Ausgabe 
1.5.1918
 
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(Neueste Nachrichten)

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Expedition: Ziidanlage 21.

(Gießcner Tageblatt)

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Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

Nr. 40.

Telephon Nr. 362.

Mittwoch, dm 1. Mai 1918

Telephon Nr. 362.

Jahrg.

Bis nahe 2 Kilometer an Wern vorgestoßen.

Bei Erstürmung »es Kemme» 71«« Gesangeue. SS Geschütze u. 283 Maichiuen,«wehre eiugebracht

St. Julien, Freezenberg, Zillebeke. Loker genommen

vie emicbeidung uni Ypern.

Der Kaifer am Kemmel.

Berlin, 28. April. Der Kriegsberichterstatter Karl Rosner schreibt vom westlichen Kriegsschauplatz an den Berl. Lokalanz." vom Schlachtfelde von Ipern am 26. April:

Der Kaiser verbrachte den gestrigen Tag, an dem der Kamps um den Kemmel aukgefochten und der deutsche Sieg entschieden wurde, vom frühesten Morgen an im Kampfgelände. Schon uni sechs Uhr fand ec sich auf einer vorgeschobenen Feldstelle ein, die den Blick über die Höhenzüge südwestlich von Ipern fceigibt, und die um diese Zeit des ersten Tageslichtes im Hall des ge- waltigen Feuerüberfalles unserer Geschütze geradezu er­zitterte. Dieser donnernde Choc der Geschütze, das Auf­blitzen der Einschläge in dem noch dunstigen Höhenlande, die dicken Rauchlinien, deren Qualm sich gleich dunklen Balken über den Horizont legte, vereinigte sich zu dem gewaltigen Eindruck einer neuzeitlichen Schlacht. Jeder Abschnitt des Kampfes, das Vorgehen der Feuerwalze, der Sturm der Infanterie, das Abflauen des Feuers ließen sich genau verfolgen.

Nach und nach brachten die Drähte die ersten Meldungen, die cinen guten Erfolg meldeten. Der Kaiser, der sich in Begleitung des Oberbefehlshabers einer Armee befand, zeichnete selbst alle Ergebnisse in die Karten ein. Ec blieb, in die Beobachtung des gewaltigen kriegerischen Bildes versunken, bis in die Nachmittagsstunden auf der Feldstelle und verließ sie erst, als die Meldungen bewiesen, daß der Tag einen ganzen Erfolg für die deutschen Waffen bedeutete. Auf dem Rückwege zu seinem Quartier besichtigte er noch zwei Divisionen, die sich im Laufe der letzten Kämpfe besonders auszeichneten, und überall sprach ex dabei von der herrlichen Leistung der

Truppe, deren Sturmarbeit ex soeben beobachtet hatte.

frücdte des Kemmelfieges

Berlin, 28. April. Die ersten Früchte der Er­oberung des Kemmelberges beginnen zu reifen. Die Engländer beginnt seine Stellungen zu räumen. St. Ju- ' lien, Freezenbecg und Zillebeke wurden besetzt, die Südwestecke des Fillebeker Sees ist erreicht. Die Deut­schen stehen dort nur noch 1300 Meter von der Stadt­mauer von Ipern entfernt. Während dieser erfolgreichen Kämpfe stieß der Generalstabsoffizier einer Division mit dreißig Infanteristen und einem Husar über den Kanal IpernComincs vor, griff eine englische Stel­lungen überraschend an, nahmen 120 Engländer gefangen und eroberte 10 Maschinengewehre. Südlich des Kanals wurden einige Maschinengewehrnestec ausgehoben. Nördlich von Dranoeter stieß ein bayerisches Regiment dem weichenden Gegner aus eigenem Antriebe nach und nahm in schneidigem Nachtangriffe das Dorf Loker und das zäh verteidigte Hospiz östlich des Ortes. Das benachbarte thüringische Bataillon schloß sich selbständig diesem Angriffe an und warf den Feind von den Höhen südlich Loker herunter.

