Ausgabe 
18.4.1918
 
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Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

36» Telephon Nr. 362.

Donnerstag, dm 18. April 1918.

Telephon Rr. 363. 3l.

Passchendaele, Wytfchaete. Bailleul, Poelkapette «. Langemarck genommen.

Die Höhen hei Nienvekerke und von Wytschaete erstürmt.

Arras, Bethune, Hazebrouk u. Poperinahe unter schwerem deutschen Artilleriefeuer.

Die Balten beim Halfer.

Berlin, 17. April. Die Abordnung der Ver­einigten Landesräte von L i v l a n d, E st h l a n d, R i g a und O e s e l, die gestern in Berlin eingetroffen ist, wird in den nächsten Tagen v o m K a i s e r und vom General- feldmarschall v. Hindenburgim Großen Hauptquartier empfangen werden. Sie überbringt den Beschluß der Landesrüte, in dem der Wunsch nach dem Anschlüsse an Deutschland und der Herrschergemeinschaft mit Preußen ausgesprochen wird, und hofft, daß ihr vom Kaiser und von der deutschen Negierung eine zu stim­mende Antwort erteilt werden wird.

Die Angst um Dflnkrlcben und Calais.

Wie aus London gemeldet wird, spricht die englische Presse von der Absicht Dünkirchen und Calais zu räumen. Het Vaterland" empfiehlt den Engländern eine Be­schleunigung ihrer Maßnahmen und glaubt nicht, daß es gelingen wird, die riesigen Vorräte rechtzeitig abzu- tcanSportieren. Wenn es den Deutschen erst einmal ge­lungen sei, Calais als Stützpunkt für ihre U-Boote und Torpedojäger zu gewinnen, dann sei auch Dover bedroht.

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Harebrsuk gefährdet.

Rotterdam, 17. April. DerNieuwe Rotter- damsche Courant" meldet, daß die Engländer verzwei­felte Anstrengungen machen, um die deutsche Bedrohung von Calais und Dünkirchen abzuwenden. Nach den weiteren Londoner Berichten gilt Hazebrouk bereits als unmittelbar gefährdet. Jedenfalls ist in den Londoner Zeitungen eine Stockung in der Bericht­erstattung der englischen Pressevertreter an der Front eingetreten.

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Schweres deutscher gescvütr.

Genf, 16. April. Dünkirchen und Boulogne wurden in das Kriegsgebiet einbezogen und für Calais steht die gleiche Maßnahme bevor'. Arras liegt ununter­brochen unter einem furchtbaren deutschen Feuer. Die wichtigen Eisenbahnknotenpunkte Bethune, Lillers, Airs und Hazebrouk liegen seit 2 Tagen unter dem Feuer der deutschen Artillerie. Auch der wichtige Eisen­bahnknotenpunkt Popering he soll in die Reichweite der schweren deutschen Geschütze gerückt sein.

Uott nattcv bis Beifort.

Zürich, 17. April. Der MailänderSecolo" meldet aus Paris: Die deutsche Artillerietätigkeit konzentriert sich guf die FestungToul. VonNancy bis Bel fort liegen die ersten französischen Linien unter der durch die seit Wochen fortdauernden Beschießung durch den Feind.

flmilicbe deuifcbe csgrrbericdir.

25000 rönnen versenkt.

Berlin, 15. April. Im Sperrgebiet des mittleren Mittelmeeres versenkten deutsche und österreichisch-unga. rische U-Boote 6 Dampfer, die in gesicherten Geleitzügen fuhren, und 2 Segler, zusammen mindestens 25 000 Bx.'Reg.'To.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

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wtb. Großes Hauptquartier, 16. April 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Angriffe auf dem Schlachtfelde an der Lys führten zu vollem Erfolge. Die großen Sprengtrichter aus der Wytschaete-Schlacht 1917 wurden im Handstreich genommen. Nach kurzem Feuerschlaq erstürmten wir in überraschendem Angriff Wulverghem und oie feindlichen Stellungen beiderseits des Ortes. Gegenstöße englischer Kompagnien brachen völlig zusammen. Von der Ebene herauf erstiegen unsere Truppen im Angriff die Höhen zwischen Nieuvekerke und Bailleul und ent- rissen sie in heftigem Nahkampf dem Feinde. Englische

Angriffe gegen Locon scheiterten. An der Schlacht- fcont zu beiden Seiten der Somme nahm der Artillecie- kampf nur am Luce-Bach in der Gegend von Morenil und Montdidiec größere Stärke an. Bei Abwehr eines von Engländern und Franzosen gemeinsam durchgefühlten Angriffes nördlich vom Luce-Bach machten wir Gefangene. Am Oise-Aisne-Kanal und auf dem Westufer der Mosel führten wir erfolgreiche Unternehmungen durch.

