Reiseverkehr und Kriegsführung
Immer wieder muß eindringlich darauf hinge- wiesen werden, datz eine erfolgreiche Kriegführung sich nur aus der Grundlage eines Leistungsfähigen Verkehrswesens ermöglichen läßt. Tie gewaltigen Waffener- foige der MiLreimächte beruhen zum guten LeU auf ihrem weitverzweigten, vortrefflich ausgebautett-Eisenbahnnetz, das es ermöglichte, im Bedarfsfälle Truupen- masfen und Kriegsbedarf blitzschnell von einem Kriegsschauplatz auf den anderen zu werfen. 'Aber auch die innere Front steht und füllt, mit er Haltung des in Kriegszeiten ans- in 'An
spruch genommenen Eisenbahnbetriebe.-. Unjere .'Auegc- wirtschaft und Rüstungsindustrie, unsere nolT-ernah-- rung einschließlich der Kohlenvcrsorgung müßten itt verAingnisvollem Umsauge in Frage gestellt werden, gelänge es nicht, den Güterverkehr, der die veimat mit Rohstoffen, Lebensmitteln und Kuhlen versorgt, im erforderlichen Maße aufrechtzuerhallen. Ta ist denn die größtmöglichste Einschränkung de:- Personenverkehrs ein dringendes Gebot. Tie Cifenbahnbehör- den haben bereits entsprechende Maßnahmen getroffen, die am 13. Januar in Kraft gerbten sind, mit dem ausschließlichen Zweck, in größerem Umfange als bisher Maschinen. Personal und Strecken durch Ausfall von Personenzügen sreizumachen und die Abwicklung des Güterverkehrs, dem unbedingt der Vorrang gebührt, nach Möglichkeit zu fördern.
Alle behördlichen Maßnahmen bleiben aber Stückwerk, wenn nicht jeder einzelne sich den Ernst der Sachlage klar macht und durch freiwillige Opfer dazu beiträgt, die Schwierigkeiten verstaHdnisvoll vermindern zu helfen. Es herrschen über die Einschränkung des Reiseverkehrs in der Oeffentlichkeit vielfach falsche Anschauungen. Nicht um lediglich Kohlen oder Be- triebsmaterial zu sparen, ist die Eisenbahnverwaltung gezwungen, den Privatreiseverkehr zu vermindern, sondern weil es jetzt im vierten Kriegswinter, wo noch zudem die Wassertransportwege nur sehr beschränkt nutzbar sind, von größter Wichtigkeit ist, Kohlen, Lebensmittel und Rohstoffe in genügender Menge heranzuschafsen, damit die Heimat nicht nur selbst durchhalten, sondern auch dem kämpfenden Heer alles Herstellen und heranführen kann, was dieses an Munition, Waffen und Kriegsgut braucht.
Wer jetzt noch Privatreisen unternimmt, die nicht - ganz unentbehrlich und dringlich sind, versündigt sich am Vaterlande, dem er die Mittel zum Durchhalten und zum Siege verkürzt und beeinträchtigt. Wenn jeder Deutsche sich klarmachen wollte, daß er durch den Verzicht auf eine nicht unbedingt notwendige Reise mit der Eisenbahn so und soviel Frachtraum für die Allgemeinheit freimacht, der dieser in erhöhter Zufuhr an unentbehrlichen Lebensgütern zugute kommt, dann brauchen wir im Kampfe gegen Lußere und innere Kriegsnöte ernste Schwierigkeiten nicht zu befürchten.
1818 kann Ancle Sam nicht helfen
Die Leistungsfähigkeit des amerikanischen Schiffbaues
Der amerikanische Marinesekretär Daniels sagte der „Uorkshirepost" vom 14. Dezember zufolge in seiner Rede zu New Uork:
„Die Leistungsfähigkeit unserer Werften im ganzen Lande ist verzweifacht, in einigen Fällen verdreifacht worden."
Diese Angaben lassen einige Rückschlüsse auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit des amerikanischen Schiffbaues zu. Nach einer Meldung des „N^w Z)ork Times" hat der Leiter des englischen Schisssbauamtes am 29. September der „Associated Preß" zufolge sich in einer Erklärung über die Schifsahrtslage dahin ausgesprochen, das Bauprogramm der Vereinigten Staaten müsse groß genug sein, um die Vernichtung zu übertreffen, selbst wenn es 6 Millionen Tonnen im Jahre bedeute, d. h. dreimal soviel wie England höchstens geleistet hat, oder zehn- bis elfmal so viel, wie die Vereinigten Staaten bisher gebaut haben.
