wtb. Großes Hauptquartier, 29. April 1918.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht
Auf dem Schlachtfeld in Flandern von mittags an auflebender Artilleriekampf. Die Beute seit der Erstürmung des Kkmmel hat sich auf über 7160 Gefangene, daiunter 18t Offtz'ere 53 Geschütze und 233 Maschinengewehre erhöht. — Zwischen Bassee-Kanal und der Scarpe sowie nördlich von der Somm: reae Erkundungstätigkeit dir Engländer. Ctalke Teilangciffe der Franzosen ^egln Hangard Wald und Dorf wurden blutig abgcwiesen. Vorfeldkämpfe an vielen Stellen der übrigen Front. Auf dem Ostufer der Maas brachte ein Vorstoß in die französischen Gräben Gefangene ein.
Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendor-ff.
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Berlin, 29. April, abends. Nördlich von Kemmel haben sich heftige Nahkämpfe enwickelt.
3n höchster non
23 000 Connen.
Berlin, 29. April. Deutsche und österreichisch- ungarische U Boote versenkten im Sperrgebiet im Mittelmeer 5 Dampfer und 2 Segler von zusammen rund 23 OVO Br.-Re.-To. Unter den versenkten Schiffen befanden sich der französische bewaffnete Dampfer „Liberia" (1942 Br. Reg.-To ), ein großer bewaffneter Transporter mit 2 Schornsteinen sowie ein italienischer Segler mit >00 Tonnen Eisen für Genua.
Der Chef des Admicalstabes der Marine.
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wlb. Großes Hauptquartier, 30. April 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Auf dem Schlachtfeld in Flandern entwickelten sich in einzelnen Abschnitten heftige Jufanteriekämpfe. Nördlich von Voormezeele und Groote Vierstraat nahmen wir mehrere englische Gräben. Bei Lokec in die feindlichen Linien eingedrungene Sturmabteilungen stießen mit starken französischen Gegenangriffen zusammen. Im Verlaufe dieser Kämpfe konnte sich der Feind in Loter festsetzen. Seine Versuche, über den Oet hinaus vorzu dringen, scheiterten. Die tagsüber starke Arttllerietätig. keit dehnte sich auf das ganze Gebiet des Kemmel aus und hielt bis zur Dunkelheit an. — An der übrigen Front blieb die Gcfcchtstätigkeit auf Erkundungen und zeitweilig auflebcndes Artilleriefeuer beschränkt.
Mazedonische Fronte
Zwischen Wardar und Doiran-See brach ein nach mehrrägiger Artillerievorbereitung erfolgter feindlicher Vorstoß vor unseren Linien zusammen.
Der Erste Generalquartieimeistec: Luden dar ff
(Lloyd George und das irische Schreckgespenst.)
Von H. Speidel.
Die ärgsten Skandalszenen, welche sich letzthin im Unterhause bei dem ungeheuren Sturm wegen der irischen Wehrpflicht zutrugen, sind von Reuter wohlweislich verschwiegen worden. Was nachträglich darüber verlautet, läßt es doch zweifelhaft erscheinen, was Lloyd George im Augenblick die größere Pein verursachen mag- die „Zange von Ypern" oder der drohende Aufstand der grünen Insel! Man schrie ihm entgegen, die Mannschaftsersatzvorlage sei die formelle Kriegserklärung Englands an Irkind, die Schlachtfront sei nun bis Irland verlängert, nicht einen Mann werde die englische Regierung von dort erhalten,- es sei denn, sie sende Armeen nach Irland, um Bataillone zu bekommen: der Schatten Sir Roger Ease- wents, des von England ermordeten großen, irischen Patrioten, beherrschte die Szene und - wird sie weiter beherrschen, komme es, wie es wolle.
