Ausgabe 
4.5.1918
 
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ton Staaten haben im begangenen Jahre in Hok- ändrsa. Ostindien nngesühr 16 000 Tonnen Zinn ge- \ uift die sie für die M 11 ui t io n s c r z e it g 0 n g uiid t>ic Fabrikation von Konserven benötigen. Cre werden wahrscheinlich aus Bolivia Zinn zu bekommen

^ ^Holland spielt hier ein gewagtes Spiel: denn bei dem verbrecherischen Kriegswahnsinn in ^ 171 ^ 11 « kann das zu Gewaltmaßnahmen der Entente fuhren.

französische Negicrungsmörd r Friedensfreunde werden nicht bloß ins Zuchthaus gesteckt und dort langsam zu Tode gequält, wndern Ue werden in dringenden Fallen durch gedungene -Ver­brecher gemordet, damit ihre Frleden^arbett der.k^ aieruna keine Schwierigkeiten mehr macht, Neulich wurde der Anarchist Almereyda in Part-- "lS Gefängnis aeworfen und einige Tage darauf ,.tot ausgesuuden .

Jetzt berichten Pariser Blätter trotz der.^Jur:Vor eriva zwei Alonaten traf in Bourgev ern Soldat den . früheren Sträfling von Fresnev. Bernard. der be- tanntlich der Wärter Almereydas war und bereits verdächtig war, den Mord begangen zu haben, ^er Soldat fragte Bernard. ob er Almereyda wirklich er­mordet habe, worauf Bernard geantwortet l^be:Ja, ich habe ihn erledigt und bin lnsolgede,,en frei ae worden und bekomme nach dem Frieden noch Ge^d Ta" habe ich gut gemacht." Der Soldat be- richtete das Geständnis sofort ernem ihm befreundeten Anwalt der seinerseits den Vertreter Almereydas be- nachrichtiare. Ter Verteidiger Almereydas. Morel, lief; sich von dem Soldaten das Geständnis Bernards noch­mals schriftlich bestätigen. .

Tie franzchi.che Presse hat sich durch die Zensur nicht davon abhalten lassen, diese Nachricht in die ^essentlichteit zu bringen. Sie wird sicher nicht dazu beitragen, die Kriegsbegeisterung zu erhöhen.

Drei fleischlose Tage in Frankreich.

Ter französische Verpflegungsminister gibt amt­lich bekannt, daß mit Rücksicht auf die Truppenver- pslegunh die Zahl der Fleischige verringert werden müsse. Es werden drei fleischlose Tage wöchentlich «mgesührt, und bisher zulässige Schlachtungen ver­mindert.

Karl Marx-Feiern in Frankreich.

WiePopnlaire" mitteilt, haben die französischen Sozialisten beschlossen, den 100jährigen Geburtstag von Karl Marx am 5. Mai zu feiern. Die Partei er­faßt einen Aufruf aii die französische Arbeiterschaft, der von den Deputierten Bracke und Longuet (der ein Enkel von Karl Marx ist) verfaßt wird. Außerdem sollen in ganz Frankreich Gedenkfeiern stattfinden

Offenbar wollen die kriegswütigen ..Genoffen ' in Frankreich damit ihre noch immer beanspruchte, trotz der antisozialistischen Kriegstreiberei Zuge­hörigkeit zu der Gefolgschaft des .Krlegsbekampfer Marx beweiseu.

Englischer Konsul als Spion entlarvt.

Ter englische Vizekonsul in Goeteborg CaPtain Leslie Grant wurde als Leiter der englischen Spionage zentrale entlarvt. Grant versuchte verschiedentlich, Leute nach Deutschland zu militärischer und mar,ti- iner Spionage zu entsenden. Er besitzt selbst^ viele schwedische Pässe, womit er seine Agenten ^ausstattet Die Angelegenheit ist durch die deutfche politische Po lizei ausgerollt worden. In Schweden war das langst bekannt, aber man wagte nicht, gegen den allmach- ligeii Herrn Engländer aufzutreten.

Auch die Schweiz muß sich wehren.