Wenn nach der Angabe des amerikanischen Marinesekretärs Daniels die Leistungsfähigkeit der ame-
Scherz und Ernst.
tf. Bulgariens Tabalgefchäft. Anläßlich eines Ueberblickes über die finanzielle Lage Bulgariens, den der Finanzminister Tontschesf am 3. Dez. in der So- branje gab. lenkte er besonders die Aufmerlsamkeit aus den außergewöhnlichen Ertrag der diesjährigen Tabakernte, wodurch bei den gleichzeitigen hohen Preisen Riesensummen verdient werden. — Im Jahre 1916 waren 18 000 Hektar mit Tabak bebaut, die eine Ernte von 40 Millionen Kilogramm ergaben, wovon die Hälfte von edelster Qualität und einen Wert von 900 Millionen Levas darstellren. Hiervon erhebt der Staat eine Steuer oon 1 1 1/2 %; 1)er Rest kommt den Pflanzern und Exporteuren, die säst alle bulgarische Untertanen sind, zugute. Die Tabalpflanzer und -Händler in Bulgarien sind also gut daran, und Vor allem letztere haben Millionen verdient. Es steigt allerdings eine kleine Wolke am Himmel auf: die Beschlagnahme in Deutschland von dort liegendem unbearbeiteten Tabak für die ..Zigaretten-EinkaufSgesell- schast" in Dresden. Genannte Gefellschaft, die jetzt der einzige Käufer in Deutschland geworden ist, kann ein volles Jahr mit dem Einkauf aussetzen, falls die Preise ihr nicht zusagen. In der Donaumonarchie ist die Lage ähnlich, nur daß die Tabakvorräte etwas geringer sind. Tie Regien Oesterreichs und Ungarns haben sich mm. insofern dem Auftreten Deutschlands gegen die Preistreiberei in Bulgarien angeschlossen, als sie den Beschluß faßten, in keinem Fall höhere Preise zu bezahlen als die „Einkaufsgesellschaft" in Dresden. Infolge dieser Maßnahmen sind die bulgarischen Tabakhändler und -Exporteure beim Ankäufen der neuen Ernte vorsichtiger und zurückhaltender geworden.
tf Dem Vevöllerungsproblem schenkt man z. Zt. auch in England große Aufmerksamkeit. Laut „Economist" hat Sir Bernard Mallet als Vorsitzender der Königlichen Statistischen Gesellschaft in einer Ansprache folgende bemerkenswerte Zahlen angegeben: In England verheirateten sich infolge des Krieges zwischen August 1914 und Juni 1917 200 000 Personen, die es sonst nicht getan hätten. Ohne den Krieg würde die
rikanischen Wersten nur „verdoppelt oder in einigen Fällen verdreifacht" wurde, so besagt dies, daß die amerikanischen Wersten jährlich nur etwa ein Sechstel over etwas mehr von den 6 Millionen Tonnen
leisten, die der Leiter des englischen Schifsahrtsamtes als unbedingt erforderlich bezeichnete. Dazu kommt, daß er die jährliche Vernichtungszahl durch die deutschen U-Boots mir 6 Millionen erheblich zu nie- d: :g angegeben hat, da das Ergebnis allein im Jahre 191.' über 9 Millionen Tonnen betragen har, und auch in ck^'tt!! wo die Ziffern natürlich heruntergehen rn ,,K:;. nachdem ein erheblicher Teil der Welttonnage dr!n deutschen U-Boot-Krieg zumOpfer gefallen ist, und gerade da. Sperrgebiet um England schwächer befahren wird, die Summe von 6 Millionen Tonnen vermut- llcki übersteigen wird. Sc. bst nach vcn zweifellos nicht zu niedrig grgrisfcirrn 'Angaben ves amerikanischen MnrUrcfttrem: 1 Daniels wirs man Daher festste.len tonnen, eaß der amerikanische Schiffbau nur etwa 20 Prozent Ic* jährlich den: Deutschen N-Boot-Krieg zum Opfer fallenden Schi-frraumes ersehen kann.
