000 Tonnen ergaben bet der Verarbeitung 88 000 Tonnen Oele aus den vier vorgenannten Gruppen.

Die Gewinnung von Vraunkohlenteeröl und Schie- seröl kann bei unseren Erwägungen ganz außer acht gelassen werden, weil sie nahezu konstant ist. Wir haben bisher nur ein Schieferwerk auögebaut, wel­ches immer etwa die gleiche Menge Oel gibt, und auch die Erzeugung der Mitteldeutschen Braunkohlen­schwelereien wird sich im Hinblick auf das beschränkte Vorkommen der besonders bituminösen Kohlen kaum wesentlich verändern.

Neben der inländischen Roh ö l erzeugung wur­den in Deutschland an Steinkohlen teer' 1 400 000 Tonnen erzeugt, die 300 000 bis 350 000 Tonnen Teeröl ergaben. Dieses Teeröl wurde zum größten Teile ausge führt, und zwar sehr viel davon nach den Bereinigten Staaten, wo ein sehr großes Bedürfnis nach Imprägnierungsmitteln für Holzschwellen ustv. besteht. Der Rest fand im Jnlande Verwendung, in erster Linie zu Jmprägnierungszwecken, dann in den letzten Jahren vor Kriegsausbruch auch in nicht uner­heblichem Maße als F e u e r u n g s m a t e r i a l in der metallurgischen Industrie. Im Kriege wurde dazu übergegangen, aus dem Steinkohlenteer das sogenannte Teersettöl in größerem Maße zu isolieren und daraus 35 000 Tonnen jährlich Teersettöle als Schmier­öle herzustellen, die im wesentlichen als Eisenbahn- achsenschmieröl dienen.

Der Gesamtbcdarf Deutschlands betrug demnach im Jahre 1913, wenn wir die Braun- kohlenteeröle und die Steinkohlenteeröle beiseite las­sen, 1389 909 Tonnen, und zwar entfielen davon 93 v. H. auf eingefnhrtc und 7. v. H. auf inländische Oele. Die Einfuhr stammte in größtem Maße aus den Vereinigten Staaten von Amerika, die über die Halste der Gesamteinfuhr bestritten. In zweiter Linie kam Oesterreich-Ungarn mit 18 v. H., dann Ruß­land mit etwas über 13 v. H., dann Rumänien mit 8 v. H. und Niederländisch-Jndien mit 3,9 v. H. Letzteres hat 1913 ausschließlich Benzin nach Deutsch­land geliefert. Die Vereinigten Staaten lieferten uns etwa % der gesamten Leuchtöleinfuhr, dann etwa die Hälfte der Schmieröle, Benzin und etwas Gasöl.

Die rumänische Rohölerzeugung 1913 betrug 1 900 000 Tonnen. Das ist die Höchste Zahl, die in Rumänien überhaupt je erreicht worden ist. Wenn man ziemlich reichlich den Verlust bei der Ver­arbeitung und den Selbstverbrauch der Erdölindustrie an Heizöl mit 15 v. H. annimmt, so ergibt das einen Verbrauch von 285 000 Tonnen. Den dortigen In­landsbedarf kann man auf etwa 600 000 Tonnen schätzen. Es bleibt dann für die Ausfuhr rund 1 Million Tonnen übrig. Von dieser Aussuhrmenge kamen bisher nach Deutschland nur 103 000 Tonnen. Das ist eine recht geringe Zahl, die um so mehr in ihrer Knappheit ausfällt, wenn man bedenkt, daß Deutschland von allen Ländern kapitalsmäßig am stärk­sten in der rumänischen Erdölindustrie beteiligt war, und zwar stellt sich die Beteiligung des deutschen Kapitals auf 120 Millionen Lei.

Mehrbedarf im Kriege.