Der schweizerische Bundesrat richtete eine warnende Note an sämtliche in Bern akkredierten Gesandt­schaften der kriegführenden Staaten, in der sestge rtdlt wird, daß verschiedene Konsulate uiid Vizckon- sulnte sich an einem verbotenen N a ch r i ch t e n d i en st beteiligt haben. Der Bundesrat erinnere daran, daß nach völkerrechtlichem Brauch den fremden Konsuln und Bizekonsuln das Recht der Exterritorialität nicht zn- lomme und sie der Strafgerichtsbarkeit de^ Landes unterlägen. Das Privileg der Unantastbarkeit dcr Konsulararchive bleibe selbstverständlich aufrecyt er halten.

Die englischen Verluste bei Zeebrügge.

Nach amtlicher englischer Auskunft sind die Ver­luste bei der Unternehmung an der belgischen Küste am 23. April folgende: Offiziere gefallen 16, an ihren Verwundungen gestorben 3. vermißt 2. verwundet^ lJ, Mannschaften gefallen 144, an Verwundungen gestor­ben 25, vermißt 14, verwundet 355.

Das neue amerikanische Heeresgesetz.

Das Repräsentantenhaus stimmte am 26. April dem vom Senat bereits angenommenen Gesetzentwurf zu. der die Rekrutierung aller amerikanischen Bur­ger. die am 21. Juni 1917 das 21. Lebensjahr er­reicht haben, vorsieht. Durch dieses Gesetz werden jährlich eine Million Männer lnehr, als bisher vor­gesehen, der Rekrutierung unterworfen.

Konzessionen zur Bolksbernhignng.

In Italien wurde folgendes bestimmt: Unbegrenz­ter Urlaub für Soldaten und Unteroffiziere der Jahresklassen 1874 und 1875, die vier oder mehr Söhne ernähren müssen; Versetzung derjenigen Mann­schaften von der Front nach ihrem Heimatsorte, die zw"i oder mehr Söhne im Heere haben, beginnend mit der Jahresklasse 1876; Befreiung der Söhne von Witwen über 60 Jahre, die keinen weiteren lebenden Bruder haben, vom Frontdienst.

Ins Gefängnis mit den Pazifisten.

Die sozialistischeHumanitee" beklagt die zahllosen Denunziationen und Verhaftungen. So sind beispiels­weise unlängst zwei Arbeiterinnen zu je drei Wochen Gefängnis verurteilt worden, weil sie bezweifelten, daß Paris aus 120 Kilometer Entfernung beschossen werden könne. Offenbar sind die Richter zu gewissen­losen Henkersknechten der Kriegsinteressenten herab-

'..^ken Arbeiter wurden als Defaitisten verhaftet, weil sie sich weigerten, Wein zu bezahlen, um auf den Sieg anzustoßen.

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Kleine Kriegsnachrichteu.

" Tie englische Regierung hat alle Jute und Jutesabrikate wegen Mangels an Rohstossen beschlag­nahmt.

Politische Rundschau. !

Montag ist das Mitglied des Herrenhauses Arnold v. Siemens, Vorsitzender des Aussichtsrats der Siemens u. Halske A.-G., gestorben.

Der Landtag für das Großherzogtnm Sach­sen-Weimar ist auf den 27. Mai zu einer außer­ordentlichen Tagung einberusen worden.

Der Reichskanzler hat gegen dieAlldeutschen Blätter" wegen des ArtikelsZur Reinigung unseres öffentlichen Lebens" in Nr. 17 Strafantrag gestellt.

Der holländische (53efaubte, Baron Gevers, ist in Berlin wieder eingetrofsen und sprach Montag vormittag im Auswärtigen Amt vor.

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:: Der Kanzler bleibt beim gleichen Wahlrecht

Ter Reichskanzler Prof. Dr. Graf v. Hertling hat in seiner Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident Vertreter der Arbeitergewerkschaften empfangen. Dabei äußerte sich der Kanzler bei dieser Gelegenheit zu den christlich-nationalen Arbeiterführern auch über die Wahlrechtsfrage. Er betonte, daß er mit dem gleichen preußischen Wahlrecht stehe und falle. Vor eini­gen Tagen noch habe sich der Kaiser ihm gegenüber dahin geäußert, daß er nach wie vor unbedingt auf dem Boden der Wahlrechtsvorlage stehe. Anders lau­tende Gerüchte seien durchaus unzutreffend. Tie Ar- 'beilersührer versicherten dem Kanzler, daß in der gesamten deutschen Arbeiterbewegung keinerlei Neigung oder gar Absicht bestehe, in eine Ausstandsbewegung einzutteten Gerüchte, die anders lauteten, hätten in der Arbeiterbewegung keine Begründung. Sehr er­wünscht sei allerdings, daß von den militärischen und Zivilbehörden der Arbeiterbewegung ein größeres Ver­ständnis entgegengebracht werde. .

