Lloyd Georges Ende?
Die Iren frage wird ihn stürzen.
Lloyd George scheint nachgerade doch etwas allzuviel Gegner zu bekommen. Die Altliberalen mögen ihn nicht wegen seines diktatorischen Wesens, gemäßigte Konservative wie Lansdowne wegen seiner „knock-out"- Politik, ein jingoistisches Blatt lviederum wie die „Mvr- ning Post" erklärt, Lloyd George führe die englische öffentliche Meinung über den Krieg irre, seine Haltung sei niedrig und — ini Munde eines Engländers der härteste Vorwurf — „unenglisch". Der Rücktritt des Ministerpräsidenten sei unerläßlich, weil er in seinem rechthaberischen Dilettantismus in die militärischen Angelegenheiten hineinpfusche Konfusion Hervorrufe und Korruption begünstige.
So ist kürzlich an die Stelle des verdienstvollen Leiters des englischen Flugwesens Trenchart der Lord Rothermere ersetzt worden, dessen einziges Verdienst darin bestand, der Bruder des Zeitungskönigs North- cliffe zu sein. Lord Rothermere ist aber nach kaum einer Woche „geflogen", weil der allgemeine Unwille über die Günstlingswirtschaft zu groß war. Noch größer ist die Mißstimmung über die Herabwürdigung des englischen Selbstgefühls durch den Ministerpräsidenten. Schon der französische Oberbefehl über das englische Heer hat sehr verstimmt. Nun aber hat Llohd George in öffentlicher Parlamentssitzung vor Amerika Kotau gemacht. Er hat die Homerule-Vorlage für Irland damit begründet, daß die amerikanische öffentliche Meinung das Angebot der Selbstregierung an Irland erwarte.
„Amerikas Ansicht ist für uns im gegenwärtigen Augenblick vital; ich wünschte, ich könnte dem Hause mitteilen, w i e vital sie ist. . . . Nichts wird mehr beitragen, uns das volle Maß des amerikanischen Beistandes zu sichern."
Llohd George gestattet also um der amerikanischen Kriegshilfe willen einem fremden Lande die Einmischung in eine ausgesprochen i n n e r politische Angelegenheit von größter Wichtigkeit.
Dabei wird diese Selbstdemütigung kaum Erfolg haben, denn die Ire n sind nicht gesonnen, ein Tauschgeschäft zwischen ihren, beiläufig über Homerule hinausgehenden, politischen Ansprüchen und der Wehrpflicht zuzulassen. Die irische Geistlichkeit hat im ganzen Lande gegen die Wehrpflicht gepredigt und dem Volke einen schon von über zwei Millionen geleisteten Eid, dem vom englischen Unterhause beschlossenen Gesetze energischen Widerstand entgegenzustellen, abgenommen. Die irischen Parlamentarier haben beschlossen, nicht nach London zu den Unterhaussitzungen zurückzukehren, sondern in Irland zu bleiben, um den Widerstand gegen die Wehrpflicht zu organisieren.
Die auf den englischen Schiffswerften und in den Munitionsfabriken beschäftigten irischen Arbeiter flüchten aus England und Schottland nach der grünen Insel, um nicht gewaltsam zum Militärdienst 'herangezogen werd.en zu können; durch diese Flucht wird nebenbei die nationale Verteidigungsarbeit gefährdet. In Irland selbst haben Arbeitseinstellungen großen Stils stattgefunden. Um die Konfusion zu vollenden, bedroht der Führer der Ulsterleute, Herr Car- son, die Regierung, falls Homerule auch auf Ulster ausgedehnt werde. Die Negierung trifft gegen die drohenden Unruhen ihre Maßnahmen. Sie läßt die Waffen, deren sie habhaft werden kann, in ganz Irland beschlagnahmen; die hauptsächlichsten Eisenbahnlinien und die Post- und Telegraphenbureaus sind militärisch besetzt.
So dürfte Irland dem englischen Heere mehr Truppen entziehen, als für die Ausstellung neuer irischer Mannschaften in Frage kommen. Diese Entwicklung der irischen Verhältnisse ist also ebenfalls ein recht wunder Punkt für Lloyd George, und daß Marschall Haigs pathetischer Tagesbefehl, keinen Fuß breit Boden mehr aufzugeben, am Kemmelberge so gründlich ad absurdum geführt worden ist, kann weder die Stellung dieses Feldherrn, noch die des Minister-
Scherz und Ernst.
