Ausgabe 
12.1.1918
 
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Die kritischste Stunde.

Lloyd George zu den englischen Arbeitern.

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Nüssen ersetzen soll.

Einer laugen Rede kurzer «tun:

Lwvd George sagte gleißnerisch. um die Arbeiter, weiter vor seinen Karren zu spannen: fuhren

leinen Angriffskrieg gegen das d-ut,u>-

Deutschland hatte eine große Stellung m der Welt Es ist nicht unser Wunjch oder unjere -lbsle.,t, diese' Stellung m der Zukunft ru Frage zu sie len oder zu zerstören, sondern Deutschland von iemen Hoffnungen und Plänen einer nnlrtarifchen schung abzulenken, damit es alle ferne Kraft den großen gemeinnützigen Aufgaben der Welt widme.

^ Ebensowenig sind wir in diefen Krieg emgetreteu, lediglich um die Verfassung des Deutschen Kar,errerches abzuändern und zu zerstören. Das ist eine >sache, die das deutsche Volk zu entscheiden hat

Tie ersten Forderungen, dre datier die britische Regierung und ihre Verbündeten immer vorangestellt haben, sind die vollständige Wiederansrichtung Bel­giens und eine solche Entschädigung für seme verwüsteten Städte und Provinzen, wre sie geleistet werden kann. Dies ist nicht die Forderung eurer Kriegsentschädigung, wie sie Deutschland nn ^ah^e 1871 Frankreich auferlegt hat, es ist auch kein Versuch, die Kosten der Kriegshandlungen von einem Krieg- sübrenden auf den andern zu schieben, es ist nicht mehr und nicht weniger als das feste Bestehen darauf, daß. bevor es irgend eine Hoffnung auf einen dauer­haften Frieden geben kann, dieser große Bruch de» öffentlichen europäischen Rechtes seine Zuruckweisung erfahren und soweit als möglich gut gemacht werden

mU ® 2 Hg Nächstes kommt die Wiederherstellung Ser­biens. Montenegros, sowie der besetzten Teile Frank­reichs. Italiens und Rumäniens, vollständige Zurück­ziehung der feindlichen Armee. Wiedergutmachung von Unrecht ist die grundlegende Bedingung für einen dauernden Frieden. Wir werden bis zum Unter­gänge an der Seite der französischen Demokratie stehen, in deren Verlangen nach Wiedererwägung (reconswe- ration) des großen Unrechts von 1871, wo ohne Rück­sicht auf die Wünsche der Bevölkerung zwei französische Provinzen aus Frankreich herausgerissen und dem Deutschen Reich für ein halbes Jahrhundert einverleibt wurden, und bis dieses nicht geheilt ist, können ge­sunde Zustände nicht wieder eintreten."

Nach recht allgemeinen aber bereits recht zahmen Redensarten über die anderen Zweifelsfragen dieses Krieges, über Rußland, Polen, Türkei, Mesopotamien, über die Kolonien schloß er:

Wenn wir gefragt werden, wofür wir kämpfen, so können wir sagen, für einen gerechten, dauernden Frieden, und wir glauben, daß, bevor ein solcher erhofft werden kann, die folgenden Bedingungen er­füllt werden müssen:

Erstens muß die Heiligkeit von Verträgen aus- gerichret werden; . ,

Zweitens: muß eine Schlichtung von Gebietsfragen aus der Grundlage des S e l b st b e st i m m u n g s r e ch t s oder der Zustimmung der regierten Völker gesichert werden und

schließlich müssen wir durch Schaffung einer inter­nationalen Organisation suchen, die L a st d e r R ü st u n- gen zu beschränken und die Wahrscheinlichkeit eines Krieges zu vermindern.

Unter diesen Bedingungen würde das britische Reich einen Frieden willkommen heißen, und um diese Bedingungen sicher zu stellen, sind seine Völker bereit, noch größere Opfer zu bringen als die bisher ge­brachten. '

* * *

Die Rede fällt auf durch die vorsichtige Fassung beS Passus über Elsaß-»Lothringen. ..reeonsiäeratioa" ist ein sehr dehnbarer Ausdruck. Er kann gerade­sogutAenderung" wie auchErwägung" heißen. Stände Frankreich und England noch sest auf Zurück­erstattung der Reichslande, dann wäre dieser zweifel­hafte, unklare Ausdruck sicher nicht beliebt worden.

Alles in aUem aber wird sich Lloyd George wohl gesagt haben und sagen müssen, daß er mit Diesem Friedensangebot kern Glück haben wird. Ter Krieg wird nicht eher beendet werden, als England seine Ziele der wirklichen militärischen Lage arrpaßt.

Tie militärische Lage bedeute ja geradezu eine Verhöhnung dieser englischen Phantasien.

* * *

Trotzdem noch offizielle Antwort!

