Ausgabe 
11.5.1918
 
Einzelbild herunterladen

Gießerrer Jettoog

Bezugspreis 60 Psg. monatlich

vierteljährlich 1,801!, voraukzahlbar, frei ins Haus. Ab ge holt in unserer Expedition oder in den Zweig. auSgabestellen vierteljährlich 1,50 Mk. Erscheint Mittwochs und Samstags. Nedaktionsschluh früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rücksen­dung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verla, derGießener Zeit»«,". Gießen.

rpeöfI!o b: Züdanlage21

Anzeigenpreis 20 psg.

die 44 mm breite Petitzeile, für AuSwärtS 80 Pfg. Die 96 mm breite Reklame-Zeile 72 Pfennig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Grütze berechnet. Rabatt kommt bei Ueberfchreitung deSZahlungL- ziele- (30 Taaej, bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.

Druck der Gießeucr Verlagsdruckerei. Albin Klein.

Rr. 43.

Telephon Nr. 362.

Samstag, den 11. Mai 1918.

Telephon Str. 362.

31. Jahrg.

Ein zweiter englischer Seeangriff vor Ostende abgeschlagen.

2 nr militärischen Lage im Aesirn

* Zürich, 8. Mai. Eine Havasnote vom 7. Mai meldet: Die Beschießung des Abschnittes Lokcr dauert fort, die Beschießung der Stadt Ipern durch die schweren deutschen Geschütze hat begonnen.

'

DaSEcho de Paxis" bereitet seine Leser auf die Räumung von Ipern vor ES schreibt: Glor­reiche Erinnerungen haften sich an Ipern, aber wir sind in einem Abschnitte deS Krieges angclangt, wo man geschichtliche Trümmer unter dem Feuer der schweren feindlichen Artillerie nur dann bis zur äußersten Möglichkeit halten darf, wenn die Heeresleitung das für unbedingt nötig erachtet.

.:)

DemCorriere della Sera" zufolge stellen die englischen Frontberichterstattec fest, daß die vorüber, gehende Kampfpause von den Deutschen ausgenutz werde, um einen neuen Ansturm vorzubereiten.

DaSPetit Jcurnal" meldet: Die französischen Linien halten seit Tagen eine zunehmende Artilleriebe. schießung aus. Die Vorbereitungen auf feindlicher Seite scheinen im letzten Abschnitte zu sein, und man muß mit der Wiederaufnahme der Kämpfe mit aller Bestimmtheit rechnen.

O

* Mailänder Blätter melden aus Paris : Die ersten Linien der gemeinsamen Westfront werden nunmehr gleichmäßig mit englischen und französtschen Truppen belegt. DasSecolo" meldet aus Paris: Die nächste Verteidigunglinie westlich von Ipern liegt nach dem Urteil der Mtlitärkcitiker bei Poperinghe.

»

*Genf, 10. Mai. Eine HavaS-Note von Donners, tag meldet die Fortdauer der Artilleriebeschießung auf Verdun, Tou l und Nancy. Der PariserTemps" schreibt bestimmt, daß daS wertvollste Material der Alliierten aus Ipern nach Poperinghe geschafft worden sei. Foch mache die äußersten Anstrengungen, die Fortschritte der Deutschen einzudämmen.

* Köln, 10. Mai. DerKöln. Zgt." zufolge äußerte sich ein neutraler Diplomat in Madrid, daß seit 2 Monaten 1000000 Personen Paris verlassen hätten

Belgien kriegsmtide?

* Genf, 9. Mai. Der als nahe bevocftehmd an. gekündigte belgische Kconrat soll sich mit den Folgen einer Räumung IpecnS befassen. Durch die Mt- nifter-Blätter läßt Elemenceau das belgische Volk be­schwören, an der Seite des Verbands standzuhalten.

TriedensTebnTucbt in Trankreicb?

* Genf, 10. Mai. Zu der Sozialisten-Spaltung in Frankreich liegen heute Blättermeldungen vor, wo- nach außer der Gruppe um den Exministcc Thomas, die die Kriegsfoctsetzung befürwortet, sämtliche üb« rigen Sozialisten für sofortige Weltfrie- denSverhandlungen eintreten. Man erwartet mit Spannung die Stellungnahme der großen Arbeiter­verbände Frankreichs.

Amtliche deutfcbc Cagcsbericbie.

16 000 Tonnen verrenkt.