tt Erne kaum glaubliche Räubergeschichte mit allerlei romantischem Beiwerk, wie sie wohl in früheren Jahrhunderten aus dem Spessart oder den böhmischen Wäldern erzählt wurde, geben polnische Blätter wie folgt wieder: Ein Landwirt aus einem Dorfe in der Nachbarschaft von Piontek begab sich in Begleitung seines 12jährigen Sohnes nach der Stadt, um ein Pferd zu verkaufen. Nach dem Verkauf des Pferdes, wr das er mehrere tausend Mark erzielt, wollte der Landmann nach Hause zurückkehren. Unterwegs übergab er das Geld seinem Sohne und sagte ihm, daß dieser im Falle eines Ueberfalles sofort flüchten solle. Die Ahnung des Landwirtes sollte sich bald erfüllen, denn als die Wanderer durch einen Wald gingen, sprang plötzlich ein Mann, der die Kleidung eines Waldhüters trug, hervor und versetzte dem Landwirt mit einem stumpfen Gegenstand mehrere wuchtige Hiebe über den Kopf. Der Knabe ergriff die Flucht. Am Waldrande bemerkte er eine Hütte, in die er eintrat. Es war die Wohnung des Waldhüters, in der sich dessen Frau befand. Der Knabe erzählte der Frau, nichts Böses ahnend, von dem Geschehnis im Walde. Die Frau heuchelte Mitleid und gab dem Knaben den r . Geld zur Aufbewahrung zu geben und
X cmtÜ«: im ^ e ^ er AN verstecken. Bald darauf kam der Waldhüter nach Hause, der den Vater des Knaben ermordet hatte. „Weißt du was, ich habe den Mann um lumpiger 12 Rubel ermordet," sagte er zu seiner ""ehr hatte er nicht bei sich." „Das übrige l JP 'H?" bei mir," erwiderte die Frau, „der potfn de-- Ermordeten hatte es bei sich, er sitzt hier uu Keller." Nach einer kurzen Beratung beschloß das Ehepaar, den Knaben zu ermorden und im Backofen zu verbrennen. Die Frau heizte ein, und man wollte schon mit der grausigen Tat beginnen, als es, ganz wie in den Raubermärchen, an die Tür klopfte. Einige vorüberfahrende . Gendarmen hatten die aus dem Schornstein sprühenden Funken bemerkt und waren in ore Hütte getreten, um zu fragen, warum der Wald- tz.üttr ein so großes Feuer mache. Der Knabe ries um
Präsidenten festigen. Denn Lloyd George ist infolge seiner fortgesetzten Einmischung in die' militärischen Ereignisse in ganz anderem Matze verantwortlich, als sonst ein Ministerpräsident zu sein Pflegt. K P
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„Die schlechten Kerls
von der Regierung.
„Wie Pazifisten verleumdet melden."
Unser Berichterstatter schreibt uns von der Westfront: „Ich hatte erneut Gelegenheit, i-i eug.i'che Briese die im Besitze von Gefangenen aus der großen deut-' scheu Offensive gefunden worden waren. Einblick zu nehmen. Nach diesen Briefen hat sich die Lebens- nnttelkrisiS in Großbritannien erhevlich verschärft."
In einem Briefe ans Wembley vom 16. 3. 18 heißt e?: „Wann wird dieser furchtbare Krieg enden v Zwischen Luftangriffen und bei diesem Mangel an Nahrungsmitteln müssen wir hfer leben. Tazu'kommt das Schwere, das ihr draußen durchmachen müßt!" einem Biiefe von London, vom 27. 3. 18: „Wir
den Laden fleht es sehr unappetitlich aus. und doch essen es sehr viele Leute. Alle alten Arbeitspferde werden nach etwa 15 jähriger Dienstzeit geschlachtet und gegessen."
London 26. 2. 18: „Wir können weder Tabak noch Zigarren kaufen. Wie soll das bloß noch werden? Es wrrd immer schlimmer." London. 14. 2 18: Das Anstellen um Lebensmittel ist scheußlich und daöe'i oft ganz zwecklos. Tie schlechten Kerls von der Negierung geben offen zu, daß genau ausgepaßt und alles unterdrückt wird, was den Soldaten und Matrosen über den augenblicklichen Stand der Dinge Aufklärung grbt: Ich glaube, man hat dir auch schon gesagt,
daß das, was du aus der Heimat hörst, nicht wahr sei . Glaube das nicht, die Knappheit ist furchtbar, nur Schwindler in höheren Stellungen haben vermöge ihres vielen Geldes an allem genug."
Hüll. Yorkfhire, 8. 2. 18: „Es kann wirklich nicht langer mehr dauern, wenn man das Volk nicht verhungern lassen will."