In der amerikanischen Bundeshauptstadt Washing­ton erwartet man eine Mitteilung der maximalistischen Regierung in Rußland, die. wie man in politischen Kreisen Amerikas annrmmt, zu einer neuen Er­klärung über die Haltung der Alliierten Ver­anlassung geben wird.

Amerikas Kriegsmacht

im Urteil der Neutralen.

Je mehr Wunderdinge man sich bei den Völkern der Entente von dem amerikanischen Riesenheere ver­spricht, das im Laufe des Jahres das Sternenbanner über den blutigen Gefilden Frankreichs wehen lassen wird, desto skeptischer sind die Ansichten, die man in der neutralen Presse darüber liest. Die Holländer haben jedenfalls, wie ein Aufsatz imMaasbode" be­weist, von der amerikanischen Kriegsmacht keine allzu hohe Meinung. Die amerikanische Armee, so heißt es da, kann ihre Kriegserinnerungen allein in dem tierischen Vernichtungskriege gegen die Rothäute, in dem spanischen Krieg und schließlich in den noch jun­gen mexikanischen Angelegenheiten suchen. In dem letztgenannten Abenteuer hat die amerikanische Kriegsmacht eine r^cht traurige Rolle gsspielt.

Das amerikanische .Heer erlitt Schlappen, die ein eini­germaßen kräftiges Heer mit gutem militärischem Geist niemals so gleichgültig ertragen hätte, wie es die amerikanischen Truppen getan haben. Diese großartige

Kriegsmacht, die jetzt das Geschick Europas bestimmen soll.'mußte sich zweimal einer Handvoll mexikanischer Straucydiebe ergeben.

Die amerikanischen Offiziere haben sehr mit tech­nischen Scl wierigkeiten, vor allem mit mangelhafter Munition, zu kämpfen. Es klingt beinahe unglaub­lich, aber es scheint doch wahr zu schein, daß Amerika (U es sich an diesem Krieg beteiligte, kaum genug Pulver besaß, um von Zeit zu Zeit einen Salut­schuß abgeben zu können. Wahr ist jedenfalls, daß der a m c r t f a n i f ch c Marineminister, während sich das Land auf dem Höhepunkt seiner Munitionssabrikation befand, mit einer englischen Firma einen Kontrakt über Pulver- und Geschotzlieserungen abschloß. Die Gründe hierfür sind jedenfalls in der Beschaffenheit der amerikanischen Munition zu suchen. Letztere er- wies sich bei Untersuchung als derartig unbrauchbar, daß sie nicht weiter auf der Flotte verwendet wer­den konnte. Während eines Aufenthalts in Amerika hörten wir eine traurige Geschichte über amerikanische Kanonenkugeln, die an der englischen Front verwendet worden waren. Große Mengen dieser Munition, die die augrcifende Infanterie unterstützen sollte, explo- dierten zu früh und überschütteten die eigenen Trup­pen mit ihrem tödlichen Inhalt. Die weiter entfernt liegenden Schützengräben des Feindes blieben unver­sehrt. Außerdem hat General Pershing bei seinem Eintreffen in Europa ein Drittel aller mitgebrachten Munition als unbrauchbar erklärt.

Was von der amerikanischen Disziplin bekannt ist, gibt auch ein eigengrtiges Bild. So wurde bei­spielsweise während der mexikanischen Expedition die nationale Garde zur Front gesandt. Als sich in dem Transportzug keine Schlafwagen für die Offiziere vor­fanden, verließen diese am Abend den Zug und er­klärten, nicht eher weiterzufahren, als bis dem Man­gel abgeholfen wäre. Ein anderer Truppenteil fand die Verpflegung im Zuge während des Transports unzureichend. Auf irgend einer Station verließen daher alle Mannschaften den Zug, plünderten sämtliche Läden des Ortes und kamen einige Stunden später wieder zum Zug zurück, bereit, die Reise fortzusetzen. Selbst auf dem mexikanischen Kriegsschauplatz hörten diese Disziplinlosigkeiten nicht auf. Als einmal Offiziere das Lagerleben zu langweilig fanden, nahmen sie alle Militärautos aus dem Wagenpark und machten damit Fahrten in die Umgebung.

Vom U-Vootkrieg.

Wieder 36 00V Tonnen.

1. Am 22. Dezember 1917 hat eines unserer Unter­seeboote im Mittelmeer die Hochöfen und Schmelzwerke von Piombino wirkungsvoll beschossen.

2. Schneidigem U-Bootangriff sind im westlichen Mittelmeer 8 Dampfer und 3 Segler mit rund 36 000 Br.-Reg.-To. zum Opfer gefallen. Die Dampfer, die mit Ausnahme von einem beladen waren, fuhren sämt­lich in stark gesicherten Geleitzügen. Einer der Damp­fer hatte Munitionsladung für Italien; er ging fast augenblicklich nach dem Torpedotresser unter. Auch die übrigen Schisse waren überwiegend Transporter nach Genua. Ihr Verlust bedeutet für Italien einen gründlichen Ausfall an Kriegsmaterial.