Berlin, 7. Mai. Eines unserer Unterseeboote unter der bewährten Führung des Kapitänlcutnants Biebeg hat im Aermeltanal 5 bewaffnete tief beladrne Dampfer mit zusammen 16000 Bruttoregistertonuen versenkt.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

9

wtb. Großes Hauptquartier, 8. Mai 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Südlich von Nieuwlportkanal nahmen wir bei er- folgrcicbec Erkundung Belgier gefangen. Aus dem Schlachtfeld in Flandern und an der LyS lebte der Ar- lleriekampf am Kemmel, bet und westlich von Baillcul

auf. In Vorfeldkämpsen auf dem Schlachtfelde an der Somme wurden Engländer und Franzosen gefangen. Beiderseits der Straße CorbieBcoye griff der Feind nach starker Minenvorbereitung erfolglos an. Bereit, stellungen wurden durch unser Feuer wirkungsvoll gefaßt. Bei einem in der Nacht südlich von der Straße wieder- holten Angriff warfen wir den Feind im Gegenstoß zurück. Starke Feuertätigkett hielt am Lysbach und auf dem Westufer der Avre an. An der übrigen Front nichts Von Bedeutung.

Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalquartiermetster: Ludendorfs.

»

Berlin, 8. Mai, abends. Oertliche Kämpfe südlich vom Dikkebuscher See.

wtb. Großes Hauptquartier, 9. Mat 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Zwischen Ipern und Bailleul hielt tagsüber lebhafte Actillerietätigkeit an. Oertliche eigene Angriffe südlich vom Dikkebuscher See hatten vollen Erfolg. Rhet. nische und badische Truppen erstürmten in 2 Km. Brette stark auSgebaute feindliche Linien auf dem Ostufer des Vyvecbaches. Sie stießen hier anscheinend in einen fran­zösisch-englischen Angriff hinein und zersplitterten seine Kraft. Nur zu beiden Seiten der Straße Reuinghelst- Kemmel kaln der feindliche Angriff zu voller Entwicklung. Ec wurde ebenso zurückgeschlagen wie Gegenangriffe gegen unsere neugewonnene Stellung. Wir mochten d75 Gefangene von 6 französischen und 2 englischen Divisionen, die schwere blutige Verluste erlitten. Bei Abwehr englischer Vorstöße am Südufec der Lys, bei Bucquoy und südlich von Albeit machten wir Gefangene. Bei dem gestrigen erfolglosen nächtlichen Angriff austra­lischer Truppen an der Straße von Corbie- Braye blieben 45 Gefangene, darunter 4 Offiziere, in unserer Hand. Nördlich vom Lucebach und auf dem Ostufcr der Avre blieb der Feuerkampf gesteigert. Erfolgreiche Er. kundungsvorstöße an mehreren Stellen der übrigen Front.

In den 3 letzten Tagen verlor der Gegner im Luft- kampf und durch Abschuß von der Erde aus 37 Flug­zeuge. Oberleutnant Schleich schoß gestern 3 feindliche Flugzeuge ab und errang damit seinen 26., 27. und 28. Luftsieg.

Ukraine.

An der Nordküste des Asowschen Meeres stießen wir bis zur Donmündung vor und haben Rostow besetzt. Die Verhandlungen über die Festsetzung einer Demarkationslinie werden demnächst beginnen.

Der Erste Generalquartiermetster: Ludendorff.

«

Berlin, 9 Mai, abends. Von den Kriegsschau­plätzen nichts Neues.

Englische fliegerangriffe.

Berlin, 9. Mai. Am 8. Mai mittags und abends griffen stärkere feindliche Fliegergeschwader die Mole und das Dorf Zeebrügge mit Bomben an, ohne mili­tärischen Schaden anzurichten Durch die Fliegerbomben auf die Kirche von Zeebrügge wurden 3 Belgier und 2 Kinder getötet, 2 sckwer und mehrere leicht verletzt An der Landfront dcö MarinckoipS wurden von unseren Jagdfliegern 2 feindliche Flugzeuge, über See ein drittes abgeschoffen.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

9

r6000 rönnen versenkt.

Berlin, 9. Mai. Dos unter dem Kommando des Kapitänleutnants von Glascnapp stehende U-Boot hat in der stark besuchten irischen See und deren Zufahrts­straßen mit bestem Erfolg gearbeitet und dem Trans- portverkehc unserer Feinde neuerdings empfindlichen Abbruch getan Durch umsichtige und energische Führung und kühnen Einsatz des Bootes gelang es dem Kom­mandanten, 7 Dampfer zum Teil au§ gesicherten Geleitzügcn heraus und 3 Segelfahczeuge m t zu­sammen über 36000 Bruttocegistertonnen zu versenken. Wertvolles Kriegsmaterial des Feindes und für die Kriegführung wichtige Rohstoffe Kupfererz Eisenerz, Kohlen, Kork usw. wurden mit den Ladungen der Schiffe vernichtet.