Die besonnenen Blätter in den Bereinigten Staaten, wie der Bostoner „Monitor", lenken übrigens die 'Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung immer wieder aus den beunruhigenden Stand der Schiffs- raumfrage. Das Schifsahrtsamt in Washington bekennt freimütig, daß der Schiffbau in allen Teilen der Vereinigten Staaten infolge des Arbeitermangels weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Heute herrscht dringende Nachsrüge nach nicht weniger als 400 000 Schisssmechanikern aller Art. 200 000 Manu arbeiten in den einschichtigen Werften. Das Schisfahrtsan.it sieht sich nun genötigt. Lord Northclisfe darin recht zu geben, daß die Bereinigten Staaten nicht in der Lage sein werden, vor 0 Q 1 Jahre 1919 die erforderlichen sechs Millionen Tormen an Handelsschiffen fertigzustellen.
Der Krieg zur See.
5 größere Dampfer.
Bei starker :mg und unter stärkster Gegen
wirkung, die öieijau; auch durch feindliche Luftstreitkräfte ausgeübt wurde, versenkten unsere U-Boote im Aermelkanal und au der englischen Ostrüste fünf größere Dampfer. Die Mehrzahl der Schiffe war tiefbeladen und bewaffnet.
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Die Besprechung der Frachtraumsrage in der englischen Presse konzentriert sich der Sachlage entsprechend mehr und mehr auf die Frage der Neubauten, während die Bedeutung des neutralen Frachtraums und der Zuwachs durch die beschlagnahmte deutsche Handelstonnage in den Hintergrund treten. .„Daily Telegraph" stellte vor einiger Zeit sest, daß wahrscheinlich trotz aller Prophezeiungen nur 1 Million Tonnen Frachtraum im Jahre 1917 sertiggesielli worden sei. Selbst wenn man diese Ziffer auf iy 2 Millionen Tonnen erlhöht, entspricht sie nicht annähernd den englischen Erwartungen. Ein englisches Fachblatt vorn 20. Dez. muß zugestehen, daß erst die Oktober-Novemberleistung im Handelsschiffbau die / monatliche Durchschnittshöhe von 1913 erreicht habe, sodaß man von nun ab mit einem Jahreszuwachs von 2 Millionen Tonnen rechnen könne. Am 27. Dez. schreibt das „Journal of Commerce": Wir wundern uns nicht darüber, daß man uns sagt, der Bau von Handelsschiffen werde von jetzt ab in sehr beschleunigtem Tempo weiter gehen. Die Unannehmlichkeit ist in diesem Falle und in anderen ähnlichen Fällen, die mit dein Schiffbau Zusammenhängen, daß die Verwirklichung der Dinge, die wir zu sehen wünschen, immer der Zukunft anheim gestellt wird. Beständig sagt man . uns, daß nunmehr der wunderbare Wechsel in der Lage eintreten wird." Auch die Enttäuschung über das Mißlingen des amerikanischen Schiffbauprogramms kommt in der englischen Presse wieder lebhaft zum Ausdruck. Das Geständnis des Premierministers Lloyd George, daß er sich bezüglich der Ueberweisung amerikanischen Frachtraums an
Anzahl der Geburten von Mai 1915 bis Juni 1918 im Vereinigten Königreich 3 500 000 betragen haben; es werden aber nur etwa 2 950 000 sein. In Deutschland werden in der gleichen Zeit statt 5 850 000 nur 3 250 000, in Ungarn statt 2 600 000 nur 1 100 000 stattfinden. Das bedeutet für das Bereinigte Königreich einen Ausfall von 6, £ür Deutschland einen solchen .von 17, für Ungarn einen solchen von 24 normalen Monaten. Die sensationellen Behauptungen der Zeitungen über die Zunahme unehelicher Geburten im Vereinigten Königreich treffen nicht zu: es gab deren 37 909 im Jahre 1913, 36 245 im Jahre 1915 und 37 689 im Jahre 1916. Auffallend ist die Zunahme männlicher Geburten in der Kriegszeit, die von Firks schon in Deutschland für die Kriege von 1866 itnb 1870/71 feststellte; eine Erklärung dafür fehlt noch. — Die Kindersterblichkeit hat in England erfreulich abgenommen; sie betrug 1916 nur 22 vom Tausend oder 19,5 v. H- weniger als im Durchschnitt der vorausgegangenen zehn Jahre. Bei einem Vergleich mit den Mittelmächten ergibt sich, daß in London nur in einem Monat die Todesfälle die Geburten überwogen, während in „den sechs feindlichen" .Hauptstädten nur einnral — und zwar in München im letzten August — ein Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle vorkam. Während die Bevölkerung des Vereinigten Königreichs nach drei Kriegsjahren ungefähr die gleiche ist, wie zu Kriegsbeginn, haben die Mittelmächte einen Verlust von wenigstens vier Millionen zu verzeichnen. — England hat aber seine Leute geschont und die Franzosen und Russen bluten lassen. Das ist aber in der letzten Zeit anders geworden.
