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( Gemeindeblatt für die evangelische Rirchengemeinde Gießen
Nr. 51 Gießen, -1. Advent, den 22. Dezember 191$ 7. Jahrgang.
Deutsche Weihnacht.
Evangelium des Johannes 6, 08. Herr, wohin sollen wir gehen? Tn hast Worte des ewigen Lebens, und wir haben geglaubt und erkannt, das; du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
Ludwig Richter, der im Jahre 1883 dahingeschiedene „Maler des deutschen Hauses", hat uns zwei Holzschnitte geschenkt, die das deutsche Weihnachtssest in reizvoller, sinniger Weise darstellen. Ans dem ersten dieser Bilder tragen Engel vom Himmel herunter aus die Erde einen Christbanm, andere Engel schütten ihre Gaben ans. Oben leuchten die Sterne, unten ruht die stille Stadt. Tie mehrstöckigen Häuser haben spitze Giebel, wie man dies aus dem Marktplatze in Gießen und vielfach auch in Marburg sieht. Hinter den Fenstern erglänzt' Lichtschein, einsam wandelt ein Mann eine Treppe herunter, die wohl den Aufgang zu einer Kirche bildet. Noch mehr spricht das zweite Bild zu unseren Herzen. Ans einem Turmumgange ist eine Chorschnle versainmelt, die unter der Leituirg des alten Kantors, begleitet von einigen Musikanten, 'Weihnachtslieder singt.! Wunderbar ist das alles an gefaßt: der Turm mit Drachenköpfen und Wasserspeiern, darunter die Häuser des alten Städtchens. Reizend sind die Kindergesichter, die hinter Windlichteril und Kerzenstümpfchen erscheinen, der alte „Thurnmann", wie man früher auch hier gesagt und geschrieben hat, hat eine Laterne in der Hand, ans dem Fenster seines Stübchms schaut eine Frau heraus, die ein Kind auf dem Arme hält nnd unverkennbar die Züge der Maria trägt. Man glaubt den Klang der Posaunen und die Kinderstimmen zu hören, lvie sie hell nnd froh hinaus in die Nacht singen: Vom Himmel hoch, da komm ich her.
Ost mag der Künstler in Meisten, wo er lange Jahre wohnte, das Bild, das er hier wiedergibt, vor Augen gehabt haben. Aber er hat nicht nur gezeichnet, was seine Augen gesehen haben, er hat in den Holzschnitt seine fromme und reine Seele hineingelegt. Deshalb konnte er so schöne Bilder von der Geburtsnacht des Heilandes geben, weil er selbst an den Heiland von Herzen glaubte. Als er im Jahre 1824 zu seiner Ausbildung in Rom weilte, war der Glaube an Jesus in seiner Seele erwacht. Tagelang vor dem Feste hatte ihn das Heimweh bewegt, einsam brachte er den ersten Christtag zu.
Als er abends die Glut m seinem Feuer schürte, durchströmte ihn eine seltsame, aber glückliche und sriedevolle Stimmung. Sein ganzes Leben trat ihm vor Augen, und er glaubte in allen Führungen die unsichtbare Hand Gottes zu erkennen. Dankbar faltete er die Hände und betete, wie er lange nicht mehr gebetet hatte, Gottes Geist arbeitete an seinem Herzen. So kam der Silvesterabend heran, er verbrachte die Nacht, da sich die Jahre schi den, mit drei Freunden. Als Richter als alter^Mann seineWebeuserinnernngen niederschrieb, konnte er sich nicht mehr im einzelnen entsinnen, was damals gesprochen worden war, aber das wußte er noch: seine Freunde hatten den Mittelpunkt ihres Lebens in Christus, davon sprachen sie in jener Nacht, und in ihrer Gemeinschaft wurde dieser Glaube auch in seiner Seele wach, um fortan das Glück seines Lebens anszumachen, in Jesus fand er Anschluß.an eine ewige, unvergängliche Welt.
Nur wer diesen Anschlust gefunden hat, nur wer mit Petrus erkannt hat, daß Jesus der Sohn des lebendigen Gottes ist, feiert ein rechtes deutsches Weihnachts'est. Daß man sich! mit etwas Stimmungszauber umgibt, tut es nicht, am allerwenigsten in dieser Zeit mit ihrem furchtbaren Ernste. Wer aber Jesus hat, der sieht getrost der Zukunft entgegen, wissend, daß größer als Völkersturm, Unruhe, Armut und äußerer Druck die Seligkeit ist, die arme, wandlermüde Menschen in der Gemeinschaft mit Jesus finden. -H.B.
MeineDo-sßemein-eund-ieRevolution. .
Man hat im Verlauf des Krieges gar manchmal und von den verschiedensten Seiten aus mit Recht die starke Spannung betont, die zwischen Stadt und Land herrscht.
Es hat auch nicht an mannig'ach.n, durchaus wohlgemeinten Versuchen ge ehlt, diese Spannung ouszugleichen oder vollständig zu beseitigen. Und nun, am Ende des Krieges,
I das Resultat all dieser Bemühungen? Es ist niederdrückend schlecht. Zwischen Denken und Fühlen be§ Bauern nnd des Städters liegt nun einmal eine tiefe Kluft, die vielleicht die Zukunft und dann auch nur das Bewußtsein eines gemeinsamen Unglückes überbrücken wird. Gewiß, Stadt und Land haben den Krieg erlebt, jedes in seiner Weife: die Stadt mehr aktiv, mehr in den Dingen und ihrem Geschehen stehend nnd darum auch lebhafter von ihnen berührt, das
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