Während des Krieges hat eine sehr erhebliche Ver­schiebung im Bedarf und in der Deckung des Be­darfes stattgefunden. Die Einfuhr über Sec hörte auf mit Kriegsausbruch. Nur die Einfuhr aus Oester­reich-Ungarn und Rumänien blieb noch offen, d. h. aus Pen beiden Ländern, die zusammen im Jahre 1913

nur mit 26 v. H. an der Einfuhr beteiligt waren. ES läßt sich ermessen, welche Schwierigkeiten bei der Deckung des Bedarfes auch dann zu überwinden ge­wesen wären, wenn nicht noch besondere Erschwernisse hinzugekommen lvären, die im wesentlichen gekennzeich­net werden können durch den Hinweis auf den zeit­weiligen Einbruch der Russen in Galizien, auf die sehr schikanöse Haltung der rumänischen Regierung und aus das vorübergehend vollständige Aussetzen der ru­mänischen Einfuhr nach Eintritt Rumäniens in den Krieg. Auch nach der Besetzung der Wallachet durch unsere Truppen war zunächst aus eine geregelte Zu­fuhr von Erdölerzeugnissen nicht zu rechnen, denn : wenn schon die Schnelligkeit der militärischen Opera­tionen sehr erhebliche Bestände in Konstanza in un- ! sere Hand brachte, so war doch die Zerstörung, die i aus die Veranlassung Englands in der rumänischen j Erdölindustrie vorgenommen worden war, so weit­gehend. daß es sehr erheblicher Arbeiten bedurfte, ehe wieder eine regelmäßige Erzeugung zuwege gebracht werden konnte. Die sehr energischen und weitgehen­den Maßnahmen, die in dieser Beziehung getroffen , worden sind, haben es ermöglicht, die Erzeugung Rumäniens wieder auf ungefähr 2/3 von 1913 zu bringen.

Der Bedarf hat während des Krieges nicht abgc- nommen. Die große Entwicklung, die oie Flieger­truppen und das K r 6 st fahrwesen genommen haben, hat einen ganz ungeheuren Mehrverbrauch an Be­triebsstoffen für Flugzeuge und Kraftwagen zur Folge gehabt. Dies hängt, soweit es die Kraftwagen betrifft, ja naturgemäß auch sehr zusammen mit dem Rück­gang unseres P f e r d e bestandes. An der Betriebs- stosfbilanz ist es jeden Monat deutlich sichtbar, !vie oie schlechte Futtermittelernte des letzten Jahres und deren unglückliche Einwirkung aus unseren Pserde- bestand aus den Mehrverbrauch an Betriebsstoffen sowohl an der Front wie auch im Lande eingewirkt hat. Der Verbrauch der Marine an Treib- und Heiz- ! ölen ist eigentlich ins Unermeßliche gewachsen. Die j Schmieröle werden auch in höherem Matze gebraucht | als im Frieden, weil gerade diejenigen Industrien, l die für die Kriegführung am wichtigsten sind und j in verstärktem Maße jetzt arbeiten, gleichzeitig die : größten Schmierölverbraucher sind. Dazu kommt, daß der sehr schlechte Reparaturstand aller Maschinen und Einrichtungen und die nicht sehr gute Beschaffenheit vieler Ersatzschmiermittel eine reichlichere Schmierung bedingt, so daß tatsächlich trotz aller Sparmaßnahmen, die ergriffen worden sind, der Verbrauch zurzeit nicht unerheblich größer ist, als er im Jahre 1913 war.

Auch ein starker Rückgang beim Leuchtöl hat sich gezeigt. Der Leuchtölverbrauch ist ganz allge­mein erfahrungsgemäß in allen hochkultivierten Län­dern im Weichen. Es ist wohl nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, daß die Kriegsverhältnisse in Deutschland dieses Zurückgehen des Leuchtölverbrauches um mehrere Jahrzehnte beschleunigt haben. Als Ersatz für die nicht greifbaren Erdölerzeugnisse wurden die aus der Steinkohle und Braunkohle im Inland ge­wonnenen Produkte herangezogen. Die Kokereien uni) Gasanstalten lieferten Benzol als Betriebsstoff und Lösungsmittel, Heizöl und Treiböl für die Marine, Teersettöle als Schmieröle. Das Paraffinöl und das Schieseröl wurde auch als Schmieröl herangezogen, meistens fand es aber als Treib- und Heizöl Verwen­dung.

Unsere Kriegführung ist ohne ausreichende Zufuhr gewisser Mineralöle sowohl zu Wasser wie zu Lande nicht weitersührbar. Es konnte deshalb auch nicht die Zuführung dieser Oele von der Fähigkeit oder dem guten Willen Privater abhängig sein. Deshalb mußte ausbedungen werden, daß das Oberkommando unseres Besatzungsheeres in Rumänien für die Zeitdauer der Fortführung des Krieges dieselben Machtvollkommen­heiten wie bisher behielt in bezug auf alles, was I mit der Erzeugung, der Verarbeitung und der Vewe- ! gung de- Rohöls und seiner Erzeugnisse zusammen­hängt. . Diese Forderung ist im FriedenSoertrage durch­gesetzt und abgemacht worden.