»

vie vedeuiung des Kemmel

* Kristiania, 26. April.Morgenbladets" Lon­doner Berichterstatter drahtet: Alle leitenden Blätter

sind sich darin einig, daß die Lage am Kemm-elberg ernst ist. Da ec den Iperubogen beherrscht, ist es von größter Bedeutung, daß er gehalten wird. Bekommen die Deutschen den Kemmelberg in ihre Hand, dann wird die Lage für die Allierten äußerst schwierig werden, da dies die letzte Höhe ist, die die Angreifer von weiten Ebenen trennt, die sich von hier nordwärts bis ans Meer erstrecken. Hier gibt es wenige oder' keine Stellen, die sich zu kräftigerer Verteidigung eignen. (Inzwischen ist der KemmlncU'erg von den deutschen Truppen erobert worden.

Daily Mail" meldet: Der Halbkreis um Ipern schließt sich immer enger. Der feindliche Druck von Süden, Norden und Nordosten gegen das englische Heer von Ipern wird immer mächtiger. Die Schlacht nähert sich dem Höhepunkt der Krisis. Mit höchster Spannung steht man den entscheidenden Stunden der nächsten Tage entgegen. Nach Telegrammen der englischen Frontbe­richterstattern an ihre Blätter vom Sonntag sind die deutschen Vortrupprn aus der Richtung Kemmel auf 7, von Nocdosien und Osten her auf knapp l 3 /* Kilometer an Ypern heeangeriickt. Die deutschen Vorposten suhlen bereits unmittelbar an die Außenviertel der schwer be- schossenen Stadt vor.

Unmittelbar bedroht.

* Genf, 28. April. Eine Havasnote meldet die unmittelbare Bedrohung Yperns. DerTemps" läßt sich von der Front drahten: Ypern liegt tm Artillerie­feuer. Nach anderen Meldungen aus Frankreich wurde der Postverkehr nach Dünkirchen, Calais und Boulogne eingestellt.

Um den Kanal.

* Rotterdam, 27. April. DieTimes" meldet: Die Riesenschlacht um den Besitz des Aermelkanals hat mll dem Kampf um Ypern begonnen. Dt- Schlacht wird mutmaßlich den ganzen Sommer dauern, wird mit dem Sieg oder der Niederlage eines der beiden Kciegsteile enden."

Nach französische Blättern sind die deutschen Truppen bis auf 2 Kilometer an Ypern herange­kommen. Die Außenviertel der Stadt leiden unter der feindlichen Beschießung.

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* Zürich, 27. April. DieNeuen Zürcher Nachr". wollen erfahren, daß die gesamte englische Transport- Flottille bereits im Kanal zusammgezogen sei, um das englische Heer bei weiteren Rückschlägen heimzufördern.

flmllicbe cleulscve csgesvrricbir.

24000 rönnen verfenRt.

3n dem fizlllanifcben baren vor flugnfta.

Berlin, 26. April. Neue Erfolge unserer Mittel­meer U Boote schädigten den Feind um 5 Dampfer mit zusammen etwa 24000 Bruttoregistertonnen. Ober­leutnant z. S. Doemtz drang ckit seinem U-Boot in den durch Sperren peschützten und durch Flieger be­wachten Hafen von Augusta (Sizilien) ein, griff dort den englischen TampsirCyklops" (9038 T) an und lies trotz feindlicher Gegenmaßnahmen unbeschädigt wieder aus.Chlops" kcntcrte und sank. In der Otrantostraße wurde unter besonders starker Gegen­wehr .ein größerer Dampfer mit Passagiereoufbauten, anscheinend ein Truppen-Transportdampfer, versenkt.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

O

wib. Großes Hauptquartier, 27. April 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Nördlich von Wytschaete stießen wir bis an den Südcand von Voormezeele vor. Französische und eng­lische Divisionen versuchten vergeblich, uns den Kemmel wieder zu entreißen. Ihre am Vormittag auf der Front von Ditkebusch bis Loker, in den Abendstunden aus der Gegend von Loker bis westlich von Dranoeter. ange- setzten Angriffe brachen in unsecm Feuer verlustreich zu­sammen. Wo der Feind unsere Linien erreichte, unterlag er im Nahkampf. Nordwestlich von Merville, auf dem Süduier der Lys und bei Giveuchy scheiterten feind- liche Vorstöße. Zwischen Scaipe und Somme Eckundungs­gefechte. Südlich der Somme verblutete sich der Franzose in mehrfachem Ansturm bei und südlich von Pillers Bretonneux. Nach dem Scheitern starker Früh- angrffe am und nördlich vom Walde von Hangacd faßte der Feind am Nachmittag seine Kräfte vornehm­