:: Der Deutsche Kriegerbnnv und der Preußische LandeSkriegerverband haben zum 19. und 20. Mai einen in Berlin stattsindenden außerordentlichen Ab­geordnetentag einberusen, um Stellung zu nehmen zur Kriegs- und Kriegerhinterbliebenenfürsorge. Dabei will man auch zu den Vereinen und Verbänden von Kriegsbeschädigten Stellung nehmen, ferner zur Ver­einheitlichung der Organisation des deutschen Krieger- vereinswesens. -

:: Kriegsbeschädigten-Bcrbände bestehen bisher der EssenerWirtschaftsbund der Kriegsbeschädigten", der von sozialdemokratischer Seite begründeteBund der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer", mit dem sich ein Hamburger Bund und einige kleinere Organisa­tionen zumRelchsbund" verschmolzen haben. Tann wird seitens der christlichen Gewerkschaften die Grün­dung eines solchen Bundes angekündigt und endlich will ein Zeitungsunternehmer iu Gemeinschaft mit einem Generalleutnant et. D. eine derartige Organisa­tion ins Leben rufen. . ^ .

:: Eine Streikwarnung, die wohl auf den 1. Mai gilt, erläßt der Hauptausschuß derwirtschaftssrred- lichen' Gewerkschaften in Gemeinschaft mit Kner An­zahl Arbeiter- und Angestelltenverbänden, darunter der Verband katholischer Arbeitervereine (Sitz Berlin)

und der Verband deutscher Handlungsgehilfen in Leipzig. Ter Aufruf warnt die erwerbstätige Be- vötkerüng. sich durch Aiikündigung von Arbeitsnieder­legungen im feindlichen Ausland zum Streik verleiten zu lassen.Noch leistet, von unbedeutenden Aus­nahmen abgesehen, die feindliche sozialistische Arbeiter­schaft ihren Regierungen im Kampfe gegen Deutschland unbedingt Gefolgschaft. Die Unterzeichneten Verbände erachten es angesichts der revolutionären Agi­tation des feindlichen Auslandes als ihre heilige Pflicht, ihr Gewicht in die Wagschale der Ordnung, Einigkeit und iilneren Geschlossenheit zu werfen, da­mit der zielbewußte Angriff unserer Feinde ans die innere deutsche Front an einer geschlossenen und plan­mäßigen Abwehr elend zerschellt. DeslMb rufen sie alle, die dahcim im Dienste des hartbedrängten Vater­landes wirken, aus. Schulter an Schulter iu geschlos­sener Einmütigkeit dem l a u d e s v e r r ä t e r i s ch e n Treiben e ntgege uz u treten, damit kein Tag, keine Stunde der Arbeit, die unseren feldgrauen Brü­dern gehört, verloren geht.

:: Rationalliberale für gleiches Wahlrecht. Ter am Sonntag im Abgeordnetenhause in Berlin abge­haltene 5. allgemeine Vertretertag der natwnalttbL- ralen Partei Preußens hat folgende Entschließung mit 419 gegen 127 Stimmen angenommen:

Ter 5. Preußische Vertretertag der Nationalttbe- ralen Partei stellt sich auf den Boden des gleichen Wahlrechts für Preußen, das er als eine Staatsnot- wendigkeit erachtet. Er erwartet deshalb, daß die nationalliberalen Mitglieder des Abgeordnetenhauses dem gleichen Wahlrecht im Rahmeu der Regierungs­vorlage zustimmen. Er lehnt die Verantwortung da­für ab. wenn nationalliberale Abgeordnete nach der Entscheidung des Preußentages, als der maßgebenden Parteiinstanz, durch ihre Abstimmung den Ausschlag gegen das gleiche Wahlrecht herbeiführen sollten."

:: Der Reichstagsabgeordnete Grober, ein katho­lischer Pfarrer, der kürzlich in Koblenz den Steg über den offiziellen Zentrumskandidaten Freiherrn von Steinaecker daoongetragen hat, ist derKöln. Volks- zeitung" zufolge der Gruppe der elsaß-lothringischen Zentrnmspartei beigetreten, die damit auf 7 Mit­glieder angewachsen ist.