om ^ war am 20. November 1914, als die,, Nordd. Allg. Ztg. dem offiziell im Auswärtigen Amt erschienenen Sir Roger Lasement die bündige Erklärung mit auf den Weg gab: „Sollte im Verlauf des Krieges, den Deutschland nicht suchte, das Waffenglück jemals deutsche Truppen an die Küsten Irlands führen, so würden sie dort landen nicht als eine Armee won Eindringlingen, die kommen, um zu räubern und zu zerstören, sondern als Streit- Kräfte einer Regierung, die vom guten Willen gegen ein
nS n !i^ n beseelt ist, dem Deutschland nur nationale Wohlfahrt und nationale Freiheit wünscht". Naht die Stunde, da Deutschland dieses Versprechens gedenken muß ^ die Stunde, da das Freundschaftswort zur Freundschaftstat erstarken soll? Sir Roger Easement war seinem grünen Erin getreu bis zu seinem schrecklichen Ende. Sein Wirken und sein Märtyrertod war nicht vergebens: England gedachte aus Irland 660|000 Soldaten zum Kriege zu bekommen („Times" vom 23. Juli 1915: „es sind noch 660 000 Mann militärischen Alters in Irland zu holen"), sie kamen nicht,- die Iren verweigerten die Dienstpflicht' In den letzten Tagen mußte General French mit starkem Heer zur Insel fahren - die Vergangenheit steht gegen England auf; Sir Rogers Saat schießt in die Halme! Und was er m seinen „ Gesammelten Schriften", welche 1916 m Hebers Verlag, in Dieffen erschienen sind an Anklagen und Mahnungen medergelegt hat, das geht Deutschland mindestens soviel als Irland selbst an,- denn wer will entscheiden, ob unser oder das irische Volk das brennendere, lebenswichtigere Interesse an der Niederwerfung Englands hat? a a
?Ü I ^ nt i’ fd l en c P 3eQn . f!Qnn "ur durch ein befrTi *** ^rj-anb °ff en gehalten werden. , “
„Die Afugabe Irlands ist: für das Kommen des Deutlck vorznberetten Kein Volk darf ohne Opfer die & erwarten. Unsere jungen Männer und Frauen 2° Knaben und Mädchen müssen lernen welche K Deutschland in den Weltangelegenheiten zu überneliw^ beru en ,st sie, müssen geschult werden, daß sie ihre erfüllen, wenn der Tag der Prüfung kommt. Die Gesckil.
° de- merffchl.chen Freiheit ist mit Blut geschrieben. § ist Gottes Gesetz^ Ken, Volk, das sich an Sicherheit L inert und den Tod scheut, ist der Freiheit würdig }]■
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Der Beist des toten Führers Lasement lebt in sein«, Volke weiter. Die Iren harren mit Zuversicht und w« vorbereitet des nicht mehr fernen Tages, da ihr brutal» Kerkermeister von dem deutschen Schwerte niedcrbnj« des -lages, der dem unglücklichen Lande das Leben unh die Freiheit wiedergibt.
vlr Sicherung der Krlegstflrforge.
Berlin, 30. April, abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Grösste Sorge um Irland.
* Zürich, 28. April. Londoner Drahtungen melden die Ge samtsperre des drahtlichen Veiührö zwischen England und Irland.
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Irland im Generalftreik.
* K 0 pcnhafen, 27. April. Dänischen Blättern zufolge hat dec Generalstreik in Irland allenthalbcn begonnen. In London ist man wegen der Raschheit mit der die Streikbewegung sich über das ganze Land ausgedehnt hat, in die größte Bestürzung geraten. Gewaltigen Eindruck machten die aus Dublin eingelaufenen Nachrichten, daß über 2 Millionen irische Männer und Frauen sich schriftlich verpflichtet haben, der Durchführung des Wehrpffichtgesetzcs jedweden Widerstand zu leisten S°it dem 24. d. Mts. ruht in Irland jede Arbeit und
Selbst -die Bäcker und Schlächter streiken. Die Postboten versehen keinen Dienst mehr. Der tele, graphische Ve,kehr ist unterbrochen. In Dublin wurde schon am 24 der Betrieb der Straßenbahnen eingestellt; kein Eisenbahnzug kommt mehr in der Stadt an und
Zug verlädt sie. Auch die Schiffsverbindung ist zwischen Irland und England süc die bürgerliche Bc- volkecung lahmgelegt worden. Dem Beispri Dublins
stnd schnell auch die meisten übeigen Siädte schon am 2o. gefolgt.
Var polnisch-obekscdlesiscke krrbecken.
Wie der „Bergwerksztg." aus Schi-.sirn gcsch i den wird, besteht nunmehr von Seiten der Negierung die Absicht, die Grcnzsicherungcn in der Form durchzufühcen, daß ein Teil des polnischen Jndustriebeckens von Dom-' bcowska in das preußische Staatsgebiet einbezogen wird, während dec im polnische» Besitz ve, bleibende Teil des polnischen Industriegebiets zu einer wirtschaftlichen Einheit mit dem oberschlesischcn Industriegebiet verschmolzen wird. Diese Lösung der Sache werde zu- gleich unserer Erzversorgung einen wertvollen Besitz zu- ,D>e konservative, nationallibero,e und auch die Mehrheit der Zentrumsfcoklion des preußischen Landtages ,ollen ebenso wie die führenden Kreise der Fortschrittspartei des Ost ens für diese Lösung einireten
Das Feldheer braucht dringend Yen und 5troh! Landwirte helft dem Heere!