*

Für die Ordnung der Verhältnisse nach dem all­gemeinen FriedenSschluß mußte die deutsche Re­gierung erstens den ausschlaggebenden Einsluß auf die Erzeugung, die Verarbeitung und die Ver­wertung des Rohöls und der Erdölerzeugnisse aus­üben. Schließlich mußte sie auch dafür sorgen kön­nen, daß diese rumänischen Erdölerzeugnisse tatsäch­lich in dem notwendigen Maße nach Deutschland eiuge- sührt werden. Das ist in den jetzt abgeschlossenen Verträgen geschehen.

Die Negierung für Sicherungen.

Zur Wahlrechtsfrage im Stbgeorductenhause.

Das Preußische Abgeordnetenhaus setzte am Mon­tag die 2. Lesung der Wahlrechtsvorlage bei der Vor­lage über das Herrenhaus fort. 8 13, die die auf Lebenszeit gültigen Berufungen regeln sind unverän­dert geblieben. Die Debatte wendet sich zu der

Vertretung der Städte und großen Berufe.

Nach den Vorschlägen des Ausschusses sind auf die Dauer von zwölf Jahren, jedoch nicht über die Dauer der ihre Borschlagsjähigkeit begründenden Eigenschaften hin-

50 000 Einwohnern und 2 weitere Vertreter der Stadt Berlin, 2. 24 Vertreter der übrigen Städte und der Land­gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern, 3. 24 Ver. treten der Provinzen, sowie 1 Vertreter der Hohenzollern- scheu Lande, 4. 24 Vertreter der ländlichen Selbstverwal­tung, 5. 4L Besitzer solcher Landgüter, die sich zur Zeit der Vorschläge bereits 50 Jahre im Besitze derselben Familie befinden und eine Größe von mindestens 15 Hektar oder einen Grundstcuerrcinertrag -von mindestens' 150 Mark haben, 6. 24 Mitglieder, die von den Landwirtschafts--

kammern vorgeschlagen werden, 7. 36 Leiter großer Un­ternehmungen der Industrie und des Handels, 8. 86 Ver­treter von Handel und Industrie (vorgeschlagen durch die Handelskammern), 9. 18 Vertieter des Handwerks. 10 . 16 Verrreter der Hochschulen, 11. 16 Vertreter der evangeli­schen und der katholischen Kirche, 12. 16 Vertreter der Arbeiter, 13 12 Vertreter der Angestellten im Sinne des Ver-Ncherungsgesetzes für Angestellte. 14. 6 unmittelbare und mirrelbare Staatsbeamte, 15. 6 Lehrkräfte von höheren und mittleren Schulen, von Volksschulen und Lehrerbil­dungs-Anstalten. 16. 6 Angehörige der übrigen gelehrten Berufe 17. 3 Angehörige von technischen Berussständen 18 3 Berussangehörige der bildenden und ausüben­den Künste, der Literatur und der Presse.

Solange für die Mitglieder der letzten fünf Gruppen ich^ durch Gesetz eigene Vorschlagskörper gebildet sind, be­ruft sie der König ohne Vorschlag.

f J?H^ er s, öEs Innern Dr. Drews bittet, es bei den Beschlüssen des Ausschusses bewenden zu lassen, zumal das Herrenhaus ia selbst seine Wünsche noch eingehend zur Geltung bringen werde und das Abgeordneten­haus daun nochmal Gelegenheit habe. Stellung zu nehmen.

Abg. Hue (Soz.): Wir sind gegen die Bevorzu­gung des alten Familienbesitzes.

Abg. Gracf (kons.): Ein Vorschlagsrecht des alten Grundbesitzes ist geschichtlich berechtigt.

Abg. Dr. Lewin (Pp.): 13 000 landwirtschaftliche Betriebe sollen hier dieselben Rechte haben wie die gesamte Arbeiterschaft.

Abg. Ströbcl (U. Soz.): Die Kirche verdient nicht, tnt Herrenhaus vertreten zu sein.

Abg. Gronowski (Ztr.): Ter Vorredner will durch diese Beschimpfung der Kirche das gleiche Wahlrecht bewußt unmöglich machen.