Finnland.

In Lovisa (östlich von Helsingfors) nach lieber- windung schwieriger Eisvechältnisse gelandete Truppen stießen über LapptraeSk nach Norden vor, brachen mehr­fach feindlichen Widerstand und haben die von Tammer- fors nach Wiborg führende Bahn östlich von Lahti er­reicht.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendocff.

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Berlin, 16. April, abends. Die Höhen von W y t s ch a e t e wurden erstürmt. Kailleul ist genommen.

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Berlin, 16. April. Durch unsere U-Boote wurden im Sperrgebiet um England wiederum 16 000 Br - Reg.-To. feindlichen Handelsschiffsraumes versenkt.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

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wtb. Großes Hauptquartier, 17. April 1918.

Westlicher Kriegsschauplatz:

Aus dem blutdurchtcänkten Kampffeld der vor­jährigen Flandernschlacht besetzte die Armee des Generals Sixt v. Arnim Passchendaele und schob auch bei Bccelaere und Gheluvelt ihre Linien vor. Nördlich von der Lys erstürmten die Truppen des Generals Sieger in den frühen Morgenstunden das Dorf Myt- schaete, warfen den Feind trotz heftiger Gegenwehr von den Höhen nordöstlich und westlich vom Orte und wiesen starke Gegenangriffe ab. Den südwestlich von Wulverghem in rückwärtige Linien ausweichenden Geaner drängten wir über den Douvebach zurück. Kaillerrl und die zäh verteidigten Stützpunkte Eappelqnde» nördlich von Bailleul, und Meteren wurden ge­nommen. Mit starkem Kcäfteeinsatz versuchte der Engländer, gestützt durch Franzosen, vergeblich Meieren und das verlorene Gelände beiderseits von Merris zu­rückzuerobern. Seine Angriffe brachen unter schwersten Verlusten zusammen. Auf dem Schlachtfeld zu beiden Seiten der Somme entspannen sich heftige Feuerkämpfe, die auch während dep Nacht, namentlich südlich von der Somme anhielten.

Mazedonische F^ont:

In Vqrfeldkämpfen in der Strumaebene nahmen bulgarische Stoßtruppen 155 Engländer und einige Griechen gefangen.

Der Erste Generalquartiecmeister: Ludendorff.

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Berlin, 17. April, abends. Auf dem Kampffeld der vorjährigen Flandernschlacht wurden UoelkapeUr und Karrgemarck genommen.

Die Pflicht des Tages.

Von Geheimen Regierungsrat Dr. Poensgcn.

Nach allen Nachrichten scheint sich die 8. Kriegsanleihe würdig ihren Vorgängern anzureihen. Wieder wird die Opferwilligkeit und die Siegeszuversicht des deutschen Volkes dem Daterlande gewaltige Mittel zur Fortführ- ung des gerechten Kampfes zur Verfügung stellen. Lin günstiges Ergebnis der Kriegsanleihezeichnungen hat aber außerdem eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf das Ausland. Es stärkt das Vertrauen der Neutralen auf die deutsche Wirtschaftskraft, hebt den deutschen Wechselkurs und wirkt daher förderlich auf unsere Handelsbeziehungen. Natürlich sind unseren Feinden, besonders den Franzosen und Engländern, unsere Kriegsanleiheerfolge, denen sie nichts Aehnliches zur Seite stellen können, -ein Dom im Auge. So greisen sie denn zu dem bei ihnen beliebten Mittel der Verdrehung und Lüge, um die deutschen Er­folge in der Heimat wie die im Felde zu verkleinem. Sie streuen aus, die großen Zeichnungen, auf denen die deutsche Kriegsanleihe bemhe, seien nur fiktiv, und be­