„ Bon 1846 - 1851 hat Irland ", so stellt Lasement dort u. a. fest, „über 2 Millionen Menschen verloren teils durch Hungersnot und Hungertyphus, teils durch die Flucht nach Amerika. In denselben sechs Jahren exportier- te dasselbe Irland für nicht weniger als zwei Milliarden Mark Lebensmittel - Korn, Vieh und Gemüse - nach England. Also, ein Bauernvolk, das, wie die Engländer höhnisch behaupteten, „zu arm ist, um seine Toten zu begraben , füttert aus dem Grabe sozusagen Herzoge , Lords und Barone desselben Landes, von dem es in dieser Meise beschimpft wurde.... Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schien die irische Politik Englands den gewünschten Erfolg erreicht zu haben. Die Bevölkerung hatte sich auf knapp vier Millionen verringert und der frucht- bare Voden, auf dem früher die irischen Farmer gesessen hatten, war zum größten Teil zu Weiden für englisches Vieh umgewandelt worden .... 5eit es eine moderne Diplomatie gibt, gehört es zum Grundstock von Englands diplomatieschem Arsenal, diese irische Insel als ein verelendetes Land darzustellen, bevölkert von einem aufsässigen und unwissenden Menschenschlag."
„Ohne Irland gäbe es heute kein britisch es We ltrei ch. .. . Englanl nimmt wieder seine natürlichen Proportionen an, die eines starken Königreiches, sobald es Irland verlustig geht. Solange es noch un Besitze Irlands bleibt, ist es immer ein Weltreich. Denn wie Großbritannien die Torwege des nördlichen und westlichen Mitteleuropa vereinigt, um den Handel nach Belieben aufzuhalten und die Seehäfen vom Baltischen Meer bis zur Bucht von Viscaya blockieren zu können,
)o sieht Irland zwischen Britannien und den Ozeanen des Westens und schließt für England die Straßen der See. Ein starkes, unabhängiges, auf sich selbst angewie- senes Irland, als Mitglied der europäischen Völker samilie und seinen Artgenossen wiedergegeben, ryürde die sicherste Bürg sch aft für eine gesunde Entwicklung der europäischen Interessen in jenen Gegenden sein, wo sie heu e durch die antieuropäische Politik Englands ausgeschlossen sind .... Ein aus dem Kerker, in dem es England hält, herausgelassenes Irland würde bald ein dichtbevölkerter Staat von vielleicht zehn bis zwölf Milionen Einwohnern werden, eine handelspolitische Geldanlage für ganz Europa von höchstem allgemeinem Werte in einer einzigartigen Lage zwischen der alten und der neuen Welt, auch wahrscheinlich ein intellektuelles, und moralisches Vermögen von nicht geringer Bedeutung. Dies und noch mehr bedeutet ein selbständiges Irland für Eu- /^ or öüerri: Sicherheit des Durchgangverkehrs, qlei- che Gelegenheiten für alle, Freiheit der Meere- y 1,c 9 erun 9> daß die großen Wasserstraßen des Ozeans nicht langer der Gnade und Willkür eines Gliedes der europäischen Familie ausgeliefert bleibe, noch dazu dem, effiert^ist ^^enigsten an europäische Wohlfahrt inter-
•u n:^!^ ^ff^chland dauernden Nutzen aus einem Siege über England ziehen, so muß es die Meerausgänge befeien.