Ein besonders düsteres Stimmungsbild gibt ein erbeuteter englischer Brief aus London vom 10. März ln dem es heißt: „Der Krieg hat zu lange gedauert, und nur eine Revolution wird ihn meines Erachtens zu Ende bringen. Zweifellos sind die oberen Zehntausend für den Krieg und zittern bei dem Gedanken an Frieden. Die Art und Weise, wie die Pazi- frsten verleumdet werden, beweist, wie sehr man dort oben das Kriegsende befürchtet. Die armen Soldaten an der Front werden gerade noch so durchgefüttert. Trotz alledem besteht aber eine große Partei, die für Kriegsverlängerung Propaganda macht. Es ist wirklich trostlos. Ihr armen Soldaten werdet durch die Arbeiter daheim verkauft. Ihr seid ja jetzt hiergegen machtlos, und den Arbeitern wird mit ein paar Schilling Kriegszulage der Mund gestopft. Jede Handlungsfreiheit ist ihnen genommen."
Wie sehr es in England an Kartoffeln mangelt. geht aus einem gleichfalls erbeuteten Befehl des englischen Generalquartiermeisters R. Ford an die erste Armee hervor. Er lautet: „Verwaltungsbefehl Nr. 77 Regt. 14 Korps. Nach eingegangener Nachricht ist es sehr wahrscheinlich, daß nach Juli 1918 die KartvffelversorAmg von auswärts außerordentlich schwierig, wenn nicht unmöglich sein wird. Es sollen daher Schritte unternommen werden, um dieser Gefahr zu begegnen. Eine möglichst große Fläche muß angebaut werden, so daß die Formationen sich selbst versorgen können. Und wenn dies auch nur in kleinern Umfange getan werden kann, so daß die Truppe eine wenn auch noch so geringe Kartoffelration erhält, so wird dies schon eine große Wohltat sein. Anforderungen von Saatkartoffeln sind an den Ackerbaudirektor zu richten."
In einem Anschreiben eines Brigadegenerals C. Jrith vom 25. Januar 1918 heißt es: „Aus dem
& .-Hauptquartier wrrd darüber geklagt, daß kveqen Ausbleibens einer durchgreifenden Frontveränderung a ” ? c . r Apern- und Sommefront bestellbares Land, das nicht bereits von Einwohnern bebaut sei, schwer zu finden wäre. Infolgedessen könne an der Front von «omme und Apern, wo selbst beträchtliche Strecken Lauoes verfügbar wären. Ackerbau in irgendwelchem größerem Maßstabe nicht betrieben werden; es solle daher versucht werden, durch Bebauen von ^kleinen Strecken in der Nähe von Lagern und Quar- tteren wenigstens etwas zu erreichen."
Allgemeine Kriegsnachrichten.
Kohlenuot in England.
... Infolge der Einziehung von 100 000 Bergleuten fl ore Kohlenerzeugung in Großbritannien sehr qe- m i 1 . 110 Kohlenrationierung für das ganze Land wird dre Folge fern.
Tie kanadischen Franzosen gegen England.
„ dk : "Sn den neu eingetroffenen englischen «eitun- öa§ "Algemeen Handelsblad" vom l l. ^ipril, „haben wir Angaben über die Unruhen in dem von eingewanderten Franzosen bewohnten Quebec . .Aus den Meldungen geht hervor, daß die au L bic Soldaten schossen, und daß N Feuer beantworteten. Auf beiden Seiten hat es Tote und Verwundete gegeben. Am 1. April Stadt unter militärischen Befehl gestellt. Alle öffentlichen Versammlungen sind untersagt. Der
aha cm m ^ cn verursachte Materialschaden wird aus 600 000 Mark emgeschätzt. Emen guten Einblick in die Stimmung unter der französischen Bevölkerung in Ka- ^®ba gtbt das Buch des Herrn Bonrassa: „Der Papst alv Friedensrichter", worin es heißt: „Tie verderbliche Lehre des Imperialismus, der Herrschaft höherer Rassen, diese unchrrstkrche und unmenschliche Lehre, wurde zuerst rn England gepredigt. England setzte fl? wfl großem Erfolg zu seinem eigenen Vorteil in dre Praxis um. England ist sich und der ganzen Men,cyheit gegenüber verpflichtet, einen Teil der Greuel, dre es vollbracht hat, wieder gutzumachen und das Mißtrauen, das es gegen sich selbst in die Welt gesetzt hat, wieder zu zerstreuen." — Auch das sind kleine Beiträge zur „Einheitsfront".
Skandinavisch- Arbeiter für England?