haupten wahrheitswidrig, das Volk selbst beteilige sich kaum an der Kriegsanleihe. Diese feindliche Offensive sollte uns zu denken geben, sie soll uns daran erinnem, daß es nicht nur auf die Menge des gezeichneten Geldes an- kommt, sondern auch auf die moralische Wirkung,welche durch die vielen kleinen Zeichnungen erreicht wird. Die kleinen Zeichnungen von nur 100 Mark stellen nicht nur diesen Betrag für unsere Rüstungsaus- gaben zur Verfügung, sondern beweisen auch dem Aus­land das unerschütterliche Vertrauen der Masse unseres Volkes auf den Sieg unserer Waffen und auf unsere Wirtschaftskraft. Darum solle ein jeder sich nicht scheu­en, auch einen kleinen Betrag zu zeichnen. Manche Wohlhabendere, welche sonst gewöhnt sind, mehrere tau­send Mark zu zeichnen,^ haben vielleicht diesmal solche Beträge nicht zur Verfügung. Wohl aber werden sie nicht unschwer über einen Hundertmarkschein noch verfü­gen können. Sie mögen sich nicht durch die Erwägung: Das macht den Kohl doch nicht fett" davon abhalten lassen, auch diesen kleinen Betrag dem Vaterland zur Ver­fügung zu stellen. Indem sie die Menge der kleinen Zeichnungen vermehren, vermehren sie auch den ge­waltigen moralischen Lindruck der 8. Kriegsanleihe. Das gleiche gilt auch für die Zeichner, welche im Anfang des Zeichnungszeitraumes bereits einen größeren Bettag gezeichnet haben. Sie haben sicher gegen Ende der Ieich- nungsfrist außerdem einige Hundert Mark verfügbar, die sie noch'schnell vor Toresschluß in Kriegsanleihe umsetzen können. Gerade für die kleinen Zeichnungen bildet die nahegelegene Po st an st alt eine besonders bequeme Gelegenheit.

krbpriur von Solms Bodenfolms-Licb gefallen.

Erbprinz Philipp von Solms ist gefallen. Der Erbprinz, ein Sohn des Fürsten zu Solms-Hohen- solms-Lich und der Prinzessin Emma zu Stolberg- Wernigerode, stand im 23. Lebensjahr. Er gehörte früher als Leutnant dem 24. Dcagonerregiment in Dacmstadt an. Die Schwester seines Vaters, Eleonore, ist die regierende Großherzogin von Hessen.

Zm achten Male

ergeht der Ruf zur Zeichnung auf die Kriegsanleihe an das deutsche Volk. Zum achten Male soll Deutschlands wirtschaftliche Kraft für seine Verteidigung mobil ge­macht werden. Ein weltgeschichtlicher Augen­blick ist eS, in dem dieser Ruf ergeht. Friede im Osten! Nach 37 2 Jahren Krieg hat der Friedensengel seinen Fuß auf die blut- und tränenüberschwemmte Erde ge­setzt. Was Hindenburg bei Tannenberg siegreich be­gonnen, hat er ruhmvoll nunmehr beendet. Rußlands Macht ist zerbrochen. Vom Osten droht uns keine Ge­fahr mehr. Unser ganzes Sinnen und Denken ist jetzt gerichtet aut unsere Heldenscharen im Westen? Jahre­lang haben sie in fürchterlichen Schlachten den feind­lichen Anstürmen Stand gehalten, jetzt sind sie drauf und dran, den Feind niederzukämpfen und unsere Fahnen weiter hineinzutragen ins feindliche Land. Paris steht in deutschem Feuer! Auch im Westen stellt Hindenburg jetzt den Zeiger der Weltgeschichte und er deutet, wenn nicht alles trügt, auf einen durcheschlagcn- den Sieg der Mittelmächte, der der Sieg der Wahrheit und Gerechtigkeit ist. Während der Donner unserer Ge­schütze die ganze Front von den Alpen bis zum Meere echeben läßt, dürfen im Hinterland die Besitzer von Geld und Gut mit dem Viktoriaschießen nicht säumen. Nicht nur der Finanzminister ist cS, dessen Ruf ergeht an den großen und kleinen Sparer. Unsere Helden an der Westfront selbst sordern von uns, daß wir sie in ihrem Siegeslauf nicht im Stich lassen, der uns das heißersehnte Ziel, den allgemeinen Frieden, erkämpfen soll. Alle Kräfte müssen zusammengerafft werden, die militärischen und nicht minder die wirtschaftlichen, die Zeichnung auf die achte Kriegsanleihe ist so wichtig wie die Zufuhr von Munition und Kriegsgerät an die Front. Darum tue jeder seine Pflicht! Jeder Deutsche muß Kriegsanleihe zeichnen soviel er kann. Keiner darf fehlen beim Aufmarsch der Milliarden. Trag Dein Teil zum Ganzen bei. Ob es noch so wenig sei, Großes wird aus dem Geringen Und dem Großen wird's gelingen.