. . . Das deutsche Ausgangstor in den freien
. ^ nte . r a “ e " Forderungen, die wir an den. kommen- den Frieden stellen müssen, steht die Forderung mit „ erfter Cime, daß er uns helfen soll, unsere Krieasbel^ digten und die Hinterbliebenen der gefallenen^ KiÄ wirtschaftlich zu stützen und ihnen das Ueberwinden hn bevorstehenden schweren Daseinskämpfe zu ermöglichen Alles aber, was an unseren Kriegsbeschädigten und Krieas- ^"^rbllebenen geschieht, darf keineswegs aufgefaßt werden ?? Menk oder Wohltat, sondern es ist eine selbltver standliche Pflicht des Staates und Volkes, nicht nur etwa drohende Not zu lindern, sondern denen, die im Ärieac Schaden genommen haben, die Ausübung der ihnen al bl,ebenen Kraft zum Wiederaufbau ihrer Existenz uni zum Wohls des Dolksganzen zu ermöglichen. Es ist ab« auch ein Recht, das die Kriegsbeschädigten und Hinterbiw denen an uns haben. Sie waren es, die die Wucht des Krieges am schwersten empfinden mußten, sie tragen dir Folgen des Ringens um unser Volk dauernd und tief eigenen Leibe und im eigenen Herzen. Und nicht nur bk Schaden, _ die feindliche Waffen den Kriegern zugefiim haben wirken nach, sondern auch die im Felde erworben- Schwächung der Gesundheit und Arbeitskraft, die vielfach erst in späteren Jahren zu Tage tritt. Auch ist nicht » verkennen, daß das seelische Leid nicht selten die Fähft N:.. Mndert, den Härten des wirtschaftlichen Kampfes Widerstand zu leisten, von den Witwen und Waisen nicht zu reden. Bon dem vollgerüttelten Maße solcher soziale- Hilfepflicht läßt sich kein Körnchen wegnehmen, sie gilt unter allen Umständen in vollem Umfange. Auf der anderen Seite aber stehen die schweren Sorgen, die bet Kneg der Dolksgesamtheit für die Zukunft aufbürdel Da ist die Verzinsung und Tilgung von mindestens 120 Milliarden Mark Kriegsschulden, der Wiederaufbau zweier zum Teil zerstörter Provinzen, der Bau einer neuen Handelsflotte, kurz, alle die ungeheuren Aufgaben, die der Krieg uns teils unmittelbar aufgewälzt hat, teils mit- telbcfr dadurch, daß die Mittel des Verkehrs, der Erziehung und Bildung und des ganzen Lebensbetriebes im Laufe des Krieges verbraucht oder vernachiäßigt sind. Wir müssen ganz gewaltige Steuern aufbringen, wenn wir die bösen Berluste alle einigermaßen in absehbarer Zeit wieder wettmachen wollen. Um die Kriegsfürsorge darf, wie gesagt, nicht gemarktet und gefeilscht werden, wenn wir ein gesundes Volk bleiben wollen. Ist es da nicht mehr als recht und billig, daß die Feinde, die uns diese Wunden geschlagen habe»/ angehalten werden, zu ihrer Heilung beizutragen? Sie würden ganz gewiß nicht mit uns verfahren nach dem Grundsätze: „keine Annecio- nen und keine Entschädigungen!" Vor nicht ganz vier Wochen hat die französische Zeitung „Libre parole" geschrieben: „Um das Gleichgewicht in den Finanzen wie- derherzustellen, wird man auf die Ergebnisse eines siegreichen Friedens rechnen müssen. Erklärt sich Deutschland erst für überwunden, so werden wir von dort her direkt oder indirekt jährlich 4 bis 5 Milliarden Franken erhalten können", und es ist keinen Augenblick zu' zweifeln, daß die Franzosen und Engländer ihr Wort wahrmachen würden, — wenn sie den Sieg erringen. Draußen stehen unsere Heldenheere im furchtbaren Endkampfe. Sie kämp- fen um den Sieg, um den vollen Sieg. Wir könnten den Gedanken der schweren Verluste draußen garnicht ertra- gen, ja, wir dürften diese Opfer garnicht annehmen, wenn sie nicht um den Sieg und um einen siegreichen Frieden kämpften. Und es ist hocherfreulich, daß .diese Auffassung auch in den Kreisen Platz greift, die vor einem Jahre, gewiß in ehrlicher Absicht, das Stichwort ausgegeben haben: „keine Kriegsentschädigung!" Die Abwendung von diesem Grundsätze mußte einmal kommen, wenn wir nicht durch innere Unwahrheit und durch den Zwiespalt zwischen dem Heere draußen und dem Volk in der Heimat zerfallen wollten. Jetzt ist die Bahn wieder frei. Nicht zu Eroberungen ohne Sinn und Maaß, wohl aber zu einem Frieden, der diesem Kriege gerecht wird. Ein gerechter Friede aber heißt für uns Deutsche ein Friede, der in gleichen Schalen Opfer um Opfer mißt. Die Erschlagenen kann uns kein Friede wieder erwecken, aber der Friede soll uns dazu helfen, daß die Ueberlebenden, die wieder heimkehren und die daheim die Sorge niederdrückt, des Lebens in ihrem deutschen Vaterhause froh werdest können, sodaß sie sich nicht sagen müssen, „wir haben gekämpft, geblutet und gelitten und der Erfolg war - der aussichtslose Kampf mit der gemeinen Not." Es ist natürlich, es ist menschlich und politisch nur gerecht, wenn der besiegte Gegner an unserer Last tragen hilft.