:: Einen naLionalliberalen Znsatzstimmcn-Antrag hat die bei der Abstimmung auf dem nationalliberalen Prenßentag am Sonntag unterlegene Rechte der natto- nalliberalen Partei unter Führung des Abg. Lohmann eingebracht. Darüber wie überhaupt über die ganze Frage hat die nationalliberale Landtagsfraktion den ganzen Montag hindurch beraten. Dabei waren an­wesend n. a. Stnatsministcr Dr. Friedberg und Un­terstaatssekretär Schiffer. Nach den Mitteilungen desAcht-Uhr-Abendblattes" haben die Erörterungen eine positive Klärung in der Wahlrechtsfrage bis zur Stunde noch nicht gebracht. Bei Prvbeabstim- mungen ergab sich allerdings eine Mehrheit von zwei Stimmen für das gleiche Wahlrecht. Auch der neue Kompromißantrag Dr. Lohmann wurde ausgiebig dis­kutiert, ohne jedoch die Wahlrechtsfrennde in der Fraktion von ihrem bisherigen Standpunkte abbrin- aen zu können. Staatsminister Dr. Friedberg ergriff im Laufe der Sitzung wiederholt das Wort zu län­geren Ausführungen, indem er seine Parteifreunde zu seinem Standpunkte zu bekehren suchte.

Schweden: Fraueiiwahtrechi abgelehnt.

* Ter Vorschlag zur Einführung des Jraucnwahl- rechts in Schweden wurde in der Zweiten Kammer des Reichstages mit 120 gegen 50 Stimmen ange- nonlmen, von der Ersten Kammer jedoch mit 62 gegen 36 Stimmen abgelehnt. Dadurch ist der Antrag ge­fallen.

Portugal: Präsidentenwahl.

* wibonto Paes wurde in allgemeiner direkter Abstimmung ztiin Präsidenten der Republik gewählt.

Paes ist der frühere Gesandte Portugals in Ber­lin. Er war es, der weitere Verstärkungen für die Entente verweigert hat. Seine Wahl ist also offen­bar ein Zeichen großen Friedensbedürsnisses in dem ausgeplünderten Lande.

Aus aller Welt.

** ttmgcsch'lagene Fähre: :i Tote. Nach Beendigung eines Fußballspieles stürzte Sonntag nachmittag auf dem Neckar oberhalb Eßlingen eine mit mehr als 60 Personen besetzte Fähre um; sämtliche Insassen stürzten ins Wasser. Die meisten wurden gerettet: die Zahl der Vermißten steht noch nicht fest. Sie wird aus 1520 geschätzt.

Viel zu zahlreiche Personen benutzten die auf eine Tragkraft von 60 Personen berechnete Fähre. Alle stürzten, als das Fahrzeug umschlug, in den Fluy. Viele konnten sich selbst retten, andere wurden von her- beigeeilren Leuten aus dem Wasser gezogen. Bis Montag früh wurden 14 Leichen aus dem Neckar gelandet. Man nimmt an, daß insgesamt 20 ms 30 Personen bei dem Unfall ums Leben gekommen sind.

** »-rillioneirschwindclcien bei den oberitalienischen Ltaatsbahnen. Die oberitalienischen Staatsbahnen sind von einer Schwindlerbande um zwei Millionen Lire betrogen worden. Zahlreiche Verhaftungen in die­ser Angelegenheit fanden bereits in Mailand und Tu­rin statt. Die Rädelsführer sind ein alter Verbrecher namens Felice Cantu und ein Elsenbahnadjunkt Riccardo Bottalini. Die Schwindeleien verursachen größtes Aufsehen.

** Gras Micl',hnski. Montag hat die Vermählung des Rittmeisters Grafen Mielzynski mit Fräulein Billy Aduth. Tochter von Aduth-Esfendi, stattgefnnden. Graf Mielzynski, der elf Jahre hindurch Reichstagsabge­ordneter gewesen ist, steht seit 1914 als Rittmeister im Felde. Er ist nicht weniger als dreimal schwer ver­wundet worden, jedesmal nach seiner Heilung aber wieder zur Front zurückgekehrt. Bereits 1914 hat sich Graf Mielzynski das Eiserne Kreuz erworben, indem er als Divisionsadjutant sich durch ganz besondere persön­liche Tapferkeit hervorgetan hatte.