tf. Die Bcsohlanstalt der Stadt Berlin ist seit einigen Wochen im vollen Betrieb und hat natürüd) ganz enorm zu tun. Einige fünfzig Arbeiter, darunter auch hilssdienstpflichtige Schuhmacher, sind dort beschäftigt. die Berliner Bevölkerung mit sestem Schuhwerk aller Art zu versehen. Ter Maschinenbetrieb ist natürlich vorherrschend. Es ist ganz erstaunlich, was diese Maschinen, die neu beschafft wurden, leisten. In wenigen Minuten ist ein Paar Stiefel fix und fertig besohlt, wobei auch Frauen die Nebenarbeiten verrichten. Während Oer eine Arbeiter die aus Holz, Tertillose und
vzngiano geirrt habe, und daß infolgedessen seine Be- rechnungen -Ine A-nderunz erfahr?« hätten wird peinlich empfunden. v ' w
Allgemeine Kriegsyachllchten.
Luftkampf-Erfolge im Tezemder.
Im Monat Dezember haben unsere Gegner h ur * öte Tätigkeit unserer Kampfmittel aus allen Fronten "" ganzen 119 Flugzeuge und 9 Ballone verloren -wlir haben 82 Flugzeuge und 2 Ballone eingebüßt- davon sind o7 Flugzeuge jenseits oer Linien oecl blieben, wahrend die anderen 25 über unserem Gebiet verloren gingen. Auf die Westfront allein entfallen von den 119 außer Gefecht gesetzten feindlichen Flugzeugen 101, von den 82 deutschen 74. An der italienischen Front haben wir 17 feindliche Flugzeuge abgeschossen und 6 eigene eingebüßt. Im einzelnen setzt sich die Summe der feindlichen Verluste folgendermaßen zusammen: 83 Flugzeuge wurden im Lufttampf 30 durch Flugabwehrkanoneu, 1 durch Infanterie abge- scho'ffen, v landeten unfreiwillig hinter unseren Lt- men. Von diesen Flugzeugen sind 47 in unserem Besitz, 72 jenseits unserer Linie erkennbar abgestürzl
Der Pariser Funkspruch vom 8. Jan. nachmittags meldet, daß die Franzosen im Dezember 1917 76 deutsche Flugzeuge abgeschossen haben, und sagt u. a wörtlich: ,„Von diesen scheinen 35 Flugzeuge, die in ihren Linien niedergingen, vernichtet zu sein, doch konnte hierüber keine abschließende Feststellung gemacht werden." Demgegenüber werden die ftanzösi- schen Verluste auf 20 Flugzeuge, davon 13 über ihren eigenen Linien abgeschossen, und l Fesselballon angegeben. Tatsächlich beliefen sich die deutschen Bcrlnste aus dem französischen Teil der Westfront im Dezember 1917 aus 9 Flugzeuge diesseits und 22 jenseits, während die französischen Verluste nicht 20. sondern 44 Flugzeuge betrugen, von denen nicht 13, sondern 36 nach einwandfreier Feststellung jenseits abstürzten; nicht 1, sondern 3 Fesselballone wurden abgeschossen. Die Tatsache, daß der französische Bericht die 35 deutschen Flugzeuge, deren Abschuß nach seinem eigenen Eingeständnis nicht sicher war, unbedenklich als deutsche Verluste berechnet, kennzeichnet seine Glaubwürdigkeit zur Genüge.
