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Urigeit: Friede, Friede, beide, denen in. der Ferne und denen in der Nähe, spricht der Herr, und will sie heilen."

Dekan G u ß m a n n - Kirchberg.

8. Die Arbeit auf dem Gebiete der Inneren Mission.

Zum ersten Mal in der Kriegszeit konnte unser Dekanat wieder ein Jahresfest für In­nere Mission feiern. Es war am 17. Sonn­tag nach Trinitatis, am 30. September, zu Annerod. Tie Festpredigt hielt der damalige Vereins-Geistliche, Pfarrer Memmert, jetzt in Ober-Widdersheim, über 1. Samuclis 7, Vers 12:Samuel nahm einen Stein und setzte ihn zwischen Mizpa und Sen und hieß ihn Eben-Ezer und sprach: Ms hierher hat uns der .Herr geholfen." Einen kurzen Ueberblick über unsere Missions-Arbeit im Dekanate gab der Unterzeichnete, die Fest­kollekte betrug 54 Mk. Ter Besuch des Gottesdienstes, auch von unswärts, war gut, ein heller sonniger Septembertag gaB den äußeren Rahmen ab.

Der Oberhessische Verein für Innere Mission feierte sein Jahresfest, entgegen! langjähriger Gewohnheit, bereits am 18. September mit einem Haupt-Vortrag des Professors vr. von Wurster von Tübingen über _ die Fragen:Was muß die Inner» Mission nach dem Kriege besser machen als vorher?" Als verbesserungsbedürftig wurde alles bezeichnet, besonderes Gewicht wurde! gelegt auf mehr Einheit in der Organisation und auf die Volksmission in Form der Evan­gelisation.

Tie Festpredigt in der Stadtkirche hielt ebenfalls Prof, von Wurster. Die Ver­sorgung der oberhessischen Lazarette mit Blättern und Schriften erbaulich-religiösen Inhaltes hat unser oberhessischer Verein nach Maßgabe seiner Mittel fortgesetzt. In Gießen wurde ein Versuch zur Abhaltung von Männer-Abenden gemacht, an denen wichtige Zeitfragen religiös beleuchtet und besprochen werden sollten. Soviel uns be­kannt, haben sich die Besprechungen in klei­nem Kreise abgespielt.

Auf unserem Haupt-Arbcits-Gebiet, in der Fürsorge- und Erziehungstätigkeit haben sich die bereits in: letzten Bericht beklagten Schwierigkeiten unter dem Einfluß des Krie­ges noch weiterhin erheblich gesteigert. We­gen der Preissteigerung für Kleidung und Icahrung und wegen der Knappheit an Le­bensmitteln wollte auch- der kleine und mitt­lere Bauer Fürsorge-Zöglinge nicht mehr annehmen, zumal manche Verbände sich zu emer einigermaßen hinreichenden Erhöhung des Wegegeldes noch immer nicht ent- schlreßen können, sondern sich auf grundsätz- nche Bedenken berufen. Ein Trost liegt nur darin, daß auch andere Dekanate unter den­selben Schwierigkeiten leiden, wie z. B. die Dekanate Grünberg und Schotten, welche

seither an Pflegestellen fast keinen Mangel hatten. Much sie vermochten nur noch Mäd­chen etwa vom 6. Lebensjahre ab untcrzu- bringen. Es scheint, als ob die Erziehung eines Mädchens weniger Schwierigkeiten be­reite, als die eines Jungen.

Tie Unterbringung von Stadtkindern in Unseren Landgemeind«: stand im vorigen Jahre im Zeichen der ersten Liebe und frischen Begeisterung, hat aber gleichzeitig allem Anschein nach gleich ihren Rückschlag und jähen dlbschluß erlebt. Der Gründe sind mancherlei: Neben den falschen Voraussetzun­gen, mit denen man die Kinder zu uns schickte, als ob bei uns eitel Milch und Honig flösse, war es zuweilen auch der Mangel an Zucht, der zu unerwünschten Auseinander­setzungen zwischen den Gastgebern und den jugendlichen Gästen geführt hat. Es darf doch wohl gesagt werden, daß das größere Maß an Zucht und Gehorsam und Arbeits- Willigkeit bei unseren Landkindern liegt. Und schließlich haben die allgemeine Verärgerung und der Versuch einer Zentralisierung von oben bei unseren Landleuten den letzten Rest von Willigkeit, in dieser Sache noch mitzutun, zerstört. Unseres Wissens sind es nur zwei Tekanatsgemeinden: Lang-Göns und Kirch-Göns, welche auch in diesen! Jahre Stadtkinder in nennenswerter Zahl bei sich ausgenommen haben. Sonst sind nur da und dort die kleinen Gäste aus dem vorigen Jahre als Ferienkinder für 5 6 Wochen wieder­gekehrt.

Unsere Gemeindeblätter bestehen nach wie vor in Segen weiter: DerSonntagsgrnß" in Gießen, dasKriegsbrot" in Lang-Göus und derHeimatgruß" in Treis a. Lumda. Tie beiden letzteren, die jedem Soldaten un­entgeltlich zugcsandt werden, haben es soweit gebracht, daß sie sich durch den Erlös aus verkauften Nummern und dre reichlichen Spenden aus dem Felde selbst erhalten. Das will schon etwas bedeuten. Betragen doch die Kosten für die zwei Ausgaben desKriegs­brotes" in 1917 350 Mark! Aber das Blatt hat auch eine gute Stütze am Hilfsvereiih Lang-Göus, der über so reichliche Mittel ver­fügte, daß -er sogar 500 Mark für Kriegs­anleihe zeichnen konnte. Es läßt sich leicht denken, daß durch den Inhalt dieser Kriegs­blätter manches Band des Vertrauens und der Liebe zwischen unseren Feldgrauen und der Heimatgcmcinde geknüpft wird, das un- sern Kämpfern an der Front zur Erfüllung ihrer immer noch harten Pflichten nützlich und förderlich! ist. Mögen die Herausgeber dieser- Blätter in diesem Bewüßtsein ihren! schönsten Lohn finden!

Tie Leistungen der Dekanatsgemeindien für die Aufgaben der Inneren Mission sind erfreulicherweise wiederum gestiegen, nämlich von 3474 Mark in 1916 auf 3905 Mark in 1917. Pfarrer G r o t h - Rödgen.

(Schluß folgt.)