Abg. Harnisch (Soz.) verlangt 48 Arbeitecvertreter.

Bei der Abstimmung werden im wesentlichen die Beschlüsse des Ausschusses aufrecht erhalten. Für Sie 48 Besitzer von berechtigten Landgütern wird die Größe von 15 Hektar aus 5 Hektar herabgesetzt, und der Grundsteuereinertrag von 150 aus 75 Mark. Der Zentrumsantrag auf Verdoppelung der kirchlichen Ver­treter wird abgelehnt, desgleichen der Antrag auf Erhöhung der Zahl der Arbeitervertreter von 16 aus 36. Abgelehnt wird auch der fortschrittliche Antrag, der Presse, den Rechtsanwälten und den Aerzten eine besondere Vertretung zuzugestehen. Ebenso wird abgelehnt, der Stadt Berlin drei Vertreter zu gewäh­ren statt zwei.

Der Rest des Gesetzes wird darauf angenommen

Cs folgen dieSicherungen".

Es liegen Anträge vor, die die Zweidrittel-Mehr­heit verlangen für Verfassungsänderungen bei: 1. Kir­chen- und Schulrecht, 2. Landtagswahlrecht, 3. Ge­meindewahlrecht, 4. Wahlkreiseinteilung.

Abg. Dr. Porfch (Ztr.) und Dr. Brcdt (freikons.) begründen diese Anträge.

Tie Regierung erklärt:

Minister Dr. Drews: Die Regierung würde vor­aussichtlich bereit sein, aus den Boden' dieser soge­nannten Sicherungen zu treten, wenn dadurch ein Zu standekommen des VersassungSreformw .kes im gan­gen in einem Rahmen, der für die Negierung annehm­bar sein würde, gesichert würde.

Abg. Dr. v. Hehvebranv (kons.) erklärt die Ziele dieser Anträge für sympathisch, aber besser sei die Ab lehnunq des gleichen Wahlrecht .u glauben cm er nicht, daß es sich empfiehlt, auf diese Sicherungen einzugehen, über deren Tragweite man sehr versö ,ie> den urteilen kann.

Vom U-Bootkrieg.

28 599 Tonnen versenkt.

Berlin, den 6 . Mai 1918. An der Westküste Englands neuerdings versenkt: 16 500 Vruttor-Re-

g istertonnen. Sämtliche'Schisse waren tiefbeladeu, einer er Dampfer wurde aus stark gesichertem Geleitzug herausgeschossen.

Neue U-Bootsersolge auf dem nördlichen Kriegs­schauplatz: 12 000 Bruttoregistertounen. Unter den ver­senkten Schissen ein Lankdampfer, der an der Ostküste Englands torpediert wurde.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

Stimmungsbilder aus England.

Nach erbeuteten Briefen englischer Gefangener.

Die Rationierung der Lebensmitt e I ist in England noch immer nicht überall durchgesührt. Wie aus vielen Briefen hervorgeht, verhält sich die Bevölkerung ihr gegenüber sehr skeptisch. Man weiß nicht recht, ob die Rationierung nur eine gleichmäßige Lebensmittelverteilung auf alle Volksklassen oder etwa eine durch den U-Bootkrieg durchaus notwendig ge­wordene staatliche Verwaltung der noch vorhandenen Vorräte bezweckt. Im großen ganzen neigt man aber zu der letzteren Annahme, lveil es sich sonst nicht er­klären läßt, warunt dre Rationen so knapp bemessen sind, daß man-nicht damit auskommt.

Die Bevölkerung erträgt diesen Eingriff in ihre gewohnte Lebensweise mit Unwillen und Murren: die Briese an die Front sind voll von Klagen darüber. Der Engländer fühlt die Folgen des Krieges mit aller Schwere und mit allen Schwierigkeiten hinsichtlich Be­schaffung der täglichen Nahrung: Am Ende der Woche, von Freitag an, schreiben die Hausfrauen, kann man nichts mehr arbeiten oder sonst vornehmen. Man verbringt seine ganze Zeit damit, vor den Läden anzustehen, und oft ist alles ausverkauft, ehe man überhaupt Zutritt zum Verkaujsstand erlangt. Das ' kann sich am Sonnabend und Sonntag wiederholen. Wir lesen von Leuten, die mehrere Wochen kein Fletsch