** Krjegsfürsorge. Welche Summen für Kriegs­fürsorge in den größeren Kommunen ausgegeben wer­den. ersieht man ans den Mitteilungen der einzelnen Stadtverwaltungen. Danach hat die Stadt Dortmund bis Ende Februar 1918 38 900 000 Mark an Kriegs- Unterstützungen, 9 300 000 Mark an Mietbeihilse und 2 700 000 Mark in der Kinder-, Kranken- und Woch- nerinnensürsorge ausgezahlt. Wie die Gemeinden, diese Lasten später tilgen sollen!!

A Breun spiritns in Flaschen. Wie im Vorjahre, muß wegen der knappen Branntweinbestände und der dauernd starken Anforderungen für die Zwecke der Landesverteidigung die in Höhe von 25 Hundertteilen des früheren Verbrauches für den einzelnen Monat freigegebene Menge auch während der kommenden Sommerszeit auf zwei Monate verteilt werden. Die auf Mai entfallende Verbrauchsmenge hat demnach für die Monate Mai und Juni 1918 zusammen, die auf den Monat Juli entfallende Berbrauchsmenge für die Monate Juli und August 1918 zusammen auszu­reichen. Von dieser Menge werden vier Fünftel zum Bezugspreise von 55 Pfg. für das Liter gegen Be­zug § m a r k e n , die wie bisher von den einzelnen Verwaltungsstellen verteilt werden, in den Verkehr ge­langen, während ein Fünftel zu dem höheren Bezugs- preise von 2 Mark für das Liter ohne solche Marken verabfolgt werden darf. Während bisher die Marken häufig ohne Prüfung des tatsächlich vorliegenden Be­dürfnisses ausschließlich an Minderbemittelte verteilt wurden, dürfen die Marken in Zukunft an diese nur

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insoweit abgegeben werden, als sie den Brennspiritus unbedingt zu Kochzwecken benötigen und dies nachzu­weisen in der Lage sind. Sollten bei dieser Verter- lungsart Marken übrigbleiben, so können diese auch an andere Verbraucher abgegeben werden, soweit der Brennspiritus ausschließlich zum Erwärmen von Milch für Wöchnerinnen und kleine Kinder oder für Kranke gebraucht wird. In keinem Falle dürfen in Zukunft Marken für Spiritus zu Beleuchtnngszwecken verteilt werden.

Gerichtssaal.

Mordprozeß in Kassel. Am Molitag begannen in Kassel vor dem Schwurgericht die Verhandlun­gen gegen die mutmaßlichen Mörder der verwit­weten Frau Kaufmann in Welsnngen, den 36jährigen Schlächtergesellen Haitkamp und die 35jährige Klemp­nerfrau Caroline Kämpfer aus Düsseldorf. Die beiden Angeklagten, die seinerzeit in Berlin verhaftet worden sind, leugnen die Tat, beschuldigen sich aber gegenseitig. Der Prozeß in Kassel dürfte etwa eine Woche dauern In der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober wurde in der Kreisstadt Weisungen die 75 Jahre alte Witwe des Fabrikanten Kaufmann, geb. von Nordeck. die Mutter des Forschungsreisenden Oskar Kaufmann, ermordet anfgefunden: ans der Villa, die iie allein bewohnte, waren Wertpapiere, andere Wertsachen wie Juwelen, Schmucksachen und bares Geld im Betrage von 15 000 Mark entwendet. Der Verdacht richtete sich gegen die tags zuvor bei Frau Kaufmann al» Wirtschafterin eingetretene Frau Kämpfer, die in der Nacht, in der der Raubmord ausgeführt wurde, mit dem Hunde der Ermordeten spurlos verschwunden war. Der Täter hatte sein Opfer anscheinend im Bett überfallen, die Augen mit einem Tuche verbunden und in den Mund der alten Frau, um sie am Schreien zu verhindern, einen Gummischwamm gestecktt >vie Kasseler Kriminalpolizei ermittelte, daß die Kämpfer mit einem Zuge nach Bebra abgefahren, von dort nach Erfurt und dann nach Berlin gereist sei, wo sie mit Haitkamp verhaftet wurde.