Ter bayerische Jlieger.eutnant Max Müller, Ritter des Ordens „Pour le merite", ist bei der Jagdstaffel Boelke in der Nähe von Cambrai nach seinem 38. Luftsieg infolge Flugzeugfehlers tödlich verunglückt und so, unbesiegt, für das Vaterland gefallen.
Leutnant Max Müller stammte aus Niederbayern und war ehedem ein Klempnergeselle. Bei Kriegsausbruch wieder eingerückt, ging er zur Fliegertruppe über. Auf einstimmigen Vorschlag seines Offi- zierkorps zum Vizefeldwebel befördert und zum Osfi- zierstellvertreter ernannt, wurde er in den ersten Tagen des September 1917 wegen hervorragender Tapferkeit vor dem Feinde vom König von Bayern zum aktiven Offizier im Fliegerbataillon befördert.
Gesarrgerren-Austausch.
In dem südholländischen Hafen Rotterdam erfolgte am Sonntag die Ausschiffung der im Austausch gegen englische Kriegsgefangene gestern abend aus England eingetroffenen deutschen Offiziere und Mannschaften. . Die niederländische Regierung war durch den Minister des Auswärtigen, London, vertreten. Auch der Vorsitzende des Kriegsgefangenen - Ausschusses. HandelSkammerpräftdent da Monchh, war zugegen.
Don ihren eigenen Landsleuten getötet oder verwundet.
Die Zahl der bei feindlichen Artillerie- oder Fliegerangriffen getöteten und verwundeten Elnvoh- ner der Tiesetzten Gebiete in Frankreich und Belgien hat sich im November und Dezember 1917 wieder beträchtlich erhöht. Es wurden in diesem Zeitraum getötet 35 Männer. 45 Frauen und 27 Kinder und verletzt 27 Männer, 55 Frauen und 15 Kinder. Nach den Zusammenstellungen der „Gazette des Ardennes"
anderem Material bestehenden Sohlen verpaßt und zuschneidet, befestigt der zweite Arbeiter die Sohlen. Ein dritter schlägt mit der Maschine die Holzzwicken ein. Eine Frau schwärzt die Stiesel. So geht die Arbeit infolge der Teilung mit einer solchen Fixigkeit vorwärts, datz man staunen muß, in welch kurzer Zeit ein Paar Stiesel vollständig fertig zur Ablieferung bereit liegen.
tf. Der vermeintliche Biirstenbiudcrgeselle. Daß ein Kunstmaler, der bereits auf der Höhe seines Ruhmes steht und dementsprechend auszutreten weiß, von einer Behörde für einen arbeitslosen Bürstenbindergesellen gehalten wird, dürste nicht zu den Alltäglichkeiten Zählen. Wilhelm Kaulbach erzählt in einem seiner Briese aus dem Jahre 1847. daß ihm dies heitere Mißgeschick denn Ueberschreiten der preußisch-österreichischen Grenze widerfuhr. Er reiste damals im Aufträge der preußischen Regierung nach Berlin, um sein berühmtes Wandgemälde ,.Ter Turmbau zu Babel" fertig zu stellen? Natürlich führte er auch eine Reihe von Amseln in seinem Reisegepäck mit sich: denn kein Maler kann schließlich ohne Pinsel leben. Tie Folge war. daß der Zollbeamte beim Ueberschreiten der Grenze die Pinsel fand und zunächst staunend betrachtete. Schließlich aber huschte ein Lächeln des Verständnisses
tf. Grüße zwischen Memel und Lindau. Einem langjährigen vaterländischen Gebrauch nachkommend, hat auch im heurigen vierten Kriegswinter das Osftärer- korps der bayerischen Garnison"am „schwäbischen Meer folgende telegraphischen Grüße an die Kameraden der nördlichsten deutschen Garnison in Memel, gesandt: Es fliegt nach Memel hoch im Nord Der bayerischen Zwanziger fröhliches Wort: „Prosit Neujahr!" Wir müssen siegen,
Und wenn die Feinde noch so lügen!
Die Garnison Memel hat hierauf erwidert:
Das nordische Memel dankt herzlich sehr Den Kameraden am Schwäbischen Meer,
Der Sieg ist unser trotz Lügen und Droh'n,
Im Osten tagt der Frieden schon!
Wo man sich noch sperret, da fahren wir drein Und schlagen dem Feinde die Tore ein.


