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fester v erankert ist im Volksleben, als sie denken. ,Man hat klugerweise die ungestörte Mitwirkung des bisherigen Beamtenapparates in Anspruch geuommen für die Fortführung^ der staatlichen Verwaltung, und dieser hat in nationalem Interesse restlos durchs gehalten und nicht verjagt. Warum will mau da die Kirche plötzlich ausschaltcn?
Es wäre das nicht nur eine verhängnisvolle llnklngheit, sondern auch eine grobe Ungerechtigkeit. Tie Kirche hat besonders denen gedient, die mit Not und Leid- des Lebens ringen. Ist davon nichts mehr zu spüren gewesen, in den vergangenen Jahrzehnten oder gar in der harten Kriegszeit? Tie längst veraltete und in ihrer Allgemeinheit von jeher unberechtigte Idee, als ob die Kirche eine gehorsame Dienerin kapitalistischer Interessen gewesen sei oder jemals habe sein wollen, sollte inan getrost der Vergessenheit anheimgeben. Aber die Pfarrer sind allezeit gern ein Moment des Ausgleichs gewesen zwischen reich und arm. Sie haben unermüdlich die Not gestillt, wo sie in ihren Gesichtskreis kam. Es wäre eine große Ungerechtigkeit, sie jetzt sozusagen brotlos zu machen, weil sic Diener der Barmherzigkeit waren und von Amts wegen sich ihr Leben lang bestimmen ließen, selbstlos zn handeln.
Nun neiden viele der Kirche ihre seitherige staatliche Dotation und halten sie dem Prinzip nach für völlig ungerechtfertigter Natur. In Preußen betrug der Dotations- zuschuß für die evangelische Kirche rund 28 Millionen Mark jährlich — das war alles, und was ist das gegen die rund 180 Millionen, die mit Recht für das Volksschulwesen eingesetzt sind? In Hessen betrug der jährliche Zuschuß des Staates nur 300 000 Mark. Hat denn die Kirche diese Dotation für abstrakte religiöse Interessen verwendet oder gar nutzlos vergeudet? O nein, sic hat sie, und noch viel mehr als sie, von jeher in den Dienst des Volkswohls gestellt. Für die allgemeine Wohlfahrtspflege (für Arme, Kranke, Arbeitslose, sittlich Gefährdete, Ent-, gleiste, körperlich Bedrückte, Krüppel und allerlei Elende) hat die evangelische Kirche Deutschlands nach den Berechnungen eines Kirchenstatistilers jährlich weit über 100 Millionen aufgewendet, etwa 4 — 5 mal so viel, als ihre Dotation ausmacht. Tie Etats unserer Tiakonissenhäuscr belaufen sich insgesamt auf etwa 11—12 Millionen jährlich. Es wird kaum eine Meuschenseele im Lande sein, der niiM irgendwann einmal durch milden SchwePcrndienst Hilfe und Trost geworden ist. Unsere Feldgrauen werten davon zu erzählen wissen. Etwa 13 000 Schwestern standen in der Verwundetenpflege. Alles, was in den letzten Jahrzehnten ganz allmählich. Arbeitsgebiet der allgemeinen Wohlfahrtspflege geworden ist oder erst zu werden im Begriff steht, z. B. die Fürsorge für die Arbeitsbeschränkten, die Blinden, die Taubstummen, die Vorbestraf
ten, die schwer Erziehbaren, die Epileptischen u. a., das ist schon seit fast einem Jahr- ! hundert Arbeitsgebiet der Kirche gewesen. - Zwei Drittel aller Krüppelheime in Deutsch land werden heute noch von der Kirche erhalten. Innere Mission — nennt man diese selbstlose aufopfernde Arbeit für das Gemein- r wohl, lieber 300 Geistliche und wohl zehn- ! mal so viel Hilfspersonen stehen in ihrem : Dienst. Die Innere Mission ist das Gewissen des Staates gewesen, seine stete Mahnerin, j sich der Bedrückten und Enterbten anzunehmen. Sie hat der sozialen Gesetzgebung die ! Bahn gebrochen und die Wege gewiesen und j zeigt ihr heute noch die Ziele. Unsere Arbeiter-Versicherungsgesetzgebung ist nach dem Bekenntnis ihrer Urheber, wenn auch staat- l lich geschaffen und geregelt, so doch ein Produkt und Erweis praktischen Christentums. I Auch im sozialen Staat, der die Fürsorge für die Enterbten vielleicht umfangreicher aus- I üben wird, als sie seither geschah, bleibt der ; Kirche noch ein weites Arbeitsgebiet. Unser Volk müßte verbluten an den Wunden .des modernen Erwerbslebens, wenn die Kirche i aus dem Gefüge des Kulturlebens hcraus- gewiesen oder mattgesetzt würde.
Religion ist Privatsache. Religiosität ist ! das, etwas rein Persönliches. Nein, die Re- ! ligion ist ein Külturfaktor, ein Halt für i Hunderttausende und etwas Belebendes im Staatsgefüge. Tie Kirche ist Pflegerin des ; religiösen Lebens, nicht etwa nur Hüterin ! der religiösen Lehre. Sie sagt es ihren Glie- ! dern unermüdlich: „Tri sollst Helsen und die- l neu rmd aufrichten, nicht sammeln und un- f terdrücken und herrschen!" Sie wegzuweisen : aus dem Volksganzen, wäre ein Schlag wider j das Volkswohl. Gewiß — neue Zeiten er- , fordern neue Ordnungen und andersartig«! Gestaltirngen. Dafür gebe man Zeit, der Kirche lasse man Frist, sich auf die Neuordnung einzustellen, ihrer Vertretung gebe man ! Raum, Vorschläge zu machen und zu hören. Und vor allem, man behandle sie auch, in der f Zukunft nicht als Volksfeind. Tie Kirche l ist in Wahrheit einer der andauerndsten und ! selbstlosesten Volksfrennde, die das deutsche Volk jemals gehabt hat.
Geschichten und Bilder aus Alt-Giehen.
12. Der Zug des Todes im
Dreißigjährigen Kriege.
a Hinter uns liegen vier Jahre und fünf f Monate, die man als eine Zeit des großen Sterbens bezeichnen kann. Furchtbar hat der Tod in allen europäischen Ländern gewütet, furchtbar auch unter dem deutschen Volke. Auf das tiefste beklagen wir, daß Hundert- , tausende lebenskräftiger Männer vor dem Feinde gefallen oder Verwundungen und Krankheiten zum Opfer gefallen sind. Auch in der Heimat haben die Sterbeglocken sehr oft. geläutet, wir brauchen nur auf unsere Friedhöfe zu geheu, um an den vielen neu
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