Mit welcher Umsicht und Geschicklichkeit die Geleit­züge angegriffen wurden, zeigt die Tatsache, daß in einem Falle aus einem Geleitzug in 23 Minuten drei Dampfer herausgeschossen, in einem anderen ein aus zwei Dampfern bestehender Geleitzug versenkt und aus einem weiteren Geleitzug von 3 Schiffen im Doppelschuß 2 Dampser versenkt wurden.

Unter den versenkten Dampfern, die alle be­waffnet waren, befanden sich die italienischen Damp­ferAttnalita" (4791 Br.-Reg.-To.),Monte Bianco" (6968 Br.-Reg.-To ).

Zwer der versenkten Segler, darunter der italie­nische SchunerGivlio S." hatten Schwefel, der dritte Kohlen geladen. Während der Versenkung des einen Seglers wurde das U-Boot von einer Landbatterie ber Kap San Vito (Sizilien) beschossen, die Batterie jedoch durch das U-Voot zum Schweigen gebracht.

Trotzki in Brest-Litowsk.

Am Montag vormittag ist Trotzki mit den rus­sischen Friedensdelegierten in Brest-Litowsk einge­troffen.

Von diesen Männern, die in den letzten Tagen die verbissensten Reden gehalten haben über den Zwang, mit den deutschen Heerführern und Diplomaten ver­handeln zu müssen, erwartet nun Rußland den Frie­den. Diese russischen Friedensdelegierten haben sich nicht gescheut, die Verhandlungen in Brest-Litowsk am 28. Dez. durch eine falsche Darstellung in ein un­richtiges Licht zu setzen und es ist dadurch schwer ge­worden. mit ihnen überhaupt weiter zu verhandeln.

Noch ein zweiter Umstand macht die Lage ve* wickelt.

Tie Vertreter der Ukraine, des westlichen Teiles von Südrußland. die von der Zentralrada nach Brest-Litowsk gesandt sind, erkennen nicht die Rechte der Petersburger Regierung an, im Namen von ganz Rußland zu verhandeln. Soweit die Ukraine in Frage kommt, wollen sie selbst mit den Mittelmächten über den Frieden verhandeln. Seit meh­reren Tagen geschieht dies schon. Die letzte Nachricht über diese Verhandlungen ist vom 6. Januar und lautet :

Die Besprechungen mit der ukrainischen Abord­nung wurden heute in einer Vollsitzung, an der Be­vollmächtigte sämtlicher Vieröundrnächte teilnahmen,

darf hoffen, daß diese Verhandlungen zu einer Abmachung führen werden. Was im übrigen aus den neuen Verhandlungen in Brest-Litowsk wird, muß abgewartet werden. Für uns. die wir mili­tärisch die Lage völlig beherrschen, ist dies Warten mit keinen Schwierigkeiten verknüpft; für die Russen ist die Lage an der Front aber so, daß jede Verzögerung einer Lösung der Friedensfrage ernste innere Schwie^ rigkeiten für sie bringen mutz.

Mne russische Gefahr gibt es für uns nach maßgebender Auflassung unter keinen Umstän­den mehr, mögen die Brester Tage ausgehen wie sie wollen.

Ter Bürgerkrieg in Rußland.

Zum Bürgerkrieg meldet die Petersburger Tele- graphenagentur: In verschiedenen Gouvernements wur­den Attentate gegen die Sowjets verübt. Die Tomfler und Gardemangener Sowjetgebäude wurden während der Sitzung angezündet. Alle Löschoersuche waren ver­gebens. In Samara fand eine Explosion im Rathause, statt, wo der Sowjet tagte. Sieben Personen wurden getötet. In der Stadt wurde der Kriegszustand erklärt.

Kcrenstts Rechtfertigung vor der Konstituante.

Ter erste Revolutionsminister und Ententefreund Kerenski hat einen Bericht über seine Verwaltung ver­faßt, der ihn vor der neuen gesetzgebenden Versamm­lung rechtfertigen soll. Er beschreibt ausführlich die Lage au der Front während der Juniofsensive und Gründe für die Deportation des Zaren nach Tobolsk.

rein Bericht wird der Konstituante vorgelegt wer­den.

Tie Russen gegen die Rumänen.

Ein bolschewistisches Militärblatt veröffentlicht einen Aufruf gegen die rumänische Regierung:Die Russen sollten ihr nicht materielle Hilfe liefern, son­dern die reaktionäre Regierung stürzen."

