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lärmten sie sich durch die Grabwand wieder miteinander unterhalten. Nun stehen schon ahre Kinder auf der Höhe des Lebens, oder rhr Weg neigt sich bereits zum Tale, und ihre Eukelsöhne sind für das Vaterland ge­fallen.

Verschieden sind in dem alten wie in dem neuen Teile des Friedhofes die auf den Grab­steinen verzeichneten Lebensfristen, die den (einzelnen gesetzt waren. Auf einem Grabe lese ich:Geboren 1817, gestorben 1910" auf einem anderen:Geboren 1795, gestor­ben 1875". Aber es heißt auch:1860 bis 1861" und1915 bis 1916". An den Grä­bern der Alten denke ich an das Wort des Propheten Jesaia: Ich will euch tragen bis in das Alter und bis ihr grau werdet, ich will es tun, ich will heben und tragen und erretten. An den Gräbern der Kinder taucht Uhlands Vers in der Erinnerung auf: Du kamst, du gingst mit leiser Spur, ein flücht'-- ger Gast im Erdenland. Woher, wohin? Wir wissen nur: aus Gottes Hand, in Gottes Hand.

Die Gräber der Söhne der Gemeinde, die dem furchtbaren Weltkriege zum Opfer ge­fallen^ und' in der Heimat zur Ruhe gekom­men sind, hat man an einer besonderen Stelle. des Friedhofes angelegt. Da ruhen sie nun aus von ihren Zügen in ferne Lande, in die sie in Friedenszeiten wohl niemals ihren Fuß gesetzt hätten, sie ruhen aus von Kampf chnd Sturm und Völkerstreit. Ihr junges i Leben haben sie zur Verteidigung des Vater-! landes hingegeben, reiche Hoffnungen haben! sie mit hinunter in das Grab genommen.

Schließlich stehe ich wieder an der Pforte und- schreite hinaus auf die Sttaße. Bei den Toten habe ich eine Stunde geweilt, es ist leine verlorene Stunde gewesen. Sie hat mir die Nichtigkeit aller Erdendinge ge­predigt, aber auch das Heilandswort in die Seele geprägt: Eins ist not. Not ist, daß inan in dieser Welt der Vergänglichkeit, der Eitelkeit und der Lüge einen festen Halt ge­winnt, daß man sich mit dem in unlösbare, Verbindung setzt, der allein über der Erde Leid und Vergänglichkeit hinaus!,ebl. Das ist Jesus, der Lebensfürst und Todesüber- winder, der Heiland, der uns das ewige Le­ben gibt. Christus ist mein Leben, und Ster­ben ist mein Gewinn. H. B.

Aus alten papieren.

Beim Ordnen alter Papiere fielen mir zwei Briefe in die Hand, die vor mehr als 40 Jahren geschrieben worden sind. Ten er­sten dieser Briefe hat meine im Dezember 1875 Hein:gegangene liebe Schwester an den Pfarrer der dcutschi-evangelischen Gemeinde zu Florenz Liz. theol. Karl Roenneke (später Pfarrer und Superintendent zu Gommern, Provinz Sachsen, dahingeschieden am 21 September 1914 zu Magdeburg) gerichtei, als er seine junge Frau durch den Tod ver­loren hatte. Ter zweite der hier in Betracht

kommenden Briefe ist am 10. März 1876 von Roenneke an mich geschrieben worden nachdem dieser von dem Hinscheiden meiner Schwester erfahren hatte. Ta ich annehme daß diese alten vergilbten Briefe manchem der in diesen Tagen Trauernden eine Auf­richtung sein können, so teile ich sie hier in ihrem hauptsächlichsten Inhalte mit.

Baronin R.

1 .

Die erste Zeit ist ja nicht die schwerste o nein, da beherrscht uns noch der Tank für die endliche selige Erlösung von den lan­gen schweren Leiden, unter denen wir selbst so unsäglich! mitlitten, ohne sie lindern zu können; da sind wir gleichsam mitgepilgett bis an die Pforte des Himmels, und ein Ltrahl von dem Verklärungsschimmer, der »ach vollbrachtem Kampf auf dem bleichen Antlitz ruht, ist auch! in unser Herz gefallen und erfüllt es mit wunderbarer Ruhe Aber das himmlische Licht verblaßt allmählich, wenn nun die Wirklichkeit wieder in ihr Recht tritt und ihive harten Anforderungen stellt. Tann kommt die furchtbare Leere um uns und in uns, die schreckliche Einsamkeit, wo tausend Stimmen wach werden, wo die Sehnsucht -des Herzens sich nicht mehr will stillen lassen. Anstalt die selige Vorahnung des 'ewigen Friedens zu fühlen, Wmpft mau mrt dem Tagewerk, das als schwere Last auf den müden Schultern ruht, mit den: rebelli­schen Herzen, das sich nicht will trösten lassen, mit bangen Fragen und Zweifeln, mit hoffnungslosem Trauern. Es ist ein 'mühseliger Weg durch die Wüste, und die Oasen stiller Ergebung sind so selten: das eigene Glanvensleben wird ans die härteste Probe gestellt. O mein Gott, wie schwer, wie schwer ist das! Und doch zieht der Herr mit uns, das Rote Meer der Trübsal muß sich teilen vor seinem allmächtigen Wort, und ob die Wogen rechts und links wie Mauern stehen, ob es uns fast unmöglich scheint, daß ste nacht über uns herfallen und uns be­graben sollten, er führt uns doch sicher hin- durch. Und wie lernt man ihn erst kennen in solcher Zeit! Wie erfährt und erlebt man das Wort: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Mit welcher sanften, barmherzigen, geduldigen Liebe begleitet er uns, er wird nimmer müde zu tragen und aufzurichten. Und wie leuchteiad und herrlich treten einzelne seiner gnadenvollen Ver­heißungen auf dem dunklen Leidenswege her­vor! Das 11. Kapitel im Evangelium des Johannes ist mir da oft ein großer Trost gewesen, da teilt der Herr so eingehend und menschlich lief den Schmerz des trauernden Herzens, und zugleich offenbart er sich >o herrlich als der Sieger über Grab und Tod, über diesen letzten und bittersten Feind der Menschheit....

In jedem wirklich tiefen Schmerz steht ' ! man einsam da, und selbst die dem Herzen