. Dm norwegische Zeitung „.Middagsavisen" meldet, der Mangel an männlicher Arbeitskraft mache sich in England seit Einführung der Zwangswel>rpflicht stark geltend^ Englische Agenten bereisten Skandinavien, um Arbeiter anzuwerben. 'Ein größerer Transport, iunger ^änen habe kürzlich aus dem Wege nach England Chrrsttania passiert. Ihnen seien hoher Lohn und günstige Arbeitsbedingungen versprochen worden^
Vergebliche Zetteln,rgen.
Auf dem Balkan wie überall in der Welt, wohin ihre Agenten kommen dürfen, haben die Gegner mit großen Geldmitteln allerlei Ränke geschmiedet und Unruhen zu stiften versucht. Von einem Erfolge solcher Treibereien wußten sie dieser Tage aus dem jetzt bulgarischen Teil des früheren Serbien zu berichten. Tre Nachricht der Pariser Zeitung „L'Oeuvre", derzu- folge in den Departements Nisch und Leskowatz. ein Ausstand ausgebrcchen wäre, ist nach bulgarischer Feststellung in jeder Hinsicht erfunden. Im ganzen besetzten Gebiet herrscht vollständige Ruhe. Dort kommt der Bevölkerung ihre bulgarische Vergangenheit immer mehr zum Bewußtsein und weist die serbische Entnationalisierung zurück.
Holland wird mutig.
Wenn der Außenverband ihnen kein Getreide gibt, dann gibt Holland kein Zinn aus Java. Der Washingtoner Korrespondent der „Associated Preß" drahtet, daß das bereits mitgeteilte .holländische Aus-- fuhrv erbot für Holländisch-Ostindien am 22. April in Kraft getreten ist. — Tie Mitteilung hiervon hat in amerikanischen Kreisen Bestürzung hervorgerufen. Besonders unangenehm wird das Verbot der Ausfuhr von Zinn und Zinnerzen empfunden. Tie Bereinig-
Hilfe als er die fremden Stimmen hörte, worauf ihn die Gendarmen aus dem Keller herausholten. Der Waldhüter und seine Frau wurden gefesselt und nach Kutno geschafft, wo sie ihrer Strafe entgegensehen.
tt Jägerlatein? „Ein seltenes Tieridyll ist äugen- . blicklich ans dem Hofe der Gutsbesitzerin Wwe. Löpec in Hoinkhausen zu beobachten. Einer Hündin, welche vorige Woche geworsen hatte, war nur ein Junges ^ belassen. Am Montag brachte ein Knecht zwei ganz * junge wilde Kan inchen aus dem Felde mit, welche er der Hündin vorlegte. Anstatt nun, wie erwartet wurde, die Kaninchen aufzufressen, trug der Hund dieselben in sein Lager, legte sich hin zum Säugen, leckte die Tierchen und ruhte nicht, bis sie die gebotene Nahrung annahmen. Die Befürchtung, die Kleinen würden die Milch nicht vertragen, bestätigt sich nicht, sie gedeihen augenscheinlich ganz vorzüglich, denn während das kleine Hündchen noch unbeholfen im Lager liegt, versuchen die Kaninchen schon kleine Exkursionen. Man kann gespannt darauf sein, wie die 'Sache sich weiter entwickeln wird." — Offenbar hat der Verfasser dieser schönen Meldung vor, suS diesem bunten Einfall noch recht viel Mitarbeiterhonorare ans seiner Zeitung heranszuholen. Der Gedanke ist wirklich fruchtbar, fruchtbarer wie ein Karnickel. ES läßt sich daraus der schönste Hunde-Rvman gewinnen, immer in Fortsetzungen von 25 Zeilen zu 10 Pfennig.
tf. Für mich at&t* koa Sommerzeit. Aus dem Felde wird folgende Sommerzeit-Episode mitgeteilt: „Am 14. April berichtete unser Feldwebel beim Abendappell daß morgen die Sommerzeit beginne und daher alle Uhren schon jetzt um eine Stunde vorzurücken seien, damit am Morgen in der Kompagnie keine Zeitoerwirrung entstehe. Also Uhren heraus! Um eine Stunde vorgestellt!! Ruckweise und präzis wurde da- Kommando von allen auSgeführt, bis auf einen, den wir der Einfachheit halber Meier nennen wollen, der stand kerzen^rad du und grinste. Natürlich hatte ihn der Feldwebel sofort entdeckt. Meier, warum grinsen Sie? Sie sind wohl mit der Sommerzeit nicht einverstanden, was? Ja, was gar, erwiderte der Meier, für mich gibt'S kao Sommerzeit — ich Hab ja kao Uhr! — Mit der Dienstmiene des Feldwebels war eS nach diesem Bescheid vorbei."