Diesem Aufruf zufolge ist die Moldau in ein einziges Lazarett und in einen großen Kirchhof ver­wandelt. 200 000 Menschen sind an Typhus erkrankt. 80 000 daran gestorben. Die Dörfer werden menschen- leer. *

Offener Zwiespalt an der rumänischen Front.

AuS Petersburg berichten die Bolschewiki:

Die in Odessa eröffnete Konferenz der Arbeiter- u n d S o l d a t e n r Ü t e der rumänischen Front nahm folgende Entschließung an:

Die Versammlung der Vertreter der gesamten ru­mänischen Front erkennt nicht das Hauptquartier TfcherbatfchewS an und stellt fest, daß die ukraini­schen Kommissare, die die Gewalt in Händen haben, von Rumänen unterstützt werden, die den rus­sischen revolutionäre n Truppe n feindlich gesinnt sind. Tie Versammlung hält eine solche Lage für die Revolution gefährlich. Die Versammlung be­fiehlt allen Heeresausschüssen, bis zur Ergreifung an­derer Maßnahmen die Gewalt zu übernehmen und die rumänische Front von den Gegenrevolutionärcn zu säubern, die die revolutionäre rumänische Front verderben.

Als Protest gegen diese Entschließung sind acht­zig Ukrainer abgereist, die zur Rada halten. 220 sind Bolschewiki oder Revolutionäre der Linken. Die Ent­schließung wurde mit 800 gegen 240 Stimmen ange­nommen. Die Armeen an der rumänischen Front sind mit ihrem Ersten Ausschuß vollkommen auf Seilen der Sowjets.

Tie Sozialdemokratie

l>at am Sonntag in der Fraktionssitzung im Reichs­tage folgenden Beschluß gefaßt:

Angesichts der Vorgänge in Brest-Litowsk und des Ansturms der Annexionisten gegen das Selbstbe- sttmmungsrecht der Völker erklärt die sozialdemokra­tische Reichstagsfrakrion erneut, daß ein freundnach- barlichcs Verhältnis und ein dauernder Frieden nur möglich ist bei ehrlicher Durchführung des demokra­tischen Grundrechts der Selbstbestimmung der Völker.

Tie sozialdemokratische Reichstagöfraktion fordert deshalb, daß den beteiligten Völkern die freie voll­kommen unabhängige Willenserklärung garantiert wird

Tic letzte Entscheidung über die innere und äußere staatsrechtliche Gestaltung der in Betracht kommen­den Gebiete muß verfassunggebenden, aus allgemeinen gleichen, direkten und geheimen Wahlen hervorgegan­genen Landesversammlungen oder Volksabstimmungen überlassqn werden.

Tie sozialdemokratische Reichstagssraktion billigt einmütig das Verhalten ihrer Vertreter im Hanpt- auSschuß und ist entschlossen, jedem Mißbrauch des SelbstbesttmmungsrechtS zum Zwecke verschleierter An­nexionen mit Entschiedenheit entgegcnzutreten "

Die letzten Zeilen gibt derVorwärts" in ganz dicker Schrift wieder.

* * *

Russische Streiflichter.

Eine Schwarzcmecr-RcputNik, die sich wohl auf die Bezirke Odessa und Sebastopol stützt, ist von den dortigen Marimalisten gebildet worden.

- Der Petersburger Stadtkommandant. Stabskapi- täu Kasantjew, wurde nach zehntägiger Amtausübung verhaftet. Die Gründe sind unbekannt.

- Wie derMatin" berichtet, hat die Entente die ukrainische Republik anerkannt. Die Entsendung eines Botschafters nach Kiew wird als bevorstehend angesehen.

Allgemeine Kriegsnachrichten.

Friesensfreunde ins Gefängnis.

Wie der MailänderSecolo" au? Rom meldet, sind der Parteisekretär der s oz i a li st l, ch e n Partei. Lazzart, und der Sozialist Cavalrert wegen Propa­ganda gegen den Krieg angeklagt worden,

'Amerikanische Werber in Rumänien.

In Jassy traf eine amerikanische Militär,nission ein, um russische Offiziere und Soldaten für den E.n- tritt in das amerikanische Heer zu werben. n' Galatz ist für den gleichen Zweck ein amerikanische- Bureau eingerichtet.

Sarrail traf in Paris ein.

Frankreich fühlt selbst, daß es nach dem Umschwung der Dinge in Rußland viel Grund hat. sich -u Äng­stigen. 3u der Angst vor einer deutschen Generaloffen­sive im "Westen, die seit Wochen die französische Prefle beherrscht gesellt sich die Angst um das französische Sorgenkinds die Saloniki-Expeditton Im -Journal vom 21. Dezember schreibt Edouard Helsey, man müsse

einen deutschen Handstreich gegen Galoniki

befürchten. Die Lage auf dem Balkan sei snr me