Der Chef des AdmicalstabeS der Marine.

wtb. Großes Hauptquartier, 10. Mai 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz:

An den Kampffronten war die Artilleritätigkeit tagsüber nur im Gebiete des Kemmel, beiderseits des LucebacheS und auf dem Westufec der Avre lebhaft. Starker Feuersteigerung in diesen Abschnitten folgten feindliche Vorstöße. Bet ihrer Abwehr und bei reger Ec- kundungStätigkeit machten wir Gefangene. Am Abend und während der Nacht lebte der Artilleriekampf zwischen Iser und Oise vielfach auf. An der übrigen Front blieb die Gefechtstätigkcit auf Erkundungskämpfe be­schränkt.

Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalquartiermetster: Ludendorff.

»

Berlin, 10. Mai, abends. Ein englischer Teilan»

S riff nördlich von Albert wurde abgewiesen. Ebenso heiterte ein französischer Vorstoß *m Walde von Apre- mont.

»

Neuer englischer Sperrangriff gegen Ortende.

* Berlin, 10. Mai. Englische Seestreitkcäfte unter- nahmen am 10. Mai, 3 Uhr morgens, nach heftiger Beschießung erneut einen Sperrangriff gegen Ostende. Mehrere feindliche Schiffe, die unter dem künstlichen Nebel in den Hafen eindrtngen wollten, wurden durch das vortrefflich geleitete Feuer unserer Küstenbatterien abgewiesen. Ein alter Kreuzer liegt gänzlich zusammen­geschossen außerhalb des Fahrwassers vor dem Hafen auf dem Grunde. Die Einfahrt ist völlig unbehindert.

An Bord des gestrandeten Schiffes wurden nur noch Tote gefunden. Zwei Ucberlebende waren über Bord gesprungen und sind gefangen. Nach bisherigen Ermittlungen wurden mindestens 2 feindliche Motor­boote abgeschoffen, ein Monitor schwer beschädigt. Der Sperrangriff ist somit völlig vereitelt. Abermals hat der Gegner Menschenleben und Fahrzeuge umsonst ge­opfert.

Der Chef des AdmicalstabeS der Marine.

Rumäniens GebieisoerluTte.

* Wien, 9. Mat. Die Abtretungen Rumäniens an Ungarn betragen etwa 5000 Quadratkilomenter, an Oesterreich südlich von Czernowitz etwa 600 Qua- dratktlometer. Hierbei handelt es sich im wesentlichen um Grenzberichtungen unter strategischen Gesichtspunkten und um die Herstellung einer unmittelbaren Verbin­dung zwischen Ungarn und der Bukowina. In den abgetretenen Gebieten liegen keine größeren Ortschaften.

Kiickberufung der rumänischen Diplomaten?

* Genf, 10. Mai. DerMorning Post" zufolge find sämtliche rumänischen diplomatischen Missionen, die sich in England, Frankreich und Nordamerika befanden, nach Jassy zurückberufen worden.

Rücktritt Rasitfcb'.

Wie derKurjer Lwowski" berichtet, hat sich in einer der letzten Skupschtinasitzungen ein aussehenerregender Zwischenfall zugetragen. Der Belgrader Universitätspro- feffor Znewitsch redete sich in seinen Erörterungen, die sich auf sein Verlangen eines sofortigen Friedens mit den Mittelmächten bezogen, in eine solche Erregung hinein, daß er einen seiner Gegner, den ententefreundlichen Popen Minitsch, durch einen Revolverschuß niederstreckte. Nun holte der Kriegsminister Marsitsch seinen Revolver hervor und schoß den Täter nieder. Der Ministerpräsident trat - ob im Zusammenhang mit diesem Zwischenfall wird nicht gesagt - noch am selben Tag zurück. Der Thronfolger Alexander forderte die Opposition auf, die Regierung zu übernehmen. Die Opposition stellte jedoch die Bedingung, daß zuerst der Friede mit den Mittelmächten geschlossen werden müsse.

Eröffnung der deutsch.flnnlfchen fiandelsoerRehrs.

In Lübeck traf vorgestern aus Finnland der erste Han­delsdampfer ein, um Ladung für Finnland einzunehmen. Damit ist der direkte Seeverkehr Lübeck-Finnland wieder eröffnet. Der Lübecker Hafen ist aus diesem Anlaß reich geflaggt.