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Bahnhof benachbarten Straßen, sondern auch die beiden Schoren vom Selters- bis zum Neuenweger und Ncustädter Tor begossen. Zum Füllen des Gießfasses wurde die an den Fabrikgebäuden der Gebrüder Homberger befindliche Sangpumpe aufgestellt.
Die ansgestorbene hessische Adelsfamilie v. Wrede besaß in Klein-Linden die dortige sogenannte Burg. Dieses Gebäude mit dein dazugehörigen Gut ging nach dem Tod des letzten Agnaten jener Familie, des im Jahre 1808 hier verstorbenen Hofgerichtsassessors v. Wrede, durch öffentlichen Verkauf auf Bewohner von Klein-Linden über, und in der Burg wurde seither Wirtschaft getrieben. Das'ohne Zweifel.schon mehrere Jahrhunderte alte Gebäude war allmählich baufällig geworden und am 16. Februar d. I., abends gegen 8 Uhr, stürzte der westliche Flügel, wahrscheinlich infolge Erschütterung durch vorausgegangenen Sturm, ganz plötzlich zusammen, die iin dritten Stock wohnende Familie eines Bergmannes unter den Trümmern begrabend. Der Vater und drei Kinder, unter diesen ein Säugling, den die Mutter gerade im Arme hatte, blieben unverletzt, aber zwei Kinder, ein Knabe von 9 und ein Mädchen von 6 Jahren, wurden als Leichen und die Mutter und eine Tochter von 14 Jahren wurden schwerverletzt unter den Trümmern hervorgezogen.
Im Juni übersandte Freiherr von Eber- stcin in Nordhausen dem Stadtvorstand das Bildnis seines Ahnherrn, des ehemaligen Landgräslich Hes sen-Ta rm st ä d ti schen Generalleutnants und Kommandanten der Stadt und Festung Gießen von 1644—1647 Ernst Albrccht von Eberstein. Das Bildnis ivurde im Sitznngssaale des Rathauses aufgehängt.
Am 21. August hielt der oberste Kriegsherr des norddeutschen Bundes, König Wilhelm von Preußen, der nachmalige Deutsche Kaiser, auf dem hochgelegenen Feld zwischen Klein-Linden und Mendorf eine Truppenschau über das Gießener Regiment, das Friedberger Jägerbataillon, die Butzbacher Chevauxlegers und eine Abteilung Artillerie ab. Der König kam von Frankfurt, kehrte nach der Besichtigung nach Gießen zurück und fuhr wieder nach Frankfurt.
In der Nacht vom 12. auf den 13. Februar wütete hier ans Südwest ein orkanartiger Sturm von solcher Heftigkeit, wie er seit Jahren nicht beobachtet worden war. Tie eigentümlichsten und auffallendsten Naturerscheinungen dieses Jahres waren aber die häufigen Erdbeben in unserer Gegend. Hauptsächlich waren diese Erschütterungen in Großgerau und Nachbarschaft zu spüren. In Gießen wurden am Abend des 31. Oktober gegen 6 Uhr und in der Nacht zum 1. November, morgens zwischen 4 und 5 Uhr, sodann am Abend des 2. November, um 9 Uhr 25 Minuten, Schwankungen der Erde von Westen nach Osten wahrgenommen, die mitunter so stark waren, daß sich in den Zimmern die leichteren Möbel und sonstige Ge
genstände bewegten. Auch später bis Mitte Dezember kamen hier diese Erderschütterungen vor. Am meisten, wie schon berichtet, wurde Großgerau hiervon betroffen. Dort war augenscheinlich der Herd der Erdbeben, sie begannen dort auch Ende Oktober und dauerten bis zum 16. Dezember. Tic Bewohner dieser hessischen Kreisstadt lebten fortwährend in Angst. Biele waren geflüchtet, andere brachten wenigstens die Nächte in dem benachbarten Tarmstadt und Mainz, wohin sie abends mit der Eisenbahn fuhren, zu. Wieder andere hatten die Nächte auf der Straße mtb auf dem Felde in Chaisen und Zelten zugebracht. Man hat dort über 90 herabgestürzte Schornsteine gezählt, viele Dächer sollen beschädigt worden sein, an einzelnen Gebäuden sollen sogar Wände gesprungen sein.
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Ein Ausstreben auf allen Gebieten des Lebens, das ist es, was die Aufzeichnungen, die hier ihr Ende erreicht haben, uns vor Augen stellen. Der Bruderkrieg von 1866 konnte diese Enttvicklung nicht hemmen. Man erschließt dem Verkehr neue Wege, legt neue Straßen an, errichtet öffentliche Gebäude und bewilligt auch Mittel zur Hebung des kirchlichen Lebens. Mit dem Streben nach Fortschritt verbindet sich alter Bürgerstolz und lebhaftes Gemeingefühl. Das erhöhte Lebensgefühl tut sich in den vielen Festen krind, die man feiert. 'Oft ist die Stadt mit Fichten und grünem Laubge- ivinde geschmückt, ein äußeres Zeichen dafür, daß sic sich auf gesunder Grundlage weiter entwickelt. Und nicht nur für die hessische Universitätsstadt, sondern für ganz Deutschland war es damals eine gute Zeit. Wo ist diese Zeit jetzt hingekommen? H.Bz.-,,<
Zeebrügge J9U.
Friedliche Erinnerungen von Pfarrer Wilhelm H o s f m a n n.
Vor mir stehen einige Nippsigürchen in Delfter Art, ein Fischerpärchen mit der Aufschrift: Zeebrügge. Und in meinem An- sichtskartcnalbum finden sich einige Postkarten — gar nicht schlechte —, deren man 5 Stück zu 10 Centimes zu kaufen pflegt, ans Zeebrügge: Oe sdmaphore Ger Seelele- graph), vue gdnferale du Mole (longeur 28 -o m, lareeur 70 m. tenips de construction 1"97 - 1907), ferner bätimeuts des differents serviles de l’etat, le nouveau quartier, einige meist schmalsrontige, dreistöckige eng aneinander gebaute Häuser, mehr kascrnen- als kunstmäßig. Tie übrigen Ansichten, unter denen mir noch le Phare (der Leuchtturm) erinnerlich ist, werden wähl in die Hände guter Freunde und lieber Verwandten gewandert sein, die sic gut aufheben mögen, wenn sie sie noch haben. Tenn ich glaube wohl: die Andenken an Zeebrügge werden gegenwärtig rar sein und die Sehenswürdigkeiten selbst sehen sicher jetzt anders aus als damals, wo sie ausgenommen ivurden. Ich