lich Marokkaner zu erneuten Vorstößen gegen den Hangardwald und nördlich vom Lucebach zusammen. Die mehrfach wiederholten durch stärkstes Arttlleriefeuer eingeleiteten Versuche, unsere Linien zu durchstoßen, schlugen fehl. Aus eigenem Entschluß schritten Jnfantecte- abteilungen beiderseits des Lucebaches zum Angriff, säuberten mehrere Maschinengewehrnester und nahmen hierbei Franzosen gefangen. An den übrigen Fronten nichts von Bedeutung.

Finnland.

Versuche des Feindes, unsere Linie bei Lauti nach Osten zu durchbrechen, scheiterten.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

O

Berlin, 27. April, abends. Der Engländer hat uns wettere Teile flandrischen Bodens überlassen. Wir stehen in der Linie südwestlich LangemarckVerlorenhoet HoogeZillebeke.

25000 rönnen.

Berlin, 27. April Neue U Bootserfolge an der Westküste Englands: 25000 Br. Reg.-To. Ein Dam-, pfer von mindestens 12000 Br.-Reg.-T. und ein großer bewaffneter Dampfer von 6000 Br.-Reg.-T. wurden aus stack gesicherten Geleitzügen herausgeschoffen

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

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wtb. Großes Hauptquartier, 28. April 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Auf dem flandrischen Kampffeld wich der Feind in rückwärtige Linien aus. Südlich von Langemarck Ö tn Q er über den Steenbach, östlich von Ipern in seine Stel­lungen vom Herbst 1914, bei Zillebeke über diese hinaus zurück. In scharfem Nachdrängen zwangen wir den Fetnv vielfach zum Kampf. Hierbei nahmen wir Belgier und mehrere Hundert Engländer gefangen. Wir erreichten die Linie: Südwestlich von Langemarck - Westufec

des Steenbaches Verlorenhoet Hooge Zlllrbeke

Voormezeele. Die in vergangenen Jahren schwer umkämpfte Doppelhöhe 60 ist in unserem Besitz^ Starke Actillerietätigkeit im Abschnitt des Kemmel. Rach Abwehr der französischen am Abend des 26 April gegen den Westhang des Berges geführten Gegenangriffe stieß unsere Infanterie aus eigenem Entschluß dem zuruck­geschlagenen Feinde nach und erstürmte ben Lct ^.oker.

Auf dem Rocdufer der Lys scheiterten feindliche Vor- stöße. Hierbei nahmen wir ebenso wie bei einer erfolg­reichen Unternehmung nordwestlich von Festubert Eng­länder gefangen. Bei Giveuchy wurden starke englische Angriffe abgewiesen. Auf dem Schlachtfeld zu leiden Seiten der Somme blieb die Gefechtstätigkeit auf Ec- kundungen und zeitweilig auflebenden Artillerie kämpf beschränkt. Am Hongard Wald brach ein feindlicher TeU- ongriff zusammen.

Finnland.

General Graf v d. Goltz hat Tavastehus nach Kamps genommen. Bei dem Einzuge in die Stadt wurden unsere Truppen von der Bevölkerung begeistert begrüßt.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

Berlin, fronten nichts

28. April, Neues.

abends. Bon den Schlacht-

17000 Tonnen.

Berlin, 28 April. Im Aermelkanal wurde von einem unserer U-Boote ein mindestens 10000 Brutto- registertonnen großer Transportdampfer, der durch einen Kreuzer und mehrere Zerstörer und Bewachungsfahrzeuge außerordentlich stark gesichert war, torpebielt. Die Ge­samtsumme des versenkten Handelsschiffsraums beträgt nach neu eingegangenen Meldungen 17000 Br.-Reg.-To.

Ein Führerflugzeug einer unserer Jagdstaffeln in Flandern unter d.r bewährten Führung des Oberleut­nants z. S. Christiansen hat gelegentlich eines Auf- klärungsstuges in den Hoofden ein feindliches Curtißboot abgeschoffen.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.